Herumstromern in: Side

Side, meine neue Heimat, hat eine bewegte Geschichte. Hethiter, Perser, Griechen, Römer, diverse Piraten, Araber und die Byzantiner besuchten, besetzten und besiedelten die heutige Altstadt auf der Halbinsel, die jetzt zwischen den touristischen Hotelzentren liegt. Vor ca. 6000 Jahren (darüber gibt es sehr unterschiedliche Angaben) bis ca. 1200 n.Chr. soll hier eine wichtige Hafenstadt (u.a. mit Sklavenmarkt) gewesen sein, die dann durch ein Erdbeben zerstört wurde. Erst um 1900 herum begann wieder eine Besiedlung durch Türken, die von der griechischen Insel Kreta vertrieben wurden. Ein kretisches Kulturhaus erzählt davon, aber das hab ich noch nicht besucht, das folgt inschaAllah ein anderes Mal.

Das war ein sehr gekürzter Überblick über die Geschichte von Side, es gibt viele Seiten die detaillierter Berichten, da brauche ich das nicht wiederholen. Mich hat schon bei meinem ersten Besuch hier, Mitte der 90er Jahre des letzten Jahrhunderts, die Atmosphäre fasziniert. In Side spaziert man einfach so zwischen den Hinterlassenschaften der Kulturen herum. Für manche ist das nur eine Menge langweiliger alter Steine. Ich allerdings liebe es, einfach nur so herumzustrolchen und mir vorzustellen, wer hier wohl alles schon so gelebt hat und die gleichen Wege gegangen ist.

So habe ich mir heute – „der Mai ist gekommen“ – einen ausgiebigen Frühlingsspaziergang mit Touristenaugen durch das antike Side gegönnt, einschließlich Museumsbesuch. Nächste Woche beginnt ja der Fastenmonat Ramadan, oder Ramazan, wie er hier genannt wird. Wie ich mich kenne, hab ich dann keine Energie tagsüber in der Wärme viel zu unternehmen (ob das abends nach dem Fastenbrechen anders ist, sei mal dahingestellt). Nicht zu essen fällt mir nicht so schwer, ich mache sowieso meistens „intermittierendes Fasten“, aber normalerweise trinke ich natürlich dann. Egal, Schluss mit der Vorrede, ich will ja nur ein paar Eindrücke teilen.

Los geht es von mir zu Hause an an die Strandpromenade, das sind ca. zehn Minuten Fussweg. Und dann einfach die Promenade, oder unten am Wasser entlang Richtung Side. Das ist mein fast täglicher Spazierweg, bis in die Altstadt habe ich ungefähr 3 km zu gehen.

Und dann ist man auch schon fast beim Museum von Side, das liegt in der Nähe des antiken Theaters. Mit meiner kürzlich in Alanya erworbenen Müze-Card kann ich da jetzt so oft hinein wie ich möchte. Die hat 70 TRY gekostet, also ca. 11 € und gilt ein Jahr für viele staatliche Museen. Ich denke, ich werde schon alleine wegen der Aussicht öfters mal in das Museum gehen und einfach nur da in Ruhe sitzen.

In den Ausstellungsräumen finden sich Alltags- und Schmuckgegenstände der verschiedenen Epochen, und viele Skulpturen. Hier stehen „Götter“, „Halbgötter“ (ich sollte vielleicht lieber „Götzen“ schreiben, aber ich denke es ist bekannt, dass ich Monotheistin bin und an die doch allzu menschlichen griechischen und römischen „Götter“ nicht glaube), Kaiser, Soldaten und ganz normale Menschen einträchtig und mehr oder weniger gut erhalten beieinander. Sogar zwei Sphinxen sind mir begegnet.

Diese kleinen Vasen könnten mir durchaus für meine Wohnung gefallen. Unglaublich, dass die tausend Jahre oder älter sind…

Solch eine detailgenaue Arbeit finde ich faszinierend. Und wie steht wohl dieses Paar zueinander? Was mögen sie zu besprechen haben? Sie schaut ein wenig sorgenvoll, finde ich…

Leider kann ich die Schrift nicht lesen, sonst wüsste ich, was die beiden Herren da gerade per Handschlag vereinbaren. Aber so kann ich mir eine Geschichte ausdenken, auch schön.

Gestatten, Herakles. Ein Bild von einem Mann, etwas mitgenommen ist er.

Ein Imperator, soweit ich mich erinnere und eine der Sphinxen.

Drei Herren und schau an: einfach eine Frau, ganz ohne ihr zugeschriebene göttliche Eigenschaften.

