Bürokratie Teil 1

Mein Bericht hier beruht auf meinen persönlichen Erfahrungen und ich erhebe weder Anspruch auf Vollständigkeit, noch darauf dass ich mich in diesen Bürokratie-Themen auskenne! Ich bin hier so reingestolpert und hatte von nix eine Ahnung! In meiner persönlichen Situation kein Drama, aber ein Vorgehen, dass ich nicht unbedingt jedem empfehlen würde! Ich erzähle nur davon, um einen kleinen Eindruck zu geben, was für Wege Auswanderer gehen müssen, um in der neuen Heimat anzukommen!

Also: der Entschluss, in der Türkei zu leben kam bei mir ein bisschen plötzlich. Eine Weile vor unserem Urlaub in Side im November/Dezember 2017 meinte mein Mann, was ich denn davon halten würde, wenn wir uns hier nach einer Wohnung umsehen würden. Ich war ein wenig überrascht, aber angenehm…so ein Feriensitz am Meer wäre ja schön, dachte ich mir. Aber richtig dran geglaubt habe ich nicht.

Und dann war es tatsächlich so, dass wir in den vier Wochen Urlaub mit einem Mietwagen hier an der Küste zwischen Gazipaşa und Antalya alle möglichen Wohnungen angeschaut haben und schließlich gefiel uns unsere jetzige von der Lage und vom Preis her so gut, dass mein Mann sie gekauft hat. Es gab luxuriösere Objekte für den gleichen Preis, aber da stimmte dann die Lage nicht, es gab günstigere Objekte, bei denen ich mir aber nicht vorstellen konnte, dort die meiste Zeit alleine zu leben. Vom Neubau-Luxus-Apartment, über entzückende Ferienhäuschen, leider sehr abseits gelegen, bis zur absoluten Bruchbude haben wir alles gesehen. Nun sollte es also diese sein.

Zum Thema Wohnungskauf werde ich vielleicht später noch mal was schreiben, das ist jetzt hier gerade nicht das Thema.

Nun, in der letzten Urlaubswoche wurde alles unter Dach und Fach gebracht, schnell noch Strom und Wasser umgemeldet, alle Grundbuchangelegenheiten geregelt. Zu Weihnachten waren wir wieder in Deutschland und dann ging alles ganz schnell. Ich entschloss mich, meine Wohnung (mein Mann und ich haben auch in Deutschland schon eine Fernbeziehung geführt, aber das ist wieder eine andere Geschichte) in Bremen unterzuvermieten, die Wohnungsbaugesellschaft war einverstanden. Meine Familie ein wenig geschockt…Eine Untermieterin war bald gefunden und mein Kleinkram bei meinem Mann eingelagert. Ich hab ja in Bremen nur eine Einzimmerwohnung gehabt und die Möbel mit vermietet.

Ja und am 29.1.2018 bin ich dann nach Antalya geflogen und abends in die Wohnung eingezogen, die natürlich erst meine werden musste. Auch das jetzt nicht das Thema.

Da war ich nun und war ganz naiv der Meinung, ich dürfte immer 90 Tage in der Türkei bleiben, müsste dann nur kurz ausreisen und könnte wieder 90 Tage bleiben. Da ich ja sowieso nicht vor hatte, meinen Mann und meine Familie soooo selten zu sehen, kein Problem, dachte ich. Mein Plan war, dass mein Mann und ich für mich eine längerfristige Aufenthaltserlaubnis beantragen, wenn er im Juni im Urlaub hier wäre.

Ich bekam den Tipp, dass gerade ein neuer Türkisch Kurs für Ausländer angefangen habe und erfuhr, dass ich da noch einsteigen könnte (auch davon werde ich noch erzählen, inşallah, 🙂 ). Und beim 2. Termin an dem ich im Kurs war, kam ein freundlicher Herr von der Ausländerbehörde und beantwortete alle Fragen, die die Teilnehmer hatten.

Und da stellte sich heraus, dass ich nicht auf dem neuesten Stand der Ausländergesetze war und das nur noch ein Aufenthalt von 90 Tagen innerhalb von 180 Tagen gestattet ist, wenn man keine Aufenthaltserlaubnis hat.

