Türkei Ausflug: „Nature Paradise“

Gestern war ich mal „touristisch“ unterwegs, d.h. ich habe mit meiner Freundin, die gerade zu Besuch ist, einen Ausflug über einen der zahlreichen Reiseveranstalter die hier in der Region tätig sind gebucht (und morgen haben wir da auch noch was vor). Wir waren bei (Achtung, unbezahlte Werbung)“Käfer Reisen“ in Colaklı und erhielten dort von Mario eine ausführliche Beratung auf Deutsch, woraufhin wir uns wie gesagt für zwei der vielen angebotenen Ausflüge entschieden haben. Der gestrige hieß „Nature Paradise“ und das ausführende Unternehmen war „Side Activity Travel“.

Begleitet wurden wir von unserem Reiseleiter Yusuf und einem jungen Fotografen, Selçuk, der dann im Anschluss auf Wunsch seine Bilder und Videos ins Hotel oder in meinem Fall nach Hause geliefert hat.

Es war ein Ganztagesausflug mit vielen Stopps, der gut geeignet ist, einen Einblick in die zahlreichen Möglichkeiten und die landschaftliche Schönheit dieser Gegend zu bekommen. Also eher etwas für Gäste, die sich noch nicht so gut auskennen in der Region. Nachdem alle Fahrgäste von ihren Hotels eingesammelt waren, ging es erst einmal zum Wasserfall in Manavgat. Für den Eintritt musste man extra bezahlen (2€), man muss aber natürlich nicht mit hineingehen, sondern kann sich auch in eines der Cafes auf der anderen Straßenseite setzen, oder sich sonstwie beschäftigen:

Nach einem ca. halbstündigen Aufenthalt am Wasserfall ging es zur nächsten Etappe der Reise: die ca. 2200 Jahre alte römische Stadt Seleukia, oder auch Lyrbe. Die Fahrt dahin bietet schon mal einige schöne Anblicke. Die Ausgrabungsstätte ist frei zugänglich, man kann überall in den Ruinen herumstrolchen. Von der Anhöhe aus hat man eine beeindruckende Aussicht.

Die Erklärungen zu der Geschichte der Stadt fielen sehr knapp aus. Es gibt ein paar Infotafeln:

Ich fand die Zeit für die Ausgrabung sehr kurz und werde auf jeden Fall versuchen, noch einmal auf eigene Faust hinzufahren. Im Wanderblog des GEM-Dernek gibt es dazu tolle Hinweise.

Wir hatten übrigens einen für Juli ungewöhnlich trüben und später auch verregneten Tag erwischt, also nicht wundern, wenn auf den Bildern selten die Sonne scheint.

Als nächstes ging es durch die Berglandschaft zu einem Lokal mit toller Aussicht, in dem wir, wenn wir wollten, hausgemachte „Gözleme“ verspeisen konnten (auch 2€).

Man ist ja übrigens nicht alleine unterwegs, es begegnen einem überall andere Tourbusse und Jeeps – und Vorsicht! Es hat wohl Tradition die Gäste der anderen Busse nass zu spritzen. Manche waren nicht nur mit Wasserflaschen, sondern auch mit Wasserpistolen bewaffnet.

Als nächstes besichtigten wir den Oymapinar-Staudamm und warfen ein paar Blicke auf den See und die Umgebung:

Nächste Station: Das „Panorama Lake Restaurant“, ein beliebtes Ausflugsziel auch bei Einheimischen. Hier starteten wir vor dem Mittagessen zu einer ca. einstündigen Bootsfahrt. Das ist keine Fahrt durch den „Green Canyon“, sondern auf dem See! (Green Canyon steht also immer noch auf meiner Wunschliste). Pünktlich zur Abfahrt fing es richtig an zu schütten und ein heftiges Gewitter entlud sich direkt über uns.

Einige Mutige nutzten dann die Schwimmgelegenheit, als das Gewitter abgezogen war.

Im Anschluss an die Bootsfahrt gab es ein leckeres Mittagessen im Panorama Lake Restaurant. Man konnte zwischen Hähnchen und Forelle wählen mit jeweils einem sehr kleinen Salat wählen:

Bald nach dem Essen reisten wir dann auch weiter. Der nächste Programmpunkt gefiel mir überhaupt nicht. Ein kleiner Zoo, der nach Auskunft des Reisebüros eigentlich wegen nicht artgerechter Haltung aus dem Programm genommen sein sollte. Wir waren trotzdem da und ich fand es fast nur traurig. Vereinsamte Rudeltiere, kein Auslauf für Straußen usw. Die Schweinchen wirkten ganz zufrieden, aber sonst fand ich es schrecklich. Nur: geht man nicht hinein, wird auch kein Futtergeld eingenommen. Was ist da nun richtig?

Vorletzter Punkt unseres Ausfluges: Ein Besuch in einem „Orangengarten“. Da ist gerade nicht viel orange, sondern eher grün, aber schön anzuschauen war es:

Und dann ging es zurück nach Manavgat, zum letzten Programmpunkt: der Besichtigung der „Külliye Moschee“, das ist die große neue Moschee mit den vier Minaretten. Sie wurde, so hat man uns berichtet, von den Geschäftsleuten und Hotelliers der Stadt gestiftet. Ich hab kein richtiges Bild von außen, die Moschee hat aber eine FB-Seite.

