Elhamdülillah,Bayram!

Im Namen Gottes, des Erbarmers, des Barmherzigen!

Da ist er, der Neumond von Schawwal!

Der Neumond des 10. Monats im islamischen Kalender wurde gesichtet und somit ist nun, wie ich schon vermutet hatte, heute auch „Bayram“ (Feiertag) für mich gewesen. Elhamdülillah (türkische Version von „Alhamdulillah – Gott sei Dank, alles Lob gebührt Allah)

Da ich hier in der Türkei keine Familie habe und auch bislang keine Gemeinde, mit der ich den Tag verbringen könnte (ich habe ja erst letzte Woche ein paar schiitische Schwestern kennen gelernt, aber die sind in Antalya, was für mich ja auch eine mehrstündige Anreise bedeutet) habe ich den Tag mit einer Freundin am Strand verbracht. Ein paar Eindrücke gibt es hier (nur Handybilder, ich wollte die Kamera da nicht einem ganzen sandigen Tag aussetzen, 🙂 ). Heute waren auch viele türkische Familien am Strand, hier sind ja insgesamt 9 Tage Feiertagsferien ausgerufen worden, die viele auch zu einer Reise nutzen. Natürlich muss all das Hotel- und Servicepersonal arbeiten.

Wir waren in unserem bevorzugten „Beach-Club“, der „Coppa Beach“ in Side-Kumköy. Viele Strandabschnitte sind ja von den große Hotels belegt, aber es gibt einige freie Strände, oder auch kommunale, bei denen man für wenig Geld einen Liegestuhl mieten kann, oder einen umsonst bekommt, wenn man etwas verzehrt. Ich hab normalerweise nur 10 Min. Fussweg zum Strand, aber zum heutigen Ziel muss ich ca. 3 km laufen, oder den Bus nehmen. Ich gehe aber gerne am Wasser entlang dorthin. Heute habe ich es mal richtig krachen lassen…Kaffee, Wasser, Softdrink, Pizza…..für 60 türkische Lira, macht nach heutigem Kurs 9,31€ plus Trinkgeld. Das kann man sich zum Festtag auch als Frührentnerin mal leisten. Und dieser Beach-Club gehört zu den teureren.

Liegestuhlperspektive
plitsch,platsch, an der Wasserkante wieder nach Hause..

Gut gelaunte Festtagsgrüße an die Welt!

Mein Monat Ramadan 2019

Im Namen Gottes des Erbarmers, des Barmherzigen

Salam aleikum und moin, da bin ich wieder, heute mit einem Fazit zum Monat Ramadan!

Zunächst einmal möchte ich allen meinen muslimischen Geschwister ein gesegnetes Fest zum Ende des Monats Ramadan wünschen! InschaAllah hattet Ihr einen schönen Monat Ramadan in dem Ihr von den zahlreichen Segnungen Gottes profitiert habt und habt jetzt zum Abschluss fröhliche und friedliche Tage im Kreise Eurer Lieben!

Mit dem Monat Ramadan ist es ein bisschen wie mit einem lange vermissten, geliebtem Familienmitglied, das zu Besuch kommt: sehnlich erwartet, liebevoll umsorgt – aber nach vier Wochen ist man dann doch auch erleichtert, sein Zuhause wieder für sich zu haben und den gewohnten Tagesrhythmus wieder aufnehmen zu können.

So geht es mir jetzt nach vier Wochen des Fastens: ich freue mich, dass wahrscheinlich morgen auch für mich das Fest des Fastenbrechens beginnt. Hier in der Türkei wird ja von fast allen heute, am 4. Juni, schon gefeiert.

Warum es da Unterschiede gibt: wie so oft sind wir Muslime uns nicht einig, wie man den Beginn eines neuen Mondmonats bestimmt. Da die Monate im islamischen Kalender 29 oder 30 Tage lang sein können, je nachdem wann der Neumond gesichtet wird, muss man eine Methode finden diesen Zeitpunkt zu bestimmen. Und da „streiten sich die Gelehrten“, wie man so schön sagt. Manche sagen, man muss den Mond mit bloßem Auge sehen können, andere erlauben Hilfsmittel. Wieder andere stellen astronomische Berechnungen an und bestimmen den Neumond ohne direkt hin zuschauen. So ist es auch in der Türkei üblich, da steht der Kalender schon lange im Voraus fest. Und dann gibt es noch Unterschiede in der Bewertung: Muss der Mond lokal gesichtet worden sein, also dort wo man sich aufhält – oder reicht es heutzutage, wenn er irgendwo auf der Welt gesichtet wurde.

Tja und so fangen wir mit dem Fasten zu unterschiedlichen Terminen an und beenden es auch unterschiedlich. Leider.

Ich gehöre ja der Rechtschule der „Dschafaria“an, bin also Schiitin und nach dem Gelehrten dem ich folge, geht keine Vorausberechnung, also warte ich ab, ob heute Abend eine Mondsichtung gemeldet wurde, oder ob noch ein weiterer letzter Fastentag folgt. Aber ich gehe davon aus, dass es heute Abend vorbei ist, mit dem Monat Ramadan. Aber auch innerhalb der schiitischen Konfession gibt es da noch Unterschiede, genau wie unter den Sunniten. Da muss sich jeder Muslim und jede Muslima nach dem richten, was ihm oder ihr am einleuchtendsten erscheint.

