Ausflug zum Kovada Gölü und nach Eğirdir

Wieder ein Sonntagsausflug mit Madoks unter der Leitung von Ayhan Rüzgar – ich komme im Moment nur zu Reiseberichten, da ich eine liebe Freundin zu Besuch habe und wir viel unterwegs sind. Andere angefragte Beiträge müssen darum warten. Für die kommende Woche haben wir noch zwei „touristische“ Ausflüge gebucht, die hoffentlich auch ganz toll werden, aber heute waren wir wieder mit dem Verein Madoks aus Manavgat unterwegs. Das ist ein Kultur- und Sportverein, der Ausflüge für interessierte Einheimische anbietet und netterweise seine restlichen Plätze auch uns deutschen Residenten zur Verfügung stellt. Es handelt sich also um keinen kommerziellen Anbieter.

Meistens sind die Ausflugsziele von Madoks ja etwas abseits der üblichen touristischen Pfade und so war das auch heute. Es war wieder phantastisch, die Türkei ist einfach so ein vielseitiges Land. Die heutigen Ziele lagen in der Nähe von Isparta. Das war eine etwas längere Anfahrt und so ging es auch schon um 8 Uhr in Manavgat los.

Zuerst waren wir am „Kovada Gölü“, also Kovada-See. Das ist ein Nationalpark, da es dort einige seltene Pflanzen gibt. Der See ist nicht sehr groß und nicht sehr tief und der Park ist sehr bewaldet und zeigt sich in allen möglichen Grünschattierungen.

Tiere trafen wir auch, lebende und, naja, nicht so ganz mehr lebende, auch wenn sie fast so aussahen:

Es gibt ein kleines Museum, in dem diese und andere ausgestopfte Gesellen herumstehen…ich finde das ja immer ein wenig, nun ja, weiß nicht, einerseits interessant, andererseits eklig und traurig. Aber natürlich spannend zu sehen, was dort an Tieren lebt, oder lebte.

Anschließend ging es weiter nach Eğirdir, einer Stadt an einem See gelegen, der fast so groß wie der Bodensee und der viertgrößte der Türkei ist. In Eğirdir wurde ein Damm zu einer Insel aufgeschüttet, so dass diese jetzt eine Halbinsel und zu Fuß und mit dem Auto und natürlich mit dem Fahrrad erreichbar ist. In Eğirdir fand heute ein Triathlon statt, als wir ankamen lief gerade die Siegerehrung und es wurde aufgeräumt. Es war sehr stürmisch und pustete uns fast vom Damm, als wir auf die Insel liefen.

Aber erstmal waren wir in einem rustikalen und auf Nomadenart gemachten Lokal weit über der Stadt zum Essen und um die Aussicht zu genießen:

In der Stadt Eğirdir bummelten wir ein wenig herum, besichtigten die alte Moschee und spazierten dann zur Spitze der Halbinsel:

Auf der Insel finden sich die Grabstätte eines muslimischen Heiligen (Dede) und eine kleine Kirche. Und viele kleine Restaurants und Pensionen. Hier scheinen vor allem inländische Touristen Ferien zu machen.

Der hier bestattete Muslihiddin Dede lebte wahrscheinlich im 9. oder 10. JH. n.Chr. Im frühen 14. JH. wird er im Bericht eines Reisenden erwähnt, berichtet die Kulturseite der türkischen Regierung.und war ein zu seiner Zeit berühmter Lehrer und Reiseschriftsteller der aus Turkmenistan stammte. Warum es ihn nach Eğirdir verschlagen hatte, ist nicht bekannt. Auf dem örtlichen Friedhof sind wohl noch mehrere Gelehrte beerdigt.

Ich grüße Euch glücklich und ordentlich durchgepustet und überwältigt von den vielen Eindrücken dieses Tages! Bis ganz bald inschaAllah!

Bild: Ayhan Rüzgar

Elhamdülillah,Bayram!

Im Namen Gottes, des Erbarmers, des Barmherzigen!

Da ist er, der Neumond von Schawwal!

Der Neumond des 10. Monats im islamischen Kalender wurde gesichtet und somit ist nun, wie ich schon vermutet hatte, heute auch „Bayram“ (Feiertag) für mich gewesen. Elhamdülillah (türkische Version von „Alhamdulillah – Gott sei Dank, alles Lob gebührt Allah)

Da ich hier in der Türkei keine Familie habe und auch bislang keine Gemeinde, mit der ich den Tag verbringen könnte (ich habe ja erst letzte Woche ein paar schiitische Schwestern kennen gelernt, aber die sind in Antalya, was für mich ja auch eine mehrstündige Anreise bedeutet) habe ich den Tag mit einer Freundin am Strand verbracht. Ein paar Eindrücke gibt es hier (nur Handybilder, ich wollte die Kamera da nicht einem ganzen sandigen Tag aussetzen, 🙂 ). Heute waren auch viele türkische Familien am Strand, hier sind ja insgesamt 9 Tage Feiertagsferien ausgerufen worden, die viele auch zu einer Reise nutzen. Natürlich muss all das Hotel- und Servicepersonal arbeiten.

Wir waren in unserem bevorzugten „Beach-Club“, der „Coppa Beach“ in Side-Kumköy. Viele Strandabschnitte sind ja von den große Hotels belegt, aber es gibt einige freie Strände, oder auch kommunale, bei denen man für wenig Geld einen Liegestuhl mieten kann, oder einen umsonst bekommt, wenn man etwas verzehrt. Ich hab normalerweise nur 10 Min. Fussweg zum Strand, aber zum heutigen Ziel muss ich ca. 3 km laufen, oder den Bus nehmen. Ich gehe aber gerne am Wasser entlang dorthin. Heute habe ich es mal richtig krachen lassen…Kaffee, Wasser, Softdrink, Pizza…..für 60 türkische Lira, macht nach heutigem Kurs 9,31€ plus Trinkgeld. Das kann man sich zum Festtag auch als Frührentnerin mal leisten. Und dieser Beach-Club gehört zu den teureren.

Liegestuhlperspektive
plitsch,platsch, an der Wasserkante wieder nach Hause..

Gut gelaunte Festtagsgrüße an die Welt!

Mein Monat Ramadan 2019

Im Namen Gottes des Erbarmers, des Barmherzigen

Salam aleikum und moin, da bin ich wieder, heute mit einem Fazit zum Monat Ramadan!

Zunächst einmal möchte ich allen meinen muslimischen Geschwister ein gesegnetes Fest zum Ende des Monats Ramadan wünschen! InschaAllah hattet Ihr einen schönen Monat Ramadan in dem Ihr von den zahlreichen Segnungen Gottes profitiert habt und habt jetzt zum Abschluss fröhliche und friedliche Tage im Kreise Eurer Lieben!

Mit dem Monat Ramadan ist es ein bisschen wie mit einem lange vermissten, geliebtem Familienmitglied, das zu Besuch kommt: sehnlich erwartet, liebevoll umsorgt – aber nach vier Wochen ist man dann doch auch erleichtert, sein Zuhause wieder für sich zu haben und den gewohnten Tagesrhythmus wieder aufnehmen zu können.

So geht es mir jetzt nach vier Wochen des Fastens: ich freue mich, dass wahrscheinlich morgen auch für mich das Fest des Fastenbrechens beginnt. Hier in der Türkei wird ja von fast allen heute, am 4. Juni, schon gefeiert.

Warum es da Unterschiede gibt: wie so oft sind wir Muslime uns nicht einig, wie man den Beginn eines neuen Mondmonats bestimmt. Da die Monate im islamischen Kalender 29 oder 30 Tage lang sein können, je nachdem wann der Neumond gesichtet wird, muss man eine Methode finden diesen Zeitpunkt zu bestimmen. Und da „streiten sich die Gelehrten“, wie man so schön sagt. Manche sagen, man muss den Mond mit bloßem Auge sehen können, andere erlauben Hilfsmittel. Wieder andere stellen astronomische Berechnungen an und bestimmen den Neumond ohne direkt hin zuschauen. So ist es auch in der Türkei üblich, da steht der Kalender schon lange im Voraus fest. Und dann gibt es noch Unterschiede in der Bewertung: Muss der Mond lokal gesichtet worden sein, also dort wo man sich aufhält – oder reicht es heutzutage, wenn er irgendwo auf der Welt gesichtet wurde.

Tja und so fangen wir mit dem Fasten zu unterschiedlichen Terminen an und beenden es auch unterschiedlich. Leider.

Ich gehöre ja der Rechtschule der „Dschafaria“an, bin also Schiitin und nach dem Gelehrten dem ich folge, geht keine Vorausberechnung, also warte ich ab, ob heute Abend eine Mondsichtung gemeldet wurde, oder ob noch ein weiterer letzter Fastentag folgt. Aber ich gehe davon aus, dass es heute Abend vorbei ist, mit dem Monat Ramadan. Aber auch innerhalb der schiitischen Konfession gibt es da noch Unterschiede, genau wie unter den Sunniten. Da muss sich jeder Muslim und jede Muslima nach dem richten, was ihm oder ihr am einleuchtendsten erscheint.

Ich bin sehr dankbar, dass ich diesen ganzen Monat Ramadan fasten konnte, das schien mir noch letztes Jahr undenkbar, genauso wie ich dachte, dass ich niemals mehr ohne anti-depressive Medikation leben könnte. Aber in diesen fast eineinhalb Jahren, die ich jetzt in der Türkei lebe, hat sich bei mir gesundheitlich wirklich viel zum Vorteil verändert. So kann ich sagen, dass ich den Monat Ramadan genießen konnte und mehr als in den Jahren ohne Fasten auch von der besonderen Kraft die Gott in diese Zeit gelegt hat, profitiert habe. Am Monatsende sagt sich wohl fast jede/r Gläubige, dass man die Zeit noch mehr hätte nutzen können. Das ist auch gut so, wir sollen ja immer danach streben, uns zu entwickeln. Aber die Absicht ist es, die im Islam zählt. Ich habe geschafft, meine Konzentration in den Gebeten meistens sehr zu verbessern, einige freiwillige Gebete gemacht, die „Lailatul qadr“ genutzt und habe mich die meiste Zeit wirklich in einer friedlichen und besinnlichen Geisteshaltung befunden. Es war ein ruhiger Monat für mich, ich war nicht viel unterwegs, aber das war genau richtig für mich.

Einen Tag in der letzten Woche habe ich nicht gefastet, weil ich „auf Reisen“ war (dann fastet man nicht und holt den Tag später nach). Ich bin mit dem Bus nach Antalya gefahren, um an der örtlichen Kundgebung zum internationalen Quds (Jerusalem)-Tag teilzunehmen. Das ist ein weltweit am letzten Freitag im Monat Ramadan stattfindender Tag, an dem gegen die illegale Besatzung Palästinas und Jerusalems demonstriert wird, aber auch gegen jede andere Form der Unterdrückung. In Deutschland findet es immer samstags statt und heftigem Mediengewitter, weil es sich angeblich um eine „antisemitische“ Demonstration handelt. Mich lässt diese Kritik kalt, denn wer gegen völkerrechtswidriges Verhalten protestiert, ist darum nicht antisemitisch. In Berlin sind auch immer jüdische Geistliche bei der Demonstration dabei. Nun, die Beteiligung am „Kudüs günü“ wie es in der Türkei heißt, war hier in Antalya sehr gering. Ich habe mich aber trotzdem gefreut, dabei gewesen zu sein und einige schiitische Geschwister kennengelernt zu haben, denn da hatte ich noch gar keine Kontakte hier. Also ein Schritt zur Integration, denn jetzt werde ich inschaAllah manchmal dort an Veranstaltungen teilnehmen.

Als ich eben mal in den Medien rumstöberte, wurde ich darauf aufmerksam, welche Auswirkungen es haben kann, wenn man Islamhass in der Gesellschaft schürt: ein paar junge Männer in islamischer, festlicher Kleidung hetzen durch den Kölner Hauptbahnhof, um ihren Zug noch zu erwischen, sie sind auf dem Weg, den Festtag zu begehen. Das geht gar nicht, das ist verdächtig! Die Polizei schreitet ein, wirft sie zu Boden, der Staatsschutz ermittelt…..käme man auf den Gedanken, andere Reisende, die zum Zug rennen so zu behandeln? Ich fürchte, auf eine Entschuldigung wegen verschärften „Racial profiling“ können die Brüder lange warten. Außer dass vermeldet wurde, es wäre keine Gefahr von ihnen ausgegangen, wird wohl nichts passieren. Ich habe nichts dagegen, dass für unsere Sicherheit gesorgt wird – hier in der Türkei gibt es sehr viele Kontrollen, selbst wenn man in ein Einkaufszentrum geht. Aber solche Reaktionen sind paranoid. Zum Bericht über das Vorkommnis geht es hier.

