Auswandern

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Mein größtes Geschenk: täglich aufs Meer gucken!

Salam, Hallo und Merhaba allerseits,

ich weiß nicht, wie viele Anläufe ich inzwischen gemacht habe um das Bloggen wieder aufzunehmen – zu viele jedenfalls, die praktisch sofort wieder eingeschlafen sind. Ich war einfach zu beschäftigt mit vielen anderen Dingen. Aber jetzt habe ich eine Entscheidung getroffen, über die es, so denke ich, einiges Interessante zu berichten gibt: ich werde ganz in die Türkei auswandern.

Also eigentlich bin ich ja schon ein Jahr überwiegend hier. Gestern hatte ich „Jahrestag“: Am 29.1.2018 bin ich hier eingezogen. Aber nun musste ich meine Wohnung in Bremen, die noch untervermietet ist, leider zu Ende März kündigen. Meine Untermieterin zieht aus, der Vermieter möchte auch keine neue Untermiet-Genehmigung erteilen. So muss ich mich leider von diesem wunderbaren Zufluchtsort trennen. Denn das war diese Wohnung für mich: 2015 hatte ich das  Glück in das ganz besondere Aalto-Hochhaus in Bremen zu ziehen, ganz nach oben in den 21. Stock. Ich habe diese Wohnung geliebt und sie kam zu einem Zeitpunkt zu mir, als ich mich von einer Trennung erholen musste und war genau das, was ich gebraucht habe.

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Aussicht aus dem Aalto-Hochhaus in Bremen

Aber nun, das Leben und die Liebe gehen weiter und bringt unerwartete Wendungen mit sich. Ich habe wieder geheiratet – auf islamische Art – und mein Mann hat vor einem guten Jahr diese Wohnung an der türkischen Riviera gekauft, in der ich jetzt lebe. Da er im Gegensatz zu mir noch im Berufsleben steht, führen wir eine Fernbeziehung, d.h. wir pendeln relativ häufig zwischen Deutschland und der Türkei und haben da inzwischen einen Rhythmus, mit dem wir ganz gut zurechtkommen. Wir haben viele Pläne für die Zeit, in der auch mein Mann in Rente geht, vor allem Reisepläne, aber das dauert wohl noch ein bisschen. Und auch wenn ich es schade finde, dass ich mich nicht mehr entschließen kann, in das Aalto-Hochhaus zurückzugehen, so bin ich doch auch froh, diese Verantwortung für die Wohnung dann nicht mehr zu haben.

Die Gründe, warum ich hergezogen bin, sind ganz persönliche: Ich liebe das Meer und wollte immer schon dort leben. Die Türkei ist mir natürlich einigermaßen vertraut, weil ich hier seit 15 Jahren schon viel Zeit verbracht habe. Ich bin aus gesundheitlichen Gründen vorzeitig berentet worden und hier geht es mir mit meiner Erkrankung sehr viel besser. Nach elf Jahren in denen ich immer Medikamente genommen habe, konnte ich das letzte im Oktober absetzen und komme seither ohne zurecht. Die Krankheit ist nicht weg, aber ich hab sie hier ohne Medikament genauso im Griff wie in Deutschland mit Medikament – eher ist es ein bisschen besser.

Ich mag die Menschen hier und ihre Gelassenheit, hier geht es viel entspannter zu. Was natürlich manchmal auch nerven kann, wenn man deutsche Effizienz gewöhnt ist. Und natürlich gibt es auch mal Probleme, aber insgesamt lebe ich hier in Ruhe vor mich hin und habe einen Lebensrhythmus der mir gut bekommt.

Manche fragen mich, ob ich ein „Erdoğan“-Fan bin, andere, ob ich denn gar keine Angst habe, weil doch in der Türkei eine Diktatur herrscht. Nun: weder noch. Ich sehe durchaus die Fortschritte die die Türkei in den letzten 15/16 Jahren mit dem jetzigen Präsidenten in seinen verschiedenen Funktionen gemacht hat, ich  bin eine große Kritikerin seiner Außenpolitik gewesen, als hier die Terroristen nach Syrien durchmarschiert sind, ich sehe Licht- und Schattenseiten und vieles bekomme ich nicht mit, da meine Sprachkenntnisse noch nicht ausreichen. Was ich aber sagen kann: ich sehe hier keine Leute die Angst haben, ihre Meinung zu sagen, im Gegenteil, schimpfen auf Erdoğan gehört täglich dazu. Überhaupt wird sich viel beklagt, da denke ich dann oft, ob sich die Leute nicht mehr erinnern, wie es vor 20 Jahren hier aussah?

Meine Auswanderung hat also weder politische, noch religiöse Gründe, außer dass ich natürlich sage, dass alle diese Aspekte nun mal zu meinem Leben gehören. Sie haben aber bei der Entscheidung keine große Rolle gespielt. Was allerdings das Religiöse angeht: auch in der Türkei gehöre ich einer religiösen Minderheit an, aber hier ist „Leben und Leben lassen“ angesagt. Die Toleranz ist hier eine ganz andere als in Deutschland.

So denke ich, ich kann vielleicht ein bisschen erzählen wie es mir hier geht, was Auswanderer so beachten müssen (wobei ich da selbst oft noch auf  Beratung von anderen angewiesen bin) und was ich so erlebe. Der Blog wird also wahrscheinlich ein bisschen persönlicher werden als früher zu Zeiten von „Meryems Welt“. Aber ich will die anderen Themen, die nichts mit dem Leben in der Türkei zu tun haben natürlich nicht weglassen.

Vermutlich wird es mehr kurze Beiträge geben als früher von mir gewohnt. Meine Energie zu ausgiebigen Recherchen zu Themen die mich interessieren verbrauche ich meistens in einem Minijob. Ich hoffe jedoch, dass es für meine Leser interessant wird.

Also: „Görüşürüz“ ( so ungefähr: Tschüß, wir sehen uns!)

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