Meine dritte Woche im Monat Ramadan 2019

Im Namen Gottes des Erbarmers, des Barmherzigen

Eigentlich wollte ich immer so Wochenberichte schreiben und die dritte Woche im Monat Ramadan ist ja noch nicht vorbei – aber da ich am Montag zum Iftar (Fastenbrechen) eingeladen bin, ziehe ich das mal vor. Ich bin noch immer dabei und habe keinen Tag aussetzen müssen mit dem Fasten, Gott sei Dank. An ein paar Tagen habe ich ein bisschen geschwächelt, aber durchgehalten. Dank meines sehr ruhigen Lebens hab ich mir dann eben ein extra Nickerchen gegönnt und dann ging es auch wieder.

Ein bisschen Leben war in der Bude weil ich am Donnerstag zum Iftar eingeladen hatte, eine deutsch-türkisch gemischte Truppe aus Frauen die ich hier kennengelernt habe, eine mit deutschem, eine mit türkischem Ehemann, die meisten davon Christen, nur das deutsch-türkische Ehepaar ist muslimisch. Wir haben aber ein richtig traditionelles Iftar, jedenfalls so wie ich es kenne zelebriert. Ich war ziemlich nervös, ich hab selten so viel Gäste auf einmal – also was heißt viel, wir waren sieben Personen, aber ich bin kochen für viele nicht gewöhnt. Es haben aber alle behauptet es habe ihnen geschmeckt. Die Gäste haben auch noch Leckereien zum Nachtisch mitgebracht, dazu hatte ich auch noch Kuchen, also uns ging es so richtig gut.

Gestern war dann die erste die möglichen „Lailatul quadr“- das ist die Nacht im Monat Ramadan in der sich die Herabsendung des heiligen Quran in das Herz des Propheten Muhammed, s.a.s. jährt.

Die Sure 97 im Quran erzählt davon:

„Wir haben ihn in der Nacht der Bestimmung hinabgesandt.
Und was lehrt dich wissen, was die Nacht der Bestimmung ist?
Die Nacht der Bestimmung ist besser als tausend Monate.
Die Engel und der Geist werden in ihr herabgesandt mit der Erlaubnis ihres Herrn mit jedem Befehl, (des)
Frieden, ist sie bis zum Aufgang der Morgenröte.“

Die Übersetzung stammt von hier aus meinem Lieblings-Islamlexikon,da gibt es auch weitere Erläuterungen zu der Nacht der Bestimmung, warum wir Muslime uns da mal wieder uneinig über den genauen Termin sind und warum jedenfalls Schiiten, also Muslime der dschafaritischen Rechtsschule in diesen letzten Tagen des Monats Ramadan trauern. Sunnitische Muslime lieben selbstverständlich unseren ermordeten Imam Ali, Friede sei mit ihm, ebenfalls, aber diese Ereignisse sind ihnen meistens nicht so präsent. Also jedenfalls hat mein sunnitischer Ehemann mir berichtet, dass davon in den Moscheen im Monat Ramadan nicht die Rede ist.

Dieses Video habe ich im Jahr 2013 in einer der Lailatul-Qadr-Nächte in Mashad in Iran aufgenommen. Dort befindet sich die riesige Moscheeanlage um den Schrein unseres 8. Imam, Imam Ridha, a.s. Ich hatte in dem Jahr die große Ehre, dort an einem vierwöchigen Sommerkurs der Al-Mustafa-Universität teilnehmen zu dürfen, der gerade in den Monat Ramadan fiel. Eine unvergessliche Zeit. Wer mehr darüber wissen möchte kann in meinem alten Blog Mariams Welt die Suchfunktion nach „Iran-Reisebericht 2013“ nutzen, da habe ich eine Reihe von Beiträgen geschrieben über unsere Erlebnisse dort.

Wir nutzen die Nächte im Monat Ramadan ja sowieso inschaAllah auch für Bittgebete – aber in diesen Nächten versucht man besonders viel zu beten, z.B. das Dschauschan ul Kabir, ein wunderschönes und sehr langes Bittgebet. Ich habe in der ersten möglichen Lailatul-Quadr auch nur ein Drittel davon geschafft. InschaAllah nutze ich die anderen Nächte, um es zu beenden. Das Video zeigt einen Ausschnitt.

