Herumstromern in: Side

Side, meine neue Heimat, hat eine bewegte Geschichte. Hethiter, Perser, Griechen, Römer, diverse Piraten, Araber und die Byzantiner besuchten, besetzten und besiedelten die heutige Altstadt auf der Halbinsel, die jetzt zwischen den touristischen Hotelzentren liegt. Vor ca. 6000 Jahren (darüber gibt es sehr unterschiedliche Angaben) bis ca. 1200 n.Chr. soll hier eine wichtige Hafenstadt (u.a. mit Sklavenmarkt) gewesen sein, die dann durch ein Erdbeben zerstört wurde. Erst um 1900 herum begann wieder eine Besiedlung durch Türken, die von der griechischen Insel Kreta vertrieben wurden. Ein kretisches Kulturhaus erzählt davon, aber das hab ich noch nicht besucht, das folgt inschaAllah ein anderes Mal.

Das war ein sehr gekürzter Überblick über die Geschichte von Side, es gibt viele Seiten die detaillierter Berichten, da brauche ich das nicht wiederholen. Mich hat schon bei meinem ersten Besuch hier, Mitte der 90er Jahre des letzten Jahrhunderts, die Atmosphäre fasziniert. In Side spaziert man einfach so zwischen den Hinterlassenschaften der Kulturen herum. Für manche ist das nur eine Menge langweiliger alter Steine. Ich allerdings liebe es, einfach nur so herumzustrolchen und mir vorzustellen, wer hier wohl alles schon so gelebt hat und die gleichen Wege gegangen ist.

So habe ich mir heute – „der Mai ist gekommen“ – einen ausgiebigen Frühlingsspaziergang mit Touristenaugen durch das antike Side gegönnt, einschließlich Museumsbesuch. Nächste Woche beginnt ja der Fastenmonat Ramadan, oder Ramazan, wie er hier genannt wird. Wie ich mich kenne, hab ich dann keine Energie tagsüber in der Wärme viel zu unternehmen (ob das abends nach dem Fastenbrechen anders ist, sei mal dahingestellt). Nicht zu essen fällt mir nicht so schwer, ich mache sowieso meistens „intermittierendes Fasten“, aber normalerweise trinke ich natürlich dann. Egal, Schluss mit der Vorrede, ich will ja nur ein paar Eindrücke teilen.

Los geht es von mir zu Hause an an die Strandpromenade, das sind ca. zehn Minuten Fussweg. Und dann einfach die Promenade, oder unten am Wasser entlang Richtung Side. Das ist mein fast täglicher Spazierweg, bis in die Altstadt habe ich ungefähr 3 km zu gehen.

Und dann ist man auch schon fast beim Museum von Side, das liegt in der Nähe des antiken Theaters. Mit meiner kürzlich in Alanya erworbenen Müze-Card kann ich da jetzt so oft hinein wie ich möchte. Die hat 70 TRY gekostet, also ca. 11 € und gilt ein Jahr für viele staatliche Museen. Ich denke, ich werde schon alleine wegen der Aussicht öfters mal in das Museum gehen und einfach nur da in Ruhe sitzen.

In den Ausstellungsräumen finden sich Alltags- und Schmuckgegenstände der verschiedenen Epochen, und viele Skulpturen. Hier stehen „Götter“, „Halbgötter“ (ich sollte vielleicht lieber „Götzen“ schreiben, aber ich denke es ist bekannt, dass ich Monotheistin bin und an die doch allzu menschlichen griechischen und römischen „Götter“ nicht glaube), Kaiser, Soldaten und ganz normale Menschen einträchtig und mehr oder weniger gut erhalten beieinander. Sogar zwei Sphinxen sind mir begegnet.

Diese kleinen Vasen könnten mir durchaus für meine Wohnung gefallen. Unglaublich, dass die tausend Jahre oder älter sind…

Solch eine detailgenaue Arbeit finde ich faszinierend. Und wie steht wohl dieses Paar zueinander? Was mögen sie zu besprechen haben? Sie schaut ein wenig sorgenvoll, finde ich…

Leider kann ich die Schrift nicht lesen, sonst wüsste ich, was die beiden Herren da gerade per Handschlag vereinbaren. Aber so kann ich mir eine Geschichte ausdenken, auch schön.

Gestatten, Herakles. Ein Bild von einem Mann, etwas mitgenommen ist er.

Ein Imperator, soweit ich mich erinnere und eine der Sphinxen.

Drei Herren und schau an: einfach eine Frau, ganz ohne ihr zugeschriebene göttliche Eigenschaften.

Und schon geht´s wieder raus aus dem Museum und kreuz und quer durch die Ruinen.

Ein Krankenhaus aus byzantinischer Zeit…mein Krankenschwesternherz fühlt sich angesprochen und denkt sich Geschichten aus.

Das antike Theater von Side und – nein, das ist keine Mohnblume, :-). Sehr hübsch, aber macht eigentlich keiner mehr so ganz normale Fotos? Überall posieren die Leute, als ob sie zeigen wollten, was sie in ihrem Wochenend-Model-Lehrgang gelernt haben. Ist das eine Krankheit des Instagram-Zeitalters?

Und schon wieder am Meer und in der touristischen Zone angekommen:

Auf oder neben diesem Schiffchen im Hafen von Side kann man übrigens lecker Fisch essen. Das „Balık-Ekmek“ aktuell für 20 TRY. Dafür esse ich zwar in meinem Lieblingsimbiss in Manavgat fast ein ganzes Menü, aber die Atmosphäre hier hat ja was. Und dann kann man ja in dem kleinen „Girit Kahvesi“, also dem „kretischen“ Cafe, das von der Gemeinde betrieben wird, sehr, sehr günstig einen Çay trinken. 3 TRY hab ich heute für einen Tee samt Keks und ein Wasser bezahlt. Teşekkür ederim, Manavgat Belediyesi!

