Türkei Ausflug: „Nature Paradise“

Gestern war ich mal „touristisch“ unterwegs, d.h. ich habe mit meiner Freundin, die gerade zu Besuch ist, einen Ausflug über einen der zahlreichen Reiseveranstalter die hier in der Region tätig sind gebucht (und morgen haben wir da auch noch was vor). Wir waren bei (Achtung, unbezahlte Werbung)“Käfer Reisen“ in Colaklı und erhielten dort von Mario eine ausführliche Beratung auf Deutsch, woraufhin wir uns wie gesagt für zwei der vielen angebotenen Ausflüge entschieden haben. Der gestrige hieß „Nature Paradise“ und das ausführende Unternehmen war „Side Activity Travel“.

Begleitet wurden wir von unserem Reiseleiter Yusuf und einem jungen Fotografen, Selçuk, der dann im Anschluss auf Wunsch seine Bilder und Videos ins Hotel oder in meinem Fall nach Hause geliefert hat.

Es war ein Ganztagesausflug mit vielen Stopps, der gut geeignet ist, einen Einblick in die zahlreichen Möglichkeiten und die landschaftliche Schönheit dieser Gegend zu bekommen. Also eher etwas für Gäste, die sich noch nicht so gut auskennen in der Region. Nachdem alle Fahrgäste von ihren Hotels eingesammelt waren, ging es erst einmal zum Wasserfall in Manavgat. Für den Eintritt musste man extra bezahlen (2€), man muss aber natürlich nicht mit hineingehen, sondern kann sich auch in eines der Cafes auf der anderen Straßenseite setzen, oder sich sonstwie beschäftigen:

Nach einem ca. halbstündigen Aufenthalt am Wasserfall ging es zur nächsten Etappe der Reise: die ca. 2200 Jahre alte römische Stadt Seleukia, oder auch Lyrbe. Die Fahrt dahin bietet schon mal einige schöne Anblicke. Die Ausgrabungsstätte ist frei zugänglich, man kann überall in den Ruinen herumstrolchen. Von der Anhöhe aus hat man eine beeindruckende Aussicht.

Die Erklärungen zu der Geschichte der Stadt fielen sehr knapp aus. Es gibt ein paar Infotafeln:

Ich fand die Zeit für die Ausgrabung sehr kurz und werde auf jeden Fall versuchen, noch einmal auf eigene Faust hinzufahren. Im Wanderblog des GEM-Dernek gibt es dazu tolle Hinweise.

Wir hatten übrigens einen für Juli ungewöhnlich trüben und später auch verregneten Tag erwischt, also nicht wundern, wenn auf den Bildern selten die Sonne scheint.

Als nächstes ging es durch die Berglandschaft zu einem Lokal mit toller Aussicht, in dem wir, wenn wir wollten, hausgemachte „Gözleme“ verspeisen konnten (auch 2€).

Man ist ja übrigens nicht alleine unterwegs, es begegnen einem überall andere Tourbusse und Jeeps – und Vorsicht! Es hat wohl Tradition die Gäste der anderen Busse nass zu spritzen. Manche waren nicht nur mit Wasserflaschen, sondern auch mit Wasserpistolen bewaffnet.

Als nächstes besichtigten wir den Oymapinar-Staudamm und warfen ein paar Blicke auf den See und die Umgebung:

Nächste Station: Das „Panorama Lake Restaurant“, ein beliebtes Ausflugsziel auch bei Einheimischen. Hier starteten wir vor dem Mittagessen zu einer ca. einstündigen Bootsfahrt. Das ist keine Fahrt durch den „Green Canyon“, sondern auf dem See! (Green Canyon steht also immer noch auf meiner Wunschliste). Pünktlich zur Abfahrt fing es richtig an zu schütten und ein heftiges Gewitter entlud sich direkt über uns.

Einige Mutige nutzten dann die Schwimmgelegenheit, als das Gewitter abgezogen war.

Im Anschluss an die Bootsfahrt gab es ein leckeres Mittagessen im Panorama Lake Restaurant. Man konnte zwischen Hähnchen und Forelle wählen mit jeweils einem sehr kleinen Salat wählen:

Bald nach dem Essen reisten wir dann auch weiter. Der nächste Programmpunkt gefiel mir überhaupt nicht. Ein kleiner Zoo, der nach Auskunft des Reisebüros eigentlich wegen nicht artgerechter Haltung aus dem Programm genommen sein sollte. Wir waren trotzdem da und ich fand es fast nur traurig. Vereinsamte Rudeltiere, kein Auslauf für Straußen usw. Die Schweinchen wirkten ganz zufrieden, aber sonst fand ich es schrecklich. Nur: geht man nicht hinein, wird auch kein Futtergeld eingenommen. Was ist da nun richtig?

Vorletzter Punkt unseres Ausfluges: Ein Besuch in einem „Orangengarten“. Da ist gerade nicht viel orange, sondern eher grün, aber schön anzuschauen war es:

Und dann ging es zurück nach Manavgat, zum letzten Programmpunkt: der Besichtigung der „Külliye Moschee“, das ist die große neue Moschee mit den vier Minaretten. Sie wurde, so hat man uns berichtet, von den Geschäftsleuten und Hotelliers der Stadt gestiftet. Ich hab kein richtiges Bild von außen, die Moschee hat aber eine FB-Seite.

Vor der Moschee gab es ein paar Erklärungen für die Nichtmuslime unter den Fahrgästen. Ich bin sehr stolz, dass meine Freundin als Islamwissenschaftlerin und in Berlin als Islamlehrerin Tätige da einiges beitragen konnte:

So und das war es dann – nach dem Moscheebesuch wurden die Fahrgäste wieder auf ihre Unterkünfte verteilt. Mein Fazit des Tages: das war eine schöne Tagestour mit vielen Eindrücken gerade für Neulinge in der Gegend. Da ich einiges schon kannte und außerdem gerne länger und in Ruhe verweile, ist das für mich nur bedingt geeignet, meiner Freundin hat es sehr gefallen, weil sie das Umfeld und die Landschaft hier noch nicht so kennt. Was mich wirklich anfangs gestört hat, war die sehr laute Musik im Bus – aber da alle anderen daran anscheinend Spaß hatten, bin ich vielleicht auch nur sehr empfindlich. Ich würde lieber ohne Geräuschkulisse die Landschaft während der Fahrt auf mich wirken lassen. Entweder hatte ich dann später schon einen Hörschaden, oder die Lautstärke war reduziert, ich fand es dann erträglicher. Die Reiseleitung war in Ordnung, guter Laune, hatte alle im Blick – mir hätten ausführlichere Erklärungen noch besser gefallen. Meine Freundin hat sehr genossen, dass sie mit ihm, aber auch mit dem Bootskapitän, unserem Fotografen Selçuk und anderen die Gelegenheit zu ausführlicheren Gesprächen hatte. Ich hab davon natürlich wieder nur Brocken verstanden, aber ein paar Einblicke die sie mit mir geteilt hat, waren sehr interessant. Wer also sich zu fragen traut, dem erzählen die Einheimischen gerne mehr über ihr persönliches Leben, Geschichte und Kultur der Region.