Ja, was gibt es sonst zu berichten: ich habe mich – das ist unausweichlich wenn man viel im Quran liest – weiterhin mit dem Thema des diesseitigen und des jenseitigen Lebens beschäftigt und dazu auch noch mal ein Büchlein in die Hand genommen, das die Stationen des jenseitigen Lebens beschreibt. Wir haben ja aus dem Quran und den Überlieferungen des Propheten, s.a.s. und seiner Nachkommen zu der Zwischenwelt (Barsach), in der wir in der Zeit zwischen unserem Abschied von der Erde und der Auferstehung der Menschen, an die wir ja glauben verweilen werden, einige Informationen. Das Büchlein beschreibt das anschaulich und ist zusätzlich zur Quran-Lektüre eine Motivation, sich um „Proviant“ aus guten Taten für diese Reise zu kümmern. Alles was wir in diesem Leben tun, spiegelt sich dann später im jenseitigen Leben wieder. Das sollte man wirklich ständig im Bewusstsein haben. Unsere Zeit hier ist begrenzt und wenn wir sterben, „dann wachen wir auf“ – so sagt es eine islamische Überlieferung. D.h. wenn wir gestorben sind, werden wir einen schonungslosen Blick auf unsere Taten haben und wir werden erkennen, was wirklich wichtig ist.

Heute fand ich beim Rumstöbern eine Kantate von Johann Sebastian Bach, „Gott soll allein mein Herze haben“, die sich auch genau mit dem Thema des trügerischen irdischen Lebens befasst:

Gott soll allein mein Herze haben.
Zwar merk ich an der Welt,
Die ihren Kot unschätzbar hält,
Weil sie so freundlich mit mir tut,
Sie wollte gern allein
Das Liebste meiner Seele sein.
Doch nein; Gott soll allein mein Herze haben:
Ich find in ihm das höchste Gut.
Wir sehen zwar
Auf Erden hier und dar
Ein Bächlein der Zufriedenheit,
Das von des Höchsten Güte quillet;
Gott aber ist der Quell, mit Strömen angefüllet,
Da schöpf ich, was mich allezeit
Kann sattsam und wahrhaftig laben:
Gott soll allein mein Herze haben….

Den gesamten Text der Kantate findet man z.B. hier

Ich habe mir nicht zu viel vorgenommen für den Monat Ramadan, da ich mich kenne: wenn ich mir selber Druck mache, dann boykottiere ich meinen Erfolg auch selber. So wie ich mir den Monat bis jetzt gestaltet habe, bin ich aber einigermaßen zufrieden mit mir. Also ich habe kleine Schritte gemacht, mehr nachgedacht, mehr gelesen, mehr freiwillige Gebete, inschaAllah mehr Liebe um mich verbreitet und weniger gesündigt. Und ich fühle mich gut aufgehoben und durch diese Zeit getragen. Gott sei Dank für alles!

Netzfund: Gebet des älter werdenden Menschens (Theresa von Avila)

Oh Herr, Du weißt besser als ich, dass ich von Tag
zu Tag älter und eines Tages alt sein werde.

Bewahre mich vor der Einbildung,
bei jeder Gelegenheit und zu jedem Thema
etwas sagen zu müssen.

Erlöse mich von der großen Leidenschaft,
die Angelegenheiten anderer ordnen zu wollen.

Lehre mich, nachdenklich (aber nicht grüblerisch),
hilfreich (aber nicht diktatorisch) zu sein.

Bewahre mich vor der Aufzählung endloser
Einzelheiten und verleihe mir Schwingen,
zur Pointe zu gelangen.

Lehre mich schweigen über meine Krankheiten
Und Beschwerden. Sie nehmen zu,
und die Lust, sie zu
beschreiben, wächst von Jahr zu Jahr.

Ich wage nicht, die Gabe zu erflehen,
mir die Krankheitsschilderungen anderer
mit Freude anzuhören, aber lehre mich,
sie geduldig zu ertragen.

Lehre mich die wunderbare Weisheit,
dass ich mich irren kann.
Erhalte mich so liebenswert wie möglich.

Lehre mich, an anderen Menschen unerwartete
Talente zu entdecken, und verleihe mir o Herr,
die schöne Gabe, sie auch zu erwähnen.