So sah es heute auf der „Hauptstraße“ in der Altstadt aus. Im Sommer ist hier ja kaum ein Durchkommen. Ich mag diese Zeit jetzt, wenn die Saison so langsam losgeht, es aber noch nicht überfüllt ist.

Ja, das war mein Spaziergang am Samstag vor dem Monat Ramadan. 17800 Schritte sagt mein Schrittzähler, das werde ich wohl im Fastenmonat nicht hinbekommen.

Ich hoffe es hat Euch gefallen, bis bald, görüşürüz!

Wandertag: Von Ilıca nach Evrenköy (und zurück)

Endlich ist es so richtig Frühling geworden hier an der türkischen Riviera. Wir haben einen langen und sehr nassen Winter hinter uns gebracht und die Temperaturen sind auch längst nicht so, wie man es um diese Jahreszeit hier kennt. Aber jetzt ist es gerade sehr angenehm, um sich in der Natur zu bewegen. Ich laufe auch im Winter normalerweise viel, aber in diesem Jahr ging das ja gar nicht, weil es viel zu nass und matschig war.

Aber vergessen wir das und freuen uns an dieser Jahreszeit, bevor die ganz große Hitze kommt! Dann mag man sich nämlich tagsüber kaum bewegen. Ich war heute alleine unterwegs und bin einen Weg gegangen, der hier im Wanderblog des GEM-Dernek beschrieben ist (Weg Nr.1). Der GEM-Dernek ist ein Verein in Manavgat, der Ausländer unterstützt, sich hier in der Türkei zurechtzufinden und der Treffen und Unternehmungen anbietet. Ich verlinke Verein und Blog mal in meine Seitenleiste.

Ich liebe die Beschreibungen im Wanderblog und hab mir das einfach ausgedruckt…Die sind nämlich so in der Art: „Vor der Brücke (ohne Geländer), rechts in den Feldweg abbiegen….“. Ich brauch solche Ansagen, denn mein Hirn streikt bei Aussagen wie sie das Navi gerne macht: „Richtung Norden….“.

So hab ich mich gut zurechtgefunden. Durch das Örtchen Ilıca geht es los ins Dorf Evrenköy, dort kann man das Nomadenmuseum besichtigen und dann geht es durch die Natur- und Kulturlandschaft, durch Obst-, Oliven- und Palmenplantagen wieder zurück nach Ilıca. Nach Ilıca kommt man leicht mit dem Dolmuş. Und es grünt und blüht jetzt, so schön!


Natürlich hab ich wieder Fotos gemacht. Ich hab mir ja in diesem Jahr mal eine ordentliche Kamera zugelegt. Kann sein, dass Profis einiges auszusetzen haben an der Qualität – ich bin nämlich absolute Laiin und hab außerdem echt schlechte Augen, aber im Vergleich zu Handyfotos sehe sogar ich den Unterschied. Leider war die Sicht auf das Gebirge heute nicht so toll – etwas diesig.

Moschee in Ilıca
Babyschildkröte getroffen, 🙂

Im liebevoll gestalteten Nomaden-Museum (Yörük Müzesi) bekommt man einen Eindruck von der nomadischen Kultur, die die Region um Antalya lange Zeit geprägt hat (das war die Phase vor der touristischen Kultur…)

Das Museum hat täglich von 8:30 bis 17:30 geöffnet, der Eintritt ist frei, Spenden werden gerne genommen. Es gibt eine Führung in türkischer Sprache und eine kleine Broschüre auch in Deutsch.

Die Adresse ist: Evren mah. Küme evleri No. 8 Manavgat/Antalya

Die Telefonnummer lautet: 0242 7476020

Ich bin ungefähr 12 km gelaufen, sagt mein Schrittzähler, der reine Wanderweg dürfte so um die 10 km haben und ist leicht zu bewältigen, mit ein paar Feldwegen eben, also nicht kinderwagenfreundlich. Ich hoffe, mein Bericht hat Euch gefallen und Lust darauf gemacht, die Gegend um Side mal zu erkunden – sprich (das richtet sich an die AI-Touristen) auch mal das Hotel zu verlassen und sich in die Landschaft zu trauen.

Ausflug zum Oymapınar-Staudamm/“Green Canyon“

Am vergangenen Sonntag haben wir einen Ausflug zum Oymapınar-Stausee gemacht. Bootstouren im „Green Canyon“ sind ja bei Touristen sehr beliebt und eine solche steht auch noch auf meiner Wunschliste. Aber auch von oben gibt es wunderschöne Aussichten. Auf einer etwas abenteuerlichen Bergstrecke haben wir die Natur genossen, mit einheimischen Pilzsammlern geplaudert, Plätzchen für sommerliche Übernachtungen im Zelt erkundet und Quellwasser getrunken.

Manavgat: Türkbeleni eröffnet

In Manavgat, unserer Kreisstadt, wurde der (oder das?) „Türkbeleni“ eröffnet, das ist eine große neue Parkanlage, oberhalb des künstlichen Wasserfalls, den alle Basarbesucher kennen.

Heute war ich spontan dort und bin mit einer Freundin dort oben eine ganze Weile herumgestrolcht. Wir haben lange noch nicht alle Wege und Möglichkeiten entdeckt, aber das war ja sicher nicht mein letzter Besuch dort. Es gibt viele kleine Cafes und Sitzecken, Spiel- und Kletteranlagen, Wasserspiele, Sportplätze, ein Freilufttheater, die Aussicht über Manavgat zum Meer und zu den Bergen ist atemberaubend. Eine kleine Moschee darf auch nicht fehlen, wenn die Gebetszeit gekommen ist. Man kann mit einer Art schrägem Aufzug hinauffahren, oder sogar mit dem Auto (Parkhaus vorhanden), wenn der Fussweg zu mühselig ist. Wenn erst die Bäumchen herangewachsen sind, wird es sicherlich auch angenehm schattige Plätzchen geben. Ich stelle mir vor, wie belebt es im heißen Sommer dort oben sein wird, vor allem Sonntags, wenn die türkischen Familien ihren Ausflug machen und es dort oben kühler sein wird als in der stickigen Stadt. Ich liebe es, sonntags in dieses Leben einzutauchen.