Vor der Moschee gab es ein paar Erklärungen für die Nichtmuslime unter den Fahrgästen. Ich bin sehr stolz, dass meine Freundin als Islamwissenschaftlerin und in Berlin als Islamlehrerin Tätige da einiges beitragen konnte:

So und das war es dann – nach dem Moscheebesuch wurden die Fahrgäste wieder auf ihre Unterkünfte verteilt. Mein Fazit des Tages: das war eine schöne Tagestour mit vielen Eindrücken gerade für Neulinge in der Gegend. Da ich einiges schon kannte und außerdem gerne länger und in Ruhe verweile, ist das für mich nur bedingt geeignet, meiner Freundin hat es sehr gefallen, weil sie das Umfeld und die Landschaft hier noch nicht so kennt. Was mich wirklich anfangs gestört hat, war die sehr laute Musik im Bus – aber da alle anderen daran anscheinend Spaß hatten, bin ich vielleicht auch nur sehr empfindlich. Ich würde lieber ohne Geräuschkulisse die Landschaft während der Fahrt auf mich wirken lassen. Entweder hatte ich dann später schon einen Hörschaden, oder die Lautstärke war reduziert, ich fand es dann erträglicher. Die Reiseleitung war in Ordnung, guter Laune, hatte alle im Blick – mir hätten ausführlichere Erklärungen noch besser gefallen. Meine Freundin hat sehr genossen, dass sie mit ihm, aber auch mit dem Bootskapitän, unserem Fotografen Selçuk und anderen die Gelegenheit zu ausführlicheren Gesprächen hatte. Ich hab davon natürlich wieder nur Brocken verstanden, aber ein paar Einblicke die sie mit mir geteilt hat, waren sehr interessant. Wer also sich zu fragen traut, dem erzählen die Einheimischen gerne mehr über ihr persönliches Leben, Geschichte und Kultur der Region.

Das Reisebüro kann ich nur loben. Die Beratung für den Ausflug im Vorfeld war gut, wir haben bekommen, was versprochen wurde und mehr. Vor allem sind wir nicht mit irgendwelchen Verkaufsveranstaltungen genervt worden, die nur Zeit kosten. Das ist nicht bei jedem Veranstalter so.

Unser Fotograf Selçuk

Info zu den Bildern: diese stammen zum größten Teil von mir, einige von meiner Freundin und Selçuk, die mir erlaubt haben, sie zu verwenden ohne sie extra zu kennzeichnen.

Ausflug zum Kovada Gölü und nach Eğirdir

Wieder ein Sonntagsausflug mit Madoks unter der Leitung von Ayhan Rüzgar – ich komme im Moment nur zu Reiseberichten, da ich eine liebe Freundin zu Besuch habe und wir viel unterwegs sind. Andere angefragte Beiträge müssen darum warten. Für die kommende Woche haben wir noch zwei „touristische“ Ausflüge gebucht, die hoffentlich auch ganz toll werden, aber heute waren wir wieder mit dem Verein Madoks aus Manavgat unterwegs. Das ist ein Kultur- und Sportverein, der Ausflüge für interessierte Einheimische anbietet und netterweise seine restlichen Plätze auch uns deutschen Residenten zur Verfügung stellt. Es handelt sich also um keinen kommerziellen Anbieter.

Meistens sind die Ausflugsziele von Madoks ja etwas abseits der üblichen touristischen Pfade und so war das auch heute. Es war wieder phantastisch, die Türkei ist einfach so ein vielseitiges Land. Die heutigen Ziele lagen in der Nähe von Isparta. Das war eine etwas längere Anfahrt und so ging es auch schon um 8 Uhr in Manavgat los.

Zuerst waren wir am „Kovada Gölü“, also Kovada-See. Das ist ein Nationalpark, da es dort einige seltene Pflanzen gibt. Der See ist nicht sehr groß und nicht sehr tief und der Park ist sehr bewaldet und zeigt sich in allen möglichen Grünschattierungen.

Tiere trafen wir auch, lebende und, naja, nicht so ganz mehr lebende, auch wenn sie fast so aussahen:

Es gibt ein kleines Museum, in dem diese und andere ausgestopfte Gesellen herumstehen…ich finde das ja immer ein wenig, nun ja, weiß nicht, einerseits interessant, andererseits eklig und traurig. Aber natürlich spannend zu sehen, was dort an Tieren lebt, oder lebte.

Anschließend ging es weiter nach Eğirdir, einer Stadt an einem See gelegen, der fast so groß wie der Bodensee und der viertgrößte der Türkei ist. In Eğirdir wurde ein Damm zu einer Insel aufgeschüttet, so dass diese jetzt eine Halbinsel und zu Fuß und mit dem Auto und natürlich mit dem Fahrrad erreichbar ist. In Eğirdir fand heute ein Triathlon statt, als wir ankamen lief gerade die Siegerehrung und es wurde aufgeräumt. Es war sehr stürmisch und pustete uns fast vom Damm, als wir auf die Insel liefen.

Aber erstmal waren wir in einem rustikalen und auf Nomadenart gemachten Lokal weit über der Stadt zum Essen und um die Aussicht zu genießen:

In der Stadt Eğirdir bummelten wir ein wenig herum, besichtigten die alte Moschee und spazierten dann zur Spitze der Halbinsel:

Auf der Insel finden sich die Grabstätte eines muslimischen Heiligen (Dede) und eine kleine Kirche. Und viele kleine Restaurants und Pensionen. Hier scheinen vor allem inländische Touristen Ferien zu machen.

Der hier bestattete Muslihiddin Dede lebte wahrscheinlich im 9. oder 10. JH. n.Chr. Im frühen 14. JH. wird er im Bericht eines Reisenden erwähnt, berichtet die Kulturseite der türkischen Regierung.und war ein zu seiner Zeit berühmter Lehrer und Reiseschriftsteller der aus Turkmenistan stammte. Warum es ihn nach Eğirdir verschlagen hatte, ist nicht bekannt. Auf dem örtlichen Friedhof sind wohl noch mehrere Gelehrte beerdigt.