Das Reisebüro kann ich nur loben. Die Beratung für den Ausflug im Vorfeld war gut, wir haben bekommen, was versprochen wurde und mehr. Vor allem sind wir nicht mit irgendwelchen Verkaufsveranstaltungen genervt worden, die nur Zeit kosten. Das ist nicht bei jedem Veranstalter so.

Unser Fotograf Selçuk

Info zu den Bildern: diese stammen zum größten Teil von mir, einige von meiner Freundin und Selçuk, die mir erlaubt haben, sie zu verwenden ohne sie extra zu kennzeichnen.

Ausflug zum Kovada Gölü und nach Eğirdir

Wieder ein Sonntagsausflug mit Madoks unter der Leitung von Ayhan Rüzgar – ich komme im Moment nur zu Reiseberichten, da ich eine liebe Freundin zu Besuch habe und wir viel unterwegs sind. Andere angefragte Beiträge müssen darum warten. Für die kommende Woche haben wir noch zwei „touristische“ Ausflüge gebucht, die hoffentlich auch ganz toll werden, aber heute waren wir wieder mit dem Verein Madoks aus Manavgat unterwegs. Das ist ein Kultur- und Sportverein, der Ausflüge für interessierte Einheimische anbietet und netterweise seine restlichen Plätze auch uns deutschen Residenten zur Verfügung stellt. Es handelt sich also um keinen kommerziellen Anbieter.

Meistens sind die Ausflugsziele von Madoks ja etwas abseits der üblichen touristischen Pfade und so war das auch heute. Es war wieder phantastisch, die Türkei ist einfach so ein vielseitiges Land. Die heutigen Ziele lagen in der Nähe von Isparta. Das war eine etwas längere Anfahrt und so ging es auch schon um 8 Uhr in Manavgat los.

Zuerst waren wir am „Kovada Gölü“, also Kovada-See. Das ist ein Nationalpark, da es dort einige seltene Pflanzen gibt. Der See ist nicht sehr groß und nicht sehr tief und der Park ist sehr bewaldet und zeigt sich in allen möglichen Grünschattierungen.

Tiere trafen wir auch, lebende und, naja, nicht so ganz mehr lebende, auch wenn sie fast so aussahen:

Es gibt ein kleines Museum, in dem diese und andere ausgestopfte Gesellen herumstehen…ich finde das ja immer ein wenig, nun ja, weiß nicht, einerseits interessant, andererseits eklig und traurig. Aber natürlich spannend zu sehen, was dort an Tieren lebt, oder lebte.

Anschließend ging es weiter nach Eğirdir, einer Stadt an einem See gelegen, der fast so groß wie der Bodensee und der viertgrößte der Türkei ist. In Eğirdir wurde ein Damm zu einer Insel aufgeschüttet, so dass diese jetzt eine Halbinsel und zu Fuß und mit dem Auto und natürlich mit dem Fahrrad erreichbar ist. In Eğirdir fand heute ein Triathlon statt, als wir ankamen lief gerade die Siegerehrung und es wurde aufgeräumt. Es war sehr stürmisch und pustete uns fast vom Damm, als wir auf die Insel liefen.

Aber erstmal waren wir in einem rustikalen und auf Nomadenart gemachten Lokal weit über der Stadt zum Essen und um die Aussicht zu genießen:

In der Stadt Eğirdir bummelten wir ein wenig herum, besichtigten die alte Moschee und spazierten dann zur Spitze der Halbinsel:

Auf der Insel finden sich die Grabstätte eines muslimischen Heiligen (Dede) und eine kleine Kirche. Und viele kleine Restaurants und Pensionen. Hier scheinen vor allem inländische Touristen Ferien zu machen.

Der hier bestattete Muslihiddin Dede lebte wahrscheinlich im 9. oder 10. JH. n.Chr. Im frühen 14. JH. wird er im Bericht eines Reisenden erwähnt, berichtet die Kulturseite der türkischen Regierung.und war ein zu seiner Zeit berühmter Lehrer und Reiseschriftsteller der aus Turkmenistan stammte. Warum es ihn nach Eğirdir verschlagen hatte, ist nicht bekannt. Auf dem örtlichen Friedhof sind wohl noch mehrere Gelehrte beerdigt.

Ich grüße Euch glücklich und ordentlich durchgepustet und überwältigt von den vielen Eindrücken dieses Tages! Bis ganz bald inschaAllah!

Bild: Ayhan Rüzgar

Sonntagsausflug: Goldwiegehöhle, Knopfhäuser und Seidenstraße

Merhaba, da bin ich wieder mit einem weiteren Bericht über einen der sonntäglichen Ausflüge, die ich hier die Gelegenheit habe, mitzumachen. Ich möchte vorweg noch mal erwähnen, dass es sich nicht um Ausflüge eines touristischen Veranstalters handelt, sondern dass ich die Gelegenheit nutze, mit dem Kultur- und Sportverein MADOKS ( hier ein paar Eindrücke spektakulärerer Aktivitäten als ich mitmache) zu reisen. Das ist dann jeweils eine Gruppe aus türkischen Mitgliedern, die auf ihren Restplätzen freundlicherweise Mitglieder des GEM-Dernek mitnehmen. Die Ausflugsziele werden aber oft auch von den touristischen Veranstaltern hier in Side und umzu angeboten, oder sind sehenswert, um sie auf eigene Faust zu erkunden.

Gestern ging es in das Dorf Sarihacılar, in der Nähe von Akseki, dann zum Mittagessen und einer weiteren Dorfführung nach Ormana und dann in die „Goldwiegehöhle“ die ein bekanntes Ausflugsziel aller Veranstalter hier ist.