Ich hatte leider meine Kamera nicht dabei, darum gibt es nur Handybilder:

Das Eröffnungskonzert hab ich leider verpasst, das fand am 26.2. statt, bei Youtube gibt es Berichte dazu, z.B. hier. Eine Übersicht über all die tollen Anlagen zeigt auch dieser Film:
MANAVGAT TÜRKBELENİ BÜYÜLÜYOR

Herzliche Grüsse von der Bloggerin!

Auswandern: Bürokratie Teil 2 – Was ist in Deutschland zu tun?

Ein leicht verrücktes Haus in Manavgat

Die Zeit rennt und plötzlich ist es nur noch eine Woche bis ich nach Deutschland reise um dort meine Wohnung aufzulösen, eine Menge von Ämtergängen zu erledigen und dann endlich im April wieder hier in Side zu Hause anzukommen, dann ganz und gar ausgewandert.

Ich hoffe, es ergeht mir bei all den Ämtergängen nicht wie Asterix und Obelix im „Haus, das Verrückte macht„.

Ich dachte, ich teile hier mal meine „To do“-Liste von Dingen die erledigt werden müssen (ohne Anspruch auf Vollständigkeit):

  • Gehört nicht zu den Ämtergängen, muss aber erledigt werden: Wohnung räumen, Renovierung mit dem Hauswart besprechen und entweder selbst erledigen oder machen lassen
  • Für nicht verkaufte oder verschenkte Möbel den Sperrmüll bestellen, oder schauen wohin man die spenden kann (meine Sachen sind alle noch nicht alt)
  • Strom und Wasser ablesen und Schlussstände bei den Versorgern melden (gekündigt hab ich schon)
  • Abmeldung beim Einwohnermeldeamt (ist bei Umzug ins Ausland erforderlich, außerdem braucht man u.U. die Abmeldebescheinigung später mal beim Konsulat, bei der Krankenversicherung oder anderen Behörden im Ausland)
  • Rundfunkbeitrag abmelden
  • Steuererklärung für 2018 erledigen und abschicken. Ich hab nachgefragt, für 2019 ist dann auch noch das Bremer Finanzamt zuständig und danach dann für Auswanderer das Finanzamt Neubrandenburg. Vielleicht befreit man mich aber auch davon, zukünftig eine Steuererklärung abgeben zu müssen.
  • Zur Rentenversicherung gehen und mitteilen, dass ich jetzt wie angekündigt ins Ausland ziehe. Da ich weiterhin meine Rente auf mein deutsches Konto erhalte und ich in Deutschland Steuern zahle, wird sich da nicht viel ändern. Man hat mir aber gesagt, dass es durch die Adressänderung in einem Monat eine Verzögerung bei der Zahlung geben kann. Ich habe den Umzug im Vorfeld mit der DRV besprochen, um keine unangenehmen Überraschungen zu erleben, aber bei mir bleibt alles wie gehabt.
  • Bei der Rentenversicherung für meine Betriebsrente muss ich auch Bescheid geben.
  • Bei der Krankenkasse vorsprechen und die neue Adresse im Ausland mitteilen und den „T/A 20“ Auslandskrankenschein beantragen. Das kann noch spannend werden – bis jetzt war ich mit dem „T/A 11“ bei der türkischen gesetzlichen Krankenkasse, der SGK, versichert, der höchstens immer ein halbes Jahr gültig ist. Meine Krankenkasse will aber, dass ich den „T/A 20“ nutze, wenn ich keinen deutschen Wohnsitz mehr habe. Da der dann langfristig gilt, ist mir das sehr recht. Nur sehe ich leider Probleme in der Türkei auf mich zukommen, denn beim letzten Mal hat man mir bei der SGK gesagt, ich müsste ein halbes Jahr ununterbrochen in der TR geweilt haben, damit der „T/A 20“ akzeptiert würde. Das passiert aber nie, da ich ja immer mal nach Deutschland reise, mindestens alle drei Monate bislang. Also kann es sein dass ich doch erstmal noch mit meiner Krankenkasse über den „T/A 11“ verhandeln muss. Die haben mir zugesichert, dass ich nicht ohne Versicherungsschutz sein würde, schließlich zahle ich Beiträge in Deutschland, also irgendwie muss das funktionieren. Anscheinend gibt es nach einer Umstellung unterschiedliche Auslegungen bei der deutschen und türkischen Krankenkasse. Ich bin froh, dass mein Mann bei mir ist, wenn ich im April wiederkomme und mir da helfen kann.
  • Für die Pflegeversicherung, kann ich eine Anwartschaft zum reduzierten Beitrag beantragen, das mache ich natürlich, man weiß ja nie.
  • Und apropos Krankenkasse: ich werde noch schnell beim Zahnarzt und der Gynäkologin und der Hausärztin alle Vorsorgeuntersuchungen machen lassen um den Bonus für dieses Jahr zu retten! Und mir bei meiner Fachärztin meine Arztbriefe mitgeben lassen, vielleicht brauche ich die ja mal.
  • Zu meiner Hausbank: auch da habe ich schon vorgefühlt, ob ich denn mein Konto behalten kann und sie haben zugestimmt, aber ich werde jetzt natürlich erstmal hingehen und die türkische Adresse hinterlegen und fragen, wie es denn zukünftig z.B. funktioniert, wenn ich neue Kreditkarten o.ä. brauche. Ich hab noch andere Banken, die aber nicht so eilig zu benachrichtigen sind, weil da keine regelmäßigen Zahlungen erfolgen, das drängt also nicht.
  • Zur  Führerscheinstelle. Ich will einen neuen Führerschein beantragen, da der alte noch auf meinen ehemaligen Ehenamen läuft und denke es ist vielleicht auch nützlich, einen internationalen Führerschein zu haben, also auch den beantragen.

