Auswandern in die Türkei: Bürokratie Teil 4 – das Krankenkassendrama

Heute berichte ich vom nächsten bürokratischen Akt: ich habe ja nun schon leichtfertig behauptet, dass ich fortan mit meinem deutschen Auslandskrankenschein „T/A 20“ in der Türkei bei der SGK, der türkischen gesetzlichen Krankenkasse versichert wäre. Also nachdem ich diesen Schein eingereicht habe. Was heute geschehen sollte. Wie aber schon im Stillen befürchtet, wurde der nicht angenommen, da es unterschiedliche Auslegungen des Sozialversicherungsabkommens bei den deutschen und der türkischen Krankenkasse gibt.

Das Problem ist: der befristete Auslandskrankenschein, „T/A11“ ist nur 183 Tage, ab korrektem Einreisedatum gültig, so die Regel seit Jahresbeginn. Vorher gab es viele Auswanderer, die den Schein mit einem Jahr Gültigkeit hatten und sich danach einfach einen neuen schicken ließen, egal ob sie zwischendurch mal ausgereist waren, oder nicht. Nun ist das nicht mehr erlaubt, sondern der Schein ist nur diese Frist gültig und das Einreisedatum muss stimmen. Bleibt man länger als 183 Tage im Land, braucht man den „T/A 20“. GROSSES ABER: reist man aber zwischendrin aus, nimmt die SGK keinen „T/A 20“ an, sie will das man zwingend einmal die 183 Tage im Land „abgesessen“ hat. Meine deutsche Krankenkasse wiederum, betrachtet den „T/A 20“ auf jeden Fall als das richtige Modell, wenn man keinen deutschen Wohnsitz mehr hat. Tja. Und nun?

Also man hat mir jetzt einen neuen „T/A 11“ geschickt, obwohl ich keine Wohnung mehr in Deutschland habe. Und wenn da nicht eine Klärung herbeigeführt wird, wird es wohl ewig dabei bleiben, dass ich diesen immer wieder neu einreiche, dann ich bin bis jetzt noch kein halbes Jahr durchgehend im Land geblieben, schließlich besuche ich meinen Mann und meine Familie in Deutschland häufiger. Der deutschen Krankenkasse leuchtet das auch nicht ein. Es soll aber diese Woche ein Treffen auf höchster Kooperationsebene des deutsch-türkischen Sozialversicherungsabkommens geben, bei dem inschaAllah Fortschritte bei diesem Thema erzielt werden. Das Thema betrifft mich ja nicht alleine, sondern die Sachbearbeiterin bei der Krankenkasse berichtete von vielen Fällen.

Ob bei Aus- und Wiedereinreise innerhalb der 183 Tage Gültigkeit des „T/A 11“ jedesmal ein neues Formular eingereicht werden muss, darüber sind sich die Angestellten jedenfalls bei der SGK in Manavgat uneins. Die Sachbearbeiterin heute morgen wollte einen neuen sehen, der wurde dann gefaxt und ihr Kollege hielt ihn dann aber für überflüssig, so dass wir uns den zweiten Besuch dort auch hätten sparen können.

Kurz zusammengefasst:

  • Für Aufenthalte bis zu 183 Tagen wird der „T/A 11“ der deutschen Krankenkasse benötigt
  • Dauert der Aufenthalt länger als 183 Tage, will die SGK einen „T/A 20“ sehen
  • Ist man kürzer als 183 Tage in der Türkei, braucht man wieder einen „T/A 11“, wenn man zurückkommt
  • Ob nach jeder Ausreise innerhalb der 183 Tage Gültigkeit ein neuer „T/A 11“ nötig ist, darüber herrscht mindestens bei der hiesigen Geschäftsstelle der SGK Unklarheit.

Richtig ärgerlich wird es mit dem „T/A 11“ dann wohl bei der Verlängerung der Aufenthaltsgenehmigung, des „Ikamet“. Denn dann braucht man eine Versicherung für die gesamte Laufzeit. Der „T/A 20“ würde meines Wissens ausreichen, weil er ja unbefristet gültig ist. Hat man keinen, braucht man also eine private Versicherung, die eigentlich rausgeschmissenes Geld ist, weil die meisten nur 40% der Kosten abdecken, dann bin ich doch lieber gesetzlich versichert. Aber nun ja, ich hab ja beim ersten Ikamet auch so etwas abgeschlossen und die Kosten verschmerzt, genutzt hab ich es nie.

Soweit ich aus der hier angehängten Broschüre der SGK ersehen kann, gilt diese Frist von 183 Tagen nur für deutsche Rentner. Wer noch eine Rente eines anderen Landes bezieht, das ein Sozialversicherungsabkommen mit der Türkei hat, ist davon nicht betroffen. Warum auch immer. Ich habe munkeln hören, dass Deutschland etwas für türkische Rentner erschwert hat, vielleicht ist das die Retourkutsche.

Viele Ausgewanderte, die sich bislang mit dem „T/A 11“ durchgehangelt haben, werden jetzt jedenfalls auf den „T/A 20“ umsteigen müssen. Ich, die das gerne würde, kann es nicht, :-(. Mal abgesehen davon, dass sich die Türkei damit selber schadet, denn „T/A 20“ bedeutet regelmäßige Zahlungen der deutschen an die türkische Krankenkasse.

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