(möglicherweise von Teresa von Avila (1515 – 1582)

Zweite Woche des Monats Ramadan 2019: Gedanken über „Zeitvertreib“

Das diesseitige Leben ist nur Zerstreuung und Spiel. Die jenseitige Wohnstätte ist wahrlich das (eigentliche) Leben, wenn sie es nur wüssten!

(Heiliger Quran, Sure 29 – die Spinne – Vers 63)

Die zweite Woche im diesjährigen Monat Ramadan ist vergangen und Gott sei Dank: ich habe weiter gefastet und das ohne größere Probleme, so dass ich zuversichtlich bin, dass dieses der erste Monat Ramadan seit Jahren sein wird, den ich durchgehend faste.

Mein Tagesrhythmus ist weiterhin ganz anders als in gewöhnlichen Zeiten, aber mit einer langen Mittagsruhe halte ich ganz gut durch. Dafür ist der Nachtschlaf kürzer, aber vormittags bin ich trotzdem recht produktiv und habe einiges geschafft. Eher Kopf- als körperliche Arbeit, denn ich fühl mich schon ein bisschen schlapp, aber nicht in bedenklichem Ausmaß. In dieser Woche war ich eher an den Nachmittagen spazieren, oder etwas erledigen, aber auch das ging ganz gut. Es ist ein gutes Gefühl, nicht allen Versuchungen erliegen zu „müssen“ die mir so begegnen. Ich bin ja eine, die sonst an Eisbuden und Konditoreien schwer vorbeikommt. Nicht dass ich jetzt nicht nasche, aber ich muss es dann eben in den Abend aufschieben und erstaunlicherweise muss in diesem Monat nicht jedes Bedürfnis sofort befriedigt werden.

Ich lese weiter täglich ein Stück in meiner Koranübersetzung und das woran ich öfter „hängenblieb“, waren Sätze wie der obige Auszug…Und, ich „oute“ mich: ich habe bis zu diesem Monat für eine ganze Weile ein Onlinespiel gespielt, ein Aufbau- und Strategiespiel…ein „Abschiedsbild“ aus meiner Spielwelt seht Ihr oben.

Das ist kein Ballerspiel oder so, nein, man versucht eine Stadt mit zufriedenen Bewohnern aufzubauen, in dem man eine gute Infrastruktur schafft, man muss Aufgaben erfüllen, mit Freunden kooperieren, kann anderen helfen oder Hilfe erfahren, Handel treiben, neue Ziele erforschen. Na gut, manchmal überfällt man auch mal seine Nachbarn, aber man ist nicht gezwungen, sie auszurauben, *lol*. Da ich keine große Fernsehguckerin bin, hab ich mich dabei entspannt und mir die „Zeit vertrieben“.

Und genau wegen des „Zeit Vertreibens“ hab ich das jetzt eingestellt. Meine Zeit auf dieser Erde ist knapp bemessen. Sicherlich brauchen wir Entspannung und ich werde jetzt auch nicht jede freie Minute mit sinnvoller Lektüre verbringen, oder nützlichen Arbeiten. Aber ich habe gemerkt, dass ich mich zu viel damit beschäftigt, meine Zeit so geplant habe, dass ich mit meinen „Freunden“ im Spiel die gegenseitigen Hilfsaktionen verabreden konnte, mich immer wieder einloggen musste, um virtuelle Produktionen aus meinen virtuellen Fabriken einzusammeln usw. Außerdem war ich immer wieder geneigt, echtes Geld auszugeben, um in dem Spiel voranzukommen. Ist meiner Meinung nach nicht schlimmer als Geld für Netflix, Kino, seichte Literatur oder Konzerte zu bezahlen, aber muss ja nicht unbedingt sein.

In der 103. Sure im heiligen Quran wird der Mensch auch darauf hingewiesen, dass er im Zustand des Verlustes ist, d.h. das seine Zeit stetig verrinnt – so jedenfalls hat man mir die Bedeutung dieser Sure erklärt:

Im Namen Allahs, des Gnädigen, des Barmherzigen.
1. Bei der Zeit,
2. Wahrlich, der Mensch ist in einem Zustande des Verlusts,
3. Außer denen, die glauben und gute Werke tun und einander zur Wahrheit mahnen und einander zum Ausharren mahnen.