Aber, wie schrieb jemand, „es ist nicht alles schlecht im Abendland“: Bundespräsident Steinmeier hat zum Ramadanfest eine Grußbotschaft an die Muslime in Deutschland gesendet. Darin heißt es u.a.:

Ich versichere Ihnen: Wir dulden keinen Hass, keine Ausgrenzung, keinen Generalverdacht gegen muslimische Zuwanderer oder gar ‚die Muslime‘. Dafür setze ich mich ein. Das Grundgesetz garantiert Religionsfreiheit und es schreibt fest, dass niemand wegen seines Glaubens diskriminiert oder ausgegrenzt werden darf, egal, was er glaubt und ob er überhaupt glaubt, ob er ein Kreuz, ein Kopftuch oder eine Kippa trägt.

Das versöhnt mich dann wieder ein bisschen.

In acht Tagen geht es dann für zwei Wochen nach Deutschland, eine Familienfeier steht an. Danach werde ich inschaAllah den Sommer hier an der türkischen Südküste genießen.

So weit für heute. Ich habe viele Ideen, worüber ich in nächster Zeit schreiben will, aber einige Beiträge erfordern ziemlich viel Recherche und dazu fehlt mir gerade etwas die Zeit und Muße – jetzt will ich auch erst einmal das Fest genießen, mein Plan ist als erstes ein Strandtag in meinem bevorzugten Strandclub, in dem es auch eine seeeeehr leckere Pizza gibt, die ich dann bei hellem Sonnenschein zu verspeisen gedenke!

Enttäuschte Liebe

Seit ich mich hier in der Türkei niedergelassen habe, lese ich natürlich gerne Erfahrungsberichte von anderen Auswanderern, oder gucke entsprechende Videos bei YouTube. Was mir dort auffällt, aber auch bei Gesprächen vor Ort (erst gestern wieder im Dolmuş): bei einem ziemlich großen Teil der betreffenden Menschen nehme ich wahr, dass sie unsere deutsche Heimat sehr schlecht reden und die Türkei komplett idealisieren.

Ich finde das hört sich nach enttäuschter (Heimat)Liebe an. Wenn man enttäuscht wurde, neigt man ja dazu, alles Vergangene in schlechtem Licht zu sehen, aber ist das angemessen?

Also ich kann natürlich auch an Deutschland eine Menge auszusetzen finden – die Entwicklung der letzten Jahrzehnte mit immer mehr Sozialabbau, sinkendem Lohnniveau, insgesamt einer Politik die die Interessen der Wirtschaft in den Mittelpunkt stellt und nicht die der Menschen. Das passt mir überhaupt nicht. Die zunehmende Spaltung der Gesellschaft, das Suchen von „Sündenböcken“ bei dem ich als Muslima natürlich zu den Auserkorenen gehöre – ich kann mich darüber durchaus aufregen, von der katastrophalen Außenpolitik mit Beteiligung an illegalen Kriegen, Unterstützung von Unrechtsregimes und fehlender Souveränität ganz zu schweigen. Also zu kritisieren gibt es genug. Ich hab es aber nie beim Schimpfen gelassen, ich bin immer auch engagiert gewesen, im Rahmen meiner Möglichkeiten. Und ich störe mich sehr daran, dass so viel Passivität unter meinen deutschen Mitbürgern herrscht, meckern ja, aber auf die Straße gehen – Gott bewahre!

Trotzdem: ich hab mehr nette Menschen in Deutschland erlebt, als solche die mich schlecht behandeln, ich kenne viel Engagement, Hilfsbereitschaft, Freundlichkeit. Ich mag deutsche Direktheit und Ehrlichkeit. Ich habe mit meiner chronischen Erkrankung kompetente Hilfe erfahren und wenig schlechte Erfahrungen gemacht. Ich bin einen Ausbildungs- und Berufsweg gegangen, der mir immer neue Entwicklungsmöglichkeiten gegeben hat und schließlich, als ich aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr konnte, hat man mir eine, jedenfalls derzeit noch, existenzsichernde Rente gegeben. Und es gibt noch vieles mehr, das ich positiv bewerte.

Ich bin nicht aus Deutschland weggegangen, weil ich es dort so schlecht fand. Andererseits liebe ich natürlich das Leben in der Türkei. Ich hätte durchaus auch persönliche Gründe, über dieses Land schlecht zu reden, hab ich doch mit einigen Menschen hier die übelsten Erfahrungen meines Lebens gemacht, was unter dem Oberbegriff „Unehrlichkeit“ zu fassen ist und das war wirklich schlimm und hat meinem Grundvertrauen in die Menschen einen schweren Schlag versetzt, den ich nur langsam überwunden habe. Aber das verallgemeinere ich doch nicht. In der Regel finde ich die Menschen hier freundlich, hilfsbereit und sehr viel toleranter als in Deutschland. Als Muslima lebt es sich hier natürlich entspannt – aber das war auch nicht immer so! Bis vor 15/16 Jahren gab es hier diese Religionsfreiheit nicht, obwohl die Bevölkerung mit einer überwältigenden Mehrheit muslimischen Glaubens ist. Mein Mann sagt immer, ich wäre damals nicht mal in ein Einkaufszentrum gelassen worden mit meinem Kopftuch. Das ist Gott sei Dank jetzt anders und die offizielle Linie ist, dass hier Menschen aller Religionen ihren Glauben frei ausleben dürfen. Wirklich einer der großen Gründe, warum es mir hier gefällt!

Aber man muss sich auch nicht alles schön reden: Die soziale Absicherung ist lange nicht so wie in Deutschland. Löhne, Sozialhilfe, Renten sind oft nicht existenzsichernd. Es ist allerdings vieles sehr viel besser geworden, ich habe das in Jahren am Beispiel „meines“ Dorfes in Südostanatolien verfolgt. Infrastruktur, Gesundheitswesen, Bildungssystem, Universitäten – da sieht man eine großartige Entwicklung. Die Korruption wird bekämpft. Früher sind Kinder gestorben, wenn die Familie dem Arzt kein „Messergeld“ zusätzlich zu seinem Gehalt gegeben hat, wenn eine Operation nötig war! Das Pflegegeld, wenn man Angehörige versorgt ist so bemessen, dass man davon auch leben kann und keine andere Arbeit braucht – vorausgesetzt, man hat schon eine Unterkunft, ob das für die Miete noch reichen würde, bezweifle ich.

Das sind nur die Beispiele, die mir spontan eingefallen sind. Also, es gibt hier ebenfalls Licht und Schatten und mein „Vorteil“ ist, dass ich nicht alles verstehe, was politisch so diskutiert wird und passiert. Aber mit Sicherheit fände ich auch mehr zu kritisieren, würde ich alles mitbekommen. Da muss ich aber noch viel besser Türkisch lernen. Vielleicht ist einer der großen Vorteile hier, dass die Türkei ein Land ist, dass sich gerade mit großen Schritten entwickelt. Besonders spürbar für die Menschen in ländlichen Gebieten, die viele Jahre lang abgehängt und vernachlässigt wurden, als „dumme Dorftürken“. Da wurde sehr viel Potential verschenkt und natürlich ist dadurch die Entwicklung so deutlich, während wir in Deutschland das Gefühl haben, das alles schlechter wird. Nicht nur das Gefühl natürlich, es wird immer schlechter für „kleine Leute“.

Wenn von Unterdrückung der Meinungsfreiheit gesprochen wird, kann ich das für die Türkei nicht wirklich beurteilen, aber dass wir in Deutschland uns so frei äußern können, ist auch nicht wahr. Bestimmte Themen sind aus Gründen der „Staatsräson“ tabu und da hat man dann berufliche Nachteile, oder man erhält gar keinen Ort zur Verfügung um diese Themen zu diskutieren, usw. Und unser politisches System könnte man vielleicht auch mal hinterfragen, wie kann es angehen, dass die Vertreter des angeblichen Souveräns, des Volkes, so viele Entscheidungen treffen, die ganz und gar nicht im Interesse der absoluten Mehrheit der Menschen sind? Wir haben in Deutschland ja auch nie über unsere Verfassung abgestimmt, im Gegensatz zu den Türken, die das gerade erst getan und dieses Präsidialsystem gewählt haben (übrigens haben sogar die Iraner über ihre Verfassung abgestimmt und das gleich mehrfach, nur so nebenbei).

Also mein Fazit ist, dass wir hier wie dort in keinem perfekten Land leben. Aber da hilft kein Meckern: es sind wir Menschen die dafür verantwortlich sind, die Gesellschaft zu gestalten, egal wo wir leben. Das fängt im Kleinen an und geht bis zu größerem Engagement für eine gerechtere Welt.

Ich halte es weder für den einzelnen Menschen, noch gesellschaftlich für hilfreich, aus enttäuschter Liebe alles schlecht zu machen. Das hindert die Weiterentwicklung, im Großen wie im Kleinen. Besser ist es, die Realität so objektiv wie möglich zu betrachten, die eigenen Anteile an der Entwicklung zu beleuchten und zu schauen, was man selber tun kann für persönlichen und gesellschaftlichen Frieden und Entwicklung.

Dazu habe ich hier mal ein Zitat aus unserem heiligen Buch, dem Koran. Aus der Sure 13 (Ar-Rad -Der Donner). Darin sagt Gott (in ungefährer Übersetzung) von sich selbst:

„Wahrlich, Allah ändert nicht den Zustand eines Volkes, bis sie das ändern, was in ihnen selbst ist.“

Wie seht Ihr das, liebe Leserinnen und Leser? Habt Ihr auch diesen Eindruck? Über Kommentare freue ich mich!


Bürokratie Teil 1

Mein Bericht hier beruht auf meinen persönlichen Erfahrungen und ich erhebe weder Anspruch auf Vollständigkeit, noch darauf dass ich mich in diesen Bürokratie-Themen auskenne! Ich bin hier so reingestolpert und hatte von nix eine Ahnung! In meiner persönlichen Situation kein Drama, aber ein Vorgehen, dass ich nicht unbedingt jedem empfehlen würde! Ich erzähle nur davon, um einen kleinen Eindruck zu geben, was für Wege Auswanderer gehen müssen, um in der neuen Heimat anzukommen!

Also: der Entschluss, in der Türkei zu leben kam bei mir ein bisschen plötzlich. Eine Weile vor unserem Urlaub in Side im November/Dezember 2017 meinte mein Mann, was ich denn davon halten würde, wenn wir uns hier nach einer Wohnung umsehen würden. Ich war ein wenig überrascht, aber angenehm…so ein Feriensitz am Meer wäre ja schön, dachte ich mir. Aber richtig dran geglaubt habe ich nicht.

Und dann war es tatsächlich so, dass wir in den vier Wochen Urlaub mit einem Mietwagen hier an der Küste zwischen Gazipaşa und Antalya alle möglichen Wohnungen angeschaut haben und schließlich gefiel uns unsere jetzige von der Lage und vom Preis her so gut, dass mein Mann sie gekauft hat. Es gab luxuriösere Objekte für den gleichen Preis, aber da stimmte dann die Lage nicht, es gab günstigere Objekte, bei denen ich mir aber nicht vorstellen konnte, dort die meiste Zeit alleine zu leben. Vom Neubau-Luxus-Apartment, über entzückende Ferienhäuschen, leider sehr abseits gelegen, bis zur absoluten Bruchbude haben wir alles gesehen. Nun sollte es also diese sein.

Zum Thema Wohnungskauf werde ich vielleicht später noch mal was schreiben, das ist jetzt hier gerade nicht das Thema.

Nun, in der letzten Urlaubswoche wurde alles unter Dach und Fach gebracht, schnell noch Strom und Wasser umgemeldet, alle Grundbuchangelegenheiten geregelt. Zu Weihnachten waren wir wieder in Deutschland und dann ging alles ganz schnell. Ich entschloss mich, meine Wohnung (mein Mann und ich haben auch in Deutschland schon eine Fernbeziehung geführt, aber das ist wieder eine andere Geschichte) in Bremen unterzuvermieten, die Wohnungsbaugesellschaft war einverstanden. Meine Familie ein wenig geschockt…Eine Untermieterin war bald gefunden und mein Kleinkram bei meinem Mann eingelagert. Ich hab ja in Bremen nur eine Einzimmerwohnung gehabt und die Möbel mit vermietet.

Ja und am 29.1.2018 bin ich dann nach Antalya geflogen und abends in die Wohnung eingezogen, die natürlich erst meine werden musste. Auch das jetzt nicht das Thema.

Da war ich nun und war ganz naiv der Meinung, ich dürfte immer 90 Tage in der Türkei bleiben, müsste dann nur kurz ausreisen und könnte wieder 90 Tage bleiben. Da ich ja sowieso nicht vor hatte, meinen Mann und meine Familie soooo selten zu sehen, kein Problem, dachte ich. Mein Plan war, dass mein Mann und ich für mich eine längerfristige Aufenthaltserlaubnis beantragen, wenn er im Juni im Urlaub hier wäre.

Ich bekam den Tipp, dass gerade ein neuer Türkisch Kurs für Ausländer angefangen habe und erfuhr, dass ich da noch einsteigen könnte (auch davon werde ich noch erzählen, inşallah, 🙂 ). Und beim 2. Termin an dem ich im Kurs war, kam ein freundlicher Herr von der Ausländerbehörde und beantwortete alle Fragen, die die Teilnehmer hatten.