Ich grüße Euch glücklich und ordentlich durchgepustet und überwältigt von den vielen Eindrücken dieses Tages! Bis ganz bald inschaAllah!

Bild: Ayhan Rüzgar

Sonntagsausflug: Goldwiegehöhle, Knopfhäuser und Seidenstraße

Merhaba, da bin ich wieder mit einem weiteren Bericht über einen der sonntäglichen Ausflüge, die ich hier die Gelegenheit habe, mitzumachen. Ich möchte vorweg noch mal erwähnen, dass es sich nicht um Ausflüge eines touristischen Veranstalters handelt, sondern dass ich die Gelegenheit nutze, mit dem Kultur- und Sportverein MADOKS ( hier ein paar Eindrücke spektakulärerer Aktivitäten als ich mitmache) zu reisen. Das ist dann jeweils eine Gruppe aus türkischen Mitgliedern, die auf ihren Restplätzen freundlicherweise Mitglieder des GEM-Dernek mitnehmen. Die Ausflugsziele werden aber oft auch von den touristischen Veranstaltern hier in Side und umzu angeboten, oder sind sehenswert, um sie auf eigene Faust zu erkunden.

Gestern ging es in das Dorf Sarihacılar, in der Nähe von Akseki, dann zum Mittagessen und einer weiteren Dorfführung nach Ormana und dann in die „Goldwiegehöhle“ die ein bekanntes Ausflugsziel aller Veranstalter hier ist.

Sarihacılar ist ein 800-900 Jahre altes Dörfchen, an der alten Seidenstraße gelegen, mit beeindruckenden Aussichten und vielen, mehr oder weniger gut erhaltenen Knopfhäusern (einer traditionellen Bauweise, erinnert mich an unser Fachwerk) und einer alten Moschee. Wir bekamen eine Führung von einem jungen Nachwuchs-Fremdenführer, der das sehr gut und ausführlich gemacht hat. Da es sich wie gesagt, um keinen Touristenausflug handelt, bin ich froh, wenn ich 10% von dem Erzählten verstehe.

Man kann aber kaum anders, also die Phantasie spielen zu lassen, wie es wohl gewesen sein mag, auf der Seidenstraße zu reisen (und wie es auch gewesen sein mag, diese überhaupt mit den damaligen Mitteln anzulegen, denn jedenfalls dort vor Ort ist sie mit Feldsteinen gepflastert.

Hier einige meiner Bilder aus Sarihacılar :

Hier ein paar Eindrücke von der Moschee:

Und hier von den Häusern und der Umgebung:

In Ormana haben wir gut zu Mittag gespeist und dann auch noch eine ausgiebige Führung mit vielen Informationen über die Bau- und Lebensweise in der osmanischen Zeit erhalten:

Anschließend ging es dann in die „Goldwiegehöhle“ (Altın Besik Mağarası). Die Straße dorthin wurde gerade ausgebaut, ist aber immer noch abenteuerlich zu fahren. Das Spannende an der Höhle ist, dass man den Höhlensee mit einem Schlauchboot befährt, aber leider fahren die Boote nur noch 150 m hinein, so dass man die spektakulärsten Teile der Tropfsteinhöhle gar nicht mehr zu Gesicht bekommt, das sollte man wissen. Es gibt dort eine einsturzgefährdete natürliche Brücke, unter der es zu gefährlich ist, hindurchzufahren.

Soweit für heute, ich hoffe Ihr habt einen kleinen Eindruck von der Gegend bekommen und Lust, sie ebenfalls zu erkunden!

Die Türkei hat einfach alles: Provence, Malediven und Italien an einem Tag!

Am letzten Mittwoch bin ich nach zwei Wochen „Heimaturlaub“ zurück nach Side gekommen. Die Zeit in Deutschland war nicht besonders gelungen, ich bin nämlich am ersten Abend schon sehr krank geworden mit hohem Fieber, so dass ich mich durch die Feierlichkeiten zum 80. Geburtstag meiner Mutter nur durchgequält habe und den Rest der Zeit eigentlich nur rumgelegen habe. Eine Lungenentzündung hatte mich erwischt, woher auch immer die kam. Nun, mit Antibiotika und der Rückkehr an mein Meer ging es mir dann wieder besser. So hab ich mich gestern dem Ausflug in die Lavendelfelder nahe Burdur und zum Salda-See angeschlossen. Das war ein langer Tag, aber es war in den Bergen angenehm kühl und die Landschaft wie immer schön anzuschauen.

Hier in der Türkei gibt es alles in einem: Provence (Lavendelfelder), Malediven (Salda-See) und Italien (superleckeres Eis in Korkuteli). Bei den Lavendelfeldern gibt es überall kleine Märkte in denen man von Lavendelkränzen, über Lavendelduftwasser bis zu Lavendeleis und -kaffee alles bekommen kann, dazu sind überall ein paar nette Dekorationen für Fotos aufgebaut. Nach dem Besuch der Felder hat sich der Busfahrer erstmal dank diverser Straßensperrungen wegen Baustellen verfranst, so dasss wir für die ca. 30 km zum See lange gebraucht haben, dafür haben wir eine ausgiebig Dörfertour genossen. Am Salda-See, den man wegen seiner Farbe die „türkischen Malediven“ nennt, waren wir am öffentlichen Strand von Yeşilova. Dort gibt es einige Restaurants und wir haben erstmal zu Mittag gegessen. Der See selber ist schon besonders: im flachen Bereich ist das Wasser durch hohen Magnesiumgehalt milchig weiß und weiter draußen dann von einem hellen bis tiefen Blau. Der Kratersee soll bis 196 m tief sein!