Sarihacılar ist ein 800-900 Jahre altes Dörfchen, an der alten Seidenstraße gelegen, mit beeindruckenden Aussichten und vielen, mehr oder weniger gut erhaltenen Knopfhäusern (einer traditionellen Bauweise, erinnert mich an unser Fachwerk) und einer alten Moschee. Wir bekamen eine Führung von einem jungen Nachwuchs-Fremdenführer, der das sehr gut und ausführlich gemacht hat. Da es sich wie gesagt, um keinen Touristenausflug handelt, bin ich froh, wenn ich 10% von dem Erzählten verstehe.

Man kann aber kaum anders, also die Phantasie spielen zu lassen, wie es wohl gewesen sein mag, auf der Seidenstraße zu reisen (und wie es auch gewesen sein mag, diese überhaupt mit den damaligen Mitteln anzulegen, denn jedenfalls dort vor Ort ist sie mit Feldsteinen gepflastert.

Hier einige meiner Bilder aus Sarihacılar :

Hier ein paar Eindrücke von der Moschee:

Und hier von den Häusern und der Umgebung:

In Ormana haben wir gut zu Mittag gespeist und dann auch noch eine ausgiebige Führung mit vielen Informationen über die Bau- und Lebensweise in der osmanischen Zeit erhalten:

Anschließend ging es dann in die „Goldwiegehöhle“ (Altın Besik Mağarası). Die Straße dorthin wurde gerade ausgebaut, ist aber immer noch abenteuerlich zu fahren. Das Spannende an der Höhle ist, dass man den Höhlensee mit einem Schlauchboot befährt, aber leider fahren die Boote nur noch 150 m hinein, so dass man die spektakulärsten Teile der Tropfsteinhöhle gar nicht mehr zu Gesicht bekommt, das sollte man wissen. Es gibt dort eine einsturzgefährdete natürliche Brücke, unter der es zu gefährlich ist, hindurchzufahren.

Soweit für heute, ich hoffe Ihr habt einen kleinen Eindruck von der Gegend bekommen und Lust, sie ebenfalls zu erkunden!

Die Türkei hat einfach alles: Provence, Malediven und Italien an einem Tag!

Am letzten Mittwoch bin ich nach zwei Wochen „Heimaturlaub“ zurück nach Side gekommen. Die Zeit in Deutschland war nicht besonders gelungen, ich bin nämlich am ersten Abend schon sehr krank geworden mit hohem Fieber, so dass ich mich durch die Feierlichkeiten zum 80. Geburtstag meiner Mutter nur durchgequält habe und den Rest der Zeit eigentlich nur rumgelegen habe. Eine Lungenentzündung hatte mich erwischt, woher auch immer die kam. Nun, mit Antibiotika und der Rückkehr an mein Meer ging es mir dann wieder besser. So hab ich mich gestern dem Ausflug in die Lavendelfelder nahe Burdur und zum Salda-See angeschlossen. Das war ein langer Tag, aber es war in den Bergen angenehm kühl und die Landschaft wie immer schön anzuschauen.

Hier in der Türkei gibt es alles in einem: Provence (Lavendelfelder), Malediven (Salda-See) und Italien (superleckeres Eis in Korkuteli). Bei den Lavendelfeldern gibt es überall kleine Märkte in denen man von Lavendelkränzen, über Lavendelduftwasser bis zu Lavendeleis und -kaffee alles bekommen kann, dazu sind überall ein paar nette Dekorationen für Fotos aufgebaut. Nach dem Besuch der Felder hat sich der Busfahrer erstmal dank diverser Straßensperrungen wegen Baustellen verfranst, so dasss wir für die ca. 30 km zum See lange gebraucht haben, dafür haben wir eine ausgiebig Dörfertour genossen. Am Salda-See, den man wegen seiner Farbe die „türkischen Malediven“ nennt, waren wir am öffentlichen Strand von Yeşilova. Dort gibt es einige Restaurants und wir haben erstmal zu Mittag gegessen. Der See selber ist schon besonders: im flachen Bereich ist das Wasser durch hohen Magnesiumgehalt milchig weiß und weiter draußen dann von einem hellen bis tiefen Blau. Der Kratersee soll bis 196 m tief sein!

Der Strand ist aus feinem weißen Kies, leider gibt es weder Sonnenschirme noch Liegen zu mieten. Ich kann nichts dazu sagen, wie es an anderen Stränden des Sees aussieht. Nach einer guten Stunde Aufenthalt mussten wir schon weiter und fuhren mit einer Pause in einer super Eisdiele in Korkuteli (2 Kugeln kosteten mich ca. 80 Euro-Cent) über Antalya wieder zurück. Um 20:30 war ich dann zu Hause.

Das war wieder ein gelungener Ausflug. Mein Fazit ist allerdings: wer mehr als nur einen kleinen Eindruck vom Salda-See, den Lavendelfeldern und der Umgebung von Burdur haben will, sollte lieber mindestens eine Übernachtung einplanen. Für einen Tagesausflug aus der Umgebung von Side ist das ein ziemliches Pensum. Schön, um es mal gesehen zu haben, aber wer es richtig genießen will, braucht mehr Zeit.

Manavgat, çok güzel

( Übersetzung Überschrift: Manavgat ist sehr schön)

Ab nächsten Mittwoch bin ich zwei Wochen auf „Deutschland-Tournee“. Da wollte ich noch einmal einen ausgiebigen Spaziergang in Manavgat, unserer Kreisstadt machen. Die meisten Urlauber kommen wohl nur zum Shoppen in die Stadt, zum Montags- oder Donnerstagsbasar (eine weitere Gelegenheit hab ich ja hier schon mal empfohlen). Ich liebe es aber, am Fluss entlang zu spazieren und habe auch noch einen Tipp: Das „Manavgat Kent Müzesi“, ein städtisches Heimatmuseum.

Hier ein paar Bilder vom Spaziergang am Fluss entlang und vom Museum:

Die „gelbe Brücke“, Manavgats älteste Brücke

Mit dem Dolmuş aus Side kommend, geht es hinter der frisch sanierten „gelben Brücke“ den Uferweg entlang:

Da wo der Fluss einen Bogen macht, kurz vor der Fussgängerbrücke, gibt es einige kleine Fischlokale, ich habe da heute zu Mittag gegessen. Und wenn man dann die Brücke erklommen und die Aussicht genossen hat, sieht man auch schon den Fahrstuhl, mit dem man wieder herunterfahren kann und dann direkt vor dem Museum landet.