Und da stellte sich heraus, dass ich nicht auf dem neuesten Stand der Ausländergesetze war und das nur noch ein Aufenthalt von 90 Tagen innerhalb von 180 Tagen gestattet ist, wenn man keine Aufenthaltserlaubnis hat.

Ups….ich hatte ja schon 28 Tage durch unseren Urlaub „verbraucht“ und auf einmal sah es so aus, dass ich sechs Wochen später wieder ausreisen müsste und dann auch erstmal den Beginn eines neuen 180-Tage-Zeitraumes in Deutschland abwarten müsste. Also, es half nix, ein „Ikamet“ so heißt hier die Aufenthaltserlaubnis musste her.

Man kann eine solche selber beantragen. Unter dieser Adresse findet man, welche Dokumente gebraucht werden und kann einen Termin vereinbaren:

E-Ikamet

Aber das ist was für Leute mit starken Nerven…Mitschülerinnen haben mir erzählt, wie sie sich dort abgemüht haben und das mit Unterstützung ihrer anwesenden türkischen Ehemänner. Meiner ist aber nun wie gesagt meistens in Deutschland.

Nun kann man sich dabei helfen lassen – es gibt sicher Menschen, die das privat machen, ich kannte aber noch nicht so viele Leute hier. Und ein paar die es beruflich tun. Meine lieben russischen Nachbarn gaben mir dann den Tipp es hier:

Güney Iş

zu probieren und begleiteten mich auch dorthin. Es handelt sich eigentlich um eine Arbeitsvermittlung, aber solche „Fälle“ wie meiner werden auch übernommen.

Es gab einiges an Papieren, die ich besorgen musste:

  • eine türkische Steuernummer (ganz einfach beim Finanzamt zu bekommen)
  • natürlich gültiger Reisepass in Kopie
  • ein Mietvertrag (da wir nicht standesamtlich verheiratet sind)
  • Einkommensnachweis, ich weiß den genauen Betrag nicht, den man monatlich braucht, aber es muss eine gewisse Summe nachgewiesen werden, oder ein entsprechender Kontostand
  • Passbilder – davon sollte man sich einen Vorrat anlegen, türkische Behörden lieben die!
  • Eine Krankenversicherung – da hat mir das Büro eine besorgt die recht günstig war, mit der Laufzeit für den Zeitraum den man beim Ikamet beantragt (inzwischen hab ich mein Kärtchen von der SGK, der gesetzlichen Krankenkasse hier. Diese für das Ikamet ist auch mehr pro forma und deckt nur einen kleineren Teil der Kosten ab – das musste ich aber auch erstmal lernen!)
  • …….vielleicht noch mehr, an das ich mich gerade nicht erinnern kann, aber das könnt Ihr unter obigem Link nachlesen.

Hätte ich mir nicht helfen lassen, hätte ich vermutlich beglaubigte Übersetzungen gebraucht. Also hab ich da vermutlich das Geld wieder eingespart – oder fast – das mich der Service gekostet hat (und fragt mich jetzt nicht wie viel das war, daran kann ich mich nur noch vage erinnern, aber es war nicht so dramatisch und hat mir viel Stress erspart).

Nach ein paar Wochen bekam ich dann Nachricht, dass ich einen Termin hätte bei der Ausländerbehörde und bin mit Begleitung dahin, die Papiere abgeben…und ein paar Wochen später konnte ich bei der Post mein Ikamet für zwei Jahre abholen. Elhamdülillah. Alles gar nicht so schlimm, ich wieder entspannt:

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Bei der Verlängerung werden etwas weniger Unterlagen benötigt, mir wurde geraten, mich ca. zwei Monate vor Ablauf des Ikamets wieder zu melden für den Verlängerungsantrag.

Inzwischen bin ich auch bei der SGK registriert mit meinem T/A11 Auslandskrankenschein – aber zum Thema Krankenversicherung schreib ich noch mal was, da ändert sich auch mein Status demnächst, wenn ich mich in Deutschland abmelde. Inzwischen bin ich auch mit einem Wohnrecht im Grundbuch eingetragen, also werde ich dann nicht jedes Mal einen Mietvertrag vorlegen müssen.

Also: ich erhebe hier keinen Anspruch auf Vollständigkeit und meine Situation ist auch ziemlich überschaubar: Rentnerin mit ausreichendem laufenden Einkommen, Wohnrecht, deutsche Krankenversicherung.

Für Menschen die hier arbeiten wollen, die mit ihrer Familie herkommen wollen hab ich nicht wirklich Tipps, aber mit Sicherheit braucht das viel mehr Vorbereitungszeit als ich sie hatte!

Frühling in Sicht

 

Ähm, ja, heute hatten wir nach wochenlangem Dauerregen und heftigen Unwettern einen richtigen Frühlingstag in Manavgat. Das war nun aber auch der Tag, an dem die Stadtverwaltung Schnee aus den Bergen herankarren ließ, damit die Kinder ihren Spaß haben, :-). Und den hatten sie!

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Für uns sieht das Schneehäufchen ja ein wenig mickrig aus, aber wie man sieht, haben sich darauf zahlreiche Kinder vergnügt. Es gab auch noch Hüpfburgen, kostenloses Kebab vom Grill, die Springbrunnen waren angestellt und alle haben sich amüsiert.

Vielleicht war das der Startschuss für die zahlreichen kulturellen Veranstaltungen, die es hier über´s Jahr kostenfrei gibt? Ich hoffe es. Der Winter war für hiesige Verhältnisse wirklich hart. In den nächsten Monaten dürfte es an zahlreichen Häusern Bauarbeiten geben, um die Wasserschäden zu beseitigen.

Auch in unsere Wände ist Feuchtigkeit gezogen. Das muss erstmal trocknen und dann haben wir wohl einiges an Verputz- und Malerarbeiten zu tun und im Sommer will mein Mann draußen eine Drainage legen. Sonst bildet sich neben unserem Haus ein Burggraben wenn es stark regnet. Hier wird nicht so gebaut, wie bei uns in Deutschland. Immerhin haben wir hier gleich einen Kanal liegen, in den man das Wasser dann leiten kann. Was aber beim Bau niemand genutzt hat. Bestimmt zeig ich Euch Fotos, wenn wir hier loslegen. Vor April wird das aber nichts, erstmal muss es wie gesagt trocknen und dann bin ich ja im März in Deutschland, meine Wohnung dort auflösen und den ganzen bürokratischen Kram, mit Rentenversicherung, Meldestelle, Krankenkasse, Finanzamt, Versicherungen usw. erledigen. Puh.

Am Platz beim Atatürk-Kulturzentrum gibt es übrigens ein barrierefreies Cafe, auch von der Stadtverwaltung eingerichtet:

DSCN0369 (2) Davor ein Set dieser Fitnessgeräte, die an vielen Stellen rumstehen, an denen ich aber fast noch nie jemanden trainieren sah.

Ich hab mich nicht in die Schlange für das kostenlose Essen eingereiht, sondern bin in meinen Lieblingsimbiss gegangen und hab das erste Mal in diesem Jahr draußen sitzend gegessen. Dann mit dem Dolmuş zurück nach Side, bis zur Altstadt und dann bin ich an der Promenade zurück nach Hause gelaufen. Das ist ein sehr häufiger, fast täglicher Spaziergang von mir. In Side wird wieder schwer gebuddelt. U.a. wurde das Hotel Kleopatra abgerissen und die Archäologen sind dort am Werk.

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So sieht jetzt die „Hauptstraße“ in der Altstadt von Side aus. Im Sommer ist da oft kaum ein Durchkommen. Ich mag die Zeit, wenn so langsam wieder mehr Leute unterwegs sind, es aber noch nicht so überfüllt ist.

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Und noch etwas vom Nachhauseweg:

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Das Bilder einstellen ist manchmal mühselig, denn das mit dem Internet ist etwas, das hier nicht so toll ist. Ich hab schon auf dem türkischen Dorf rasanteres Internet erlebt, als in der bayrischen Kleinstadt, aber hier im Tourismusgebiet ist es sonderbarerweise schlechter. Ich hatte erst eines über Satelliten, das gab oft Ausfälle, jetzt seit einem Monat über Kabel von Vodafone. Naja, ausgefallen ist es nicht, aber hat auch nicht das Tempo das es sollte und Uploads gehen nur manchmal. Ich reg mich nicht auf und versuche es ein anderes Mal wieder….da meine Sprachkenntnisse sowieso nicht reichen, um mich bei der Hotline zu beschweren. Wenn ich in den nächsten Tagen meine Rechnung bezahlen gehe, dann werd ich mal ausgedruckte Speedtests mitnehmen und mit meinen Türkischbrocken da verhandeln.

So ist das als Ausländer…..wenn man die Sprache noch nicht richtig kann…An vielen Stellen komme ich mit Deutsch oder Englisch prima durch, aber manchmal eben auch nicht, am Telefon jedenfalls nicht. Leider finde ich Türkischlernen sehr mühselig und komme nur sehr langsam voran. Der Weg ist das Ziel.

Aber das sind kleine Schwierigkeiten im Vergleich zu dem Geschenk, hier leben zu dürfen. Ich mag auch die Winterstürme und bin gerade gestern bei ordentlichem Wind an der Promenade gelaufen und hatte dabei ein Gefühl tiefer Dankbarkeit. Ich mag die Brandung, :-), das Durchweichtwerden allerdings weniger. Ist dann ein bisschen wie Nordsee, nur wärmer. 17 Grad bei Sturm fühlen sich für mich sonderbar an.

So weit für heute mit einem kleinen Einblick in einen meiner glücklichen Tage hier in Side/Manavgat. Bis zum nächsten Blog!

 

 

„Mullah-Seminar“ – ich war dabei!

Bismillah

 

In den letzten Wochen konnten wir Zeuge einer antimuslimischen Kampagne der Springer-Presse sein. Ziel waren schiitische Muslime, die sich gegen Radikalisierung und für einen Islam der  Vernunft einsetzen. Nanu? Sollte man nicht gerade mit solchen Muslimen zusammenarbeiten?

Die Springer-Medien sind anderer Meinung und zwar nur deshalb, weil aus der Richtung der schiitischen Muslime am häufigsten Kritik an der israelischen Politik zu vernehmen ist. Und da verlässt dann wiederum den Springer-Verlag jegliche Vernunft und es wird gehetzt und gelogen was das Zeug hält. Recherche? Nicht nötig, wilde Spekulationen tun es doch auch. Und Springer behielt recht: mit dem Vorwurf, es handele sich um „Iranische Terror-Helfer“ und Antisemiten schafften sie es, die übliche zionistische und antideutsche Lobby zu mobilisieren und eine Reihe von naiven Unterstützern zu gewinnen die auf ihren Zug aufsprangen so dass schließlich das Ziel der Kampagne teilweise erreicht wurde. Denn dieses Ziel war, die Bundesfamilienministerin so unter Druck zu setzen, dass diese die Unterstützung für einen Workshop gegen Radikalisierung zurückzieht. Was dann auch einen Tag vor der Veranstaltung geschah.

Was die Kampagne nicht erreichte, war dass dieser Workshop nicht stattfand. Und so fanden  sich dann am vergangenen Wochenende im Al-Mustafa-Institut in Berlin, einer theologischen Bildungseinrichtung, ca. 25 meist junge und gebildete Muslime (und ich) überwiegend,aber nicht nur aus der schiitischen Rechtsschule mit ihren Dozenten (Professoren und Professorinnen der Philosophie,  islamischen Theologie, Jura und der Sozialwissenschaften – darunter eine Trägerin des Bundesverdienstkreuzes) ein um an drei Tagen über den

Islam zwischen Rationalität und Radikalität 

zu lernen und zu diskutieren. Veranstalter war der Dachverband der Schiiten, die „Islamische Gemeinschaft der schiitischen Gemeinden in Deutschland“

Ich erspare mir hier, alle die Pamphlete zu verlinken, die gegen dieses „Mullah-Seminar“ veröffentlicht wurden, die kann man ganz leicht finden, und gehe lieber auf die Inhalte des Workshops ein. Im Anschluss werde ich dann noch ein paar aufklärende Artikel anhängen.

Lieber fasse ich hier kurz zusammen, was wir im Workshop behandelt haben.

Aufgeteilt war das Programm in 3 Themenblöcke: einen theologischen, einen historischen und einen sozialpolitischen Teil.

Im theologischen Teil ging es zunächst um die Rolle des Verstandes und der Vernunft in der islamischen Theologie. In unserem heiligen Buch, dem Koran, wird viele Male darauf verwiesen, dass der Mensch Verstand besitzt und diesen doch auch benutzen soll. Im ersten Vortrag wurde behandelt, welche Rolle dieser Verstand beim Verständnis der Offenbarung und der Begegnung mit unserem Propheten Muhammed, Friede und Segen sei mit ihm abgekürzt: s. , spielen sollte: In seiner Zeit war der Prophet, s., schon als guter und sehr vertrauenswürdiger Mensch bekannt, bevor seine Berufung zum Propheten erfolgte – aber woran konnten die Menschen erkennen, dass seine Äußerungen, die er jetzt in der neuen Rolle machte, glaubhaft waren und sie ihm folgen sollten?