Der Strand ist aus feinem weißen Kies, leider gibt es weder Sonnenschirme noch Liegen zu mieten. Ich kann nichts dazu sagen, wie es an anderen Stränden des Sees aussieht. Nach einer guten Stunde Aufenthalt mussten wir schon weiter und fuhren mit einer Pause in einer super Eisdiele in Korkuteli (2 Kugeln kosteten mich ca. 80 Euro-Cent) über Antalya wieder zurück. Um 20:30 war ich dann zu Hause.

Das war wieder ein gelungener Ausflug. Mein Fazit ist allerdings: wer mehr als nur einen kleinen Eindruck vom Salda-See, den Lavendelfeldern und der Umgebung von Burdur haben will, sollte lieber mindestens eine Übernachtung einplanen. Für einen Tagesausflug aus der Umgebung von Side ist das ein ziemliches Pensum. Schön, um es mal gesehen zu haben, aber wer es richtig genießen will, braucht mehr Zeit.

Kirschen naschen in Burmahan

Heute habe ich an einem Ausflug nach Burmahan teilgenommen, das ist ein sehr ursprüngliches Dorf im Landkreis Manavgat. Dort gibt es viele Kirschbäume und Kirschen und Forellen essen war auch der Reisezweck. Ich bin gegen erstere allergisch und mag letztere nicht so gerne, aber mich locken ja immer Ausflugsziele abseits der sehr bekannten touristischen Pfade. Wobei ich gegen touristische Ziele auch nichts habe, aber ich freue mich auch immer über Gelegenheiten, mal etwas Anderes zu sehen.

Die Anreise war etwas abenteuerlich und staubig, unser Bus war etwas überfordert und für die Rückfahrt wurde dann auch Ersatz besorgt. Es ging durch wirklich wildromantische Landschaften über unbefestigte Serpentinen ins Dörfchen Burmahan – dort war die Kirschernte in vollem Gange und die meisten Bäume schon abgeerntet. Dann weiter zu einem Fischlokal, in dem es frische Forellen gab. Noch ein kleiner Gang durch den dazugehörigen Kirschgarten und dann vollbepackt (wer wollte) mit Kirschen wieder zurück. Hier sind meine Bilder vom heutigen Tag:

Hier könnt Ihr auf der Facebook-Seite von Ayhan Rüzgar, noch viel mehr Fotos von diesem Ausflug finden.

Das Fischrestaurant heißt BURMAHAN Yılmaz Alabalık Çiftliği ve RESTAURANT/MANAVGAT und so könnt Ihr es auch bei Google-maps finden.

Manavgat, çok güzel

( Übersetzung Überschrift: Manavgat ist sehr schön)

Ab nächsten Mittwoch bin ich zwei Wochen auf „Deutschland-Tournee“. Da wollte ich noch einmal einen ausgiebigen Spaziergang in Manavgat, unserer Kreisstadt machen. Die meisten Urlauber kommen wohl nur zum Shoppen in die Stadt, zum Montags- oder Donnerstagsbasar (eine weitere Gelegenheit hab ich ja hier schon mal empfohlen). Ich liebe es aber, am Fluss entlang zu spazieren und habe auch noch einen Tipp: Das „Manavgat Kent Müzesi“, ein städtisches Heimatmuseum.

Hier ein paar Bilder vom Spaziergang am Fluss entlang und vom Museum:

Die „gelbe Brücke“, Manavgats älteste Brücke

Mit dem Dolmuş aus Side kommend, geht es hinter der frisch sanierten „gelben Brücke“ den Uferweg entlang:

Da wo der Fluss einen Bogen macht, kurz vor der Fussgängerbrücke, gibt es einige kleine Fischlokale, ich habe da heute zu Mittag gegessen. Und wenn man dann die Brücke erklommen und die Aussicht genossen hat, sieht man auch schon den Fahrstuhl, mit dem man wieder herunterfahren kann und dann direkt vor dem Museum landet.

Der Eintritt kostet für Erwachsene 5 türkische Lira, also momentan nicht mal einen Euro. Im Inneren erwarten einen zunächst einige Schaubilder von Flora und Fauna und das Modell eines traditionellen Hauses:

Ich hab natürlich nicht alles fotografiert, es gibt auch einige Bilder aus der Region, Landkarten usw. An einer Wand sind die verschiedenen geschichtlichen Epochen dargestellt:

Hier erzählen in kleinen Filmen ältere Menschen aus ihrer Lebensgeschichte (auf Türkisch):

Es gibt viele Exponate über das traditionelle Leben, Landwirtschaft und Handwerk:

In der oberen Etage geht es dann um das Leben der Nomaden. Hierzu kann ich nur empfehlen, auch das Yörük Müzesi in Evrenköy zu besuchen, das darüber noch viel ausführlicher berichtet.

Was ich hier im Kent Müzesi sehr schön finde, ich der Kinoraum, in dem non-stop Dokumentationen über das Leben der Nomaden laufen.

Eine kleine Bibliothek gibt es auch noch, ich vermute, dass hier manchmal Schulklassen „Heimatkunde“-Unterricht bekommen. Im Untergeschoss ist dann noch ein kleiner Museumsshop mit Cafe. Noch ein letzter Blick auf die Außenanlagen des Museums:

Und dann kann man gemächlich wieder am Fluss in Richtung der gelben Brücke spazieren. Auf dieser Seite des Flusses gibt es einige etwas schickere Cafes mit schönem Blick auf den Fluss (und gleich neben dem Museum eine vorbildlich saubere öffentliche Toilette).