Der Eintritt kostet für Erwachsene 5 türkische Lira, also momentan nicht mal einen Euro. Im Inneren erwarten einen zunächst einige Schaubilder von Flora und Fauna und das Modell eines traditionellen Hauses:

Ich hab natürlich nicht alles fotografiert, es gibt auch einige Bilder aus der Region, Landkarten usw. An einer Wand sind die verschiedenen geschichtlichen Epochen dargestellt:

Hier erzählen in kleinen Filmen ältere Menschen aus ihrer Lebensgeschichte (auf Türkisch):

Es gibt viele Exponate über das traditionelle Leben, Landwirtschaft und Handwerk:

In der oberen Etage geht es dann um das Leben der Nomaden. Hierzu kann ich nur empfehlen, auch das Yörük Müzesi in Evrenköy zu besuchen, das darüber noch viel ausführlicher berichtet.

Was ich hier im Kent Müzesi sehr schön finde, ich der Kinoraum, in dem non-stop Dokumentationen über das Leben der Nomaden laufen.

Eine kleine Bibliothek gibt es auch noch, ich vermute, dass hier manchmal Schulklassen „Heimatkunde“-Unterricht bekommen. Im Untergeschoss ist dann noch ein kleiner Museumsshop mit Cafe. Noch ein letzter Blick auf die Außenanlagen des Museums:

Und dann kann man gemächlich wieder am Fluss in Richtung der gelben Brücke spazieren. Auf dieser Seite des Flusses gibt es einige etwas schickere Cafes mit schönem Blick auf den Fluss (und gleich neben dem Museum eine vorbildlich saubere öffentliche Toilette).

Das war es für heute, ich hoffe ich habe Euch ein bisschen Lust darauf gemacht, das schöne Städtchen Manavgat zu erkunden und etwas über die Geschichte der Region zu erfahren.

Mehr Geschichte? Hier gibt es Eindrücke aus Side, ebenfalls mit einem Museumsbesuch.

Mehr aus dem schönen Manavgat? Hier Aussichten, vom „Türkbeleni“ dem neuen Bürgerpark hoch über der Stadt!

Elhamdülillah,Bayram!

Im Namen Gottes, des Erbarmers, des Barmherzigen!

Da ist er, der Neumond von Schawwal!

Der Neumond des 10. Monats im islamischen Kalender wurde gesichtet und somit ist nun, wie ich schon vermutet hatte, heute auch „Bayram“ (Feiertag) für mich gewesen. Elhamdülillah (türkische Version von „Alhamdulillah – Gott sei Dank, alles Lob gebührt Allah)

Da ich hier in der Türkei keine Familie habe und auch bislang keine Gemeinde, mit der ich den Tag verbringen könnte (ich habe ja erst letzte Woche ein paar schiitische Schwestern kennen gelernt, aber die sind in Antalya, was für mich ja auch eine mehrstündige Anreise bedeutet) habe ich den Tag mit einer Freundin am Strand verbracht. Ein paar Eindrücke gibt es hier (nur Handybilder, ich wollte die Kamera da nicht einem ganzen sandigen Tag aussetzen, 🙂 ). Heute waren auch viele türkische Familien am Strand, hier sind ja insgesamt 9 Tage Feiertagsferien ausgerufen worden, die viele auch zu einer Reise nutzen. Natürlich muss all das Hotel- und Servicepersonal arbeiten.

Wir waren in unserem bevorzugten „Beach-Club“, der „Coppa Beach“ in Side-Kumköy. Viele Strandabschnitte sind ja von den große Hotels belegt, aber es gibt einige freie Strände, oder auch kommunale, bei denen man für wenig Geld einen Liegestuhl mieten kann, oder einen umsonst bekommt, wenn man etwas verzehrt. Ich hab normalerweise nur 10 Min. Fussweg zum Strand, aber zum heutigen Ziel muss ich ca. 3 km laufen, oder den Bus nehmen. Ich gehe aber gerne am Wasser entlang dorthin. Heute habe ich es mal richtig krachen lassen…Kaffee, Wasser, Softdrink, Pizza…..für 60 türkische Lira, macht nach heutigem Kurs 9,31€ plus Trinkgeld. Das kann man sich zum Festtag auch als Frührentnerin mal leisten. Und dieser Beach-Club gehört zu den teureren.

Liegestuhlperspektive
plitsch,platsch, an der Wasserkante wieder nach Hause..

Gut gelaunte Festtagsgrüße an die Welt!

Zweite Woche des Monats Ramadan 2019: Gedanken über „Zeitvertreib“

Das diesseitige Leben ist nur Zerstreuung und Spiel. Die jenseitige Wohnstätte ist wahrlich das (eigentliche) Leben, wenn sie es nur wüssten!

(Heiliger Quran, Sure 29 – die Spinne – Vers 63)

Die zweite Woche im diesjährigen Monat Ramadan ist vergangen und Gott sei Dank: ich habe weiter gefastet und das ohne größere Probleme, so dass ich zuversichtlich bin, dass dieses der erste Monat Ramadan seit Jahren sein wird, den ich durchgehend faste.

Mein Tagesrhythmus ist weiterhin ganz anders als in gewöhnlichen Zeiten, aber mit einer langen Mittagsruhe halte ich ganz gut durch. Dafür ist der Nachtschlaf kürzer, aber vormittags bin ich trotzdem recht produktiv und habe einiges geschafft. Eher Kopf- als körperliche Arbeit, denn ich fühl mich schon ein bisschen schlapp, aber nicht in bedenklichem Ausmaß. In dieser Woche war ich eher an den Nachmittagen spazieren, oder etwas erledigen, aber auch das ging ganz gut. Es ist ein gutes Gefühl, nicht allen Versuchungen erliegen zu „müssen“ die mir so begegnen. Ich bin ja eine, die sonst an Eisbuden und Konditoreien schwer vorbeikommt. Nicht dass ich jetzt nicht nasche, aber ich muss es dann eben in den Abend aufschieben und erstaunlicherweise muss in diesem Monat nicht jedes Bedürfnis sofort befriedigt werden.

Ich lese weiter täglich ein Stück in meiner Koranübersetzung und das woran ich öfter „hängenblieb“, waren Sätze wie der obige Auszug…Und, ich „oute“ mich: ich habe bis zu diesem Monat für eine ganze Weile ein Onlinespiel gespielt, ein Aufbau- und Strategiespiel…ein „Abschiedsbild“ aus meiner Spielwelt seht Ihr oben.