Ich bin sehr dankbar, dass ich diesen ganzen Monat Ramadan fasten konnte, das schien mir noch letztes Jahr undenkbar, genauso wie ich dachte, dass ich niemals mehr ohne anti-depressive Medikation leben könnte. Aber in diesen fast eineinhalb Jahren, die ich jetzt in der Türkei lebe, hat sich bei mir gesundheitlich wirklich viel zum Vorteil verändert. So kann ich sagen, dass ich den Monat Ramadan genießen konnte und mehr als in den Jahren ohne Fasten auch von der besonderen Kraft die Gott in diese Zeit gelegt hat, profitiert habe. Am Monatsende sagt sich wohl fast jede/r Gläubige, dass man die Zeit noch mehr hätte nutzen können. Das ist auch gut so, wir sollen ja immer danach streben, uns zu entwickeln. Aber die Absicht ist es, die im Islam zählt. Ich habe geschafft, meine Konzentration in den Gebeten meistens sehr zu verbessern, einige freiwillige Gebete gemacht, die „Lailatul qadr“ genutzt und habe mich die meiste Zeit wirklich in einer friedlichen und besinnlichen Geisteshaltung befunden. Es war ein ruhiger Monat für mich, ich war nicht viel unterwegs, aber das war genau richtig für mich.

Einen Tag in der letzten Woche habe ich nicht gefastet, weil ich „auf Reisen“ war (dann fastet man nicht und holt den Tag später nach). Ich bin mit dem Bus nach Antalya gefahren, um an der örtlichen Kundgebung zum internationalen Quds (Jerusalem)-Tag teilzunehmen. Das ist ein weltweit am letzten Freitag im Monat Ramadan stattfindender Tag, an dem gegen die illegale Besatzung Palästinas und Jerusalems demonstriert wird, aber auch gegen jede andere Form der Unterdrückung. In Deutschland findet es immer samstags statt und heftigem Mediengewitter, weil es sich angeblich um eine „antisemitische“ Demonstration handelt. Mich lässt diese Kritik kalt, denn wer gegen völkerrechtswidriges Verhalten protestiert, ist darum nicht antisemitisch. In Berlin sind auch immer jüdische Geistliche bei der Demonstration dabei. Nun, die Beteiligung am „Kudüs günü“ wie es in der Türkei heißt, war hier in Antalya sehr gering. Ich habe mich aber trotzdem gefreut, dabei gewesen zu sein und einige schiitische Geschwister kennengelernt zu haben, denn da hatte ich noch gar keine Kontakte hier. Also ein Schritt zur Integration, denn jetzt werde ich inschaAllah manchmal dort an Veranstaltungen teilnehmen.

Als ich eben mal in den Medien rumstöberte, wurde ich darauf aufmerksam, welche Auswirkungen es haben kann, wenn man Islamhass in der Gesellschaft schürt: ein paar junge Männer in islamischer, festlicher Kleidung hetzen durch den Kölner Hauptbahnhof, um ihren Zug noch zu erwischen, sie sind auf dem Weg, den Festtag zu begehen. Das geht gar nicht, das ist verdächtig! Die Polizei schreitet ein, wirft sie zu Boden, der Staatsschutz ermittelt…..käme man auf den Gedanken, andere Reisende, die zum Zug rennen so zu behandeln? Ich fürchte, auf eine Entschuldigung wegen verschärften „Racial profiling“ können die Brüder lange warten. Außer dass vermeldet wurde, es wäre keine Gefahr von ihnen ausgegangen, wird wohl nichts passieren. Ich habe nichts dagegen, dass für unsere Sicherheit gesorgt wird – hier in der Türkei gibt es sehr viele Kontrollen, selbst wenn man in ein Einkaufszentrum geht. Aber solche Reaktionen sind paranoid. Zum Bericht über das Vorkommnis geht es hier.

Aber, wie schrieb jemand, „es ist nicht alles schlecht im Abendland“: Bundespräsident Steinmeier hat zum Ramadanfest eine Grußbotschaft an die Muslime in Deutschland gesendet. Darin heißt es u.a.:

Ich versichere Ihnen: Wir dulden keinen Hass, keine Ausgrenzung, keinen Generalverdacht gegen muslimische Zuwanderer oder gar ‚die Muslime‘. Dafür setze ich mich ein. Das Grundgesetz garantiert Religionsfreiheit und es schreibt fest, dass niemand wegen seines Glaubens diskriminiert oder ausgegrenzt werden darf, egal, was er glaubt und ob er überhaupt glaubt, ob er ein Kreuz, ein Kopftuch oder eine Kippa trägt.

Das versöhnt mich dann wieder ein bisschen.

In acht Tagen geht es dann für zwei Wochen nach Deutschland, eine Familienfeier steht an. Danach werde ich inschaAllah den Sommer hier an der türkischen Südküste genießen.