Heiliger Quran, Sure 103, Al Asr)

Es gibt so viele Möglichkeiten, Zeit zu verschwenden, ich muss sie ja nicht alle nutzen. Ich fand jedenfalls, dass das Spiel ein Beispiel ist dafür, wie wir womöglich am Ende unseres Erdendaseins unser ganzes Leben betrachten werden….sehr vieles davon wird uns einfach nichtig erscheinen. Und manches Materielle wird am Ende genauso wenig wert sein, wie die virtuellen Schätze aus einem Browserspiel. Aber es ist o.k. für mich, es mal gespielt zu haben und ich hab mich freundlich von den Menschen verabschiedet, die da ganz woanders an ihren Computern sitzen und mir geholfen haben, mich da zurechtzufinden.

Wenn ich aber jetzt Entspannung suche, dann doch eher wieder mit einem Krimi, oder auf Fotosafari…schließlich ist jetzt die schönste Zeit hier in der Türkei, finde ich. Alles blüht, wenn ich durch den Garten unserer Anlage gehe, umwehen mich Rosen-, Oleander- und Jasminduft, das Meer ist sagenhaft blau und die Temperaturen sehr angenehm, noch nicht zu heiß. Ich habe es wirklich so gut, alhamdulillah!

Früher hab ich eine Zeitlang Bildbearbeitung geübt, leider läuft mein altes Programm nicht mehr auf den neueren Computern, darum musste ich das aufgeben. Ich bin noch auf der Suche nach einer bezahlbaren Alternative, denn das war für mich eine meditative Beschäftigung, da habe ich mich während der Basteleien oft mit Koranzitaten oder Überlieferungen beschäftigt und versucht, diese visuell zu gestalten. Das würde ich gerne wieder tun, allerdings dann eher im Winter.

Ich freue mich aber auch, dass ich im heiligen Monat jetzt die Konzentration für das eine oder andere freiwillige Gebet mehr aufbringe, oder zum Koranlesen, oder um mal wieder ein islamisches Buch aus meiner kleinen Bibliothek zu lesen.

Was es sonst noch zu berichten gibt: mich hat der Nestbautrieb gepackt. Ich wohne ja fast seit 1,5 Jahren hier, aber die Ausgestaltung meiner/unserer Wohnung macht gerade Fortschritte und jetzt habe ich langsam das Gefühl, dass ich ihr so richtig meinen Stempel aufgedrückt habe. Ich lasse mich wohl jetzt so richtig häuslich nieder und glaube, dass die Aufgabe meiner Wohnung in Deutschland dieses Gefühl erst richtig möglich gemacht hat. Und vielleicht ist es für mein Wohlgefühl auch nötig, dass ich es so richtig schön gestalte. Also so wie ich es schön finde. Mein Mann ist ja selten hier und ihm gefällt es, wenn es mir gefällt, sagt er. Es stehen noch Bau- und Renovierungsarbeiten an, aber die müssen bis September warten, bis er wieder hier ist. Bis dahin kümmere ich mich um so Sachen wie Schränke, Bettwäsche, Geschirr und Lampen. Auch das alles nur für das diesseitige Leben wesentlich – aber es heißt ja nicht, dass wir uns daran nicht erfreuen dürfen. Ich brauche keinen irrsinnigen Luxus, aber ich genieße es, es mir gemütlich zu machen. Da ich ja sehr viel aus meinem „alten“ Leben verschenkt oder verkauft habe, weil es sich nicht lohnte es in die Türkei zu überführen, freue ich mich, dass man hier schöne Sachen preiswert kaufen kann. Und es wandern auch immer mehr Bücher aus meiner kleinen islamischen Bibliothek mit hierher, nach jeder Reise nach Deutschland bringe ich ein paar mit. Da wundere ich mich manchmal, welche Schätze ich da so lange nicht in die Hand genommen habe. Hier wird es mehr und mehr zu meinem Zuhause.

Also, wenn ich nach einem knappen halben Monat Ramadan eine Zwischenbilanz ziehen soll: ich bin dankbar und zufrieden – nicht 100% zufrieden mit mir, aber ich habe diese Zeit doch besser genutzt als manche andere – und sie nicht „vertrieben“.

In der dritten Woche dieses Monats werde ich inschaAllah ein wenig geselliger sein, ich plane ein „Iftar“, ein Fastenbrechen mit Freundinnen. Und es steht die erste der besonderen heiligen Nächte an, die möchte ich auch gut nutzen. Ich werde berichten, inschaAllah!