Das war es für heute, ich hoffe ich habe Euch ein bisschen Lust darauf gemacht, das schöne Städtchen Manavgat zu erkunden und etwas über die Geschichte der Region zu erfahren.

Mehr Geschichte? Hier gibt es Eindrücke aus Side, ebenfalls mit einem Museumsbesuch.

Mehr aus dem schönen Manavgat? Hier Aussichten, vom „Türkbeleni“ dem neuen Bürgerpark hoch über der Stadt!

Bürokratie – Teil 5 – ich, die Technik und die türkische Sprache

Ein kurzer Beitrag über meine heutige Heldentat: ich habe es geschafft, mir bei der Post eine „E-Devlet-Şifresi“ zu besorgen. Das ist eine PIN, mit der man sich dann bei diesem Regierungsportal einloggen kann. Dort ändert man dann sein Passwort wieder und kann fortan dort allerlei Dienste in Anspruch nehmen, Bescheinigungen ausdrucken usw. Mir ist jedenfalls mein erstes Anliegen schon gelungen, ich brauchte nämlich für die Bank eine aktuelle Meldebescheinigung. Für diese muss man neuerdings ansonsten zur Ausländerbehörde, was mir zu aufwendig war. Was sonst auf diesem Portal noch alles möglich ist, konnte ich noch nicht erkunden. Da stoße ich mal wieder an die Grenzen meiner spärlichen Türkisch-Kenntnisse. Das ist wieder ein anderes Thema – ich bin seit letztem Herbst nicht mehr in den Türkisch-Kurs gegangen und hab das Gefühl, wieder sehr viel vergessen zu haben. Im Alltag brauche ich es hier nur sehr wenig. Aber natürlich ist mein Anspruch an mich, endlich besser Türkisch zu lernen. Das ist aber eine unendliche Geschichte mit -zig Anläufen seit 2003, immer wieder unterbrochen. Also, ich tu mich da schwer. Da ich ja relativ oft verreise, verpasse ich immer Teile des Kurses und finde dann den Anschluss schwer.

Na, aber immerhin: ich bin zur Post gegangen, hab mich verständlich gemacht, dass ich diese „E-Devlet-Şifresi“ brauche und habe geschafft, sie zu bekommen, hab mich auf dem Portal angemeldet und meine Meldebestätigung. Wenn das nicht ein Erfolgserlebnis ist.

Gebraucht habe ich: mein Ikamet (das Kärtchen für die Aufenthaltserlaubnis) und meine türkische Telefonnummer, die dort dann gleich eingetragen und bestätigt wurde und 2 türkische Lira (ca. 30 €-Cent).

Elhamdülillah,Bayram!

Im Namen Gottes, des Erbarmers, des Barmherzigen!

Da ist er, der Neumond von Schawwal!

Der Neumond des 10. Monats im islamischen Kalender wurde gesichtet und somit ist nun, wie ich schon vermutet hatte, heute auch „Bayram“ (Feiertag) für mich gewesen. Elhamdülillah (türkische Version von „Alhamdulillah – Gott sei Dank, alles Lob gebührt Allah)

Da ich hier in der Türkei keine Familie habe und auch bislang keine Gemeinde, mit der ich den Tag verbringen könnte (ich habe ja erst letzte Woche ein paar schiitische Schwestern kennen gelernt, aber die sind in Antalya, was für mich ja auch eine mehrstündige Anreise bedeutet) habe ich den Tag mit einer Freundin am Strand verbracht. Ein paar Eindrücke gibt es hier (nur Handybilder, ich wollte die Kamera da nicht einem ganzen sandigen Tag aussetzen, 🙂 ). Heute waren auch viele türkische Familien am Strand, hier sind ja insgesamt 9 Tage Feiertagsferien ausgerufen worden, die viele auch zu einer Reise nutzen. Natürlich muss all das Hotel- und Servicepersonal arbeiten.

Wir waren in unserem bevorzugten „Beach-Club“, der „Coppa Beach“ in Side-Kumköy. Viele Strandabschnitte sind ja von den große Hotels belegt, aber es gibt einige freie Strände, oder auch kommunale, bei denen man für wenig Geld einen Liegestuhl mieten kann, oder einen umsonst bekommt, wenn man etwas verzehrt. Ich hab normalerweise nur 10 Min. Fussweg zum Strand, aber zum heutigen Ziel muss ich ca. 3 km laufen, oder den Bus nehmen. Ich gehe aber gerne am Wasser entlang dorthin. Heute habe ich es mal richtig krachen lassen…Kaffee, Wasser, Softdrink, Pizza…..für 60 türkische Lira, macht nach heutigem Kurs 9,31€ plus Trinkgeld. Das kann man sich zum Festtag auch als Frührentnerin mal leisten. Und dieser Beach-Club gehört zu den teureren.

Liegestuhlperspektive
plitsch,platsch, an der Wasserkante wieder nach Hause..

Gut gelaunte Festtagsgrüße an die Welt!

Mein Monat Ramadan 2019

Im Namen Gottes des Erbarmers, des Barmherzigen

Salam aleikum und moin, da bin ich wieder, heute mit einem Fazit zum Monat Ramadan!