Hierzu war es nötig, Vernunft und Verstand einzusetzen und die Worte des Propheten, s., auf innere Kohärenz und Konsistenz zu überprüfen – ob innerhalb des Korans, oder in seinen Äußerungen außerhalb der direkten Offenbarung. Hätte es Widersprüche darin gegeben, oder in seinem Verhalten – dann wäre er nicht glaubhaft gewesen.

So mussten also die Menschen in der Zeit des Propheten, s., ihren Verstand benutzen, um seine Wahrhaftigkeit zu überprüfen. Und auch der Prophet, s., selber beachtete den Intellekt seiner Gesprächspartner und ging in entsprechender Weise auf die Menschen ein.

Es gibt keine andere Möglichkeit, als bei der Auseinandersetzung mit der Botschaft Muhammeds, s., seinen Verstand zu benutzen.

Der Intellekt spielt so eine große Rolle bei uns Menschen, dass einer unserer großen islamischen Vorbilder, Imam Dschafar Sadiq, Friede sei mit ihm, abgek.: a., sagte:

Die Hauptsäule des Menschen ist der Verstand

Er benutzte hier den arabischen Begriff„Aql“: deutsche Übersetzung: Verstand, Logos, Gerechtigkeit, Intellekt, Ratio. Über die Herkunft und die verschiedenen Bedeutungen dieser Begriffe haben wir auch gesprochen, aber das führt hier jetzt zu weit.

Im theologischen Teil des Workshops ging es dann weiter mit der Rolle, die der Intellekt bei der Interpretation des Korans und der zweiten wichtigen theologischen Quelle der Muslime, den Überlieferungen (Hadith, Mz.  in Deutsch Hadithe, Arabisch Ahadith) der Aussagen und Handlungen des Propheten, s. spielt, sowie über Hermeneutik bei der Exegese des Korans (dieser letzte Teil war auf Englisch und ich habe nicht genug mitgeschrieben um es sinnvoll weitergeben zu können).

Im zweiten Teil des theologischen Themenblocks wurde die Rolle des Verstandes in der islamischen Religionsgeschichte noch mehr betont. Religion und Vernunft gehören zusammen, das ist das Wesen des Islams. Das Denken ist ein einzigartiges menschliches Talent und unterscheidet uns von den Tieren. Niemals kann die eigene Verantwortung für das Verständnis unserer Religion abgegeben werden: blinde Gefolgschaft gibt es im Islam nicht, die Grundlagen (Säulen) des Glaubens  muss der Mensch selber begreifen und darf sich darin nicht nach anderen richten. Das Befolgen der Anweisungen von Gelehrten darf sich nur auf Nebenaspekte beziehen, also bspw. Anleitungen wie man betet und dgl.

Nur zur Erläuterung: Die „Säulen des Islam“ sind nach schiitischer Rechtsschule der Glaube an die Einheit Gottes (Tauhid), der Glaube an die Propheten, der Glaube an das Jüngste Gericht, der Glaube an Gottes Gerechtigkeit, der Glaube an das Imamat

In diesem theologischen Abschnitt haben wir noch eine Vielzahl von koranischen Versen besprochen, die auffordern zu lernen und nachzudenken und dadurch Gott zu erkennen.

Das Fazit dieses Abschnitts: Das Denken ist die zentrale Säule des  schiitischen Islams!

Nach dem theologischen Teil des Workshops gingen wir zur Geschichte des Islams über – und hier finden wir die Wurzeln vieler Probleme die wir heute haben!

In zwei ausführlichen Vorträgen wurde die Zeit des Propheten, s., seine Auseinandersetzung mit seinem sozialen Umfeld und die Art, wie über ihn berichtet wurde und die Geschichte der Überlieferungen im Islam besprochen. Während es keinen Zweifel unter allen Muslimen darüber gibt, dass der Koran uns im arabischen Original absolut unverfälscht erhalten geblieben ist, gibt es bei den Berichten über die Aussagen und Handlungen des Propheten, s., erhebliche Differenzen. Was sich natürlich auch auf die Art auswirkt, wie der Koran ausgelegt wird. Zur Zeit des Propheten, s., hat er selber diese Auslegungen vorgenommen – aber leider ist davon im Laufe von 1400 Jahren viel verloren gegangen oder verfälscht worden.

Das hat einmal damit zu tun, dass es unterschiedliche Ansichten darüber gibt, wie die Zeitgenossen des Propheten, s., zu bewerten sind. Eine große Anzahl der Muslime glaubt, dass alleine das Zusammensein mit dem Propheten, s. und das öffentliche Bekenntnis zum Islam, die Menschen zu vertrauenswürdigen Personen gemacht hat. Leider ein Irrtum, der zudem auch in Hunderten von Koranversen aufgedeckt wird. Hier ist viele Male von den Heuchlern die Rede, die ihre wahre Meinung verbergen, weil sie Opportunisten sind und ihren eigenen Vorteil suchen.

Das bedingt auf jeden Fall schon eine kritische Betrachtung sowohl der Überlieferer, als auch der Überlieferungen. Und was noch dazu kommt – das haben wir ausgiebig im zweiten Abschnitt des historischen Themenblocks besprochen: zu Lebzeiten des Propheten, s., wurden seine Äußerungen aufgeschrieben, aber in ungefähr 100 Jahren nach seinem Tod wurden diese vernichtet und die regierenden Herrscher verboten es, Überlieferungen zu sammeln.

Es werden verschiedene Gründe für dieses Verhalten genannt. Wohlwollende Stimmen meinen, dass es aus der Befürchtung heraus geschah, Koran und Überlieferungen könnten vermischt werden, andere sagen, dass es darum ging die Macht von unrechtmäßig ins Amt gekommenen Herrschern zu erhalten und die Familie des Propheten in Vergessenheit geraten zu lassen.

Nicht alle Überlieferungen wurden vernichtet und es wurde auch viel mündlich überliefert, aber ein großer Schatz ist uns verloren gegangen und – um es noch schlimmer zu machen . es wurden große Zahlen von gefälschten Hadithen produziert, mit denen die regierenden und oft unterdrückerischen Herrscher der islamischen Dynastien, wie die Umayyaden, ihre Gewaltherrschaft rechtfertigen wollten.

Für die heutige Zeit sind diese Erkenntnisse wichtig, denn ein großer Teil der Muslime glaubt daran, dass es „Sahih“-Überlieferungen gibt. Damit ist gemeint, dass diese Werke absolut zuverlässig und geprüft sind. Leider finden sich darin Aussagen, die weder zum Koran, noch zum Wesen des Propheten, s., passen, die aber als Grundlage für die Gewalttaten terroristischer „islamistischer“ Organisationen genutzt werden.

Auch hier geht es nicht ohne eine kritische Betrachtung aller Aspekte. Eine Überlieferung, die dem Koran widerspricht, kann schon mal nicht richtig sein. Eine Überlieferung mit unzuverlässigen Überlieferern ebenfalls nicht. Fazit: Es gibt keine „Sahih“- Werke!

Der dritte Teil des Workshops beschäftigte sich mit sozialpolitischen Aspekten, zunächst mit den psychologischen und sozialen Gründen für die Radikalisierung junger Muslime. Die Dozentin hat jahrelange Erfahrung in einer Beratungsstelle zur Deradikalisierung gesammelt und konnte sowohl aus ihrer täglichen Arbeit, als auch anhand von Fachliteratur und Statistiken vermitteln, welche Aspekte hier eine Rolle spielen. Und das spielt sich auf verschiedenen Ebenen ab: im persönlichen Bereich, in dem junge Menschen in Pubertät und Adoleszenz mit ihrer Identitätsfindung beschäftigt sind, samt vieler Probleme die in der Phase auftreten können, im Bereich des engeren sozialen Umfelds, aber auch auf der größeren gesellschaftlichen Ebene, z.B. wenn Menschen die ungerechte Außenpolitik unseres Landes betrachten und der innere Widerstand dagegen eine Rolle dabei spielt, dass sie auf die vermeintlichen guten und gerechten Absichten radikaler Gruppierungen hereinfallen. Insgesamt bieten diese Gruppen (wir sprachen hauptsächlich über salafistische Gruppen, aber grundsätzlich gilt das auch für andere Gruppierungen innerhalb und außerhalb des Islams) ein einfaches Weltbild, Anerkennung und Kameradschaft an und das Gefühl, sich für eine gerechte Sache einzusetzen.  Verbrämt mit Heilsversprechen, aber auch mit der Legitimation von Gewalt, was Jugendliche mit kriminellem Potential anspricht, locken sie die jungen Leute dazu, sich ihren Gruppierungen anzuschließen. Erschreckend: alleine aus Deutschland sind fast  tausend  Personen ausgereist, um sich dem „IS“ oder anderen terroristischen Gruppen in Syrien und im Irak anzuschließen. Diese Menschen waren meistens überhaupt nicht religiös, häufig auch gar keine Muslime, bevor sie in die Fänge dieser Sekten gerieten.

Der letzte Abschnitt des sozialpolitischen Teils beschäftigte sich mit der Rolle der Medien und der Politik, bei der Erschaffung des Islambildes in unserer Gesellschaft, das ein sehr schlechtes und defizitäres Bild ist. Die Dozentin forderte aber auch uns Muslime auf, uns mehr in die Gesellschaft einzubringen und keineswegs in einer Opferrolle zu verharren. Wir sollten uns in allen gesellschaftlichen Bereichen einbringen, selbstbewusst mit unserer muslimischen Identität, aber nicht auf Islamthemen begrenzt.

Das war eine sehr kurze und begrenzte Zusammenfassung des Inhaltes des so umstrittenen „Terror-Helfer“ Workshops, oder auch „Mullah-Seminars“.

Am letzten Tag haben wir sehr lebhaft unsere Erkenntnisse zusammengetragen und Thesen formuliert, bzw. Wünsche und Handlungsanregungen an verschiedene gesellschaftliche, muslimische und nichtmuslimische Akteure. Diese Erkenntnisse werden sicherlich an anderer Stelle veröffentlicht und ich werde sie dann , so Gott will,  hier verlinken.

Ich bin sehr dankbar, dass ich an dieser so hochkarätig besetzten Veranstaltung teilnehmen durfte! Und ich hoffe, ich habe einen kleinen Einblick geben können um die völlig ungerechte Bewertung dieses Workshops klar zustellen. Von unseren Medien und unserer Politik, ja auch von manchen Geschwistern und Akteuren der „Zivilgesellschaft“ bin ich wirklich enttäuscht, weil sie auf billigste Propaganda hereinfallen!

Hier noch ein paar Links zur Auseinandersetzung um die Veranstaltung, wird ggf. ergänzt:

Pressemitteilung des Veranstalters (IGS)

Pressemitteilung des Al-Mustafa Institutes

Wer ist Antje Schippmann? Eine Journalistenkarriere bei der Springerpresse

Inzwischen sind die Handlungsempfehlungen/Arbeitsergebnisse des Workshops erschienen

Und hier mal ein fairer Artikel zu dem ganzen Wirbel:

Schiiten in Deutschland

Eine Dozentin erzählt:

Meine Begegnung mit jungen Muslimen am Al-Mustafa Institut

 

Aus meinem Archiv: Braucht der Islam eine sexuelle Revolution?

Im Namen Gottes, des Erbarmers, des Barmherzigen

Ich schreibe gerade über die Aktivitäten von Seyran Ates, da hab ich mich an einen Artikel aus den Anfangszeiten meiner Bloggerei erinnert, der von ihrem Buch „Der Islam braucht eine sexuelle Revolution“ angeregt wurde. Also kopiere ich den mit kleinen Änderungen hier hinein.

Ganz unten gibt es dann noch einen Buchtipp zu einem Buch, das erst 2013 erschienen ist, sonst hätte ich schon beim Erstellen dieses Artikels darauf hingewiesen!

Im Original vom 20. Oktober 2009:

Bismillah

Mal was anderes….kann ja nicht jeden Tag über Kriege schreiben, Revolutionen sind ja auch was Feines…wiki sagt dazu:

Eine „Revolution“ bezeichnet in der Soziologie sowie umgangssprachlich einen radikalen und meist, jedoch nicht immer gewalttätigen sozialen Wandel (Umsturz) der bestehenden politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse. Eine Revolution wird entweder von einer organisierten, möglicherweise geheimen, Gruppierung von Neuerern (vgl. Avantgarde, Elite) getragen und findet die Unterstützung größerer Bevölkerungsteile, oder sie ist von vornherein eine Massenbewegung.

Also, sie werden noch differenzierter bei wiki, aber es passt gerade so gut, dass es „meist gewalttätig“ zugeht in Revolutionen. Denn gewalttätig kommt es mir schon vor, wenn es ein Fortschritt sein soll, dass Frauen sich zum Vergnügen der Männer entblößen.