Das ist kein Ballerspiel oder so, nein, man versucht eine Stadt mit zufriedenen Bewohnern aufzubauen, in dem man eine gute Infrastruktur schafft, man muss Aufgaben erfüllen, mit Freunden kooperieren, kann anderen helfen oder Hilfe erfahren, Handel treiben, neue Ziele erforschen. Na gut, manchmal überfällt man auch mal seine Nachbarn, aber man ist nicht gezwungen, sie auszurauben, *lol*. Da ich keine große Fernsehguckerin bin, hab ich mich dabei entspannt und mir die „Zeit vertrieben“.

Und genau wegen des „Zeit Vertreibens“ hab ich das jetzt eingestellt. Meine Zeit auf dieser Erde ist knapp bemessen. Sicherlich brauchen wir Entspannung und ich werde jetzt auch nicht jede freie Minute mit sinnvoller Lektüre verbringen, oder nützlichen Arbeiten. Aber ich habe gemerkt, dass ich mich zu viel damit beschäftigt, meine Zeit so geplant habe, dass ich mit meinen „Freunden“ im Spiel die gegenseitigen Hilfsaktionen verabreden konnte, mich immer wieder einloggen musste, um virtuelle Produktionen aus meinen virtuellen Fabriken einzusammeln usw. Außerdem war ich immer wieder geneigt, echtes Geld auszugeben, um in dem Spiel voranzukommen. Ist meiner Meinung nach nicht schlimmer als Geld für Netflix, Kino, seichte Literatur oder Konzerte zu bezahlen, aber muss ja nicht unbedingt sein.

In der 103. Sure im heiligen Quran wird der Mensch auch darauf hingewiesen, dass er im Zustand des Verlustes ist, d.h. das seine Zeit stetig verrinnt – so jedenfalls hat man mir die Bedeutung dieser Sure erklärt:

Im Namen Allahs, des Gnädigen, des Barmherzigen.
1. Bei der Zeit,
2. Wahrlich, der Mensch ist in einem Zustande des Verlusts,
3. Außer denen, die glauben und gute Werke tun und einander zur Wahrheit mahnen und einander zum Ausharren mahnen.

Heiliger Quran, Sure 103, Al Asr)

Es gibt so viele Möglichkeiten, Zeit zu verschwenden, ich muss sie ja nicht alle nutzen. Ich fand jedenfalls, dass das Spiel ein Beispiel ist dafür, wie wir womöglich am Ende unseres Erdendaseins unser ganzes Leben betrachten werden….sehr vieles davon wird uns einfach nichtig erscheinen. Und manches Materielle wird am Ende genauso wenig wert sein, wie die virtuellen Schätze aus einem Browserspiel. Aber es ist o.k. für mich, es mal gespielt zu haben und ich hab mich freundlich von den Menschen verabschiedet, die da ganz woanders an ihren Computern sitzen und mir geholfen haben, mich da zurechtzufinden.

Wenn ich aber jetzt Entspannung suche, dann doch eher wieder mit einem Krimi, oder auf Fotosafari…schließlich ist jetzt die schönste Zeit hier in der Türkei, finde ich. Alles blüht, wenn ich durch den Garten unserer Anlage gehe, umwehen mich Rosen-, Oleander- und Jasminduft, das Meer ist sagenhaft blau und die Temperaturen sehr angenehm, noch nicht zu heiß. Ich habe es wirklich so gut, alhamdulillah!

Früher hab ich eine Zeitlang Bildbearbeitung geübt, leider läuft mein altes Programm nicht mehr auf den neueren Computern, darum musste ich das aufgeben. Ich bin noch auf der Suche nach einer bezahlbaren Alternative, denn das war für mich eine meditative Beschäftigung, da habe ich mich während der Basteleien oft mit Koranzitaten oder Überlieferungen beschäftigt und versucht, diese visuell zu gestalten. Das würde ich gerne wieder tun, allerdings dann eher im Winter.

Ich freue mich aber auch, dass ich im heiligen Monat jetzt die Konzentration für das eine oder andere freiwillige Gebet mehr aufbringe, oder zum Koranlesen, oder um mal wieder ein islamisches Buch aus meiner kleinen Bibliothek zu lesen.

Was es sonst noch zu berichten gibt: mich hat der Nestbautrieb gepackt. Ich wohne ja fast seit 1,5 Jahren hier, aber die Ausgestaltung meiner/unserer Wohnung macht gerade Fortschritte und jetzt habe ich langsam das Gefühl, dass ich ihr so richtig meinen Stempel aufgedrückt habe. Ich lasse mich wohl jetzt so richtig häuslich nieder und glaube, dass die Aufgabe meiner Wohnung in Deutschland dieses Gefühl erst richtig möglich gemacht hat. Und vielleicht ist es für mein Wohlgefühl auch nötig, dass ich es so richtig schön gestalte. Also so wie ich es schön finde. Mein Mann ist ja selten hier und ihm gefällt es, wenn es mir gefällt, sagt er. Es stehen noch Bau- und Renovierungsarbeiten an, aber die müssen bis September warten, bis er wieder hier ist. Bis dahin kümmere ich mich um so Sachen wie Schränke, Bettwäsche, Geschirr und Lampen. Auch das alles nur für das diesseitige Leben wesentlich – aber es heißt ja nicht, dass wir uns daran nicht erfreuen dürfen. Ich brauche keinen irrsinnigen Luxus, aber ich genieße es, es mir gemütlich zu machen. Da ich ja sehr viel aus meinem „alten“ Leben verschenkt oder verkauft habe, weil es sich nicht lohnte es in die Türkei zu überführen, freue ich mich, dass man hier schöne Sachen preiswert kaufen kann. Und es wandern auch immer mehr Bücher aus meiner kleinen islamischen Bibliothek mit hierher, nach jeder Reise nach Deutschland bringe ich ein paar mit. Da wundere ich mich manchmal, welche Schätze ich da so lange nicht in die Hand genommen habe. Hier wird es mehr und mehr zu meinem Zuhause.

Also, wenn ich nach einem knappen halben Monat Ramadan eine Zwischenbilanz ziehen soll: ich bin dankbar und zufrieden – nicht 100% zufrieden mit mir, aber ich habe diese Zeit doch besser genutzt als manche andere – und sie nicht „vertrieben“.