Genug für heute! Ich wünsche allen muslimischen und nicht muslimischen Geschwistern einen weiteren gesegneten Monat!

Erste Woche Ramadan 2019: Dankbarkeit, Lektüre, Nachdenkliches

Im Namen Gottes des Erbarmers, des Barmherzigen

Das Titelbild dieses Artikels ist mir jetzt schon mehrfach in den sozialen Medien über den Weg gelaufen, da hab ich es einfach mal geklaut, weil ich es so witzig finde. Für Nichtmuslime: Das Bild spielt mit dem Thema der „Überlieferungen“ im Islam. Dabei handelt es sich Erzählungen über Äußerungen unseres Propheten Muhammed, Friede und Segen sei mit ihm, und – bei den schiitischen Muslimen – auch über solche seiner Nachkommen. Diese Überlieferungen („Hadith“) sollen das Verständnis des Korans erleichtern, indem sie Erklärungen des Propheten wiedergeben und Begebenheiten aus seinem Leben. Leider ist das auch ein umstrittenes Thema, denn es gibt sehr viele gefälschte Überlieferungen, oder solche von nicht vertrauenswürdigen Überlieferern, so dass man da nicht alles als wahr annehmen darf, was so kursiert. Eine ganze Wissenschaft im Islam beschäftigt sich mit diesem Thema, aber leider gibt es ja auch sehr viele „Google-Imame“, die mit dem Thema nicht sehr verantwortungsvoll umgehen. So, das war nun eine sehr lange Einleitung und Erklärung zu einem lustigen Bildchen.

Ich habe seit langen Jahren das erste Mal eine ganze Woche im Monat Ramadan mit gefastet und bin sehr dankbar, dass mir das möglich war und so Gott will auch im restlichen Monat möglich ist. Ich fühle mich doch irgendwie mehr zugehörig zu der großen islamischen Gemeinde, auch wenn ich den Monat in relativer Zurückgezogenheit verbringe. Mir geht es gut, auch wenn es nicht ganz leicht ist, aber mit meinem ruhigen Rhythmus komme ich mit dem Fasten zurecht, an manchen Tagen besser, an manchen ist es mühseliger. Nicht weil ich hungrig wäre, durstig schon eher mal, aber es fehlt eben doch an Energie.

An den Vormittagen bin ich eigentlich fast normal leistungsfähig, aber ab mittags knicke ich dann doch sehr ab und schlafe erstmal ein paar Stunden. Nach dem Fastenbrechen, dem Iftar, bin ich dann zwar nicht müde, obwohl das schon fast meine übliche Zubettgehzeit ist, sondern bleibe relativ lange wach, aber das ist dann keine Zeit für konzentrierte Tätigkeiten.

Meinen täglichen Abschnitt im Koran, bzw. in der Übersetzung lese ich meistens nach der Mittagsruhe. Dann ist es jetzt auf dem Balkon so schön zu sitzen und ich mache es mir dort gemütlich.

Ich sagte ja schon, dass je nachdem was gerade so Lebensthema ist, sich auch bestimmte Themen im heiligen Koran besonders „bemerkbar“ machen. Bei mir ist es z.Zt. ein kurzer Abschnitt aus der 7. Sure, Al Araf – Die Höhen, aus den Versen 42 und 43:


42
Diejenigen aber, die glauben und rechtschaffene Werke tun – Wir erlegen keiner Seele mehr auf, als sie zu leisten vermag –, jene sind Insassen des (Paradies)gartens. Ewig werden sie darin bleiben.

43
Und Wir nehmen weg, was in ihren Brüsten an Groll ist. Unter ihnen strömen Flüsse. Und sie sagen: „(Alles) Lob gehört Allah, Der uns hierher geleitet hat! Wir hätten unmöglich die Rechtleitung gefunden, wenn uns Allah nicht rechtgeleitet hätte. Die Gesandten unseres Herrn sind wirklich mit der Wahrheit gekommen.“ Und es wird ihnen zugerufen: „Siehe, das ist der (Paradies)garten. Er ist euch zum Erbe gegeben worden für das, was ihr zu tun pflegtet.“

Die Übersetzung ist in diesem Fall von islam.de.

Diese Stelle beschäftigt mich schon ein paar Tage. Einmal wegen der Aussage: „Wir erlegen keiner Seele mehr auf, als sie zu leisten vermag“ – denn das rührt noch einmal an das Thema „Krankheit“, ich habe ja ein paar Artikel über das Thema Depression geschrieben, zuletzt diesen hier: Danke für die Depression.