Aber gut, ich will´s genauer wissen und schau mal, was eigentlich mal mit diesem Begriff gemeint war (habs heute mit wiki):

Der Ausdruck Sexuelle Revolution, und deren Aussagen, geht auf Wilhelm Reichs 1945 veröffentlichtes Werk The Sexual Revolution (deutsch 1966, erstmals jedoch 1936 unter dem Titel Die Sexualität im Kulturkampf) mit gleichem Namen zurück. Dreißig Jahre nach Magnus Hirschfeld (Arzt), Otto Gross (Arzt) und Karl Kraus (Satiriker, Sittlichkeit und Kriminalität) kritisierte Wilhelm Reich darin die aus seiner Sicht bigotte und verlogene Sexualmoral seiner Zeit. Nach Reichs Auffassung bringe Doppelmoral und Unterdrückung der vitalen sexuellen Triebe Persönlichkeitsdeformationen mit sich und führe so zu Aggression und Frustration, welche verdrängt würden und sich oft in Lust an Herrschaft und Hierarchie ein Ventil schaffen müssten.

Also, da kann ich glatt zustimmen: sexuelle Triebe zu unterdrücken ist ungesund, Gott hat sie uns ja nicht mitgegeben, damit wir sie nicht leben. Und Doppelmoral – klar, das soll nicht sein. Aber gehen Moral und sexuelle Unterdrückung denn Hand in Hand?

Heißt eine erfüllte Sexualität, dass man diese in die Öffentlichkeit tragen muss? Heißt sexuelle Freiheit, dass man nicht monogam leben kann?

Ich bin mit der hiesigen „sexuellen Revolution“ aufgewachsen. Und-was hat es uns gebracht? Sicher war die „Pille“ ein Fortschritt, was die Familienplanung betrifft (und die ist im Islam übrigens nicht verboten). Aber sonst? Was entfesselt wurde ist ein Riesenkommerz, „Sex sells“. Na toll. Und das heute in den Medien sich jede und jeder lächerlich machen darf. Das haben wir bestimmt gebraucht.

Komisch nur, dass die einfachsten Dinge anscheinend in 40 Jahren sexueller Revolution nicht gelernt wurden:

Männer und Reden? Das scheint im Alltag nicht immer einfach. Doch dass Kommunikation Basis für guten Sex ist, sehen auch die befragten Männer in der Studie. So finden 66 Prozent „sexuelle Wünsche einfach zu formulieren“ wichtig für eine gut laufende Beziehung in Bezug auf Sex. Und sogar 86 Prozent geben an, dass es gut tut, sexuelle Wünsche mitzuteilen, 75 Prozent empfinden solche Gespräche als Vertrauensbeweis. Doch obwohl Männer die offene Kommunikation eines partnerschaftlichen Vertrauensverhältnisses als Grundlage für guten Sex ansehen, hapert es bei der Umsetzung: 62 Prozent der Männer geben an, nicht immer mit ihrer Partnerin offen über ihre Wünsche zu sprechen, 10 Prozent sagen sogar, dass sie gerne würden, sich aber nicht trauen. Dr. Eva Wlodarek, Psychologin und „female affairs“-Expertin, betont offene Kommunikation sei das A und O für eine gute Sexualität. „Dazu gehört auch, dass man dem Partner die eigenen Vorlieben mitteilt und für seine Wünsche aufgeschlossen ist. Fehlt dieser Austausch, kann das leicht zu Frustrationen führen.“(hier funktioniert leider die Quelle nicht mehr)

Ich geb zu, das ist eine Binsenweisheit-aber eben: wenn die angebliche sexuelle Befreiung den Menschen nicht mal die einfachsten Notwendigkeiten in Sachen Sexualität beigebracht hat – wozu ist sie dann gut gewesen, außer zu o.g. Kommerz?

Jetzt behaupte ich mal, ohne Zahlen zu kennen, dass diese Probleme bei Muslimen wie bei Nichtmuslimen auftreten. Und bei praktizierenden und nicht praktizierenden Muslimen. Denn der Islam steht einer zufriedenen sexuellen Beziehung der Ehepartner nicht im Weg. Genau: der Ehepartner. Denn Sexualität ist im Islam mit Verbindlichkeit und Verantwortung verbunden. Und, guck an: das macht eine befriedigende Sexualität aus:

Es gibt keine wissenschaftliche Untersuchung, die belegen würde, dass die Sexualität von Paaren im Laufe der Jahre langweilig werden muss. Das Begehren wird seltener – na und? Ist das schlimm? Bei Paaren, die sich einander nahe fühlen, wird das körperliche Zusammensein dafür im Laufe der Zeit intensiver erlebt. Das Prickeln der Anfangszeit, als die Verliebtheit den Körper mit Hormonen überschüttete, lässt irgendwann nach. Stattdessen wird Erotik inniger und intensiver. Dies gilt aber nur für Paare, die tatsächlich auch in einer glücklichen Beziehung leben. Die fünf größten Irrtümer beim Thema Sex

Achwas? Wer hätte das gedacht, das Zufriedenheit mit dem Zusammenleben eine Grundlage für ein erfülltes Sexualleben ist und weder der Inhalt der Spielzeugkiste noch die Kenntnis des Kamasutra dabei eine Rolle spielt? Mal ehrlich: das wissen wir doch im Grunde alle. Nur kann man bei den Ansprüchen die in einem „sexuell befreiten“ Land suggeriert werden, leicht in Stress geraten, sei es als Mann oder Frau, sei es was die eigene „Leistungsfähigkeit“ angeht, oder die Optik. Hat man sich früher – also ich meine damals in den verklemmten Zeiten – sich um jedes Röllchen solche Gedanken gemacht? Wie sehr haben die Essstörungen und Körperkult zugenommen, seit wir doch alle so frei sind? Mal abgesehen davon, dass die Kindheit heute extrem verkürzt ist: schminken sich doch schon 8jährige und ziehen sich „sexy“ an und mit 13 noch Jungfrau? Da wird man schnell zum „späten Mädchen“.

Gucken wir doch nochmal bei der o.g. Quelle, was für eine zufriedenstellende Sexualität am wichtigsten ist:

Flauen die Gefühle in der Partnerschaft ab, so gibt es nur einen Erfolg versprechenden Weg, dem zu begegnen: Die Partner müssen ihre Zufriedenheit miteinander verbessern.
Unzufriedenheit kann zum Beispiel entstehen, wenn in einer Partnerschaft die Hausarbeit unfair verteilt ist. Wissenschaftliche Studien belegen: In Ehen, in denen die Frau den Eindruck hat, dass sein Anteil an der Hausarbeit zu gering ist, berichten sowohl sie als auch er, dass ihre Sexualität weniger befriedigend ist. Umgekehrt gilt: Hat die Frau den Eindruck, dass der Mann seinen Anteil leistet, dann sind beide mit ihrem Sexualleben zufriedener. Das Gleiche gilt für eine unfaire Machtverteilung in der Partnerschaft. Hat der Mann ausschließlich das Sagen, erlahmt die Sexualität eines Paares. Männer wie Frauen profitieren von der Gleichberichtigung der Geschlechter. Schon vor 100 Jahren kritisierte der berühmte Österreicher Alfred Adler die Dominanz der Männer in den Beziehungen. Schon damals sagte er voraus, dass eine ausgewogene Machtbalance der Zufriedenheit in Beziehungen zugute kommen und den Sex beflügeln werde.

Also-ich wage mal zu behaupten, dass da die Wurzel, des evtl. vorhandenen Übels liegt: Die Partner sind sich nicht einig, wie ihr ganz alltägliches Zusammenleben gestaltet werden soll. Und dazu behaupte ich, dass das ein muslimisches, wie ein nicht-muslimisches Problem ist. Was Paare brauchen, ist Respekt voreinander und die Fähigkeit zu kommunizieren. Und dass sie sich frei machen von Rollenbildern, wie etwas „sein soll“. Es geht nur die Betroffenen an, wie sie ihre Arbeitsteilung im Haushalt gestalten. Nur sie können sich darüber einigen, wer wie wann was arbeitet oder studiert. Der absolute Vorteil den muslimische Frauen, bzw. Paare dabei haben ist, dass sie mit gutem Gewissen „nur“ Hausfrau und Mutter sein dürfen, wenn sie das möchten. Weil nämlich diese Tätigkeit im Islam als so wertvoll betrachtet wird, wie sie ist und nicht als niedere Tätigkeit.

Aber in Fragen der Partnerschaftlichkeit können Muslime ganz sicher dazulernen. Weil nämlich in den überwiegend islamischen Ländern so allerlei Traditionen im Weg stehen, die mit dem Islam erstmal gar nichts zu tun haben. Das fällt aber jetzt nicht in den Bereich „sexuelle Revolution“

Ansonsten: Muslime tun das, was Nichtmuslime auch tun. Sie erzählen nur nicht im Fernsehen darüber. Und sie sehen es als einen Wert an, eine dauerhafte und zufriedene Partnerschaft zu führen und haben nicht ständig das Gefühl, sie könnten was verpassen.

Ich rede hier übrigens von praktizierenden Muslimen. Sowas (Auszug aus dem Buch von Seyran Ates) ist hier nicht gemeint:

Als ich etwa fünfzehn war, verhinderte mein ältester Bruder, dass ich eine Hose bekam, die hinten einen Reißverschluss hatte (der letzte Schrei damals). Mir war sofort klar, dass es daran lag, dass mein Po dadurch zu sehr betont wurde. Aber niemand sprach das aus. Mein Bruder sagte nein, und meine Eltern gehorchten ihm. Sie fanden es gut, dass er auf die Ehre und Moral seiner Schwester achtete. Die deutschen Freundinnen meines Bruders trugen solche Hosen. Das war für ihn natürlich etwas anderes. Ich erinnere mich noch heute, wie sich damals die Scham einstellte, die mich lange begleiten sollte.
Die Scham darüber, ein Mädchen zu sein.

Wenn der Bruder hier so handelt, dann haben wir es in der Tat wieder mit Doppelmoral zu tun. Für Männer gelten nämlich die gleichen Regeln wie für Frauen, was den Umgang mit dem anderen Geschlecht angeht. Warum allerdings die Autorin daraus eine Scham, ein Mädchen zu sein ableitet, ist mir nicht nachvollziehbar. Die habe ich erworben, als man mir in meiner katholischen Kindheit gesagt hat, dass Mädchen schlechter sind als Jungs, weil Eva, die Verführerin, eine Frau war.

Nun ja. Ich kann das ganze Thema irgendwie nicht wirklich ernst nehmen. Hier wird mal wieder was aufgeblasen, um Geld damit zu verdienen. Meinetwegen, jeder muss ja wissen, was er kauft. Jedenfalls kann doch nicht der Maßstab sein, dass man, bzw. frau um so glücklicher ist, je mehr sie sich auszieht. Also vor Fremden natürlich. Und in allem anderen sind Muslime, wie gesagt, auch nicht anders als „normale“ Menschen.

Jetzt aber noch mal geguckt, was Muslime und der Quran, bzw. Prophet Muhammed, s., zum Thema sagen:

Hier was zum Thema Bildung, auch Sexualerziehung:

Und wie viele Bücher lesen Muslimas, wenn sie gleichzeitig fünf Kinder groß ziehen müssen? In wie weit sind Muslime aufgeklärt und kennen Empfängnisverhütungsmethoden? Überhaupt, wie sieht es aus mit dem Thema Sexualität und der Kenntnis darüber? Waren einstmals Muslime nicht die weltweit “Aufgeklärtesten“, wenn man die Überlieferungen studiert? Wer geht heute noch auf die Fragen, Ängste, Vorstellungen und Fehlvorstellungen der muslimischen Jugend diesbezüglich ein? Und wer ermöglicht verheirateten Paaren ein erfülltes Sexualleben durch hinreichende Information, die über das “technische“ hinausgehen und auch Probleme lösen helfen? Und welche Möglichkeiten eröffnen wir der Jugend, den geeigneten Lebenspartner zu finden?Auszug aus: sind Türken dümmer?

Hat uns die „sexuelle Revolution“ einen Vorgeschmack auf das Paradies beschert, so wie es in einer erfüllten Beziehung der Fall sein sollte?:

Der Ehepartner ist im Islam der andersgeschlechtliche Partner, mit dem der Bund der Ehe eingegangen wird. Mit dem Ehepartner vollzieht der Mensch die Wiedervereinigung der beiden Hälften der einen Seele aus der Mann und Frau erschaffen sind.