So weit für heute. Ich habe viele Ideen, worüber ich in nächster Zeit schreiben will, aber einige Beiträge erfordern ziemlich viel Recherche und dazu fehlt mir gerade etwas die Zeit und Muße – jetzt will ich auch erst einmal das Fest genießen, mein Plan ist als erstes ein Strandtag in meinem bevorzugten Strandclub, in dem es auch eine seeeeehr leckere Pizza gibt, die ich dann bei hellem Sonnenschein zu verspeisen gedenke!

Mein Bittgebet des Tages

Im Namen Gottes, des Erbarmers des Barmherzigen

„Bitte lass mich frei werden von jeglicher Arroganz und lehre mich Demut, ohne mich zu demütigen“

Dieses Bittgebet kam mir in den Sinn, beeinflusst durch die überlieferte Aussage unseres Propheten Muhammed, s.a.s.:

„Wer in seinem Herzen auch nur das Gewicht eines Stäubchens an Arroganz hat, wird nicht das Paradies betreten.“

Meine dritte Woche im Monat Ramadan 2019

Im Namen Gottes des Erbarmers, des Barmherzigen

Eigentlich wollte ich immer so Wochenberichte schreiben und die dritte Woche im Monat Ramadan ist ja noch nicht vorbei – aber da ich am Montag zum Iftar (Fastenbrechen) eingeladen bin, ziehe ich das mal vor. Ich bin noch immer dabei und habe keinen Tag aussetzen müssen mit dem Fasten, Gott sei Dank. An ein paar Tagen habe ich ein bisschen geschwächelt, aber durchgehalten. Dank meines sehr ruhigen Lebens hab ich mir dann eben ein extra Nickerchen gegönnt und dann ging es auch wieder.

Ein bisschen Leben war in der Bude weil ich am Donnerstag zum Iftar eingeladen hatte, eine deutsch-türkisch gemischte Truppe aus Frauen die ich hier kennengelernt habe, eine mit deutschem, eine mit türkischem Ehemann, die meisten davon Christen, nur das deutsch-türkische Ehepaar ist muslimisch. Wir haben aber ein richtig traditionelles Iftar, jedenfalls so wie ich es kenne zelebriert. Ich war ziemlich nervös, ich hab selten so viel Gäste auf einmal – also was heißt viel, wir waren sieben Personen, aber ich bin kochen für viele nicht gewöhnt. Es haben aber alle behauptet es habe ihnen geschmeckt. Die Gäste haben auch noch Leckereien zum Nachtisch mitgebracht, dazu hatte ich auch noch Kuchen, also uns ging es so richtig gut.

Gestern war dann die erste die möglichen „Lailatul quadr“- das ist die Nacht im Monat Ramadan in der sich die Herabsendung des heiligen Quran in das Herz des Propheten Muhammed, s.a.s. jährt.

Die Sure 97 im Quran erzählt davon:

„Wir haben ihn in der Nacht der Bestimmung hinabgesandt.
Und was lehrt dich wissen, was die Nacht der Bestimmung ist?
Die Nacht der Bestimmung ist besser als tausend Monate.
Die Engel und der Geist werden in ihr herabgesandt mit der Erlaubnis ihres Herrn mit jedem Befehl, (des)
Frieden, ist sie bis zum Aufgang der Morgenröte.“

Die Übersetzung stammt von hier aus meinem Lieblings-Islamlexikon,da gibt es auch weitere Erläuterungen zu der Nacht der Bestimmung, warum wir Muslime uns da mal wieder uneinig über den genauen Termin sind und warum jedenfalls Schiiten, also Muslime der dschafaritischen Rechtsschule in diesen letzten Tagen des Monats Ramadan trauern. Sunnitische Muslime lieben selbstverständlich unseren ermordeten Imam Ali, Friede sei mit ihm, ebenfalls, aber diese Ereignisse sind ihnen meistens nicht so präsent. Also jedenfalls hat mein sunnitischer Ehemann mir berichtet, dass davon in den Moscheen im Monat Ramadan nicht die Rede ist.

Dieses Video habe ich im Jahr 2013 in einer der Lailatul-Qadr-Nächte in Mashad in Iran aufgenommen. Dort befindet sich die riesige Moscheeanlage um den Schrein unseres 8. Imam, Imam Ridha, a.s. Ich hatte in dem Jahr die große Ehre, dort an einem vierwöchigen Sommerkurs der Al-Mustafa-Universität teilnehmen zu dürfen, der gerade in den Monat Ramadan fiel. Eine unvergessliche Zeit. Wer mehr darüber wissen möchte kann in meinem alten Blog Mariams Welt die Suchfunktion nach „Iran-Reisebericht 2013“ nutzen, da habe ich eine Reihe von Beiträgen geschrieben über unsere Erlebnisse dort.

Wir nutzen die Nächte im Monat Ramadan ja sowieso inschaAllah auch für Bittgebete – aber in diesen Nächten versucht man besonders viel zu beten, z.B. das Dschauschan ul Kabir, ein wunderschönes und sehr langes Bittgebet. Ich habe in der ersten möglichen Lailatul-Quadr auch nur ein Drittel davon geschafft. InschaAllah nutze ich die anderen Nächte, um es zu beenden. Das Video zeigt einen Ausschnitt.