Ups….ich hatte ja schon 28 Tage durch unseren Urlaub „verbraucht“ und auf einmal sah es so aus, dass ich sechs Wochen später wieder ausreisen müsste und dann auch erstmal den Beginn eines neuen 180-Tage-Zeitraumes in Deutschland abwarten müsste. Also, es half nix, ein „Ikamet“ so heißt hier die Aufenthaltserlaubnis musste her.

Man kann eine solche selber beantragen. Unter dieser Adresse findet man, welche Dokumente gebraucht werden und kann einen Termin vereinbaren:

E-Ikamet

Aber das ist was für Leute mit starken Nerven…Mitschülerinnen haben mir erzählt, wie sie sich dort abgemüht haben und das mit Unterstützung ihrer anwesenden türkischen Ehemänner. Meiner ist aber nun wie gesagt meistens in Deutschland.

Nun kann man sich dabei helfen lassen – es gibt sicher Menschen, die das privat machen, ich kannte aber noch nicht so viele Leute hier. Und ein paar die es beruflich tun. Meine lieben russischen Nachbarn gaben mir dann den Tipp es hier:

Güney Iş

zu probieren und begleiteten mich auch dorthin. Es handelt sich eigentlich um eine Arbeitsvermittlung, aber solche „Fälle“ wie meiner werden auch übernommen.

Es gab einiges an Papieren, die ich besorgen musste:

  • eine türkische Steuernummer (ganz einfach beim Finanzamt zu bekommen)
  • natürlich gültiger Reisepass in Kopie
  • ein Mietvertrag (da wir nicht standesamtlich verheiratet sind)
  • Einkommensnachweis, ich weiß den genauen Betrag nicht, den man monatlich braucht, aber es muss eine gewisse Summe nachgewiesen werden, oder ein entsprechender Kontostand
  • Passbilder – davon sollte man sich einen Vorrat anlegen, türkische Behörden lieben die!
  • Eine Krankenversicherung – da hat mir das Büro eine besorgt die recht günstig war, mit der Laufzeit für den Zeitraum den man beim Ikamet beantragt (inzwischen hab ich mein Kärtchen von der SGK, der gesetzlichen Krankenkasse hier. Diese für das Ikamet ist auch mehr pro forma und deckt nur einen kleineren Teil der Kosten ab – das musste ich aber auch erstmal lernen!)
  • …….vielleicht noch mehr, an das ich mich gerade nicht erinnern kann, aber das könnt Ihr unter obigem Link nachlesen.

Hätte ich mir nicht helfen lassen, hätte ich vermutlich beglaubigte Übersetzungen gebraucht. Also hab ich da vermutlich das Geld wieder eingespart – oder fast – das mich der Service gekostet hat (und fragt mich jetzt nicht wie viel das war, daran kann ich mich nur noch vage erinnern, aber es war nicht so dramatisch und hat mir viel Stress erspart).

Nach ein paar Wochen bekam ich dann Nachricht, dass ich einen Termin hätte bei der Ausländerbehörde und bin mit Begleitung dahin, die Papiere abgeben…und ein paar Wochen später konnte ich bei der Post mein Ikamet für zwei Jahre abholen. Elhamdülillah. Alles gar nicht so schlimm, ich wieder entspannt:

DSCN0434 (4)

Bei der Verlängerung werden etwas weniger Unterlagen benötigt, mir wurde geraten, mich ca. zwei Monate vor Ablauf des Ikamets wieder zu melden für den Verlängerungsantrag.

Inzwischen bin ich auch bei der SGK registriert mit meinem T/A11 Auslandskrankenschein – aber zum Thema Krankenversicherung schreib ich noch mal was, da ändert sich auch mein Status demnächst, wenn ich mich in Deutschland abmelde. Inzwischen bin ich auch mit einem Wohnrecht im Grundbuch eingetragen, also werde ich dann nicht jedes Mal einen Mietvertrag vorlegen müssen.

Also: ich erhebe hier keinen Anspruch auf Vollständigkeit und meine Situation ist auch ziemlich überschaubar: Rentnerin mit ausreichendem laufenden Einkommen, Wohnrecht, deutsche Krankenversicherung.

Für Menschen die hier arbeiten wollen, die mit ihrer Familie herkommen wollen hab ich nicht wirklich Tipps, aber mit Sicherheit braucht das viel mehr Vorbereitungszeit als ich sie hatte!

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