Zunächst einmal möchte ich allen meinen muslimischen Geschwister ein gesegnetes Fest zum Ende des Monats Ramadan wünschen! InschaAllah hattet Ihr einen schönen Monat Ramadan in dem Ihr von den zahlreichen Segnungen Gottes profitiert habt und habt jetzt zum Abschluss fröhliche und friedliche Tage im Kreise Eurer Lieben!

Mit dem Monat Ramadan ist es ein bisschen wie mit einem lange vermissten, geliebtem Familienmitglied, das zu Besuch kommt: sehnlich erwartet, liebevoll umsorgt – aber nach vier Wochen ist man dann doch auch erleichtert, sein Zuhause wieder für sich zu haben und den gewohnten Tagesrhythmus wieder aufnehmen zu können.

So geht es mir jetzt nach vier Wochen des Fastens: ich freue mich, dass wahrscheinlich morgen auch für mich das Fest des Fastenbrechens beginnt. Hier in der Türkei wird ja von fast allen heute, am 4. Juni, schon gefeiert.

Warum es da Unterschiede gibt: wie so oft sind wir Muslime uns nicht einig, wie man den Beginn eines neuen Mondmonats bestimmt. Da die Monate im islamischen Kalender 29 oder 30 Tage lang sein können, je nachdem wann der Neumond gesichtet wird, muss man eine Methode finden diesen Zeitpunkt zu bestimmen. Und da „streiten sich die Gelehrten“, wie man so schön sagt. Manche sagen, man muss den Mond mit bloßem Auge sehen können, andere erlauben Hilfsmittel. Wieder andere stellen astronomische Berechnungen an und bestimmen den Neumond ohne direkt hin zuschauen. So ist es auch in der Türkei üblich, da steht der Kalender schon lange im Voraus fest. Und dann gibt es noch Unterschiede in der Bewertung: Muss der Mond lokal gesichtet worden sein, also dort wo man sich aufhält – oder reicht es heutzutage, wenn er irgendwo auf der Welt gesichtet wurde.

Tja und so fangen wir mit dem Fasten zu unterschiedlichen Terminen an und beenden es auch unterschiedlich. Leider.

Ich gehöre ja der Rechtschule der „Dschafaria“an, bin also Schiitin und nach dem Gelehrten dem ich folge, geht keine Vorausberechnung, also warte ich ab, ob heute Abend eine Mondsichtung gemeldet wurde, oder ob noch ein weiterer letzter Fastentag folgt. Aber ich gehe davon aus, dass es heute Abend vorbei ist, mit dem Monat Ramadan. Aber auch innerhalb der schiitischen Konfession gibt es da noch Unterschiede, genau wie unter den Sunniten. Da muss sich jeder Muslim und jede Muslima nach dem richten, was ihm oder ihr am einleuchtendsten erscheint.

Ich bin sehr dankbar, dass ich diesen ganzen Monat Ramadan fasten konnte, das schien mir noch letztes Jahr undenkbar, genauso wie ich dachte, dass ich niemals mehr ohne anti-depressive Medikation leben könnte. Aber in diesen fast eineinhalb Jahren, die ich jetzt in der Türkei lebe, hat sich bei mir gesundheitlich wirklich viel zum Vorteil verändert. So kann ich sagen, dass ich den Monat Ramadan genießen konnte und mehr als in den Jahren ohne Fasten auch von der besonderen Kraft die Gott in diese Zeit gelegt hat, profitiert habe. Am Monatsende sagt sich wohl fast jede/r Gläubige, dass man die Zeit noch mehr hätte nutzen können. Das ist auch gut so, wir sollen ja immer danach streben, uns zu entwickeln. Aber die Absicht ist es, die im Islam zählt. Ich habe geschafft, meine Konzentration in den Gebeten meistens sehr zu verbessern, einige freiwillige Gebete gemacht, die „Lailatul qadr“ genutzt und habe mich die meiste Zeit wirklich in einer friedlichen und besinnlichen Geisteshaltung befunden. Es war ein ruhiger Monat für mich, ich war nicht viel unterwegs, aber das war genau richtig für mich.

Einen Tag in der letzten Woche habe ich nicht gefastet, weil ich „auf Reisen“ war (dann fastet man nicht und holt den Tag später nach). Ich bin mit dem Bus nach Antalya gefahren, um an der örtlichen Kundgebung zum internationalen Quds (Jerusalem)-Tag teilzunehmen. Das ist ein weltweit am letzten Freitag im Monat Ramadan stattfindender Tag, an dem gegen die illegale Besatzung Palästinas und Jerusalems demonstriert wird, aber auch gegen jede andere Form der Unterdrückung. In Deutschland findet es immer samstags statt und heftigem Mediengewitter, weil es sich angeblich um eine „antisemitische“ Demonstration handelt. Mich lässt diese Kritik kalt, denn wer gegen völkerrechtswidriges Verhalten protestiert, ist darum nicht antisemitisch. In Berlin sind auch immer jüdische Geistliche bei der Demonstration dabei. Nun, die Beteiligung am „Kudüs günü“ wie es in der Türkei heißt, war hier in Antalya sehr gering. Ich habe mich aber trotzdem gefreut, dabei gewesen zu sein und einige schiitische Geschwister kennengelernt zu haben, denn da hatte ich noch gar keine Kontakte hier. Also ein Schritt zur Integration, denn jetzt werde ich inschaAllah manchmal dort an Veranstaltungen teilnehmen.