Die eheliche Sexualität wird dementsprechend als Vorgeschmack auf das Paradies verstanden. Quelle

Eine muslimische Journalistin zum Thema:

„Für Muslime ist die Vorstellung, dass der menschliche Körper etwas hassenswertes sei, undenkbar. In den relevanten qur’anischen Versen wird implizit deutlich, dass der menschliche Körper als Teil der Schöpfung Allahs schön ist und nicht als etwas verachtenswertes zu verstecken sei. Aber gleichermaßen ist die Anbetung des­selben ein Anathema, da sie die Grundfesten unseres Glaubens verlässt. Es scheint mir so zu sein, dass die augenblicklichen Einstellungen zwischen diesen Extremen schwanken.“

Im gleichen Artikel sehr schön gesagt:

Eklatant für die Missverständnisse im Nachdenken über Sexualität im Rahmen muslimischer Lebenswelten ist die hitzig debattierte Frage nach dem Kopftuch. Der Islam wird in einer ganzheitlichen Welt der Bedeutungen gelebt und gedacht. Es ist heute augenscheinlich, dass die Mehrheit der jungen Kopftuch-tragenden Frauen dies nicht etwa tut, weil sie einer bestimmten Parteiung angehören wollen. Für viele europäische muslimische Frauen ist das „Problem Kopftuch“ eher ein Symbol für eine verdrängte Debatte um die Rolle der Frau und der Sexualität in der europäischen Gesellschaft. Das Kopftuch wird für diese Frauen zum Ausdruck der Selbstbestimmtheit der muslimischen Frau, die ihren Körper verhüllt, weil er ihr, nicht aber der Gesellschaft gehört. Hierher gehört wohl auch, dass viele Belehrungen über das Kopftuch von biederen Männern stammen, zu deren Selbstdefinition gehört, wie eine Frau eben für sie auszusehen hat. Die heutige Dominanz des Sexuellen in der Gesellschaft beschäftigt dabei nicht nur Muslime. Auf vielen Veranstaltungen mit Musliminnen zeigt sich, dass vor allem Männer über das Kopftuch plaudern wollen. Heute ist Sexualität zwar allgegenwärtig, ein offenes Gespräch über die Rolle von Sexualität aber genauso selten. Macht und Sexualität können in der westlichen und der islamischen Gesellschaft miss­braucht werden.

Der Gelehrte Al-Ghazali (1058-1111 n.Chr.):

„Die Gewährleistung der ehelichen Treue ist die Pflicht des Mannes. Wenn er ihre sexuellen Bedürfnisse nicht befriedigen kann, wird das ihre eheliche Treue gefährden.“

Eine Fatwa(islamisches Rechtsurteil) von Ayatollah Sistani zum Thema „Offenheit zwischen Mann und Frau“:

Es ist für Ehemann und Ehefrau gestattet, ihre Körper gegenseitig anzuschauen, draußen oder drinnen, einschließlich der Scham, wie es auch gestattet ist, jeden Teil des anderen Körpers gegenseitig mit jedem Teil des eigenen Körpers zu berühren, mit und ohne Begierde.

Zum Thema: „Zufriedenes Zusammenleben“ :

„Wenn ein Ehemann seine Frau schikaniert und sich ihr gegenüber ohne eigentlichen Grund gehässig oder boshaft verhält, ist es ihr gestattet, ihren Fall vor einen mardji´a zu bringen, der den Ehemann zwingen wird, mit ihr auf angenehme Art und Weise zu leben, wenn dies möglich ist, oder ihn in einer angemessenen Form rügen wird. Wenn dies nichts nützt, kann sie verlangen, von ihrem Ehemann geschieden zu werden. Sollte er ablehnen, sie zu scheiden, und es ist nicht möglich, ihn dazu zu zwingen, wird der mardji´a sie geschieden sprechen“ (Ebenfalls von Ayatollah Sistani)

Und von unserem geliebten Propheten, s., folgende Überlieferungen:

Prophet Muhammad (s.a.s.) berichtete:

„Der Erhabene und Allmächtige Gott ließ mich wissen: Wenn Ich (Gott) einem Gläubigen alles Gute der irdischen und jenseitigen Welt geben möchte, so schenke Ich ihm ein demütig Herz, einen Mund, der sich zum „Dhikr“ (Gotteslob) öffnet und jene Stärke und Kraft, die es ihm erleichtern, Leid und Unbilden des Lebens geduldig zu ertragen. Dazu eine Gattin, die ihn, wenn er sie ansieht, mit Freude erfüllt und sich als auch seine Habe während seiner Abwesenheit treu bewahrt.“

Jemand ging zum Gesandten Gottes (s.a.s.) und sagte:

„Ich habe eine Gattin, die mich, wenn ich heimkomme, willkommen heißt und mir, wenn ich das Haus verlasse, den Abschiedskuß schenkt. Sieht sie mich bedrückt oder bekümmert, sagt sie voller Mitgefühl:

Wenn Du unseres Unterhaltes wegen besorgt bist, so wisse, daß Gott sich um uns kümmern wird und uns nicht im Stich läßt. Machst du dir aber Gedanken über das Jenseits, so wisse, daß Gott dies auch diesbezüglich stärken und unterstützen wird.“

Prophet Muhammad (s.a.s.) antwortete:

„Gott hat „Beauftragte“ in dieser Welt. Deine Frau gehört zu diesen. Die Hälfte jener Belohnung, die ein Schahid (Märtyrer) zu erwarten hat, kommt einer solchen Frau zu.“

 

Prophet Muhammad (s.a.s.): „Dschihad einer Frau ist es ihren Mann gut zu behandeln.“

Ja, das soll reichen zum Thema. Auslösend für meine Motivation war natürlich das Buch von Seyran Ates. Dann war heute noch in der SZ etwas über die Forschungen einer türkischen Professorin zum Thema: Es ist nicht so, dass wir alle unterdrückt wären

Und mein Fazit: „Im Westen nichts Neues“

Hier der versprochene Buchtipp: 

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Liebesverschmelzung

Sexualität im Islam – Altersempfehlung: ab 16 Jahre

von Dr. Yavuz Özoguz

Wahre Erotik zwischen Ehepartnern ist heilig! Sie kann zu einer höheren Stufe der Erkenntnis und des Bewusstseins führen, wie es auch das rituelle Gebet kann. Und es ist kein Zufall, dass Mann und Frau im Islam altersmäßig erst dann zum rituellen Gebet verpflichtet sind, wenn auch ihre Sexualität heranreift.

Die Liebesverschmelzung ist auch eine Form des Gottesdienstes, die Spiegelbild einer viel tiefer gehenden seelischen Dimension ist.

Autor: Dr. Yavuz Özoguz
Format: DIN A5, Paperback
Seiten: 306
Ort, Jahr:  Bremen, 2013
ISBN 978-3-939416-76-0

Eine Moschee der Zwietracht?

Im Namen Gottes, des Erbarmers, des Barmherzigen

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Die Gründung der „Ibn-Rushd-Goethe-Moschee“ in Berlin hat mediale Wellen geschlagen, das war zu erwarten und ganz sicher auch geplant. Ich gehe davon aus, dass die „angehende Imamin“ und prominente Mitbegründerin der „Moschee“ (in Anführungszeichen, denn die Räumlichkeit erfüllt meines Wissens nicht die Voraussetzungen für eine Moschee) , Seyran Ates, sich auch durchaus bewusst war, dass diese Gründung mit persönlichen Gefahren für sie und ihre Mitstreiter einhergehen würde. Und auch wenn ich hier diese Gruppierung und ihre Aktivitäten kritisiere, sage ich doch gleich zu Anfang, dass ich jegliche Gewalt- oder Gewaltandrohungen gegen diese Personen, die Räumlichkeiten und ihre Besucher verurteile! Das ist erstens nicht die Art, wie wir als Muslime eine Auseinandersetzung führen sollten, zweitens befördert solches Verhalten genau das, was nach meiner Vermutung diese „Moschee“ bezwecken soll: Zwietracht und Unfrieden unter den Muslimen und zwischen Muslimen und der Mehrheit der Gesellschaft.

Ja – das ist meine Vermutung – über die wahren Motive, diese Gebetsräumlichkeit zu begründen, kann ich nur spekulieren.

Zu meinen Gründen, dieses zu glauben, komme ich noch. Aber als Erstes möchte ich aus der islamischen Geschichte erzählen, denn bei dem ganzen Aufstand rund um diesen Ort fiel mir dieser Vers aus dem heiligen Quran ein und die Geschichte drumherum – historisch betrachtet – das passt doch gut, denn das ist es doch, was die „liberalen“ Muslime verlangen – als ob das heilige Buch nicht schon immer in diesen Zusammenhängen erläutert wurde. Hier der Quranvers:

„Und diejenigen, die sich eine Moschee genommen haben, um (dem Islam) zu schaden und Unglauben zu verbreiten und unter den Gläubigen zu spalten und als Stützpunkt für Leute, die früher gegen Gott und Seinen Gesandten Krieg geführt haben und bestimmt schwören, dass sie es in bester Absicht getan haben: Aber Gott bezeugt, dass sie lügen!“ ( Heiliger Quran Sure 9: 107)

Aus einer Erläuterung zu diesem Vers aus dem heiligen Quran. Die Auslegung ist aus dem „Tafsir Noor“ (deutsch: „In Richtung Licht“) des prominenten Geistlichen Ayatollah Mohsin Qara’ati aus Iran:

Dieser Vers beinhaltet den Hinweis auf die Zarar- Moschee. Und zwar hatten die Heuchler, angeblich um Bedürftigen und Kranken zu helfen, gegenüber der Quba-Moschee noch eine andere Moschee gebaut, damit sie sich unter dem Deckmantel eines Moscheenbesuches dort versammeln konnten und diese Moschee ihr Stützpunkt wird. Kurz vor dem Tabuk-Gefecht luden sie den Propheten ein, in dieser Moschee das Gebet zu verrichten und die Moschee zu eröffnen. Aber da wurde dem Propheten Vers 107 der Sure At Tauba geoffenbart und somit erfuhr er von den schlechten Absichten der Heuchler. Er erfuhr, dass es ihnen nicht um gottesdienstliche Handlungen und das gemeinsame Gebet geht, sondern darum, von einem Stützpunkt aus für Spaltung und Zwietracht unter den Muslimen zu sorgen. Da gab der Prophet den Befehl diese Moschee zu zerstören und das Grundstück als Abfallhaufen zu benutzen.

Wir entnehmen dem Vers 107 der Sure 9:

Erstens: Heuchler und Feinde nutzen Moscheen und religiöse Motive aus, um gegen die wahre Religion vorzugehen. Deshalb sollte uns kein Ruf, der nur scheinbar im Namen des Islams und der Religion erschallt, in die Irre führen.

Zweitens: Die Vernichtung der Einheit in der islamischen Gemeinschaft und Zwietrachtstiftung in den Reihen der Muslime stehen mit dem Unglauben auf einer Stufe. Wenn eine Moschee zum Ausgangspunkt für Zwietracht unter den Muslimen wird, ist sie nicht besser als die Zarar-Moschee, welche die Heuchler zur Zeit des Propheten bauten, und muss zerstört werden.

Vorsichtshalber weise ich noch einmal darauf hin, dass es gegen den Islam ist, Gesetze zu brechen und Eigentum anderer Leute zu beschädigen! Wenn diese „Moschee“ zerstört werden soll, dann durch Argumentationen und nicht durch Tätlichkeiten!

Aber gebe ich doch erst einmal den Gründern dieser „Moschee“ eine Stimme! Was ist ihre offizielle Begründung dafür, diese Räumlichkeiten einzurichten? Seyran Ates sagte dazu z.B.:

Ich bin gläubige Muslimin, dennoch gab es bisher keine Moschee, in der ich meinen Glauben frei und selbstbestimmt praktizieren konnte. Der konservative Islam der allermeisten deutschen Moscheegemeinden ist mit meinen religiösen Überzeugungen nicht vereinbar. Mir geht es beim Moscheebesuch um die gemeinsame Begegnung aller Gläubigen mit Gott. Doch schon durch die vorherrschende Geschlechtertrennung fühle ich mich, zumal ich kein Kopftuch trage, diskriminiert: Vielerorts werden wir Frauen in einen separaten, lieblosen Raum verbannt. Außerdem stellen traditionelle Imame oft nicht die Liebe zu Gott und den Menschen in den Vordergrund, sondern betonen immerfort das Trennende: zwischen den Geschlechtern, zwischen den einzelnen Strömungen des Islams, zwischen „uns“ Muslimen und den „anderen“ – den vermeintlich Ungläubigen.

Lange Zeit habe ich nur davon geträumt, dass sich liberale Muslime zusammenfinden, um einen Islam zu leben, der die Demokratie ausdrücklich bejaht und eine gleichberechtigte Gemeinschaft der Gläubigen. Ich habe darauf gewartet, dass die passende Moschee eröffnet wird, von Menschen, die koranfester sind als ich. Irgendwann fühlte es sich an wie Warten auf Godot. Schließlich beschloss ich, meine Vision selbst zu realisieren.

Am Freitag, dem 16. Juni, eröffnen wir in Berlin die Ibn-Rushd-Goethe-Moschee, weil wir den Islam von innen heraus reformieren wollen. Manche Muslime haben Probleme mit dem Wort Reform. Wir können auch gern von Erneuerung sprechen, wie es kürzlich der Sprecher der berühmten Al-Azhar-Universität in Kairo tat. Die neue Moschee in Berlin soll eine spirituelle Heimat sein vor allem für jene Frauen und Männer, die sich in traditionellen Moscheen nicht wohlfühlen und die sich nicht mehr vorschreiben lassen wollen, wie sie ihre Religion zu leben haben. Toleranz, Gewaltfreiheit und Geschlechtergerechtigkeit sollen im Vordergrund stehen.