Und schon geht´s wieder raus aus dem Museum und kreuz und quer durch die Ruinen.

Ein Krankenhaus aus byzantinischer Zeit…mein Krankenschwesternherz fühlt sich angesprochen und denkt sich Geschichten aus.

Das antike Theater von Side und – nein, das ist keine Mohnblume, :-). Sehr hübsch, aber macht eigentlich keiner mehr so ganz normale Fotos? Überall posieren die Leute, als ob sie zeigen wollten, was sie in ihrem Wochenend-Model-Lehrgang gelernt haben. Ist das eine Krankheit des Instagram-Zeitalters?

Und schon wieder am Meer und in der touristischen Zone angekommen:

Auf oder neben diesem Schiffchen im Hafen von Side kann man übrigens lecker Fisch essen. Das „Balık-Ekmek“ aktuell für 20 TRY. Dafür esse ich zwar in meinem Lieblingsimbiss in Manavgat fast ein ganzes Menü, aber die Atmosphäre hier hat ja was. Und dann kann man ja in dem kleinen „Girit Kahvesi“, also dem „kretischen“ Cafe, das von der Gemeinde betrieben wird, sehr, sehr günstig einen Çay trinken. 3 TRY hab ich heute für einen Tee samt Keks und ein Wasser bezahlt. Teşekkür ederim, Manavgat Belediyesi!

So sah es heute auf der „Hauptstraße“ in der Altstadt aus. Im Sommer ist hier ja kaum ein Durchkommen. Ich mag diese Zeit jetzt, wenn die Saison so langsam losgeht, es aber noch nicht überfüllt ist.

Ja, das war mein Spaziergang am Samstag vor dem Monat Ramadan. 17800 Schritte sagt mein Schrittzähler, das werde ich wohl im Fastenmonat nicht hinbekommen.

Ich hoffe es hat Euch gefallen, bis bald, görüşürüz!

Wandertag: Von Ilıca nach Evrenköy (und zurück)

Endlich ist es so richtig Frühling geworden hier an der türkischen Riviera. Wir haben einen langen und sehr nassen Winter hinter uns gebracht und die Temperaturen sind auch längst nicht so, wie man es um diese Jahreszeit hier kennt. Aber jetzt ist es gerade sehr angenehm, um sich in der Natur zu bewegen. Ich laufe auch im Winter normalerweise viel, aber in diesem Jahr ging das ja gar nicht, weil es viel zu nass und matschig war.

Aber vergessen wir das und freuen uns an dieser Jahreszeit, bevor die ganz große Hitze kommt! Dann mag man sich nämlich tagsüber kaum bewegen. Ich war heute alleine unterwegs und bin einen Weg gegangen, der hier im Wanderblog des GEM-Dernek beschrieben ist (Weg Nr.1). Der GEM-Dernek ist ein Verein in Manavgat, der Ausländer unterstützt, sich hier in der Türkei zurechtzufinden und der Treffen und Unternehmungen anbietet. Ich verlinke Verein und Blog mal in meine Seitenleiste.

Ich liebe die Beschreibungen im Wanderblog und hab mir das einfach ausgedruckt…Die sind nämlich so in der Art: „Vor der Brücke (ohne Geländer), rechts in den Feldweg abbiegen….“. Ich brauch solche Ansagen, denn mein Hirn streikt bei Aussagen wie sie das Navi gerne macht: „Richtung Norden….“.

So hab ich mich gut zurechtgefunden. Durch das Örtchen Ilıca geht es los ins Dorf Evrenköy, dort kann man das Nomadenmuseum besichtigen und dann geht es durch die Natur- und Kulturlandschaft, durch Obst-, Oliven- und Palmenplantagen wieder zurück nach Ilıca. Nach Ilıca kommt man leicht mit dem Dolmuş. Und es grünt und blüht jetzt, so schön!


Natürlich hab ich wieder Fotos gemacht. Ich hab mir ja in diesem Jahr mal eine ordentliche Kamera zugelegt. Kann sein, dass Profis einiges auszusetzen haben an der Qualität – ich bin nämlich absolute Laiin und hab außerdem echt schlechte Augen, aber im Vergleich zu Handyfotos sehe sogar ich den Unterschied. Leider war die Sicht auf das Gebirge heute nicht so toll – etwas diesig.