Das ist die Liste, wie ich sie bis jetzt im Kopf habe, vielleicht hilft sie ja dem einen oder der anderen, die sich auch mit dem Gedanken an eine endgültige Auswanderung trägt. Oder Ihr wisst noch etwas, was ich nicht weiß und habt Tipps für mich und andere, dann schreibt es gerne in die Kommentare!

Ich hoffe, ich hänge am Ende nicht so herum:

Und bei all dem Gerenne werde ich mich ja auch noch von meiner Heimatstadt verabschieden und von vielen lieben Menschen, die ich jetzt noch seltener sehen werde. Alles hat seinen Preis. Ich bin trotzdem sehr glücklich über diese Entscheidung und will meine Zeit hier im schönen Side nutzen. Ob ich mal wieder nach Deutschland zurückkehre weiß ich noch nicht. Wenn meine Familie mich braucht, dann sicherlich. Ansonsten werde ich wohl hier heimisch werden, oft zu meinem Mann nach Kassel reisen (und er hoffentlich auch oft herkommen) und darauf warten, dass auch er in die Rente geht und wir dann unsere Zeit gemeinsam genießen können.

Enttäuschte Liebe

Seit ich mich hier in der Türkei niedergelassen habe, lese ich natürlich gerne Erfahrungsberichte von anderen Auswanderern, oder gucke entsprechende Videos bei YouTube. Was mir dort auffällt, aber auch bei Gesprächen vor Ort (erst gestern wieder im Dolmuş): bei einem ziemlich großen Teil der betreffenden Menschen nehme ich wahr, dass sie unsere deutsche Heimat sehr schlecht reden und die Türkei komplett idealisieren.

Ich finde das hört sich nach enttäuschter (Heimat)Liebe an. Wenn man enttäuscht wurde, neigt man ja dazu, alles Vergangene in schlechtem Licht zu sehen, aber ist das angemessen?

Also ich kann natürlich auch an Deutschland eine Menge auszusetzen finden – die Entwicklung der letzten Jahrzehnte mit immer mehr Sozialabbau, sinkendem Lohnniveau, insgesamt einer Politik die die Interessen der Wirtschaft in den Mittelpunkt stellt und nicht die der Menschen. Das passt mir überhaupt nicht. Die zunehmende Spaltung der Gesellschaft, das Suchen von „Sündenböcken“ bei dem ich als Muslima natürlich zu den Auserkorenen gehöre – ich kann mich darüber durchaus aufregen, von der katastrophalen Außenpolitik mit Beteiligung an illegalen Kriegen, Unterstützung von Unrechtsregimes und fehlender Souveränität ganz zu schweigen. Also zu kritisieren gibt es genug. Ich hab es aber nie beim Schimpfen gelassen, ich bin immer auch engagiert gewesen, im Rahmen meiner Möglichkeiten. Und ich störe mich sehr daran, dass so viel Passivität unter meinen deutschen Mitbürgern herrscht, meckern ja, aber auf die Straße gehen – Gott bewahre!

Trotzdem: ich hab mehr nette Menschen in Deutschland erlebt, als solche die mich schlecht behandeln, ich kenne viel Engagement, Hilfsbereitschaft, Freundlichkeit. Ich mag deutsche Direktheit und Ehrlichkeit. Ich habe mit meiner chronischen Erkrankung kompetente Hilfe erfahren und wenig schlechte Erfahrungen gemacht. Ich bin einen Ausbildungs- und Berufsweg gegangen, der mir immer neue Entwicklungsmöglichkeiten gegeben hat und schließlich, als ich aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr konnte, hat man mir eine, jedenfalls derzeit noch, existenzsichernde Rente gegeben. Und es gibt noch vieles mehr, das ich positiv bewerte.

Ich bin nicht aus Deutschland weggegangen, weil ich es dort so schlecht fand. Andererseits liebe ich natürlich das Leben in der Türkei. Ich hätte durchaus auch persönliche Gründe, über dieses Land schlecht zu reden, hab ich doch mit einigen Menschen hier die übelsten Erfahrungen meines Lebens gemacht, was unter dem Oberbegriff „Unehrlichkeit“ zu fassen ist und das war wirklich schlimm und hat meinem Grundvertrauen in die Menschen einen schweren Schlag versetzt, den ich nur langsam überwunden habe. Aber das verallgemeinere ich doch nicht. In der Regel finde ich die Menschen hier freundlich, hilfsbereit und sehr viel toleranter als in Deutschland. Als Muslima lebt es sich hier natürlich entspannt – aber das war auch nicht immer so! Bis vor 15/16 Jahren gab es hier diese Religionsfreiheit nicht, obwohl die Bevölkerung mit einer überwältigenden Mehrheit muslimischen Glaubens ist. Mein Mann sagt immer, ich wäre damals nicht mal in ein Einkaufszentrum gelassen worden mit meinem Kopftuch. Das ist Gott sei Dank jetzt anders und die offizielle Linie ist, dass hier Menschen aller Religionen ihren Glauben frei ausleben dürfen. Wirklich einer der großen Gründe, warum es mir hier gefällt!

Aber man muss sich auch nicht alles schön reden: Die soziale Absicherung ist lange nicht so wie in Deutschland. Löhne, Sozialhilfe, Renten sind oft nicht existenzsichernd. Es ist allerdings vieles sehr viel besser geworden, ich habe das in Jahren am Beispiel „meines“ Dorfes in Südostanatolien verfolgt. Infrastruktur, Gesundheitswesen, Bildungssystem, Universitäten – da sieht man eine großartige Entwicklung. Die Korruption wird bekämpft. Früher sind Kinder gestorben, wenn die Familie dem Arzt kein „Messergeld“ zusätzlich zu seinem Gehalt gegeben hat, wenn eine Operation nötig war! Das Pflegegeld, wenn man Angehörige versorgt ist so bemessen, dass man davon auch leben kann und keine andere Arbeit braucht – vorausgesetzt, man hat schon eine Unterkunft, ob das für die Miete noch reichen würde, bezweifle ich.