Es steht mir weder zu, die innere Überzeugung von Frau Ates als Muslima in Frage zu stellen, noch kann ich mit Sicherheit sagen, ob sie hier ihre ehrliche Motivation schildert, oder ob sie zu den Heuchlern gehört, die die Religion benutzen, um den Islam zu bekämpfen, so wie es der Quran beschreibt! Allerdings kann ich meine Zweifel äußern. Und natürlich auch Zustimmung, dort wo ich mit ihr einer Meinung bin. Z.B. über die Abstellkammern, in die Muslimas in manchen Moscheen verdrängt werden, wo sie ihr Gebet zwischen Staubsauger und abgestellten Stühlen verrichten, während die Männer in einem schönen Gebetsraum mit weichen Teppichen beten dürfen. Das gibt es zweifellos noch immer, ich habe es, wenn auch sehr selten erlebt.

Allerdings: man mag über die Pflicht zum Tragen eines Kopftuchs (besser: islamische Kleidung, denn die besteht aus mehr als der Kopfbedeckung) unterschiedlicher Meinung sein – allerdings dass man aus Respekt in ein Gotteshaus in angemessene Kleidung geht, ist wohl nur unter einer winzigen Zahl von Muslimen umstritten. Die Mehrheit der Männer wird wohl nicht mal auf die Idee kommen in Shorts in die Moschee zu gehen, ebenso wenig wie eine Muslima nicht ihren Körper samt Kopf bedecken würde, wenn sie zum Gebet geht.

An dem Punkt ist es schon aus mit meinem Einverständnis mit Frau Ates.  Und was ich höchst befremdlich finde ist ihr Anspruch „den Islam reformieren“ zu wollen. Sie mag gläubig sein, eine im Islam gebildete Person ist sie nicht, auch wenn sie jetzt kürzlich angefangen hat, Arabisch zu lernen und vor hat (!), Islamwissenschaften zu studieren! Dass sie schon davon träumt „Imamin“ zu sein, zeugt für mich eher von Geltungssucht als von Frömmigkeit. Einer Gemeinde vorzubeten ist eine hohe Verantwortung und kein Privileg! Warum nicht erst einmal die eigene Religion kennen lernen, bevor man sich zur „Lutherin“ aufschwingt?

Frau Ates möchte „liberalen“ Muslimen einen Ort geben. Nun, „liberal“ ist bei mir kein positiv besetzter Begriff, ich denk dabei an die Partei mit den drei Pünktchen, für die „Liberalität“ bedeutet, einer zügellosen Geldgier die Bahn frei zu machen. Das meint Seyran Ates vermutlich nicht, sondern sie findet dass ihr Verständnis vom Islam, ich zitiere:

Ich glaube an den liebenden, barmherzigen Allah und das positive Vorbild Mohammeds. Die Moschee soll zeigen: Unsere Religion besteht nicht aus Hass.

in den vorhandenen Moscheen nicht verbreitet wird. Ich weiß nicht, welche Moscheen sie besucht hat: ich habe in keiner Moschee je etwas anderes gehört, als das was sie dort sagt! Ich kenne keine Moschee, wie sie sie beschreibt:

Außerdem stellen traditionelle Imame oft nicht die Liebe zu Gott und den Menschen in den Vordergrund, sondern betonen immerfort das Trennende: zwischen den Geschlechtern, zwischen den einzelnen Strömungen des Islams, zwischen „uns“ Muslimen und den „anderen“ – den vermeintlich Ungläubigen.

Und mit diesen Äußerungen fördert sie doch genau das, was sie kritisiert: die Spaltung der Muslime! Sie unterstellt, dass nur ihre „Art“ von Muslimen, solche die sich säkular und/oder liberal nennen, für die Demokratie, für Toleranz, Gewaltfreiheit und Geschlechtergerechtigkeit sind!

Das ist gelinde gesagt Unsinn! Und ich glaube ehrlich gesagt nicht, dass die Gründer der „Ibn-Rushd-Goethe-Moschee“ das nicht wissen. Aber wir Muslime sollen nachsichtig sein mit unseren Geschwistern und immer das Beste von ihnen denken. Vielleicht meint Frau Ates, was sie sagt….allerdings muss man dann auch zitieren, wie sie über praktizierende Gläubige denkt:

Das Kopftuch ist die Flagge der Trennung der Geschlechter und der „Andersartigkeit“, sprich Minderwertigkeit der Frauen. Es teilt Mädchen und Frauen in gute und schlechte. Da hilft es auch nicht, wenn die Kopftuchträgerinnen immer wieder runter beten, Männer und Frauen seien vor Gott gleichwertig. Gleichwertig bedeutet eben nicht gleichberechtigt.

Ich will nicht zum tausendsten Mal erklären, wie umstritten das Kopftuch auch unter Muslimen und Musliminnen ist. Ich will nicht zum tausendsten Mal Suren zitieren und erklären, wozu das Kopftuch im 7. Jahrhundert diente. Und ich bin es leid, immer wieder zu erklären, dass das Kopftuch nicht aus Gottgefälligkeit, sondern dem Mann zum Gefallen getragen wird. Einer ganz besonderen Sorte von Männern. Männer, die ihre Triebe angeblich nicht kontrollieren können. Männer, die beim Anblick von weiblichem Haupthaar vom rechten Weg abkommen und sich nicht mehr auf das Gebet konzentrieren können. Sie sollen geschützt werden vor dem Sex-Appeal der ewigen Verführerinnen. Quelle

Frau Ates zieht hier im Blättchen der Islamhasserin Alice Schwarzer über Muslimas und Muslime her, die ihren Glauben praktizieren und spricht ihnen ihre Überzeugung ab, ja unterstellt ihnen, dass sie ihr Verhalten nicht auf Gott ausrichten, sondern nur anderen Menschen zu Gefallen handeln. Wie auch ihre „Schwester im Geiste“, Necla Kelek, verallgemeinert sie hier schlechte Erfahrungen, die sie selber gemacht hat. Sie urteilt – dabei ist sie doch Rechtsanwältin und nicht Richterin – über andere Menschen. Trotzdem: ich will gerade darum vorsichtig sein mit meiner Bewertung. Nur Gott kann ihre Motive beurteilen. Aber die Auswirkungen ihres Verhaltens, die kann ich darlegen.

Und was kommt heraus, bei diesem ganzen Gerede um einen kleinen Gebetsraum, in dem, wie in allen „echten“ Moscheen, jeder Gläubige willkommen ist? Ein Medienhype der alle demütigen Muslime, die nur Gott fürchten und deshalb sich auch nicht verstecken mit ihrer Überzeugung, als zurückgeblieben, demokratiefeindlich und womöglich dem Terrorismus nahestehend verunglimpft.  Als ob gläubige Menschen nicht sowieso schon mit vielen Schwierigkeiten in einer Gesellschaft kämpfen, die zunehmend vom Glauben an Gott abgebracht werden soll, egal ob man das auf jüdische, christliche oder muslimische Art tut! Wahrhaft Gläubige haben einen Gerechtigkeitssinn und wissen, dass das Leben mit dem Tod nicht endet, sondern dass sie Rechenschaft ablegen werden für ihre Taten, egal in welcher der großen Religionen.

Das macht sie widerspenstig gegenüber Unrecht, das auf dieser Welt geschieht und unbequem. Solche Menschen können Imperialisten und Kapitalisten nicht gebrauchen. Was dieses System will, sind stumpfsinnige Konsumenten und Arbeitskräfte, keine Persönlichkeiten die um ihren menschlichen Wert wissen und ihre Würde wahren wollen. Der Glaube an Gott macht die Menschen frei – wahrscheinlich muss man sie genau deshalb als unterdrückte, dumme und ungebildete Schafe verunglimpfen, weil ihre Freiheit womöglich ansteckend sein könnte?!

Übrigens habe ich persönlich noch keine Moschee erlebt, die irgend jemanden ausgrenzt, der dorthin kommt um  zu beten. Nicht mal bei den Salafisten, als ich mich mal „verirrt“ hatte, hat man mich rausgeworfen, als ich meinen Gebetsstein auspackte. Wir brauchen keine Moscheen für Homosexuelle, weil es im Gebet niemanden interessiert, mit wem der Gläubige schläft und weil uns die Sünden anderer erstmal nichts angehen, schon gar nicht wenn wir uns gerade im Gebet vor Gott demütigen und für unsere eigenen Sünden um Verzeihung bitten. Kein Muslim soll doch mit seinen Sünden hausieren gehen, wir gehen nicht in die Moschee und verkünden laut, was wir gerade alles Schlimmes getan haben – und zu den großen Sünden gehören auch im Islam unerlaubte sexuelle Handlungen. Damit brüstet sich niemand in der Moschee, sondern damit setzt sich ein jeder und eine jede  trotzdem Gläubige in  ihrem eigenen Gebet auseinander. Woher sollen also andere Betende in der Moschee wissen, was ein Mensch außerhalb anstellt?

Sicher gibt es was zu verbessern in den Moscheen. Und die von den „Liberalen“ so gescholtenen Dachverbände können sicher an der einen oder anderen Stelle ihre Gemeinden mehr unterstützen, sich in vielen Bereichen ihrer Tätigkeiten weiterzuentwickeln. Aber kundige Vorbeter hat jede Gemeinde. Da braucht sich niemand zum „Imam“ oder zur „Imamin“ aufschwingen, der oder die mal gerade das Gebet erlernt hat.

Ates´Mitstreiter, Abdel Hakim-Ourghi, kritisiert übrigens „Selfmade-Imame“. Als „echter“ Islamwissenschaftler hat er aber anscheinend keine Probleme mit seiner „Selfmade-Imamin“. Es wundert auch, dass jemand der doch den Islam studiert hat, nicht in der Lage ist, „Problemverse“ historisch einzuordnen und der eine sehr einseitige Auslegung verbreitet, indem er behauptet, dass der Islam zur Ermordung von Nichtmuslimen aufruft und Frauen benachteiligt. Selbst eine Laiin wie ich, ist in der Lage zu verstehen, in welchem Kontext solche Stellen zu verstehen sind – Ourghi anscheinend nicht. Und auch er behauptet von sich ein Muslim zu sein und will jetzt eine „Moschee“ gründen.

Ich denke, wissentlich oder unwissentlich werden hier Marionetten eingesetzt, die einen dem Zeitgeist konformen Islam verbreiten sollen. Aber Gott ist unabhängig von unseren menschlichen Verwirrungen und hat uns ein Buch und Vorbilder gegeben, die uns in allen Zeiten anleiten. Das heißt nicht, dass wir heute herumlaufen müssen wie vor 1400 Jahren und auf Kamelen reiten. Im Gegenteil, der Quran betont immer wieder, dass wir unseren Verstand benutzen und uns weiterentwickeln sollen. Haltlos einem Zeitgeist nachlaufen, der uns zu stupiden Konsumenten machen soll, ist aber keine Weiterentwicklung.

Interessant ist übrigens, dass einer der Gesellschafter (ja, richtiger Ausdruck, denn die Rechtsform ist eine gGmbH) der „Ibn-Rushd-Goethe-Moschee“,  Mimoun Azizi, sich von dem ganzen Verein losgesagt und ein Buch über seine Erfahrungen angekündigt hat. Ich bin gespannt.

Soweit für jetzt. Das Thema wird uns wohl noch länger beschäftigen. Wir haben ja auch keine wirklichen Probleme auf der Welt.

Hier noch eine Stellungnahme des höchsten schiitischen Gelehrten in Europa, Ayatollah Ramezani vom Islamischen Zentrum Hamburg, der sehr viel deutlichere Worte als ich sagen kann, da er sehr viel besser durchschaut, welchen Zweck diese „Moschee“ verfolgt.