Moschee in Ilıca
Babyschildkröte getroffen, 🙂

Im liebevoll gestalteten Nomaden-Museum (Yörük Müzesi) bekommt man einen Eindruck von der nomadischen Kultur, die die Region um Antalya lange Zeit geprägt hat (das war die Phase vor der touristischen Kultur…)

Das Museum hat täglich von 8:30 bis 17:30 geöffnet, der Eintritt ist frei, Spenden werden gerne genommen. Es gibt eine Führung in türkischer Sprache und eine kleine Broschüre auch in Deutsch.

Die Adresse ist: Evren mah. Küme evleri No. 8 Manavgat/Antalya

Die Telefonnummer lautet: 0242 7476020

Ich bin ungefähr 12 km gelaufen, sagt mein Schrittzähler, der reine Wanderweg dürfte so um die 10 km haben und ist leicht zu bewältigen, mit ein paar Feldwegen eben, also nicht kinderwagenfreundlich. Ich hoffe, mein Bericht hat Euch gefallen und Lust darauf gemacht, die Gegend um Side mal zu erkunden – sprich (das richtet sich an die AI-Touristen) auch mal das Hotel zu verlassen und sich in die Landschaft zu trauen.

Ausflug nach Alanya

Am vergangenen Sonntag war ich mit meinem Mann in Alanya. Es ist 19 Jahre her, dass ich dort zuletzt gewesen bin und damals war es ein stürmischer Wintertag. Dieses Mal hatten wir herrliches Frühlingswetter und tolle Aussichten.

Wir waren mit dem Auto dort und sind auch damit bis zur Burg hochgefahren, man kann natürlich auch laufen oder die neue Seilbahn (Alanya Teleferik) nehmen. Die ist aber glaub ich ziemlich teuer, leider öffnet sich die Preisliste auf der Homepage gerade nicht, aber da könnt Ihr ja selber noch mal nachgucken. Von der Seilbahn-Seite hab ich auch diesen Burgplan stibitzt:

Hier findet Ihr in einem Reiseblog einen kleinen geschichtlichen Überblick zu Alanya und der Burg.

Als Stadt gefällt mir ja Antalya besser. Das ist ein ganz persönlicher Eindruck, in Antalya hab ich mich schon bei meiner allerersten Reise in die Türkei verliebt, aber die Burg von Alanya und die Aussicht dort sind natürlich was Besonderes. Hier ein paar Bilder:

Wer hier hinaufklettert….
wird mit diesem Ausblick belohnt!
Byzantinische Kirche in der Burg von Alanya

Im Hafen von Alanya liegen überwiegend Boote für Angelfahrten und Ausflugsschiffe. Diese haben im Gegensatz zu Side/Manavgat, wo man auf „Piraten“ setzt, eher einen „Wikinger“-Bezug, *lol*. Vielleicht sind in Alanya mehr skandinavische Gäste unterwegs?

Eine gute Idee der Stadtverwaltung Alanya gegen Abzocke: Wasserautomat mit Wasser für 1 TL:


Und zu guter Letzt ein paar Frühlingsblumen:

Sind das eine Art Mittagsblumen? Ich weiß es nicht.

So das war es für heute. Ich hoffe ich habe Euch Lust auf einen Ausflug nach Alanya gemacht. Herzliche Grüße aus der Türkei!

Ausflug zum Oymapınar-Staudamm/“Green Canyon“

Am vergangenen Sonntag haben wir einen Ausflug zum Oymapınar-Stausee gemacht. Bootstouren im „Green Canyon“ sind ja bei Touristen sehr beliebt und eine solche steht auch noch auf meiner Wunschliste. Aber auch von oben gibt es wunderschöne Aussichten. Auf einer etwas abenteuerlichen Bergstrecke haben wir die Natur genossen, mit einheimischen Pilzsammlern geplaudert, Plätzchen für sommerliche Übernachtungen im Zelt erkundet und Quellwasser getrunken.

Mein erstes Mal: Budapest

Ich war noch nie in Ungarn, geschweige denn in Budapest, aber auf dieser Autotour zurück in die Türkei haben wir uns einen Kurzaufenthalt gegönnt. Eine wunderschöne Stadt. Nur ein paar Eindrücke:

Die folgenden Bilder sind beim Aufstieg zur Zitadelle entstanden:

Ein Nachmittag und ein Tag waren natürlich viel zu kurz für diese interessante Stadt und ich möchte noch einmal hin, um die Synagoge zu besichtigen, das Parlamentsgebäude von innen und die Grabstätte von „Gül Baba“, eine der wenigen Spuren die das osmanische Reich hier hinterlassen hat, abgesehen vom Kaffee und den Bädern. Das Grab ist montags geschlossen, sonst wären wir dorthin gegangen.