In der dritten Woche dieses Monats werde ich inschaAllah ein wenig geselliger sein, ich plane ein „Iftar“, ein Fastenbrechen mit Freundinnen. Und es steht die erste der besonderen heiligen Nächte an, die möchte ich auch gut nutzen. Ich werde berichten, inschaAllah!

Genug für heute! Ich wünsche allen muslimischen und nicht muslimischen Geschwistern einen weiteren gesegneten Monat!

Erste Woche Ramadan 2019: Dankbarkeit, Lektüre, Nachdenkliches

Im Namen Gottes des Erbarmers, des Barmherzigen

Das Titelbild dieses Artikels ist mir jetzt schon mehrfach in den sozialen Medien über den Weg gelaufen, da hab ich es einfach mal geklaut, weil ich es so witzig finde. Für Nichtmuslime: Das Bild spielt mit dem Thema der „Überlieferungen“ im Islam. Dabei handelt es sich Erzählungen über Äußerungen unseres Propheten Muhammed, Friede und Segen sei mit ihm, und – bei den schiitischen Muslimen – auch über solche seiner Nachkommen. Diese Überlieferungen („Hadith“) sollen das Verständnis des Korans erleichtern, indem sie Erklärungen des Propheten wiedergeben und Begebenheiten aus seinem Leben. Leider ist das auch ein umstrittenes Thema, denn es gibt sehr viele gefälschte Überlieferungen, oder solche von nicht vertrauenswürdigen Überlieferern, so dass man da nicht alles als wahr annehmen darf, was so kursiert. Eine ganze Wissenschaft im Islam beschäftigt sich mit diesem Thema, aber leider gibt es ja auch sehr viele „Google-Imame“, die mit dem Thema nicht sehr verantwortungsvoll umgehen. So, das war nun eine sehr lange Einleitung und Erklärung zu einem lustigen Bildchen.

Ich habe seit langen Jahren das erste Mal eine ganze Woche im Monat Ramadan mit gefastet und bin sehr dankbar, dass mir das möglich war und so Gott will auch im restlichen Monat möglich ist. Ich fühle mich doch irgendwie mehr zugehörig zu der großen islamischen Gemeinde, auch wenn ich den Monat in relativer Zurückgezogenheit verbringe. Mir geht es gut, auch wenn es nicht ganz leicht ist, aber mit meinem ruhigen Rhythmus komme ich mit dem Fasten zurecht, an manchen Tagen besser, an manchen ist es mühseliger. Nicht weil ich hungrig wäre, durstig schon eher mal, aber es fehlt eben doch an Energie.

An den Vormittagen bin ich eigentlich fast normal leistungsfähig, aber ab mittags knicke ich dann doch sehr ab und schlafe erstmal ein paar Stunden. Nach dem Fastenbrechen, dem Iftar, bin ich dann zwar nicht müde, obwohl das schon fast meine übliche Zubettgehzeit ist, sondern bleibe relativ lange wach, aber das ist dann keine Zeit für konzentrierte Tätigkeiten.

Meinen täglichen Abschnitt im Koran, bzw. in der Übersetzung lese ich meistens nach der Mittagsruhe. Dann ist es jetzt auf dem Balkon so schön zu sitzen und ich mache es mir dort gemütlich.

Ich sagte ja schon, dass je nachdem was gerade so Lebensthema ist, sich auch bestimmte Themen im heiligen Koran besonders „bemerkbar“ machen. Bei mir ist es z.Zt. ein kurzer Abschnitt aus der 7. Sure, Al Araf – Die Höhen, aus den Versen 42 und 43:


42
Diejenigen aber, die glauben und rechtschaffene Werke tun – Wir erlegen keiner Seele mehr auf, als sie zu leisten vermag –, jene sind Insassen des (Paradies)gartens. Ewig werden sie darin bleiben.

43
Und Wir nehmen weg, was in ihren Brüsten an Groll ist. Unter ihnen strömen Flüsse. Und sie sagen: „(Alles) Lob gehört Allah, Der uns hierher geleitet hat! Wir hätten unmöglich die Rechtleitung gefunden, wenn uns Allah nicht rechtgeleitet hätte. Die Gesandten unseres Herrn sind wirklich mit der Wahrheit gekommen.“ Und es wird ihnen zugerufen: „Siehe, das ist der (Paradies)garten. Er ist euch zum Erbe gegeben worden für das, was ihr zu tun pflegtet.“

Die Übersetzung ist in diesem Fall von islam.de.

Diese Stelle beschäftigt mich schon ein paar Tage. Einmal wegen der Aussage: „Wir erlegen keiner Seele mehr auf, als sie zu leisten vermag“ – denn das rührt noch einmal an das Thema „Krankheit“, ich habe ja ein paar Artikel über das Thema Depression geschrieben, zuletzt diesen hier: Danke für die Depression.

Andererseits muss ich an die vielen Menschen denken, die gerade in unvorstellbarer Weise unter Krieg, Hunger und Unterdrückung leiden. Ich glaube, diesen Vers kann man dann nur verstehen, wenn man überzeugt ist, dass dieses Leben nicht alles ist, sondern dass es noch ein weiteres Leben gibt, in dem schließlich alles gut wird, so wie es der zweite Vers sagt.

Bei diesem beschäftigt mich für mich persönlich das Thema „Groll“. Denn ich bin nicht ganz frei davon, auch wenn ich mich schon zu einem großen Teil unguter Gefühle entledigt habe. Manchmal holt mich er mich doch ein, der Groll über erfahrenes Unrecht. Besonders über das, was mir von einem Menschen zugefügt wurde, dem ich bedingungslos vertraut habe. Ich denke darüber nach, ob die Freiheit von einem solchen Gefühl nicht eines der erstrebenswertesten Dinge ist. Und wenn die gänzliche Befreiung davon schon in diesem Leben gelingt: ist das nicht schon ein großer Schritt dahin, das „Paradies auf Erden“ zu erleben?

Bougeainvillea, aufgenommen in Side, im Mai 2019

Ich bin mir da eigentlich sicher, aber wie gesagt, ganz befreit bin ich noch nicht. Das wird also noch mein Thema bleiben und so Gott will, nutze ich auch diese besinnliche Zeit für die Auseinandersetzung damit. Wie immer ist das kein Thema das alleine steht, sondern es verbindet sich mit anderen Lebensthemen – mal sehen, ob mir die Koran-Lektüre in diesem Monat da hilft, etwas „rund“ zu machen.

