Depression

Dieser Beitrag soll der erste einer in lockerer Folge erscheinenden Reihe sein, in der ich über die Krankheit „Depression“ berichten will. Der Artikel ist als Einleitung zum Thema gedacht. Der nächste, der sehr zügig folgen soll, wird über meine eigenen Erfahrungen mit der Krankheit berichten (und vermutlich wird es davon noch mehr geben). Und in der Folge werde ich dann versuchen, einiges an hoffentlich nützlichen Informationen zusammenzutragen. Das wird dann in unregelmäßigen Abständen erfolgen, so wie ich Lust und Zeit habe.

Ein Grund, warum ich dieses Thema wähle ist natürlich, dass ich selber betroffen bin. Seit Jahrzehnten leide ich unter einer längst chronifizierten Depression, die sich mit Gottes Hilfe aber derzeit relativ im Hintergrund hält. Das heißt, die Krankheit verlässt mich wohl nie mehr ganz, ist aber jetzt nicht so ausgeprägt, dass ich mich tatsächlich krank fühle, solange ich gut auf mich aufpasse. Es gibt aber eine Reihe von Einschränkungen, die zurückgeblieben sind durch die vielen Jahre in denen ich mir dieses Problems nicht bewusst war und nicht die entsprechende Behandlung erfahren habe, sondern mehr oder weniger ungeschickt versucht habe, mir selber zu helfen. Ein anderer Grund ist, dass mich das Thema psychischer Erkrankungen immer interessiert hat, schließlich war ich jahrzehntelang als psychiatrische Fachkrankenschwester tätig. Auch wenn ich jetzt im Ruhestand bin, möchte ich natürlich die erworbenen Erfahrungen und mein Wissen nutzen und auch auffrischen.

In den letzten Jahren wird offener über diese sehr verbreitete (ca. jede vierte Frau und jeder achte Mann ist im Laufe des Lebens betroffen) Erkrankung gesprochen, trotzdem ist der Umgang mit Betroffenen oft noch von Unwissenheit und Vorurteilen geprägt und diese selber schämen sich und versuchen, sich die Erkrankung nicht anmerken zu lassen. Dabei ist Depression eben auch „nur“ eine Krankheit wie andere auch. Natürlich mit ihren sehr eigenen und unterschiedlichen, individuellen Erscheinungsformen, aber eben kein Grund sich schuldig zu fühlen, oder sich zu schämen.

Sonderbarerweise werden Herzkranken, Diabetikern oder an Krebs Erkrankten (usw.) nicht solche plumpen Ratschläge gegeben, wie den Depressiven. „Reiß Dich doch mal zusammen, anderen geht es viel schlechter als Dir“, oder „Dir geht es doch gut, genieße doch einfach mal das schöne Wetter“ – nur kleine Beispiele.

Das ist in meinen Augen Unsinn. In meinem, so Gott will für immer von tiefem Glauben an einen liebenden Schöpfer geprägten Weltbild, ist diese Erkrankung natürlich auch eine Botschaft Gottes, so wie alles was uns im Leben begegnet. Und wenn sich auch die Zeiten einer schweren Depression in für nicht Betroffene kaum vorstellbarer Weise schrecklich anfühlen, so sehe ich aus heutiger Sicht auch, dass es sich erstens um eine der Prüfungen handelt, die Gott uns Menschen in diesem Leben aufgibt, damit wir uns daran entwickeln können. Entwickeln im Sinne von größerer Nähe eben zu Gott. Und zweitens gibt mir die Krankheit dann eben auch Hinweise, wenn ich in meinem Leben nicht genug auf mich achte, im Sinne von Achtsamkeit und mir entsprechender gesunder Lebensführung.

Nicht unerwähnt bleiben soll hier, dass unter Muslimen manchmal durchaus auch ein Mangel an Glaubensstärke unterstellt wird und Undankbarkeit gegenüber Gott. Was in meinen Augen ein Zeichen für großes Unverständnis ist.


Medizinisch betrachtet, ganz vereinfacht gesagt, sind Depressionen eine Störung im Botenstoffwechsel des Gehirns, mit sehr unterschiedlichen Symptomen und durch individuell unterschiedliche Gründe bedingt – meistens durch eine Mischung von inneren und äußeren Faktoren. D.h. es gibt eine bestimmte Veranlagung, an Depressionen zu erkranken, aber ob diese Erkrankung dann ausbricht und in welchem Schweregrad, das liegt an den Lebensumständen des einzelnen Menschen, ebenso die Symptome die jemand entwickelt. Und entsprechend sind auch die Behandlungsmöglichkeiten vielfältig: natürlich spielt die Psychotherapie eine wesentliche Rolle, die individuelle „gesunde“ Lebensführung inklusive Ruhephasen, Sport, Ernährung usw. und schließlich gibt es auch medikamentöse und andere medizinische Behandlungsmöglichkeiten, die bei entsprechenden Schweregraden eingesetzt werden können.

Nach meiner Überzeugung gibt es keine Trennung zwischen „Körper“ und „Seele“, so dass man nicht sagen kann, ob Depressionen eine körperliche, oder eine seelische Erkrankung sind. Es gibt klar körperliche Faktoren und die sind wirklich schwerwiegend, aber natürlich ist die Seele, oder Psyche betroffen…aber was war zuerst da und macht es Sinn, diese Frage zu stellen? Ich halte den Begriff „psychosomatisch“ für ein Hilfsmittel, weil für uns die Einheit unseres Wesens schwer zu begreifen ist. Dass Depressionen ein klarer Risikofaktor nicht nur für Suizid sind, sondern auch für eine Reihe von körperlichen Erkrankungen wie Herzinfarkt, ist inzwischen nachgewiesen!

Wie immer freue ich mich natürlich über Feedback und den Austausch mit meinen Leserinnen und Lesern!

Hier unten noch ein paar Links zu „Selbsttests“ mit denen die eigene Betroffenheit geprüft werden kann. Diese Tests können natürlich nur ein erster Hinweis sein, bei entsprechenden Ergebnissen sollte man unbedingt professionelle Hilfe suchen!


Deutsche Depressionshilfe-Selbsttest

Netdoktor – Selbsttest Depression nach Goldberg

Ein Gedanke zu “Depression

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s