Das sind nur die Beispiele, die mir spontan eingefallen sind. Also, es gibt hier ebenfalls Licht und Schatten und mein „Vorteil“ ist, dass ich nicht alles verstehe, was politisch so diskutiert wird und passiert. Aber mit Sicherheit fände ich auch mehr zu kritisieren, würde ich alles mitbekommen. Da muss ich aber noch viel besser Türkisch lernen. Vielleicht ist einer der großen Vorteile hier, dass die Türkei ein Land ist, dass sich gerade mit großen Schritten entwickelt. Besonders spürbar für die Menschen in ländlichen Gebieten, die viele Jahre lang abgehängt und vernachlässigt wurden, als „dumme Dorftürken“. Da wurde sehr viel Potential verschenkt und natürlich ist dadurch die Entwicklung so deutlich, während wir in Deutschland das Gefühl haben, das alles schlechter wird. Nicht nur das Gefühl natürlich, es wird immer schlechter für „kleine Leute“.

Wenn von Unterdrückung der Meinungsfreiheit gesprochen wird, kann ich das für die Türkei nicht wirklich beurteilen, aber dass wir in Deutschland uns so frei äußern können, ist auch nicht wahr. Bestimmte Themen sind aus Gründen der „Staatsräson“ tabu und da hat man dann berufliche Nachteile, oder man erhält gar keinen Ort zur Verfügung um diese Themen zu diskutieren, usw. Und unser politisches System könnte man vielleicht auch mal hinterfragen, wie kann es angehen, dass die Vertreter des angeblichen Souveräns, des Volkes, so viele Entscheidungen treffen, die ganz und gar nicht im Interesse der absoluten Mehrheit der Menschen sind? Wir haben in Deutschland ja auch nie über unsere Verfassung abgestimmt, im Gegensatz zu den Türken, die das gerade erst getan und dieses Präsidialsystem gewählt haben (übrigens haben sogar die Iraner über ihre Verfassung abgestimmt und das gleich mehrfach, nur so nebenbei).

Also mein Fazit ist, dass wir hier wie dort in keinem perfekten Land leben. Aber da hilft kein Meckern: es sind wir Menschen die dafür verantwortlich sind, die Gesellschaft zu gestalten, egal wo wir leben. Das fängt im Kleinen an und geht bis zu größerem Engagement für eine gerechtere Welt.

Ich halte es weder für den einzelnen Menschen, noch gesellschaftlich für hilfreich, aus enttäuschter Liebe alles schlecht zu machen. Das hindert die Weiterentwicklung, im Großen wie im Kleinen. Besser ist es, die Realität so objektiv wie möglich zu betrachten, die eigenen Anteile an der Entwicklung zu beleuchten und zu schauen, was man selber tun kann für persönlichen und gesellschaftlichen Frieden und Entwicklung.

Dazu habe ich hier mal ein Zitat aus unserem heiligen Buch, dem Koran. Aus der Sure 13 (Ar-Rad -Der Donner). Darin sagt Gott (in ungefährer Übersetzung) von sich selbst:

„Wahrlich, Allah ändert nicht den Zustand eines Volkes, bis sie das ändern, was in ihnen selbst ist.“

Wie seht Ihr das, liebe Leserinnen und Leser? Habt Ihr auch diesen Eindruck? Über Kommentare freue ich mich!


Morgens früh in Side

Nach dem Ausflug am letzten Wochenende bin ich leider krank geworden und hab vier Tage richtig flach gelegen. Gestern war ich dann zum ersten Mal wieder auf, musste aber einiges erledigen. Heute morgen wollte ich dann unbedingt als erstes einen Spaziergang am Meer machen. Also bin ich kurz vor 8 Uhr in den Dolmuş gestiegen und bis „Antik Side“ gefahren und von dort wieder nach Hause spaziert. Ein häufiger Weg, aber so menschenleer ist es selten. Es lohnt sich wirklich, mal früh aufzustehen.

Ein paar Einblicke:

Bürokratie Teil 1

Mein Bericht hier beruht auf meinen persönlichen Erfahrungen und ich erhebe weder Anspruch auf Vollständigkeit, noch darauf dass ich mich in diesen Bürokratie-Themen auskenne! Ich bin hier so reingestolpert und hatte von nix eine Ahnung! In meiner persönlichen Situation kein Drama, aber ein Vorgehen, dass ich nicht unbedingt jedem empfehlen würde! Ich erzähle nur davon, um einen kleinen Eindruck zu geben, was für Wege Auswanderer gehen müssen, um in der neuen Heimat anzukommen!

Also: der Entschluss, in der Türkei zu leben kam bei mir ein bisschen plötzlich. Eine Weile vor unserem Urlaub in Side im November/Dezember 2017 meinte mein Mann, was ich denn davon halten würde, wenn wir uns hier nach einer Wohnung umsehen würden. Ich war ein wenig überrascht, aber angenehm…so ein Feriensitz am Meer wäre ja schön, dachte ich mir. Aber richtig dran geglaubt habe ich nicht.

Und dann war es tatsächlich so, dass wir in den vier Wochen Urlaub mit einem Mietwagen hier an der Küste zwischen Gazipaşa und Antalya alle möglichen Wohnungen angeschaut haben und schließlich gefiel uns unsere jetzige von der Lage und vom Preis her so gut, dass mein Mann sie gekauft hat. Es gab luxuriösere Objekte für den gleichen Preis, aber da stimmte dann die Lage nicht, es gab günstigere Objekte, bei denen ich mir aber nicht vorstellen konnte, dort die meiste Zeit alleine zu leben. Vom Neubau-Luxus-Apartment, über entzückende Ferienhäuschen, leider sehr abseits gelegen, bis zur absoluten Bruchbude haben wir alles gesehen. Nun sollte es also diese sein.