Ja, was gibt es sonst zu berichten: ich habe mich – das ist unausweichlich wenn man viel im Quran liest – weiterhin mit dem Thema des diesseitigen und des jenseitigen Lebens beschäftigt und dazu auch noch mal ein Büchlein in die Hand genommen, das die Stationen des jenseitigen Lebens beschreibt. Wir haben ja aus dem Quran und den Überlieferungen des Propheten, s.a.s. und seiner Nachkommen zu der Zwischenwelt (Barsach), in der wir in der Zeit zwischen unserem Abschied von der Erde und der Auferstehung der Menschen, an die wir ja glauben verweilen werden, einige Informationen. Das Büchlein beschreibt das anschaulich und ist zusätzlich zur Quran-Lektüre eine Motivation, sich um „Proviant“ aus guten Taten für diese Reise zu kümmern. Alles was wir in diesem Leben tun, spiegelt sich dann später im jenseitigen Leben wieder. Das sollte man wirklich ständig im Bewusstsein haben. Unsere Zeit hier ist begrenzt und wenn wir sterben, „dann wachen wir auf“ – so sagt es eine islamische Überlieferung. D.h. wenn wir gestorben sind, werden wir einen schonungslosen Blick auf unsere Taten haben und wir werden erkennen, was wirklich wichtig ist.

Heute fand ich beim Rumstöbern eine Kantate von Johann Sebastian Bach, „Gott soll allein mein Herze haben“, die sich auch genau mit dem Thema des trügerischen irdischen Lebens befasst:

Gott soll allein mein Herze haben.
Zwar merk ich an der Welt,
Die ihren Kot unschätzbar hält,
Weil sie so freundlich mit mir tut,
Sie wollte gern allein
Das Liebste meiner Seele sein.
Doch nein; Gott soll allein mein Herze haben:
Ich find in ihm das höchste Gut.
Wir sehen zwar
Auf Erden hier und dar
Ein Bächlein der Zufriedenheit,
Das von des Höchsten Güte quillet;
Gott aber ist der Quell, mit Strömen angefüllet,
Da schöpf ich, was mich allezeit
Kann sattsam und wahrhaftig laben:
Gott soll allein mein Herze haben….

Den gesamten Text der Kantate findet man z.B. hier

Ich habe mir nicht zu viel vorgenommen für den Monat Ramadan, da ich mich kenne: wenn ich mir selber Druck mache, dann boykottiere ich meinen Erfolg auch selber. So wie ich mir den Monat bis jetzt gestaltet habe, bin ich aber einigermaßen zufrieden mit mir. Also ich habe kleine Schritte gemacht, mehr nachgedacht, mehr gelesen, mehr freiwillige Gebete, inschaAllah mehr Liebe um mich verbreitet und weniger gesündigt. Und ich fühle mich gut aufgehoben und durch diese Zeit getragen. Gott sei Dank für alles!

Zweite Woche des Monats Ramadan 2019: Gedanken über „Zeitvertreib“

Das diesseitige Leben ist nur Zerstreuung und Spiel. Die jenseitige Wohnstätte ist wahrlich das (eigentliche) Leben, wenn sie es nur wüssten!

(Heiliger Quran, Sure 29 – die Spinne – Vers 63)

Die zweite Woche im diesjährigen Monat Ramadan ist vergangen und Gott sei Dank: ich habe weiter gefastet und das ohne größere Probleme, so dass ich zuversichtlich bin, dass dieses der erste Monat Ramadan seit Jahren sein wird, den ich durchgehend faste.

Mein Tagesrhythmus ist weiterhin ganz anders als in gewöhnlichen Zeiten, aber mit einer langen Mittagsruhe halte ich ganz gut durch. Dafür ist der Nachtschlaf kürzer, aber vormittags bin ich trotzdem recht produktiv und habe einiges geschafft. Eher Kopf- als körperliche Arbeit, denn ich fühl mich schon ein bisschen schlapp, aber nicht in bedenklichem Ausmaß. In dieser Woche war ich eher an den Nachmittagen spazieren, oder etwas erledigen, aber auch das ging ganz gut. Es ist ein gutes Gefühl, nicht allen Versuchungen erliegen zu „müssen“ die mir so begegnen. Ich bin ja eine, die sonst an Eisbuden und Konditoreien schwer vorbeikommt. Nicht dass ich jetzt nicht nasche, aber ich muss es dann eben in den Abend aufschieben und erstaunlicherweise muss in diesem Monat nicht jedes Bedürfnis sofort befriedigt werden.

Ich lese weiter täglich ein Stück in meiner Koranübersetzung und das woran ich öfter „hängenblieb“, waren Sätze wie der obige Auszug…Und, ich „oute“ mich: ich habe bis zu diesem Monat für eine ganze Weile ein Onlinespiel gespielt, ein Aufbau- und Strategiespiel…ein „Abschiedsbild“ aus meiner Spielwelt seht Ihr oben.

Das ist kein Ballerspiel oder so, nein, man versucht eine Stadt mit zufriedenen Bewohnern aufzubauen, in dem man eine gute Infrastruktur schafft, man muss Aufgaben erfüllen, mit Freunden kooperieren, kann anderen helfen oder Hilfe erfahren, Handel treiben, neue Ziele erforschen. Na gut, manchmal überfällt man auch mal seine Nachbarn, aber man ist nicht gezwungen, sie auszurauben, *lol*. Da ich keine große Fernsehguckerin bin, hab ich mich dabei entspannt und mir die „Zeit vertrieben“.