Als ich eben mal in den Medien rumstöberte, wurde ich darauf aufmerksam, welche Auswirkungen es haben kann, wenn man Islamhass in der Gesellschaft schürt: ein paar junge Männer in islamischer, festlicher Kleidung hetzen durch den Kölner Hauptbahnhof, um ihren Zug noch zu erwischen, sie sind auf dem Weg, den Festtag zu begehen. Das geht gar nicht, das ist verdächtig! Die Polizei schreitet ein, wirft sie zu Boden, der Staatsschutz ermittelt…..käme man auf den Gedanken, andere Reisende, die zum Zug rennen so zu behandeln? Ich fürchte, auf eine Entschuldigung wegen verschärften „Racial profiling“ können die Brüder lange warten. Außer dass vermeldet wurde, es wäre keine Gefahr von ihnen ausgegangen, wird wohl nichts passieren. Ich habe nichts dagegen, dass für unsere Sicherheit gesorgt wird – hier in der Türkei gibt es sehr viele Kontrollen, selbst wenn man in ein Einkaufszentrum geht. Aber solche Reaktionen sind paranoid. Zum Bericht über das Vorkommnis geht es hier.

Aber, wie schrieb jemand, „es ist nicht alles schlecht im Abendland“: Bundespräsident Steinmeier hat zum Ramadanfest eine Grußbotschaft an die Muslime in Deutschland gesendet. Darin heißt es u.a.:

Ich versichere Ihnen: Wir dulden keinen Hass, keine Ausgrenzung, keinen Generalverdacht gegen muslimische Zuwanderer oder gar ‚die Muslime‘. Dafür setze ich mich ein. Das Grundgesetz garantiert Religionsfreiheit und es schreibt fest, dass niemand wegen seines Glaubens diskriminiert oder ausgegrenzt werden darf, egal, was er glaubt und ob er überhaupt glaubt, ob er ein Kreuz, ein Kopftuch oder eine Kippa trägt.

Das versöhnt mich dann wieder ein bisschen.

In acht Tagen geht es dann für zwei Wochen nach Deutschland, eine Familienfeier steht an. Danach werde ich inschaAllah den Sommer hier an der türkischen Südküste genießen.

So weit für heute. Ich habe viele Ideen, worüber ich in nächster Zeit schreiben will, aber einige Beiträge erfordern ziemlich viel Recherche und dazu fehlt mir gerade etwas die Zeit und Muße – jetzt will ich auch erst einmal das Fest genießen, mein Plan ist als erstes ein Strandtag in meinem bevorzugten Strandclub, in dem es auch eine seeeeehr leckere Pizza gibt, die ich dann bei hellem Sonnenschein zu verspeisen gedenke!

Zweite Woche des Monats Ramadan 2019: Gedanken über „Zeitvertreib“

Das diesseitige Leben ist nur Zerstreuung und Spiel. Die jenseitige Wohnstätte ist wahrlich das (eigentliche) Leben, wenn sie es nur wüssten!

(Heiliger Quran, Sure 29 – die Spinne – Vers 63)

Die zweite Woche im diesjährigen Monat Ramadan ist vergangen und Gott sei Dank: ich habe weiter gefastet und das ohne größere Probleme, so dass ich zuversichtlich bin, dass dieses der erste Monat Ramadan seit Jahren sein wird, den ich durchgehend faste.

Mein Tagesrhythmus ist weiterhin ganz anders als in gewöhnlichen Zeiten, aber mit einer langen Mittagsruhe halte ich ganz gut durch. Dafür ist der Nachtschlaf kürzer, aber vormittags bin ich trotzdem recht produktiv und habe einiges geschafft. Eher Kopf- als körperliche Arbeit, denn ich fühl mich schon ein bisschen schlapp, aber nicht in bedenklichem Ausmaß. In dieser Woche war ich eher an den Nachmittagen spazieren, oder etwas erledigen, aber auch das ging ganz gut. Es ist ein gutes Gefühl, nicht allen Versuchungen erliegen zu „müssen“ die mir so begegnen. Ich bin ja eine, die sonst an Eisbuden und Konditoreien schwer vorbeikommt. Nicht dass ich jetzt nicht nasche, aber ich muss es dann eben in den Abend aufschieben und erstaunlicherweise muss in diesem Monat nicht jedes Bedürfnis sofort befriedigt werden.

Ich lese weiter täglich ein Stück in meiner Koranübersetzung und das woran ich öfter „hängenblieb“, waren Sätze wie der obige Auszug…Und, ich „oute“ mich: ich habe bis zu diesem Monat für eine ganze Weile ein Onlinespiel gespielt, ein Aufbau- und Strategiespiel…ein „Abschiedsbild“ aus meiner Spielwelt seht Ihr oben.

Das ist kein Ballerspiel oder so, nein, man versucht eine Stadt mit zufriedenen Bewohnern aufzubauen, in dem man eine gute Infrastruktur schafft, man muss Aufgaben erfüllen, mit Freunden kooperieren, kann anderen helfen oder Hilfe erfahren, Handel treiben, neue Ziele erforschen. Na gut, manchmal überfällt man auch mal seine Nachbarn, aber man ist nicht gezwungen, sie auszurauben, *lol*. Da ich keine große Fernsehguckerin bin, hab ich mich dabei entspannt und mir die „Zeit vertrieben“.

Und genau wegen des „Zeit Vertreibens“ hab ich das jetzt eingestellt. Meine Zeit auf dieser Erde ist knapp bemessen. Sicherlich brauchen wir Entspannung und ich werde jetzt auch nicht jede freie Minute mit sinnvoller Lektüre verbringen, oder nützlichen Arbeiten. Aber ich habe gemerkt, dass ich mich zu viel damit beschäftigt, meine Zeit so geplant habe, dass ich mit meinen „Freunden“ im Spiel die gegenseitigen Hilfsaktionen verabreden konnte, mich immer wieder einloggen musste, um virtuelle Produktionen aus meinen virtuellen Fabriken einzusammeln usw. Außerdem war ich immer wieder geneigt, echtes Geld auszugeben, um in dem Spiel voranzukommen. Ist meiner Meinung nach nicht schlimmer als Geld für Netflix, Kino, seichte Literatur oder Konzerte zu bezahlen, aber muss ja nicht unbedingt sein.