Zum Thema Wohnungskauf werde ich vielleicht später noch mal was schreiben, das ist jetzt hier gerade nicht das Thema.

Nun, in der letzten Urlaubswoche wurde alles unter Dach und Fach gebracht, schnell noch Strom und Wasser umgemeldet, alle Grundbuchangelegenheiten geregelt. Zu Weihnachten waren wir wieder in Deutschland und dann ging alles ganz schnell. Ich entschloss mich, meine Wohnung (mein Mann und ich haben auch in Deutschland schon eine Fernbeziehung geführt, aber das ist wieder eine andere Geschichte) in Bremen unterzuvermieten, die Wohnungsbaugesellschaft war einverstanden. Meine Familie ein wenig geschockt…Eine Untermieterin war bald gefunden und mein Kleinkram bei meinem Mann eingelagert. Ich hab ja in Bremen nur eine Einzimmerwohnung gehabt und die Möbel mit vermietet.

Ja und am 29.1.2018 bin ich dann nach Antalya geflogen und abends in die Wohnung eingezogen, die natürlich erst meine werden musste. Auch das jetzt nicht das Thema.

Da war ich nun und war ganz naiv der Meinung, ich dürfte immer 90 Tage in der Türkei bleiben, müsste dann nur kurz ausreisen und könnte wieder 90 Tage bleiben. Da ich ja sowieso nicht vor hatte, meinen Mann und meine Familie soooo selten zu sehen, kein Problem, dachte ich. Mein Plan war, dass mein Mann und ich für mich eine längerfristige Aufenthaltserlaubnis beantragen, wenn er im Juni im Urlaub hier wäre.

Ich bekam den Tipp, dass gerade ein neuer Türkisch Kurs für Ausländer angefangen habe und erfuhr, dass ich da noch einsteigen könnte (auch davon werde ich noch erzählen, inşallah, 🙂 ). Und beim 2. Termin an dem ich im Kurs war, kam ein freundlicher Herr von der Ausländerbehörde und beantwortete alle Fragen, die die Teilnehmer hatten.

Und da stellte sich heraus, dass ich nicht auf dem neuesten Stand der Ausländergesetze war und das nur noch ein Aufenthalt von 90 Tagen innerhalb von 180 Tagen gestattet ist, wenn man keine Aufenthaltserlaubnis hat.

Ups….ich hatte ja schon 28 Tage durch unseren Urlaub „verbraucht“ und auf einmal sah es so aus, dass ich sechs Wochen später wieder ausreisen müsste und dann auch erstmal den Beginn eines neuen 180-Tage-Zeitraumes in Deutschland abwarten müsste. Also, es half nix, ein „Ikamet“ so heißt hier die Aufenthaltserlaubnis musste her.

Man kann eine solche selber beantragen. Unter dieser Adresse findet man, welche Dokumente gebraucht werden und kann einen Termin vereinbaren:

E-Ikamet

Aber das ist was für Leute mit starken Nerven…Mitschülerinnen haben mir erzählt, wie sie sich dort abgemüht haben und das mit Unterstützung ihrer anwesenden türkischen Ehemänner. Meiner ist aber nun wie gesagt meistens in Deutschland.

Nun kann man sich dabei helfen lassen – es gibt sicher Menschen, die das privat machen, ich kannte aber noch nicht so viele Leute hier. Und ein paar die es beruflich tun. Meine lieben russischen Nachbarn gaben mir dann den Tipp es hier:

Güney Iş

zu probieren und begleiteten mich auch dorthin. Es handelt sich eigentlich um eine Arbeitsvermittlung, aber solche „Fälle“ wie meiner werden auch übernommen.

Es gab einiges an Papieren, die ich besorgen musste:

  • eine türkische Steuernummer (ganz einfach beim Finanzamt zu bekommen)
  • natürlich gültiger Reisepass in Kopie
  • ein Mietvertrag (da wir nicht standesamtlich verheiratet sind)
  • Einkommensnachweis, ich weiß den genauen Betrag nicht, den man monatlich braucht, aber es muss eine gewisse Summe nachgewiesen werden, oder ein entsprechender Kontostand
  • Passbilder – davon sollte man sich einen Vorrat anlegen, türkische Behörden lieben die!
  • Eine Krankenversicherung – da hat mir das Büro eine besorgt die recht günstig war, mit der Laufzeit für den Zeitraum den man beim Ikamet beantragt (inzwischen hab ich mein Kärtchen von der SGK, der gesetzlichen Krankenkasse hier. Diese für das Ikamet ist auch mehr pro forma und deckt nur einen kleineren Teil der Kosten ab – das musste ich aber auch erstmal lernen!)
  • …….vielleicht noch mehr, an das ich mich gerade nicht erinnern kann, aber das könnt Ihr unter obigem Link nachlesen.

Hätte ich mir nicht helfen lassen, hätte ich vermutlich beglaubigte Übersetzungen gebraucht. Also hab ich da vermutlich das Geld wieder eingespart – oder fast – das mich der Service gekostet hat (und fragt mich jetzt nicht wie viel das war, daran kann ich mich nur noch vage erinnern, aber es war nicht so dramatisch und hat mir viel Stress erspart).

Nach ein paar Wochen bekam ich dann Nachricht, dass ich einen Termin hätte bei der Ausländerbehörde und bin mit Begleitung dahin, die Papiere abgeben…und ein paar Wochen später konnte ich bei der Post mein Ikamet für zwei Jahre abholen. Elhamdülillah. Alles gar nicht so schlimm, ich wieder entspannt:

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Bei der Verlängerung werden etwas weniger Unterlagen benötigt, mir wurde geraten, mich ca. zwei Monate vor Ablauf des Ikamets wieder zu melden für den Verlängerungsantrag.