Stellungnahme von Ayatollah Dr. Reza Ramezani zur Gründung der liberalen Moschee in Berlin

Im Namen Gottes, des Gnädigen, des Barmherzigen

Nach der Veröffentlichung der Nachricht über die Eröffnung einer „anderen“ neuen Moschee in der deutschen Hauptstadt Berlin hat der Vorsitzende der schiitischen Theologen und Wissenschaftler Europas, Ayatollah Dr. Reza Ramezani, bei der Preidigt zum Freitagsgebet in Hamburg Stellung bezogen. Wie die deutschen Medien berichten, gehört dieses Zentrum, die so genannte Ibn-Rushd-Goethe-Moschee, den liberalen deutschen Muslimen. Das Freitagsgebet wird in dieser Moschee angeführt von einer Frau ohne die entsprechende islamische Bekleidung. In diesem Zentrum beten neben den Männern, Frauen ohne Kopfbedeckung. Auch Homosexuelle sind eingeladen, an den Zeremonien teilzunehmen. Die Verantwortlichen dieses Zentrums sagen, dass sie diesen Ort errichtet hätten, für alle Menschen, die sich in den anderen Zentren und Moscheen nicht sicher und wohl fühlen. Sie bezeichnen dies als eine Gegenbewegung zu den konservativen und extremistischen Muslimen.
Als Reaktion auf die Gründung dieser sogenannten Moschee verurteilte der Imam und Leiter des Islamischen Zentrums Hamburg diese Bewegung und sagte: „Zu meinem Bedauern hat mich die verwunderliche Nachricht über die Gründung der „anderen, schädigenden Moschee“ im Herzen Europas erreicht. Obwohl es zunächst wie ein schlechter Witz zu Kosten der Heiligtümer aussah, brachte jedoch deren Widerhall in den Medien die bittere Wahrheit dieser Bewegung ans Licht. Wir bezeichnen diese fragwürdige Aktion als eine gemanagte Bewegung zur Verunglimpfung und Beleidigung des Islams, der Muslime und den Heiligtümern der Religionen. Diese machen sich über den Islam und der Scharia lustig. Wie kann jemand, der keine Bildung in den religiösen und islamischen Lehren und kein Studium an einem religiösen Zentrum oder theologischen Hochschule hatte, die religiösen Angelegenheiten übernehmen und ein Ort Moschee nennen, und dabei alles, was ihm gefällt, im Namen des Islams der Welt präsentieren. Es liegt klar auf der Hand, dass die Leiter dieser fragwürdigen Bewegung unreligiöse Ziele verfolgen. Leider haben auch andere Konfessionen ihre Unterstützung von der Gründung eines solchen Zentrums bekundet, was wiederum einem zu bedenken gibt, wie sie plötzlich die Unterstützung der Muslime zum Bau von Moscheen als ihre Pflicht bezeichnen.“
„Wir Muslime sind der Ansicht, dass die Moschee das Haus Gottes ist, und dass die Anwesenheit an diesem heiligen Ort, wie auch andere heilige Stätten, wie Kirchen oder Synagogen, seine besonderen Rituale hat, die auch eingehalten werden müssen. Daher verkünden wir, dass die Würde der Moschee eingehalten werden muss, und deren heillige Stellung nicht mit Devitationen und Verunglimpfungen besudelt werden dürfen. Imam Hassan Mojtaba sagt über die Eigenschaften derjenigen, die mit der Moschee in Verbindung sind: „Jeder, der regelmäßig zur Moschee geht, wird von folgenden Zeichen nutzen ziehen: 1. Aufrichtige Zeichen (Verständnis der göttlichen Zeichen), 2. Nützliche Freundschaften, 3. Neue Kenntnisse, 4. Erhoffte Segen, 5. Worte, die ihn auf den rechten Weg leiten, 6. Worte, die ihn vor Erniedrigungen bewahren, 7. Distanzierung von Sünden, aus Scham vor Gott, 8. Distanzierung von Sünden, aus Furcht vor Gott.““
An einer anderen Stelle seiner Rede sagte Ayatollah Dr. Reza Ramezani: „Wir haben des Öfteren in unseren Reden angekündigt, dass der Islam sowohl eine Religion der Logik, Spiritualität und Gerechtigkeit ist, als auch auf der Scharia basiert, deren endgültigen Verordnungen bis zum jüngsten Tag unabänderlich sind. Gemäß der Scharia steht das Pontifikat einer Frau für Männer und Frauen im Widerspruch zu den Verkündungen der schiitischen und sunnitischen Gelehrten, außerdem ist eine notwendige islamische Bekleidung während des Ritualgebets verpflichtend. Des Weiteren ist eine angemessene Bekeidung der mulimischen Frauen gegenüber fremden Blicken vorgeschrieben. Eine Frage, die hier auftaucht, ist, wie diese sogenannten „Muslime“ mit den Versen der Sure al-Noor über die islamische Bekleidung (Hijab) umgehen wollen? Aus welchen Lehren des geehrten Propheten haben sie ihre neuen Regeln für das Ritualgebet entnommen? Nach welcher Grundlage haben sie die Rituale zum Betreten einer Moschee geändert? Nach welchem göttlichen Gebot wird angekündigt, dass die Präsenz derjenigen, die praktisch unzüchtige Taten begehen, in dem Gebäude, das sie „Moschee“ nennen, erlaubt ist? Solche Aktionen sind im klaren Widerspruch zu den eindeutigen Versen des Qur’ans und der Tradition des Propheten. Obwohl die Feinde des Islams es gern sehen würden, dass die islamische Scharia – genauso wie die anderen Religionen, die aufgrund verschiedener Abwege ihre Mission verloren haben – durch solche Taten auf Abwegen gerät und dekadent wird, sollten sie wissen, dass die Gebote Gottes und die islamische Scharia nicht so leicht auf Abwege zu bringen ist. Es steht jedem natürlich frei, unter welchem Namen auch immer, ein Tempel zu errichten und ähnliche Taten und Rituale, wie die anderen Religionen, zu verrichten, doch es darf nicht im Namen des Islams Taten vollbracht werden, die im Widerspruch zum Islam stehen.“
Ayatollah Dr. Reza Ramezani sagte als Antwort darauf, dass diese Personen ein Ort zur Bekämpfung von Extremismus und Terrorismus suchen: „Ist der Weg zur Bekämpfung von Extremismus die Entstellung des Islams und der Scharia des Propheten? Warum versucht ihr mit der Verunglimpfung der Heiligtümer und der göttlichen Gebote, die Gefühle der Muslime zu verletzten, anstatt die Handlanger der Verbreitung von Gewalt und Extremismus auf der Welt, die dann durch den Verkauf von Waffen enorme Profite erzielen, aufzuspüren? Wir verkünden hier ausdrücklich, dass die Türen der Moscheen für jeden aus jeder Religion und Konfession geöffnet sind. Jedoch müssen die Rituale und Traditionen, die in den Qur‘anversen und Überlieferungen verankert sind, respektiert und eingehalten werden. Diese fragwürdige Aktion, die unter keinen Umständen zu entschuldigen ist, ist eine Verunglimpfung der Heiligtümer der Religionen und steht im Widerspruch zu den Gebetsritualen des Islams. Die Muslime und insbesondere die religiösen Gelehrten müssen auf einer angemessenen und legitimen Weise ihren Einspruch zu dieser Aktion verkünden. Wir fordern den Koordinationsrat der Muslime (KRM), die Schiitische Gemeinschaft Deutschlands (IGS), die Islamischen Räte der Bundesländer, die islamischen Fakultäten, Islamwissenschaftler, Moscheen und deren Imame, und alle Brüder und Schwester auf, dieser Beleidigung nicht tatenlos zuzusehen und ihre Abneigung zu verkünden, damit dieser Schandfleck nicht auf den Namen der deutschen Muslime und deren Vertreter beruht.“

 

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Hier habe ich übrigens noch einen alten Beitrag über Seyran Ates recycelt: Braucht der Islam eine sexuelle Revolution

#NichtMitUns #Ohnemich – Warum?

Im Namen Gottes, des Erbarmers, des Barmherzigen

Am 17.6.2017 findet in Köln ein „Ramadan-Friedensmarsch“ statt, unter dem Motto „Muslime und Freunde gegen Gewalt und Terror“.

Ich geh nicht hin.

Warum nicht?

Wo es doch gegen „Extremismus, Terrorismus, Krieg und Diktatur“ geht!

Natürlich bin ich gegen das alles. Nur: einfach nur „wir lieben die Freiheit und die Demokratie und wir lassen uns nicht spalten“ – „bitte nur Friedensbotschaften, keine politischen Statements“ – das ist nicht genug.

Wir haben seit vielen Jahren einen „Ramadan-Friedensmarsch“, nämlich den „Al-Quds“-Tag, den internationalen Jerusalemtag! Und auf dieser Demonstration, die weltweit stattfindet, werden die Förderer und Profiteure des Terrors beim Namen genannt! Und das muss auch sein!

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Förderer und Profiteure des sogenannten „islamistischen Terrorismus“ sind die USA und „Israel“ – der „Staat“ der schon auf Terror gegründet wurde. Und damit meine ich nicht, den Völkermord an den europäischen Juden, der natürlich ein grauenhaftes Verbrechen war und der für einige Juden der Grund war, nach Palästina auszuwandern. Auch weil andere Länder die Flüchtlinge nicht aufnehmen wollten. Aber der Zionismus – die rassistische Ideologie, die dazu führte dass Palästina einer ethnischen Säuberung von seinen Bewohnern unterzogen wurde, den gab es schon vor dem Holocaust und die Palästinenser konnten nun einmal nichts für die Verbrechen unserer deutschen Vorfahren. Ihre Vertreibung war von langer Hand vorbereitet und wurde mit den Mitteln des Terrors und Völkermordes umgesetzt. Ich empfehle allen dazu „Die ethnische Säuberung Palästinas“ von Ilan Pappe (einem jüdischen Historiker) zu lesen, der das anhand vieler auch israelischer Dokumente sehr detailliert beschreibt.

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Eine pdf mit dem Vorwort des Buches gibt es übrigens  hier. 

„Staat“ steht übrigens bei mir im Zusammenhang mit Israel in Anführungszeichen, weil nach meinem Verständnis zu einem Staat auch Staatsgrenzen und eine Staatsbürgerschaft gehören. Israel akzeptiert aber keine Grenzen, sondern strebt gegen jegliches Völkerrecht nach ständiger Expansion. Einerseits beruft es sich mit seinem „Existenzrecht“ darauf, dass es schließlich seine Legitimation von der UNO erhalten hat. Andererseits ist ihm die lange Liste der UN-Resolutionen für das Rückkehrrecht der vertriebenen Palästinenser, gegen die Besatzungs- und Siedlungpolitik schnurzegal. Und es gibt keine israelische Staatsbürgerschaft – tatsächlich. Man kann einen Pass vom „Staat“ Israel bekommen – darin steht dann aber die Religion (und keine israelische Staatsbürgerschaft) vermerkt – „Jude“, wenn man Glück hat, denn dann hat man alle Rechte. Bei anderen gelten diese nur bedingt.

Dieser „Staat“ also, in bester Eintracht mit dem Imperium der USA, fördert den sogenannten „islamischen“ Terrorismus nach Kräften. Die USA, die scheinbar gegen den „Islamischen Staat (IS)“ – besser „Daesh“ – kämpfen, richten in Wahrheit in Syrien und im Irak genauso viel oder mehr Schaden an, als diese Mörderbanden. Sie setzen Giftgas ein (wofür sie gerne die Verteidiger dieser Länder beschuldigen), sie nutzen andere illegale Waffen wie weißen Phosphor – und hin und wieder bombardieren sie mal „versehentlich“ einen Militärkonvoi derjenigen, die tatsächlich, unter hohem Risiko ihr Leben dabei zu verlieren, den Terror bekämpfen. Israel – sonst nicht gerade für Humanität bekannt, behandelt in seinen Krankenhäusern verletzte Daesh-Terroristen.

Eine sonderbare Allianz von angeblichen Terror-Bekämpfern aus den USA, Israel und Saudi-Arabien hat sich gebildet. Die USA, die Gruppierungen wie Al-Qaida und die Taliban immer gerne  zu ihren Zwecken benutzen, um sie dann halbherzig zu bekämpfen – besser „ein wenig in ihre Grenzen zu weisen und ihnen zu zeigen wer der wahre Herr im Haus ist“, mit Saudi-Arabien, das doch eigentlich für den Terror des „9/11“ verantwortlich sein soll und das seine kaltherzige, unterdrückerische Auslegung des Islam, die die „theologische“ Basis des sogenannten „islamistischen Terrors“ birgt, in alle Welt streut und mit Israel, das doch Hass gegen die Muslime sät, indem es sie allesamt des Terrorismus und Antisemitismus beschuldigt. So als ob es nicht selber seine rassistische zionistische Ideologie eines „Groß-Israel“ mit dem Judentum gleichsetzt.

Man kann nicht den Terror bekämpfen, ohne seine Unterstützer bloß zustellen. Natürlich muss man der wahabitischen/salafistischen Ideologie auch theologisch entgegentreten. Und das tun Muslime und ihre Gelehrten aller Rechtsschulen schon längst.

Und auch das „Wir lassen uns nicht spalten“ lebt auf dem Quds-Tag schon längst!

„Muslime, Juden und Christen – gemeinsam gegen Zionisten“ heißt es dort jedes Jahr. Keine der monotheistischen Religionen duldet Unterdrückung, genauso wenig wie gerechtigkeitsliebende Menschen anderer, oder ohne Religion diese dulden.

Für mich ist dieses #NichtMitUns – Entschuldigung – zu wischiwaschi.

Eingeladen dazu hat übrigens Lamya Kaddor vom „Liberal-islamischen Bund“, die gerade einen Vortrag in Bremen gehalten hat. Zu dem ich auch gerne noch was schreiben möchte, aber das wird jetzt für diesen Beitrag zu lang.