In der 103. Sure im heiligen Quran wird der Mensch auch darauf hingewiesen, dass er im Zustand des Verlustes ist, d.h. das seine Zeit stetig verrinnt – so jedenfalls hat man mir die Bedeutung dieser Sure erklärt:

Im Namen Allahs, des Gnädigen, des Barmherzigen.
1. Bei der Zeit,
2. Wahrlich, der Mensch ist in einem Zustande des Verlusts,
3. Außer denen, die glauben und gute Werke tun und einander zur Wahrheit mahnen und einander zum Ausharren mahnen.

Heiliger Quran, Sure 103, Al Asr)

Es gibt so viele Möglichkeiten, Zeit zu verschwenden, ich muss sie ja nicht alle nutzen. Ich fand jedenfalls, dass das Spiel ein Beispiel ist dafür, wie wir womöglich am Ende unseres Erdendaseins unser ganzes Leben betrachten werden….sehr vieles davon wird uns einfach nichtig erscheinen. Und manches Materielle wird am Ende genauso wenig wert sein, wie die virtuellen Schätze aus einem Browserspiel. Aber es ist o.k. für mich, es mal gespielt zu haben und ich hab mich freundlich von den Menschen verabschiedet, die da ganz woanders an ihren Computern sitzen und mir geholfen haben, mich da zurechtzufinden.

Wenn ich aber jetzt Entspannung suche, dann doch eher wieder mit einem Krimi, oder auf Fotosafari…schließlich ist jetzt die schönste Zeit hier in der Türkei, finde ich. Alles blüht, wenn ich durch den Garten unserer Anlage gehe, umwehen mich Rosen-, Oleander- und Jasminduft, das Meer ist sagenhaft blau und die Temperaturen sehr angenehm, noch nicht zu heiß. Ich habe es wirklich so gut, alhamdulillah!

Früher hab ich eine Zeitlang Bildbearbeitung geübt, leider läuft mein altes Programm nicht mehr auf den neueren Computern, darum musste ich das aufgeben. Ich bin noch auf der Suche nach einer bezahlbaren Alternative, denn das war für mich eine meditative Beschäftigung, da habe ich mich während der Basteleien oft mit Koranzitaten oder Überlieferungen beschäftigt und versucht, diese visuell zu gestalten. Das würde ich gerne wieder tun, allerdings dann eher im Winter.

Ich freue mich aber auch, dass ich im heiligen Monat jetzt die Konzentration für das eine oder andere freiwillige Gebet mehr aufbringe, oder zum Koranlesen, oder um mal wieder ein islamisches Buch aus meiner kleinen Bibliothek zu lesen.

Was es sonst noch zu berichten gibt: mich hat der Nestbautrieb gepackt. Ich wohne ja fast seit 1,5 Jahren hier, aber die Ausgestaltung meiner/unserer Wohnung macht gerade Fortschritte und jetzt habe ich langsam das Gefühl, dass ich ihr so richtig meinen Stempel aufgedrückt habe. Ich lasse mich wohl jetzt so richtig häuslich nieder und glaube, dass die Aufgabe meiner Wohnung in Deutschland dieses Gefühl erst richtig möglich gemacht hat. Und vielleicht ist es für mein Wohlgefühl auch nötig, dass ich es so richtig schön gestalte. Also so wie ich es schön finde. Mein Mann ist ja selten hier und ihm gefällt es, wenn es mir gefällt, sagt er. Es stehen noch Bau- und Renovierungsarbeiten an, aber die müssen bis September warten, bis er wieder hier ist. Bis dahin kümmere ich mich um so Sachen wie Schränke, Bettwäsche, Geschirr und Lampen. Auch das alles nur für das diesseitige Leben wesentlich – aber es heißt ja nicht, dass wir uns daran nicht erfreuen dürfen. Ich brauche keinen irrsinnigen Luxus, aber ich genieße es, es mir gemütlich zu machen. Da ich ja sehr viel aus meinem „alten“ Leben verschenkt oder verkauft habe, weil es sich nicht lohnte es in die Türkei zu überführen, freue ich mich, dass man hier schöne Sachen preiswert kaufen kann. Und es wandern auch immer mehr Bücher aus meiner kleinen islamischen Bibliothek mit hierher, nach jeder Reise nach Deutschland bringe ich ein paar mit. Da wundere ich mich manchmal, welche Schätze ich da so lange nicht in die Hand genommen habe. Hier wird es mehr und mehr zu meinem Zuhause.

Also, wenn ich nach einem knappen halben Monat Ramadan eine Zwischenbilanz ziehen soll: ich bin dankbar und zufrieden – nicht 100% zufrieden mit mir, aber ich habe diese Zeit doch besser genutzt als manche andere – und sie nicht „vertrieben“.

In der dritten Woche dieses Monats werde ich inschaAllah ein wenig geselliger sein, ich plane ein „Iftar“, ein Fastenbrechen mit Freundinnen. Und es steht die erste der besonderen heiligen Nächte an, die möchte ich auch gut nutzen. Ich werde berichten, inschaAllah!

Genug für heute! Ich wünsche allen muslimischen und nicht muslimischen Geschwistern einen weiteren gesegneten Monat!