Inzwischen bin ich auch bei der SGK registriert mit meinem T/A11 Auslandskrankenschein – aber zum Thema Krankenversicherung schreib ich noch mal was, da ändert sich auch mein Status demnächst, wenn ich mich in Deutschland abmelde. Inzwischen bin ich auch mit einem Wohnrecht im Grundbuch eingetragen, also werde ich dann nicht jedes Mal einen Mietvertrag vorlegen müssen.

Also: ich erhebe hier keinen Anspruch auf Vollständigkeit und meine Situation ist auch ziemlich überschaubar: Rentnerin mit ausreichendem laufenden Einkommen, Wohnrecht, deutsche Krankenversicherung.

Für Menschen die hier arbeiten wollen, die mit ihrer Familie herkommen wollen hab ich nicht wirklich Tipps, aber mit Sicherheit braucht das viel mehr Vorbereitungszeit als ich sie hatte!

Frühling in Sicht

 

Ähm, ja, heute hatten wir nach wochenlangem Dauerregen und heftigen Unwettern einen richtigen Frühlingstag in Manavgat. Das war nun aber auch der Tag, an dem die Stadtverwaltung Schnee aus den Bergen herankarren ließ, damit die Kinder ihren Spaß haben, :-). Und den hatten sie!

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Für uns sieht das Schneehäufchen ja ein wenig mickrig aus, aber wie man sieht, haben sich darauf zahlreiche Kinder vergnügt. Es gab auch noch Hüpfburgen, kostenloses Kebab vom Grill, die Springbrunnen waren angestellt und alle haben sich amüsiert.

Vielleicht war das der Startschuss für die zahlreichen kulturellen Veranstaltungen, die es hier über´s Jahr kostenfrei gibt? Ich hoffe es. Der Winter war für hiesige Verhältnisse wirklich hart. In den nächsten Monaten dürfte es an zahlreichen Häusern Bauarbeiten geben, um die Wasserschäden zu beseitigen.

Auch in unsere Wände ist Feuchtigkeit gezogen. Das muss erstmal trocknen und dann haben wir wohl einiges an Verputz- und Malerarbeiten zu tun und im Sommer will mein Mann draußen eine Drainage legen. Sonst bildet sich neben unserem Haus ein Burggraben wenn es stark regnet. Hier wird nicht so gebaut, wie bei uns in Deutschland. Immerhin haben wir hier gleich einen Kanal liegen, in den man das Wasser dann leiten kann. Was aber beim Bau niemand genutzt hat. Bestimmt zeig ich Euch Fotos, wenn wir hier loslegen. Vor April wird das aber nichts, erstmal muss es wie gesagt trocknen und dann bin ich ja im März in Deutschland, meine Wohnung dort auflösen und den ganzen bürokratischen Kram, mit Rentenversicherung, Meldestelle, Krankenkasse, Finanzamt, Versicherungen usw. erledigen. Puh.

Am Platz beim Atatürk-Kulturzentrum gibt es übrigens ein barrierefreies Cafe, auch von der Stadtverwaltung eingerichtet:

DSCN0369 (2) Davor ein Set dieser Fitnessgeräte, die an vielen Stellen rumstehen, an denen ich aber fast noch nie jemanden trainieren sah.

Ich hab mich nicht in die Schlange für das kostenlose Essen eingereiht, sondern bin in meinen Lieblingsimbiss gegangen und hab das erste Mal in diesem Jahr draußen sitzend gegessen. Dann mit dem Dolmuş zurück nach Side, bis zur Altstadt und dann bin ich an der Promenade zurück nach Hause gelaufen. Das ist ein sehr häufiger, fast täglicher Spaziergang von mir. In Side wird wieder schwer gebuddelt. U.a. wurde das Hotel Kleopatra abgerissen und die Archäologen sind dort am Werk.

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So sieht jetzt die „Hauptstraße“ in der Altstadt von Side aus. Im Sommer ist da oft kaum ein Durchkommen. Ich mag die Zeit, wenn so langsam wieder mehr Leute unterwegs sind, es aber noch nicht so überfüllt ist.

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Und noch etwas vom Nachhauseweg:

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Das Bilder einstellen ist manchmal mühselig, denn das mit dem Internet ist etwas, das hier nicht so toll ist. Ich hab schon auf dem türkischen Dorf rasanteres Internet erlebt, als in der bayrischen Kleinstadt, aber hier im Tourismusgebiet ist es sonderbarerweise schlechter. Ich hatte erst eines über Satelliten, das gab oft Ausfälle, jetzt seit einem Monat über Kabel von Vodafone. Naja, ausgefallen ist es nicht, aber hat auch nicht das Tempo das es sollte und Uploads gehen nur manchmal. Ich reg mich nicht auf und versuche es ein anderes Mal wieder….da meine Sprachkenntnisse sowieso nicht reichen, um mich bei der Hotline zu beschweren. Wenn ich in den nächsten Tagen meine Rechnung bezahlen gehe, dann werd ich mal ausgedruckte Speedtests mitnehmen und mit meinen Türkischbrocken da verhandeln.

So ist das als Ausländer…..wenn man die Sprache noch nicht richtig kann…An vielen Stellen komme ich mit Deutsch oder Englisch prima durch, aber manchmal eben auch nicht, am Telefon jedenfalls nicht. Leider finde ich Türkischlernen sehr mühselig und komme nur sehr langsam voran. Der Weg ist das Ziel.

Aber das sind kleine Schwierigkeiten im Vergleich zu dem Geschenk, hier leben zu dürfen. Ich mag auch die Winterstürme und bin gerade gestern bei ordentlichem Wind an der Promenade gelaufen und hatte dabei ein Gefühl tiefer Dankbarkeit. Ich mag die Brandung, :-), das Durchweichtwerden allerdings weniger. Ist dann ein bisschen wie Nordsee, nur wärmer. 17 Grad bei Sturm fühlen sich für mich sonderbar an.

So weit für heute mit einem kleinen Einblick in einen meiner glücklichen Tage hier in Side/Manavgat. Bis zum nächsten Blog!

