Mein Monat Ramadan 2019

Im Namen Gottes des Erbarmers, des Barmherzigen

Salam aleikum und moin, da bin ich wieder, heute mit einem Fazit zum Monat Ramadan!

Zunächst einmal möchte ich allen meinen muslimischen Geschwister ein gesegnetes Fest zum Ende des Monats Ramadan wünschen! InschaAllah hattet Ihr einen schönen Monat Ramadan in dem Ihr von den zahlreichen Segnungen Gottes profitiert habt und habt jetzt zum Abschluss fröhliche und friedliche Tage im Kreise Eurer Lieben!

Mit dem Monat Ramadan ist es ein bisschen wie mit einem lange vermissten, geliebtem Familienmitglied, das zu Besuch kommt: sehnlich erwartet, liebevoll umsorgt – aber nach vier Wochen ist man dann doch auch erleichtert, sein Zuhause wieder für sich zu haben und den gewohnten Tagesrhythmus wieder aufnehmen zu können.

So geht es mir jetzt nach vier Wochen des Fastens: ich freue mich, dass wahrscheinlich morgen auch für mich das Fest des Fastenbrechens beginnt. Hier in der Türkei wird ja von fast allen heute, am 4. Juni, schon gefeiert.

Warum es da Unterschiede gibt: wie so oft sind wir Muslime uns nicht einig, wie man den Beginn eines neuen Mondmonats bestimmt. Da die Monate im islamischen Kalender 29 oder 30 Tage lang sein können, je nachdem wann der Neumond gesichtet wird, muss man eine Methode finden diesen Zeitpunkt zu bestimmen. Und da „streiten sich die Gelehrten“, wie man so schön sagt. Manche sagen, man muss den Mond mit bloßem Auge sehen können, andere erlauben Hilfsmittel. Wieder andere stellen astronomische Berechnungen an und bestimmen den Neumond ohne direkt hin zuschauen. So ist es auch in der Türkei üblich, da steht der Kalender schon lange im Voraus fest. Und dann gibt es noch Unterschiede in der Bewertung: Muss der Mond lokal gesichtet worden sein, also dort wo man sich aufhält – oder reicht es heutzutage, wenn er irgendwo auf der Welt gesichtet wurde.

Tja und so fangen wir mit dem Fasten zu unterschiedlichen Terminen an und beenden es auch unterschiedlich. Leider.

Ich gehöre ja der Rechtschule der „Dschafaria“an, bin also Schiitin und nach dem Gelehrten dem ich folge, geht keine Vorausberechnung, also warte ich ab, ob heute Abend eine Mondsichtung gemeldet wurde, oder ob noch ein weiterer letzter Fastentag folgt. Aber ich gehe davon aus, dass es heute Abend vorbei ist, mit dem Monat Ramadan. Aber auch innerhalb der schiitischen Konfession gibt es da noch Unterschiede, genau wie unter den Sunniten. Da muss sich jeder Muslim und jede Muslima nach dem richten, was ihm oder ihr am einleuchtendsten erscheint.

Ich bin sehr dankbar, dass ich diesen ganzen Monat Ramadan fasten konnte, das schien mir noch letztes Jahr undenkbar, genauso wie ich dachte, dass ich niemals mehr ohne anti-depressive Medikation leben könnte. Aber in diesen fast eineinhalb Jahren, die ich jetzt in der Türkei lebe, hat sich bei mir gesundheitlich wirklich viel zum Vorteil verändert. So kann ich sagen, dass ich den Monat Ramadan genießen konnte und mehr als in den Jahren ohne Fasten auch von der besonderen Kraft die Gott in diese Zeit gelegt hat, profitiert habe. Am Monatsende sagt sich wohl fast jede/r Gläubige, dass man die Zeit noch mehr hätte nutzen können. Das ist auch gut so, wir sollen ja immer danach streben, uns zu entwickeln. Aber die Absicht ist es, die im Islam zählt. Ich habe geschafft, meine Konzentration in den Gebeten meistens sehr zu verbessern, einige freiwillige Gebete gemacht, die „Lailatul qadr“ genutzt und habe mich die meiste Zeit wirklich in einer friedlichen und besinnlichen Geisteshaltung befunden. Es war ein ruhiger Monat für mich, ich war nicht viel unterwegs, aber das war genau richtig für mich.