Und genau wegen des „Zeit Vertreibens“ hab ich das jetzt eingestellt. Meine Zeit auf dieser Erde ist knapp bemessen. Sicherlich brauchen wir Entspannung und ich werde jetzt auch nicht jede freie Minute mit sinnvoller Lektüre verbringen, oder nützlichen Arbeiten. Aber ich habe gemerkt, dass ich mich zu viel damit beschäftigt, meine Zeit so geplant habe, dass ich mit meinen „Freunden“ im Spiel die gegenseitigen Hilfsaktionen verabreden konnte, mich immer wieder einloggen musste, um virtuelle Produktionen aus meinen virtuellen Fabriken einzusammeln usw. Außerdem war ich immer wieder geneigt, echtes Geld auszugeben, um in dem Spiel voranzukommen. Ist meiner Meinung nach nicht schlimmer als Geld für Netflix, Kino, seichte Literatur oder Konzerte zu bezahlen, aber muss ja nicht unbedingt sein.

In der 103. Sure im heiligen Quran wird der Mensch auch darauf hingewiesen, dass er im Zustand des Verlustes ist, d.h. das seine Zeit stetig verrinnt – so jedenfalls hat man mir die Bedeutung dieser Sure erklärt:

Im Namen Allahs, des Gnädigen, des Barmherzigen.
1. Bei der Zeit,
2. Wahrlich, der Mensch ist in einem Zustande des Verlusts,
3. Außer denen, die glauben und gute Werke tun und einander zur Wahrheit mahnen und einander zum Ausharren mahnen.

Heiliger Quran, Sure 103, Al Asr)

Es gibt so viele Möglichkeiten, Zeit zu verschwenden, ich muss sie ja nicht alle nutzen. Ich fand jedenfalls, dass das Spiel ein Beispiel ist dafür, wie wir womöglich am Ende unseres Erdendaseins unser ganzes Leben betrachten werden….sehr vieles davon wird uns einfach nichtig erscheinen. Und manches Materielle wird am Ende genauso wenig wert sein, wie die virtuellen Schätze aus einem Browserspiel. Aber es ist o.k. für mich, es mal gespielt zu haben und ich hab mich freundlich von den Menschen verabschiedet, die da ganz woanders an ihren Computern sitzen und mir geholfen haben, mich da zurechtzufinden.

Wenn ich aber jetzt Entspannung suche, dann doch eher wieder mit einem Krimi, oder auf Fotosafari…schließlich ist jetzt die schönste Zeit hier in der Türkei, finde ich. Alles blüht, wenn ich durch den Garten unserer Anlage gehe, umwehen mich Rosen-, Oleander- und Jasminduft, das Meer ist sagenhaft blau und die Temperaturen sehr angenehm, noch nicht zu heiß. Ich habe es wirklich so gut, alhamdulillah!

Früher hab ich eine Zeitlang Bildbearbeitung geübt, leider läuft mein altes Programm nicht mehr auf den neueren Computern, darum musste ich das aufgeben. Ich bin noch auf der Suche nach einer bezahlbaren Alternative, denn das war für mich eine meditative Beschäftigung, da habe ich mich während der Basteleien oft mit Koranzitaten oder Überlieferungen beschäftigt und versucht, diese visuell zu gestalten. Das würde ich gerne wieder tun, allerdings dann eher im Winter.

Ich freue mich aber auch, dass ich im heiligen Monat jetzt die Konzentration für das eine oder andere freiwillige Gebet mehr aufbringe, oder zum Koranlesen, oder um mal wieder ein islamisches Buch aus meiner kleinen Bibliothek zu lesen.

Was es sonst noch zu berichten gibt: mich hat der Nestbautrieb gepackt. Ich wohne ja fast seit 1,5 Jahren hier, aber die Ausgestaltung meiner/unserer Wohnung macht gerade Fortschritte und jetzt habe ich langsam das Gefühl, dass ich ihr so richtig meinen Stempel aufgedrückt habe. Ich lasse mich wohl jetzt so richtig häuslich nieder und glaube, dass die Aufgabe meiner Wohnung in Deutschland dieses Gefühl erst richtig möglich gemacht hat. Und vielleicht ist es für mein Wohlgefühl auch nötig, dass ich es so richtig schön gestalte. Also so wie ich es schön finde. Mein Mann ist ja selten hier und ihm gefällt es, wenn es mir gefällt, sagt er. Es stehen noch Bau- und Renovierungsarbeiten an, aber die müssen bis September warten, bis er wieder hier ist. Bis dahin kümmere ich mich um so Sachen wie Schränke, Bettwäsche, Geschirr und Lampen. Auch das alles nur für das diesseitige Leben wesentlich – aber es heißt ja nicht, dass wir uns daran nicht erfreuen dürfen. Ich brauche keinen irrsinnigen Luxus, aber ich genieße es, es mir gemütlich zu machen. Da ich ja sehr viel aus meinem „alten“ Leben verschenkt oder verkauft habe, weil es sich nicht lohnte es in die Türkei zu überführen, freue ich mich, dass man hier schöne Sachen preiswert kaufen kann. Und es wandern auch immer mehr Bücher aus meiner kleinen islamischen Bibliothek mit hierher, nach jeder Reise nach Deutschland bringe ich ein paar mit. Da wundere ich mich manchmal, welche Schätze ich da so lange nicht in die Hand genommen habe. Hier wird es mehr und mehr zu meinem Zuhause.