Budapest ist eine junge Stadt, so mein Eindruck. Viele junge Touristen und auch Studenten, wir haben auch ein paar türkische Studenten getroffen. Muslime sieht man wenige, jedenfalls als solche erkennbare, aber wir fanden auch Halal-Restaurants. Ansonsten kann man auch gut internationale vegetarische Küche finden.

Inzwischen sind wir gut wieder in Side angekommen. Die Autotour war schon anstrengend, aber seit meiner letzten Fahrt in die Türkei auf dem Landweg, das war vor fast 5 Jahren, haben sich die Straßenverhältnisse auch in Serbien und Bulgarien sehr verbessert. In der Türkei ist ja sowieso fast alles neu.

Reisevorbereitungen: Mit dem Auto nach Hause in die Türkei (und noch ein wenig Bürokratie)

Nachdem ich mich durch den bürokratischen Dschungel gequält habe – es gab noch ein paar Telefonate mit verwirrten Krankenkassen-Mitarbeitern und Versicherungen – laufen jetzt die Vorbereitungen für die Autofahrt von Kassel nach Side. Am Sonntag wollen mein Mann und ich starten und die erste Tagesetappe soll bis Budapest führen, da wollen wir zwei Übernachtungen einlegen. Eigentlich nur 1,5 Übernachtungen, denn Dienstag soll es in aller Frühe weitergehen um möglichst hinter die türkische Grenze zu kommen. Ca. 3100 km liegen vor uns.

Gerade zerlegen wir ein paar Möbel die mitreisen sollen. Es gibt ja sehr schöne und günstige Möbel in der Türkei zu kaufen, aber wir haben hier noch ein paar gut erhaltene Kommoden aus Massivholz aus einem Nachlass, die zu den Betten passen, die mein Mann schon letztes Jahr mitgenommen hat. Auch ein Vertiko für das Wohnzimmer ist dabei, da suche ich schon lange was Passendes und hab nichts gefunden. Das braucht dann aber einen Anstrich, da „Kiefer natur“ nun so gar nicht in mein Wohnzimmer passt. Dazu muss noch einiger Kleinkram aus meiner aufgegebenen Wohnung mit und natürlich ein paar lebenswichtige Sachen, die ich in der Türkei nicht bekomme, :-D. Ich zittere ja ein wenig vor der Fahrt mit dem betagten Auto meines Mannes, das ich immer „das Schiff“ nenne. Es ist nicht unbedingt ein Fahrzeug nach meinem Geschmack, zu viele PS. Hat aber sowohl Autogas als auch Benzinantrieb, was echt viel Geld spart. Ich werde von der Fahrt inschaAllah berichten. Vermutlich wird man uns an ein paar Grenzen ärgern und wir müssen alles ausräumen, jedenfalls hat mein Mann im letzten Jahr diese Erfahrung gemacht. Man wollte ihm einfach nicht glauben, das unter dem ganzen Hausstand den er geladen hatte, kein Fernseher dabei war….

Was die Bürokratie-Überreste angeht: bei der Krankenkasse herrschte ein wenig Verwirrung, über den Bestand meiner Versicherung. Aber man hat mir inzwischen zweimal schriftlich bestätigt, dass ich auch weiterhin in Deutschland meine Karte der Krankenkasse benutzen kann, wenn ich mich zwischendurch hier aufhalte, was ja alle paar Monate der Fall ist. Meinen „T/A 20“ habe ich schon erhalten und werde ihn dann übernächste Woche bei der SGK in Manavgat einreichen. Geärgert habe ich mich über eine Zahn-Zusatzversicherung, die mir zwar keine Leistungen in der Türkei bezuschusst, mich aber auch nicht vor Jahresende aus dem Vertrag entlässt. Wäre ich gar nicht mehr Mitglied bei einer deutschen Krankenkasse wäre das anders, aber ich bin ja pflichtversichert als Rentnerin. Bei einer anderen Zusatzversicherung ging das unproblematisch. Der ADAC bietet mir auch keine „Plus“-Mitgliedschaft mehr, also hab ich gekündigt.

Die Anwartschaft für die deutsche Pflegeversicherung kostet mich ca. 15€ im Monat, das soll es mir wert sein. Dadurch habe ich sofort Ansprüche, sollte ich zurück nach Deutschland ziehen. Und es fällt ja der Beitrag zur Pflegeversicherung bei der Rente weg.