 

 

Auswandern

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Mein größtes Geschenk: täglich aufs Meer gucken!

Salam, Hallo und Merhaba allerseits,

ich weiß nicht, wie viele Anläufe ich inzwischen gemacht habe um das Bloggen wieder aufzunehmen – zu viele jedenfalls, die praktisch sofort wieder eingeschlafen sind. Ich war einfach zu beschäftigt mit vielen anderen Dingen. Aber jetzt habe ich eine Entscheidung getroffen, über die es, so denke ich, einiges Interessante zu berichten gibt: ich werde ganz in die Türkei auswandern.

Also eigentlich bin ich ja schon ein Jahr überwiegend hier. Gestern hatte ich „Jahrestag“: Am 29.1.2018 bin ich hier eingezogen. Aber nun musste ich meine Wohnung in Bremen, die noch untervermietet ist, leider zu Ende März kündigen. Meine Untermieterin zieht aus, der Vermieter möchte auch keine neue Untermiet-Genehmigung erteilen. So muss ich mich leider von diesem wunderbaren Zufluchtsort trennen. Denn das war diese Wohnung für mich: 2015 hatte ich das  Glück in das ganz besondere Aalto-Hochhaus in Bremen zu ziehen, ganz nach oben in den 21. Stock. Ich habe diese Wohnung geliebt und sie kam zu einem Zeitpunkt zu mir, als ich mich von einer Trennung erholen musste und war genau das, was ich gebraucht habe.

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Aussicht aus dem Aalto-Hochhaus in Bremen

Aber nun, das Leben und die Liebe gehen weiter und bringt unerwartete Wendungen mit sich. Ich habe wieder geheiratet – auf islamische Art – und mein Mann hat vor einem guten Jahr diese Wohnung an der türkischen Riviera gekauft, in der ich jetzt lebe. Da er im Gegensatz zu mir noch im Berufsleben steht, führen wir eine Fernbeziehung, d.h. wir pendeln relativ häufig zwischen Deutschland und der Türkei und haben da inzwischen einen Rhythmus, mit dem wir ganz gut zurechtkommen. Wir haben viele Pläne für die Zeit, in der auch mein Mann in Rente geht, vor allem Reisepläne, aber das dauert wohl noch ein bisschen. Und auch wenn ich es schade finde, dass ich mich nicht mehr entschließen kann, in das Aalto-Hochhaus zurückzugehen, so bin ich doch auch froh, diese Verantwortung für die Wohnung dann nicht mehr zu haben.

Die Gründe, warum ich hergezogen bin, sind ganz persönliche: Ich liebe das Meer und wollte immer schon dort leben. Die Türkei ist mir natürlich einigermaßen vertraut, weil ich hier seit 15 Jahren schon viel Zeit verbracht habe. Ich bin aus gesundheitlichen Gründen vorzeitig berentet worden und hier geht es mir mit meiner Erkrankung sehr viel besser. Nach elf Jahren in denen ich immer Medikamente genommen habe, konnte ich das letzte im Oktober absetzen und komme seither ohne zurecht. Die Krankheit ist nicht weg, aber ich hab sie hier ohne Medikament genauso im Griff wie in Deutschland mit Medikament – eher ist es ein bisschen besser.

Ich mag die Menschen hier und ihre Gelassenheit, hier geht es viel entspannter zu. Was natürlich manchmal auch nerven kann, wenn man deutsche Effizienz gewöhnt ist. Und natürlich gibt es auch mal Probleme, aber insgesamt lebe ich hier in Ruhe vor mich hin und habe einen Lebensrhythmus der mir gut bekommt.

Manche fragen mich, ob ich ein „Erdoğan“-Fan bin, andere, ob ich denn gar keine Angst habe, weil doch in der Türkei eine Diktatur herrscht. Nun: weder noch. Ich sehe durchaus die Fortschritte die die Türkei in den letzten 15/16 Jahren mit dem jetzigen Präsidenten in seinen verschiedenen Funktionen gemacht hat, ich  bin eine große Kritikerin seiner Außenpolitik gewesen, als hier die Terroristen nach Syrien durchmarschiert sind, ich sehe Licht- und Schattenseiten und vieles bekomme ich nicht mit, da meine Sprachkenntnisse noch nicht ausreichen. Was ich aber sagen kann: ich sehe hier keine Leute die Angst haben, ihre Meinung zu sagen, im Gegenteil, schimpfen auf Erdoğan gehört täglich dazu. Überhaupt wird sich viel beklagt, da denke ich dann oft, ob sich die Leute nicht mehr erinnern, wie es vor 20 Jahren hier aussah?

Meine Auswanderung hat also weder politische, noch religiöse Gründe, außer dass ich natürlich sage, dass alle diese Aspekte nun mal zu meinem Leben gehören. Sie haben aber bei der Entscheidung keine große Rolle gespielt. Was allerdings das Religiöse angeht: auch in der Türkei gehöre ich einer religiösen Minderheit an, aber hier ist „Leben und Leben lassen“ angesagt. Die Toleranz ist hier eine ganz andere als in Deutschland.

So denke ich, ich kann vielleicht ein bisschen erzählen wie es mir hier geht, was Auswanderer so beachten müssen (wobei ich da selbst oft noch auf  Beratung von anderen angewiesen bin) und was ich so erlebe. Der Blog wird also wahrscheinlich ein bisschen persönlicher werden als früher zu Zeiten von „Meryems Welt“. Aber ich will die anderen Themen, die nichts mit dem Leben in der Türkei zu tun haben natürlich nicht weglassen.

Vermutlich wird es mehr kurze Beiträge geben als früher von mir gewohnt. Meine Energie zu ausgiebigen Recherchen zu Themen die mich interessieren verbrauche ich meistens in einem Minijob. Ich hoffe jedoch, dass es für meine Leser interessant wird.

Also: „Görüşürüz“ ( so ungefähr: Tschüß, wir sehen uns!)