Außer im Koran zu lesen, habe ich mir in dieser Woche noch das neue Buch von Jürgen Todenhöfer vorgenommen: „Die große Heuchelei – wie Politik und Medien unsere Werte verraten“

Die Lektüre tut weh, muss aber sein, finde ich, wenn man nicht zu den Heuchlern gehören, oder ihnen folgen will. Ich bewundere Jürgen Todenhöfer, der sich im Laufe seines Lebens vom „rüstungspolitischen Sprecher“ zum bedingungslosen Pazifisten gewandelt hat, weil er keine Angst hat (oder diese überwindet), weil er ungeachtet aller Gefahren sich in Kriegsgebiete begibt und die schmerzliche Wahrheit des Krieges anschaut, mit den Menschen spricht und uns diese Wahrheit ins Gesicht sagt. Und nicht nur uns „Normalos“, sondern auch den Mächtigen dieser Welt. Die ihn erstaunlicherweise durchaus anhören, auch wenn sie nicht unbedingt auf ihn hören. Also, wer die Geschichte des „Westens“ ungeschönt kennen lernen will, findet in dem Buch einen Überblick, dazu viele Informationen über die Kriege, die „wir“ im Westen angeblich gegen den Terror führen und über die unrühmliche Rolle der Medien, die doch eigentlich in der Demokratie den Auftrag haben, die Entscheidungen der Regierenden kritisch zu begutachten – aber leider heutzutage zu einem großen Teil an der Vorbereitung und Rechtfertigung von Kriegen mitwirken. Die Berichte über Begegnungen mit Menschen in Kriegsgebieten, oder von Flucht und Vertreibung sind Herz zerreißend – aber es ist ja auch gut, wenn wir noch ein Herz haben, das Mitgefühl empfindet. Jürgen Todenhöfer ist ein echter Mensch, der nicht abgestumpft ist und, was ich besonders bewundere, der trotz all diesen Elends die Hoffnung auf eine friedliche Welt nicht aufgegeben hat. Er ist trotz allem was er gesehen hat in der Lage, in jedem Menschen den göttlichen Funken zu erkennen, der uns mitgegeben wurde. So gibt es auch einen Abschnitt: „Was tun“ in diesem Buch.

Rose, aufgenommen im Mai 2019 in Side in der Türkei

Ja, das war´s was mich diese Woche so beschäftigt hat. Und ich bin wirklich privilegiert, dass ich den heiligen Monat Ramadan unter solchen Umständen, in Ruhe und Sicherheit verbringen kann. So Gott will, werden auch alle die Menschen die heute unter Hunger, Krankheit und Unterdrückung leiden, einmal in diesen Genuss kommen.

Herumstromern in: Side

Side, meine neue Heimat, hat eine bewegte Geschichte. Hethiter, Perser, Griechen, Römer, diverse Piraten, Araber und die Byzantiner besuchten, besetzten und besiedelten die heutige Altstadt auf der Halbinsel, die jetzt zwischen den touristischen Hotelzentren liegt. Vor ca. 6000 Jahren (darüber gibt es sehr unterschiedliche Angaben) bis ca. 1200 n.Chr. soll hier eine wichtige Hafenstadt (u.a. mit Sklavenmarkt) gewesen sein, die dann durch ein Erdbeben zerstört wurde. Erst um 1900 herum begann wieder eine Besiedlung durch Türken, die von der griechischen Insel Kreta vertrieben wurden. Ein kretisches Kulturhaus erzählt davon, aber das hab ich noch nicht besucht, das folgt inschaAllah ein anderes Mal.

Das war ein sehr gekürzter Überblick über die Geschichte von Side, es gibt viele Seiten die detaillierter Berichten, da brauche ich das nicht wiederholen. Mich hat schon bei meinem ersten Besuch hier, Mitte der 90er Jahre des letzten Jahrhunderts, die Atmosphäre fasziniert. In Side spaziert man einfach so zwischen den Hinterlassenschaften der Kulturen herum. Für manche ist das nur eine Menge langweiliger alter Steine. Ich allerdings liebe es, einfach nur so herumzustrolchen und mir vorzustellen, wer hier wohl alles schon so gelebt hat und die gleichen Wege gegangen ist.

So habe ich mir heute – „der Mai ist gekommen“ – einen ausgiebigen Frühlingsspaziergang mit Touristenaugen durch das antike Side gegönnt, einschließlich Museumsbesuch. Nächste Woche beginnt ja der Fastenmonat Ramadan, oder Ramazan, wie er hier genannt wird. Wie ich mich kenne, hab ich dann keine Energie tagsüber in der Wärme viel zu unternehmen (ob das abends nach dem Fastenbrechen anders ist, sei mal dahingestellt). Nicht zu essen fällt mir nicht so schwer, ich mache sowieso meistens „intermittierendes Fasten“, aber normalerweise trinke ich natürlich dann. Egal, Schluss mit der Vorrede, ich will ja nur ein paar Eindrücke teilen.

Los geht es von mir zu Hause an an die Strandpromenade, das sind ca. zehn Minuten Fussweg. Und dann einfach die Promenade, oder unten am Wasser entlang Richtung Side. Das ist mein fast täglicher Spazierweg, bis in die Altstadt habe ich ungefähr 3 km zu gehen.

Und dann ist man auch schon fast beim Museum von Side, das liegt in der Nähe des antiken Theaters. Mit meiner kürzlich in Alanya erworbenen Müze-Card kann ich da jetzt so oft hinein wie ich möchte. Die hat 70 TRY gekostet, also ca. 11 € und gilt ein Jahr für viele staatliche Museen. Ich denke, ich werde schon alleine wegen der Aussicht öfters mal in das Museum gehen und einfach nur da in Ruhe sitzen.

In den Ausstellungsräumen finden sich Alltags- und Schmuckgegenstände der verschiedenen Epochen, und viele Skulpturen. Hier stehen „Götter“, „Halbgötter“ (ich sollte vielleicht lieber „Götzen“ schreiben, aber ich denke es ist bekannt, dass ich Monotheistin bin und an die doch allzu menschlichen griechischen und römischen „Götter“ nicht glaube), Kaiser, Soldaten und ganz normale Menschen einträchtig und mehr oder weniger gut erhalten beieinander. Sogar zwei Sphinxen sind mir begegnet.