Einen Tag in der letzten Woche habe ich nicht gefastet, weil ich „auf Reisen“ war (dann fastet man nicht und holt den Tag später nach). Ich bin mit dem Bus nach Antalya gefahren, um an der örtlichen Kundgebung zum internationalen Quds (Jerusalem)-Tag teilzunehmen. Das ist ein weltweit am letzten Freitag im Monat Ramadan stattfindender Tag, an dem gegen die illegale Besatzung Palästinas und Jerusalems demonstriert wird, aber auch gegen jede andere Form der Unterdrückung. In Deutschland findet es immer samstags statt und heftigem Mediengewitter, weil es sich angeblich um eine „antisemitische“ Demonstration handelt. Mich lässt diese Kritik kalt, denn wer gegen völkerrechtswidriges Verhalten protestiert, ist darum nicht antisemitisch. In Berlin sind auch immer jüdische Geistliche bei der Demonstration dabei. Nun, die Beteiligung am „Kudüs günü“ wie es in der Türkei heißt, war hier in Antalya sehr gering. Ich habe mich aber trotzdem gefreut, dabei gewesen zu sein und einige schiitische Geschwister kennengelernt zu haben, denn da hatte ich noch gar keine Kontakte hier. Also ein Schritt zur Integration, denn jetzt werde ich inschaAllah manchmal dort an Veranstaltungen teilnehmen.

Als ich eben mal in den Medien rumstöberte, wurde ich darauf aufmerksam, welche Auswirkungen es haben kann, wenn man Islamhass in der Gesellschaft schürt: ein paar junge Männer in islamischer, festlicher Kleidung hetzen durch den Kölner Hauptbahnhof, um ihren Zug noch zu erwischen, sie sind auf dem Weg, den Festtag zu begehen. Das geht gar nicht, das ist verdächtig! Die Polizei schreitet ein, wirft sie zu Boden, der Staatsschutz ermittelt…..käme man auf den Gedanken, andere Reisende, die zum Zug rennen so zu behandeln? Ich fürchte, auf eine Entschuldigung wegen verschärften „Racial profiling“ können die Brüder lange warten. Außer dass vermeldet wurde, es wäre keine Gefahr von ihnen ausgegangen, wird wohl nichts passieren. Ich habe nichts dagegen, dass für unsere Sicherheit gesorgt wird – hier in der Türkei gibt es sehr viele Kontrollen, selbst wenn man in ein Einkaufszentrum geht. Aber solche Reaktionen sind paranoid. Zum Bericht über das Vorkommnis geht es hier.

Aber, wie schrieb jemand, „es ist nicht alles schlecht im Abendland“: Bundespräsident Steinmeier hat zum Ramadanfest eine Grußbotschaft an die Muslime in Deutschland gesendet. Darin heißt es u.a.:

Ich versichere Ihnen: Wir dulden keinen Hass, keine Ausgrenzung, keinen Generalverdacht gegen muslimische Zuwanderer oder gar ‚die Muslime‘. Dafür setze ich mich ein. Das Grundgesetz garantiert Religionsfreiheit und es schreibt fest, dass niemand wegen seines Glaubens diskriminiert oder ausgegrenzt werden darf, egal, was er glaubt und ob er überhaupt glaubt, ob er ein Kreuz, ein Kopftuch oder eine Kippa trägt.

Das versöhnt mich dann wieder ein bisschen.

In acht Tagen geht es dann für zwei Wochen nach Deutschland, eine Familienfeier steht an. Danach werde ich inschaAllah den Sommer hier an der türkischen Südküste genießen.

So weit für heute. Ich habe viele Ideen, worüber ich in nächster Zeit schreiben will, aber einige Beiträge erfordern ziemlich viel Recherche und dazu fehlt mir gerade etwas die Zeit und Muße – jetzt will ich auch erst einmal das Fest genießen, mein Plan ist als erstes ein Strandtag in meinem bevorzugten Strandclub, in dem es auch eine seeeeehr leckere Pizza gibt, die ich dann bei hellem Sonnenschein zu verspeisen gedenke!

5 Gedanken zu “Mein Monat Ramadan 2019

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