Also, wenn ich nach einem knappen halben Monat Ramadan eine Zwischenbilanz ziehen soll: ich bin dankbar und zufrieden – nicht 100% zufrieden mit mir, aber ich habe diese Zeit doch besser genutzt als manche andere – und sie nicht „vertrieben“.

In der dritten Woche dieses Monats werde ich inschaAllah ein wenig geselliger sein, ich plane ein „Iftar“, ein Fastenbrechen mit Freundinnen. Und es steht die erste der besonderen heiligen Nächte an, die möchte ich auch gut nutzen. Ich werde berichten, inschaAllah!

Genug für heute! Ich wünsche allen muslimischen und nicht muslimischen Geschwistern einen weiteren gesegneten Monat!

Erste Woche Ramadan 2019: Dankbarkeit, Lektüre, Nachdenkliches

Im Namen Gottes des Erbarmers, des Barmherzigen

Das Titelbild dieses Artikels ist mir jetzt schon mehrfach in den sozialen Medien über den Weg gelaufen, da hab ich es einfach mal geklaut, weil ich es so witzig finde. Für Nichtmuslime: Das Bild spielt mit dem Thema der „Überlieferungen“ im Islam. Dabei handelt es sich Erzählungen über Äußerungen unseres Propheten Muhammed, Friede und Segen sei mit ihm, und – bei den schiitischen Muslimen – auch über solche seiner Nachkommen. Diese Überlieferungen („Hadith“) sollen das Verständnis des Korans erleichtern, indem sie Erklärungen des Propheten wiedergeben und Begebenheiten aus seinem Leben. Leider ist das auch ein umstrittenes Thema, denn es gibt sehr viele gefälschte Überlieferungen, oder solche von nicht vertrauenswürdigen Überlieferern, so dass man da nicht alles als wahr annehmen darf, was so kursiert. Eine ganze Wissenschaft im Islam beschäftigt sich mit diesem Thema, aber leider gibt es ja auch sehr viele „Google-Imame“, die mit dem Thema nicht sehr verantwortungsvoll umgehen. So, das war nun eine sehr lange Einleitung und Erklärung zu einem lustigen Bildchen.

Ich habe seit langen Jahren das erste Mal eine ganze Woche im Monat Ramadan mit gefastet und bin sehr dankbar, dass mir das möglich war und so Gott will auch im restlichen Monat möglich ist. Ich fühle mich doch irgendwie mehr zugehörig zu der großen islamischen Gemeinde, auch wenn ich den Monat in relativer Zurückgezogenheit verbringe. Mir geht es gut, auch wenn es nicht ganz leicht ist, aber mit meinem ruhigen Rhythmus komme ich mit dem Fasten zurecht, an manchen Tagen besser, an manchen ist es mühseliger. Nicht weil ich hungrig wäre, durstig schon eher mal, aber es fehlt eben doch an Energie.

An den Vormittagen bin ich eigentlich fast normal leistungsfähig, aber ab mittags knicke ich dann doch sehr ab und schlafe erstmal ein paar Stunden. Nach dem Fastenbrechen, dem Iftar, bin ich dann zwar nicht müde, obwohl das schon fast meine übliche Zubettgehzeit ist, sondern bleibe relativ lange wach, aber das ist dann keine Zeit für konzentrierte Tätigkeiten.

Meinen täglichen Abschnitt im Koran, bzw. in der Übersetzung lese ich meistens nach der Mittagsruhe. Dann ist es jetzt auf dem Balkon so schön zu sitzen und ich mache es mir dort gemütlich.

Ich sagte ja schon, dass je nachdem was gerade so Lebensthema ist, sich auch bestimmte Themen im heiligen Koran besonders „bemerkbar“ machen. Bei mir ist es z.Zt. ein kurzer Abschnitt aus der 7. Sure, Al Araf – Die Höhen, aus den Versen 42 und 43:


42
Diejenigen aber, die glauben und rechtschaffene Werke tun – Wir erlegen keiner Seele mehr auf, als sie zu leisten vermag –, jene sind Insassen des (Paradies)gartens. Ewig werden sie darin bleiben.

43
Und Wir nehmen weg, was in ihren Brüsten an Groll ist. Unter ihnen strömen Flüsse. Und sie sagen: „(Alles) Lob gehört Allah, Der uns hierher geleitet hat! Wir hätten unmöglich die Rechtleitung gefunden, wenn uns Allah nicht rechtgeleitet hätte. Die Gesandten unseres Herrn sind wirklich mit der Wahrheit gekommen.“ Und es wird ihnen zugerufen: „Siehe, das ist der (Paradies)garten. Er ist euch zum Erbe gegeben worden für das, was ihr zu tun pflegtet.“

Die Übersetzung ist in diesem Fall von islam.de.