Diese kleinen Vasen könnten mir durchaus für meine Wohnung gefallen. Unglaublich, dass die tausend Jahre oder älter sind…

Solch eine detailgenaue Arbeit finde ich faszinierend. Und wie steht wohl dieses Paar zueinander? Was mögen sie zu besprechen haben? Sie schaut ein wenig sorgenvoll, finde ich…

Leider kann ich die Schrift nicht lesen, sonst wüsste ich, was die beiden Herren da gerade per Handschlag vereinbaren. Aber so kann ich mir eine Geschichte ausdenken, auch schön.

Gestatten, Herakles. Ein Bild von einem Mann, etwas mitgenommen ist er.

Ein Imperator, soweit ich mich erinnere und eine der Sphinxen.

Drei Herren und schau an: einfach eine Frau, ganz ohne ihr zugeschriebene göttliche Eigenschaften.

Und schon geht´s wieder raus aus dem Museum und kreuz und quer durch die Ruinen.

Ein Krankenhaus aus byzantinischer Zeit…mein Krankenschwesternherz fühlt sich angesprochen und denkt sich Geschichten aus.

Das antike Theater von Side und – nein, das ist keine Mohnblume, :-). Sehr hübsch, aber macht eigentlich keiner mehr so ganz normale Fotos? Überall posieren die Leute, als ob sie zeigen wollten, was sie in ihrem Wochenend-Model-Lehrgang gelernt haben. Ist das eine Krankheit des Instagram-Zeitalters?

Und schon wieder am Meer und in der touristischen Zone angekommen:

Auf oder neben diesem Schiffchen im Hafen von Side kann man übrigens lecker Fisch essen. Das „Balık-Ekmek“ aktuell für 20 TRY. Dafür esse ich zwar in meinem Lieblingsimbiss in Manavgat fast ein ganzes Menü, aber die Atmosphäre hier hat ja was. Und dann kann man ja in dem kleinen „Girit Kahvesi“, also dem „kretischen“ Cafe, das von der Gemeinde betrieben wird, sehr, sehr günstig einen Çay trinken. 3 TRY hab ich heute für einen Tee samt Keks und ein Wasser bezahlt. Teşekkür ederim, Manavgat Belediyesi!

So sah es heute auf der „Hauptstraße“ in der Altstadt aus. Im Sommer ist hier ja kaum ein Durchkommen. Ich mag diese Zeit jetzt, wenn die Saison so langsam losgeht, es aber noch nicht überfüllt ist.

Ja, das war mein Spaziergang am Samstag vor dem Monat Ramadan. 17800 Schritte sagt mein Schrittzähler, das werde ich wohl im Fastenmonat nicht hinbekommen.

Ich hoffe es hat Euch gefallen, bis bald, görüşürüz!

Wandertag: Von Ilıca nach Evrenköy (und zurück)

Endlich ist es so richtig Frühling geworden hier an der türkischen Riviera. Wir haben einen langen und sehr nassen Winter hinter uns gebracht und die Temperaturen sind auch längst nicht so, wie man es um diese Jahreszeit hier kennt. Aber jetzt ist es gerade sehr angenehm, um sich in der Natur zu bewegen. Ich laufe auch im Winter normalerweise viel, aber in diesem Jahr ging das ja gar nicht, weil es viel zu nass und matschig war.

Aber vergessen wir das und freuen uns an dieser Jahreszeit, bevor die ganz große Hitze kommt! Dann mag man sich nämlich tagsüber kaum bewegen. Ich war heute alleine unterwegs und bin einen Weg gegangen, der hier im Wanderblog des GEM-Dernek beschrieben ist (Weg Nr.1). Der GEM-Dernek ist ein Verein in Manavgat, der Ausländer unterstützt, sich hier in der Türkei zurechtzufinden und der Treffen und Unternehmungen anbietet. Ich verlinke Verein und Blog mal in meine Seitenleiste.

Ich liebe die Beschreibungen im Wanderblog und hab mir das einfach ausgedruckt…Die sind nämlich so in der Art: „Vor der Brücke (ohne Geländer), rechts in den Feldweg abbiegen….“. Ich brauch solche Ansagen, denn mein Hirn streikt bei Aussagen wie sie das Navi gerne macht: „Richtung Norden….“.

So hab ich mich gut zurechtgefunden. Durch das Örtchen Ilıca geht es los ins Dorf Evrenköy, dort kann man das Nomadenmuseum besichtigen und dann geht es durch die Natur- und Kulturlandschaft, durch Obst-, Oliven- und Palmenplantagen wieder zurück nach Ilıca. Nach Ilıca kommt man leicht mit dem Dolmuş. Und es grünt und blüht jetzt, so schön!


Natürlich hab ich wieder Fotos gemacht. Ich hab mir ja in diesem Jahr mal eine ordentliche Kamera zugelegt. Kann sein, dass Profis einiges auszusetzen haben an der Qualität – ich bin nämlich absolute Laiin und hab außerdem echt schlechte Augen, aber im Vergleich zu Handyfotos sehe sogar ich den Unterschied. Leider war die Sicht auf das Gebirge heute nicht so toll – etwas diesig.

Moschee in Ilıca
Babyschildkröte getroffen, 🙂

Im liebevoll gestalteten Nomaden-Museum (Yörük Müzesi) bekommt man einen Eindruck von der nomadischen Kultur, die die Region um Antalya lange Zeit geprägt hat (das war die Phase vor der touristischen Kultur…)

Das Museum hat täglich von 8:30 bis 17:30 geöffnet, der Eintritt ist frei, Spenden werden gerne genommen. Es gibt eine Führung in türkischer Sprache und eine kleine Broschüre auch in Deutsch.

Die Adresse ist: Evren mah. Küme evleri No. 8 Manavgat/Antalya

Die Telefonnummer lautet: 0242 7476020

Ich bin ungefähr 12 km gelaufen, sagt mein Schrittzähler, der reine Wanderweg dürfte so um die 10 km haben und ist leicht zu bewältigen, mit ein paar Feldwegen eben, also nicht kinderwagenfreundlich. Ich hoffe, mein Bericht hat Euch gefallen und Lust darauf gemacht, die Gegend um Side mal zu erkunden – sprich (das richtet sich an die AI-Touristen) auch mal das Hotel zu verlassen und sich in die Landschaft zu trauen.