Meine dritte Woche im Monat Ramadan 2019

Im Namen Gottes des Erbarmers, des Barmherzigen

Eigentlich wollte ich immer so Wochenberichte schreiben und die dritte Woche im Monat Ramadan ist ja noch nicht vorbei – aber da ich am Montag zum Iftar (Fastenbrechen) eingeladen bin, ziehe ich das mal vor. Ich bin noch immer dabei und habe keinen Tag aussetzen müssen mit dem Fasten, Gott sei Dank. An ein paar Tagen habe ich ein bisschen geschwächelt, aber durchgehalten. Dank meines sehr ruhigen Lebens hab ich mir dann eben ein extra Nickerchen gegönnt und dann ging es auch wieder.

Ein bisschen Leben war in der Bude weil ich am Donnerstag zum Iftar eingeladen hatte, eine deutsch-türkisch gemischte Truppe aus Frauen die ich hier kennengelernt habe, eine mit deutschem, eine mit türkischem Ehemann, die meisten davon Christen, nur das deutsch-türkische Ehepaar ist muslimisch. Wir haben aber ein richtig traditionelles Iftar, jedenfalls so wie ich es kenne zelebriert. Ich war ziemlich nervös, ich hab selten so viel Gäste auf einmal – also was heißt viel, wir waren sieben Personen, aber ich bin kochen für viele nicht gewöhnt. Es haben aber alle behauptet es habe ihnen geschmeckt. Die Gäste haben auch noch Leckereien zum Nachtisch mitgebracht, dazu hatte ich auch noch Kuchen, also uns ging es so richtig gut.

Gestern war dann die erste die möglichen „Lailatul quadr“- das ist die Nacht im Monat Ramadan in der sich die Herabsendung des heiligen Quran in das Herz des Propheten Muhammed, s.a.s. jährt.

Die Sure 97 im Quran erzählt davon:

„Wir haben ihn in der Nacht der Bestimmung hinabgesandt.
Und was lehrt dich wissen, was die Nacht der Bestimmung ist?
Die Nacht der Bestimmung ist besser als tausend Monate.
Die Engel und der Geist werden in ihr herabgesandt mit der Erlaubnis ihres Herrn mit jedem Befehl, (des)
Frieden, ist sie bis zum Aufgang der Morgenröte.“

Die Übersetzung stammt von hier aus meinem Lieblings-Islamlexikon,da gibt es auch weitere Erläuterungen zu der Nacht der Bestimmung, warum wir Muslime uns da mal wieder uneinig über den genauen Termin sind und warum jedenfalls Schiiten, also Muslime der dschafaritischen Rechtsschule in diesen letzten Tagen des Monats Ramadan trauern. Sunnitische Muslime lieben selbstverständlich unseren ermordeten Imam Ali, Friede sei mit ihm, ebenfalls, aber diese Ereignisse sind ihnen meistens nicht so präsent. Also jedenfalls hat mein sunnitischer Ehemann mir berichtet, dass davon in den Moscheen im Monat Ramadan nicht die Rede ist.

Dieses Video habe ich im Jahr 2013 in einer der Lailatul-Qadr-Nächte in Mashad in Iran aufgenommen. Dort befindet sich die riesige Moscheeanlage um den Schrein unseres 8. Imam, Imam Ridha, a.s. Ich hatte in dem Jahr die große Ehre, dort an einem vierwöchigen Sommerkurs der Al-Mustafa-Universität teilnehmen zu dürfen, der gerade in den Monat Ramadan fiel. Eine unvergessliche Zeit. Wer mehr darüber wissen möchte kann in meinem alten Blog Mariams Welt die Suchfunktion nach „Iran-Reisebericht 2013“ nutzen, da habe ich eine Reihe von Beiträgen geschrieben über unsere Erlebnisse dort.

Wir nutzen die Nächte im Monat Ramadan ja sowieso inschaAllah auch für Bittgebete – aber in diesen Nächten versucht man besonders viel zu beten, z.B. das Dschauschan ul Kabir, ein wunderschönes und sehr langes Bittgebet. Ich habe in der ersten möglichen Lailatul-Quadr auch nur ein Drittel davon geschafft. InschaAllah nutze ich die anderen Nächte, um es zu beenden. Das Video zeigt einen Ausschnitt.

Ja, was gibt es sonst zu berichten: ich habe mich – das ist unausweichlich wenn man viel im Quran liest – weiterhin mit dem Thema des diesseitigen und des jenseitigen Lebens beschäftigt und dazu auch noch mal ein Büchlein in die Hand genommen, das die Stationen des jenseitigen Lebens beschreibt. Wir haben ja aus dem Quran und den Überlieferungen des Propheten, s.a.s. und seiner Nachkommen zu der Zwischenwelt (Barsach), in der wir in der Zeit zwischen unserem Abschied von der Erde und der Auferstehung der Menschen, an die wir ja glauben verweilen werden, einige Informationen. Das Büchlein beschreibt das anschaulich und ist zusätzlich zur Quran-Lektüre eine Motivation, sich um „Proviant“ aus guten Taten für diese Reise zu kümmern. Alles was wir in diesem Leben tun, spiegelt sich dann später im jenseitigen Leben wieder. Das sollte man wirklich ständig im Bewusstsein haben. Unsere Zeit hier ist begrenzt und wenn wir sterben, „dann wachen wir auf“ – so sagt es eine islamische Überlieferung. D.h. wenn wir gestorben sind, werden wir einen schonungslosen Blick auf unsere Taten haben und wir werden erkennen, was wirklich wichtig ist.

Heute fand ich beim Rumstöbern eine Kantate von Johann Sebastian Bach, „Gott soll allein mein Herze haben“, die sich auch genau mit dem Thema des trügerischen irdischen Lebens befasst:

Gott soll allein mein Herze haben.
Zwar merk ich an der Welt,
Die ihren Kot unschätzbar hält,
Weil sie so freundlich mit mir tut,
Sie wollte gern allein
Das Liebste meiner Seele sein.
Doch nein; Gott soll allein mein Herze haben:
Ich find in ihm das höchste Gut.
Wir sehen zwar
Auf Erden hier und dar
Ein Bächlein der Zufriedenheit,
Das von des Höchsten Güte quillet;
Gott aber ist der Quell, mit Strömen angefüllet,
Da schöpf ich, was mich allezeit
Kann sattsam und wahrhaftig laben:
Gott soll allein mein Herze haben….

Den gesamten Text der Kantate findet man z.B. hier

Ich habe mir nicht zu viel vorgenommen für den Monat Ramadan, da ich mich kenne: wenn ich mir selber Druck mache, dann boykottiere ich meinen Erfolg auch selber. So wie ich mir den Monat bis jetzt gestaltet habe, bin ich aber einigermaßen zufrieden mit mir. Also ich habe kleine Schritte gemacht, mehr nachgedacht, mehr gelesen, mehr freiwillige Gebete, inschaAllah mehr Liebe um mich verbreitet und weniger gesündigt. Und ich fühle mich gut aufgehoben und durch diese Zeit getragen. Gott sei Dank für alles!

Ein Gedanke zu “Meine dritte Woche im Monat Ramadan 2019

  1. Danke für Deinen wieder sehr (für mich) lehrreichen Bericht. Auch danke für den Link zu dem Islam-Lexikon, den ich mir gleich mal abgespeichert habe. 😉

    Und dass Du „geschwächelt“ hast, gehört – denke ich – dazu. Wichtig ist, dass man es überwindet. Jesus war die 40 Tage und Nächte in der Wüste auch nicht frei von Versuchungen. 🙂

    Liebe Grüße, Werner 🙂

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