Diese Stelle beschäftigt mich schon ein paar Tage. Einmal wegen der Aussage: „Wir erlegen keiner Seele mehr auf, als sie zu leisten vermag“ – denn das rührt noch einmal an das Thema „Krankheit“, ich habe ja ein paar Artikel über das Thema Depression geschrieben, zuletzt diesen hier: Danke für die Depression.

Andererseits muss ich an die vielen Menschen denken, die gerade in unvorstellbarer Weise unter Krieg, Hunger und Unterdrückung leiden. Ich glaube, diesen Vers kann man dann nur verstehen, wenn man überzeugt ist, dass dieses Leben nicht alles ist, sondern dass es noch ein weiteres Leben gibt, in dem schließlich alles gut wird, so wie es der zweite Vers sagt.

Bei diesem beschäftigt mich für mich persönlich das Thema „Groll“. Denn ich bin nicht ganz frei davon, auch wenn ich mich schon zu einem großen Teil unguter Gefühle entledigt habe. Manchmal holt mich er mich doch ein, der Groll über erfahrenes Unrecht. Besonders über das, was mir von einem Menschen zugefügt wurde, dem ich bedingungslos vertraut habe. Ich denke darüber nach, ob die Freiheit von einem solchen Gefühl nicht eines der erstrebenswertesten Dinge ist. Und wenn die gänzliche Befreiung davon schon in diesem Leben gelingt: ist das nicht schon ein großer Schritt dahin, das „Paradies auf Erden“ zu erleben?

Bougeainvillea, aufgenommen in Side, im Mai 2019

Ich bin mir da eigentlich sicher, aber wie gesagt, ganz befreit bin ich noch nicht. Das wird also noch mein Thema bleiben und so Gott will, nutze ich auch diese besinnliche Zeit für die Auseinandersetzung damit. Wie immer ist das kein Thema das alleine steht, sondern es verbindet sich mit anderen Lebensthemen – mal sehen, ob mir die Koran-Lektüre in diesem Monat da hilft, etwas „rund“ zu machen.

Außer im Koran zu lesen, habe ich mir in dieser Woche noch das neue Buch von Jürgen Todenhöfer vorgenommen: „Die große Heuchelei – wie Politik und Medien unsere Werte verraten“

Die Lektüre tut weh, muss aber sein, finde ich, wenn man nicht zu den Heuchlern gehören, oder ihnen folgen will. Ich bewundere Jürgen Todenhöfer, der sich im Laufe seines Lebens vom „rüstungspolitischen Sprecher“ zum bedingungslosen Pazifisten gewandelt hat, weil er keine Angst hat (oder diese überwindet), weil er ungeachtet aller Gefahren sich in Kriegsgebiete begibt und die schmerzliche Wahrheit des Krieges anschaut, mit den Menschen spricht und uns diese Wahrheit ins Gesicht sagt. Und nicht nur uns „Normalos“, sondern auch den Mächtigen dieser Welt. Die ihn erstaunlicherweise durchaus anhören, auch wenn sie nicht unbedingt auf ihn hören. Also, wer die Geschichte des „Westens“ ungeschönt kennen lernen will, findet in dem Buch einen Überblick, dazu viele Informationen über die Kriege, die „wir“ im Westen angeblich gegen den Terror führen und über die unrühmliche Rolle der Medien, die doch eigentlich in der Demokratie den Auftrag haben, die Entscheidungen der Regierenden kritisch zu begutachten – aber leider heutzutage zu einem großen Teil an der Vorbereitung und Rechtfertigung von Kriegen mitwirken. Die Berichte über Begegnungen mit Menschen in Kriegsgebieten, oder von Flucht und Vertreibung sind Herz zerreißend – aber es ist ja auch gut, wenn wir noch ein Herz haben, das Mitgefühl empfindet. Jürgen Todenhöfer ist ein echter Mensch, der nicht abgestumpft ist und, was ich besonders bewundere, der trotz all diesen Elends die Hoffnung auf eine friedliche Welt nicht aufgegeben hat. Er ist trotz allem was er gesehen hat in der Lage, in jedem Menschen den göttlichen Funken zu erkennen, der uns mitgegeben wurde. So gibt es auch einen Abschnitt: „Was tun“ in diesem Buch.

Rose, aufgenommen im Mai 2019 in Side in der Türkei

Ja, das war´s was mich diese Woche so beschäftigt hat. Und ich bin wirklich privilegiert, dass ich den heiligen Monat Ramadan unter solchen Umständen, in Ruhe und Sicherheit verbringen kann. So Gott will, werden auch alle die Menschen die heute unter Hunger, Krankheit und Unterdrückung leiden, einmal in diesen Genuss kommen.

Monat Ramadan: Der Monat des Koran

Im Namen Gottes, des Erbarmers, des Barmherzigen

„Der Monat Ramadan ist es, in dem der Quran offenbart wurde, als eine Führung für die Menschen und als klares Zeugnis für die Rechtleitung und die Auseinandersetzung (zwischen Wahrheit und Unwahrheit).“ (Heiliger Quran Sure 2, Vers 185)

Der heilige Monat ist nicht einfach eine Zeit, in der wir unsere Selbstbeherrschung trainieren und mehr beten. Nein, wir feiern darin, dass Gott uns seine abschließende Offenbarung, die bestätigt, ergänzt und abschließt, was in den anderen heiligen Büchern schon geschrieben steht, herab gesendet hat. Wir sind damit nicht im Widerspruch zu den anderen abrahamitischen Religionen, dem Juden- und Christentum:

In der 4. Sure des Korans (An-Nisa- die Frauen) heißt es in Vers 125:
„Und wer hat eine schönere Religion als jener, der sich Allah ergibt und dabei Güte übt und dem Glauben Abrahams folgt, des Aufrechten? Und Allah nahm Sich Abraham zum Freund.“

Bild von Josef Fendt auf Pixabay

Ich habe mehrere Koran – Übersetzungen. Keine ist so richtig gut, sagen die, die es beurteilen können. Manchmal nehme ich mir mehrere zur Hand, wenn ich gucken will, wie andere Übersetzer mit einer bestimmten Stelle fertig geworden sind. Jede Übersetzung ist ja auch schon mindestens ein Stück Interpretation, auch wenn diese eigentlich Aufgabe der Fachleute für dieses Thema ist.

Den Koran auszulegen ist ein Lebenswerk. Das macht man nicht so nebenher, auch wenn man heute in deutschen Medien schon zum „Islamexperten“ wird, wenn man mal einen Abschnitt einer deutschen Übersetzung gelesen hat. Komisch, dass sich das bei den heiligen Büchern anderer Religionen nicht jeder anmaßt.

Je länger ich Muslima bin und je öfter ich im Koran lese, je mehr ich darüber lerne, was alles zu den Wissenschaften um den Koran gehört – je mehr erkenne ich meine Grenzen und das ist auch gut so. Was nicht heißt, dass Gott sich nicht auch mir verständlich macht, selbst in einer mangelhaften Übersetzung. Das heilige Buch hat viele Schichten. Auch wenn ich mich an der Oberfläche des Verständnisses bewege, heißt das ja nicht, dass ich dort nichts Wertvolles finde. Und bei jedem Durchgang beiße ich mich sozusagen an anderen Themen fest. Je nachdem, was mich gerade so in meinem Leben bewegt.

Wir haben heute viele Möglichkeiten, uns den Koran von Leuten erklären zu lassen, die ein tiefer gehendes Verständnis haben, alhamdulillah (= alles Lob gebührt Allah).

Bei meiner ersten Begegnung mit dem Koran, als ich gerade anfing mich für den Islam zu interessieren, sah ich nur „Höllenfeuer“ in dem Buch. Und es kam mir sehr katholisch vor, war doch auch meine christliche Erziehung von Ängsten vor der Hölle geprägt.

Hier wie dort eine Fehlinterpretation, die leider viele Menschen zu einer schlechten Meinung über Gott bringt und mich viele Jahre vom Glauben entfernt hat.

Gott sei Dank hab ich an der Stelle nicht das heilige Buch in die Ecke geworfen, sondern ich wollte verstehen und habe weiter gelesen, nicht nur im Koran sondern auch rund um die Offenbarung und um das Leben unseres Propheten Muhammed, Friede und Segen sei mit ihm und mit seinen reinen Nachkommen.

Und siehe da: nicht nur musste ich einsehen, dass der Koran kein Menschenwerk ist, sondern tatsächlich göttliche Offenbarung, sondern auch, dass er ein „Liebesbrief“ Gottes an die Menschen ist und eine unerschöpfliche Quelle an Weisheiten, Gleichnissen, Geschichten über Gott, das Leben und das Zusammenleben der Menschen. Das hat mich dann zu der Entscheidung gebracht, Muslima zu werden und mein Leben an dieser Botschaft auszurichten. Und auch wenn das vielen unverständlich erscheint: Für mich ist damit vieles „rund“ geworden, viele Themen an denen ich hätte verzweifeln können, ob persönlicher oder gesellschaftlicher Art, haben ihren Sinn offenbart. Aber das ist eine andere Geschichte – oder viele Geschichten.

Bild von Gerd Altmann auf Pixabay

Wenn wir Übersetzungen und Auslegungen (=Tafsir) des Korans lesen, müssen wir gut aufpassen, von wem die stammen. Die islamische Welt ist kein einheitliches Gebilde. Niemandem ist verborgen geblieben, dass es Verfechter einer angeblich wortgetreuen, aber trotzdem Sinn entstellenden Auslegung gibt, die den Islam als eine grausame Religion und Gott als einen strafenden, unbarmherzigen Herrscher darstellt, der nur denen gnädig ist, die sich in ein enges Korsett blinden Gehorsams pressen und ihren Verstand und ihr Herz ausschalten. Bei einer solchen Auslegung sind sich dann die unbarmherzigen „Islamisten“ und die sogenannten „Islamexperten“ einig. Sie haben wohl überlesen, dass sich Gott im heiligen Koran zur Barmherzigkeit verpflichtet hat!

Es ist ziemlich dumm von mir, dass ich außerhalb des Monats Ramadan viel zu selten hineinschaue in das heilige Buch! Natürlich rezitiere ich im Gebet immer kurze Abschnitte, aber es sollte wirklich zum täglichen Ablauf gehören, mindestens einen kleinen Abschnitt zu lesen! Klappt doch im Monat Ramadan auch.