Andererseits muss ich an die vielen Menschen denken, die gerade in unvorstellbarer Weise unter Krieg, Hunger und Unterdrückung leiden. Ich glaube, diesen Vers kann man dann nur verstehen, wenn man überzeugt ist, dass dieses Leben nicht alles ist, sondern dass es noch ein weiteres Leben gibt, in dem schließlich alles gut wird, so wie es der zweite Vers sagt.

Bei diesem beschäftigt mich für mich persönlich das Thema „Groll“. Denn ich bin nicht ganz frei davon, auch wenn ich mich schon zu einem großen Teil unguter Gefühle entledigt habe. Manchmal holt mich er mich doch ein, der Groll über erfahrenes Unrecht. Besonders über das, was mir von einem Menschen zugefügt wurde, dem ich bedingungslos vertraut habe. Ich denke darüber nach, ob die Freiheit von einem solchen Gefühl nicht eines der erstrebenswertesten Dinge ist. Und wenn die gänzliche Befreiung davon schon in diesem Leben gelingt: ist das nicht schon ein großer Schritt dahin, das „Paradies auf Erden“ zu erleben?

Bougeainvillea, aufgenommen in Side, im Mai 2019

Ich bin mir da eigentlich sicher, aber wie gesagt, ganz befreit bin ich noch nicht. Das wird also noch mein Thema bleiben und so Gott will, nutze ich auch diese besinnliche Zeit für die Auseinandersetzung damit. Wie immer ist das kein Thema das alleine steht, sondern es verbindet sich mit anderen Lebensthemen – mal sehen, ob mir die Koran-Lektüre in diesem Monat da hilft, etwas „rund“ zu machen.

Außer im Koran zu lesen, habe ich mir in dieser Woche noch das neue Buch von Jürgen Todenhöfer vorgenommen: „Die große Heuchelei – wie Politik und Medien unsere Werte verraten“

Die Lektüre tut weh, muss aber sein, finde ich, wenn man nicht zu den Heuchlern gehören, oder ihnen folgen will. Ich bewundere Jürgen Todenhöfer, der sich im Laufe seines Lebens vom „rüstungspolitischen Sprecher“ zum bedingungslosen Pazifisten gewandelt hat, weil er keine Angst hat (oder diese überwindet), weil er ungeachtet aller Gefahren sich in Kriegsgebiete begibt und die schmerzliche Wahrheit des Krieges anschaut, mit den Menschen spricht und uns diese Wahrheit ins Gesicht sagt. Und nicht nur uns „Normalos“, sondern auch den Mächtigen dieser Welt. Die ihn erstaunlicherweise durchaus anhören, auch wenn sie nicht unbedingt auf ihn hören. Also, wer die Geschichte des „Westens“ ungeschönt kennen lernen will, findet in dem Buch einen Überblick, dazu viele Informationen über die Kriege, die „wir“ im Westen angeblich gegen den Terror führen und über die unrühmliche Rolle der Medien, die doch eigentlich in der Demokratie den Auftrag haben, die Entscheidungen der Regierenden kritisch zu begutachten – aber leider heutzutage zu einem großen Teil an der Vorbereitung und Rechtfertigung von Kriegen mitwirken. Die Berichte über Begegnungen mit Menschen in Kriegsgebieten, oder von Flucht und Vertreibung sind Herz zerreißend – aber es ist ja auch gut, wenn wir noch ein Herz haben, das Mitgefühl empfindet. Jürgen Todenhöfer ist ein echter Mensch, der nicht abgestumpft ist und, was ich besonders bewundere, der trotz all diesen Elends die Hoffnung auf eine friedliche Welt nicht aufgegeben hat. Er ist trotz allem was er gesehen hat in der Lage, in jedem Menschen den göttlichen Funken zu erkennen, der uns mitgegeben wurde. So gibt es auch einen Abschnitt: „Was tun“ in diesem Buch.

Rose, aufgenommen im Mai 2019 in Side in der Türkei

Ja, das war´s was mich diese Woche so beschäftigt hat. Und ich bin wirklich privilegiert, dass ich den heiligen Monat Ramadan unter solchen Umständen, in Ruhe und Sicherheit verbringen kann. So Gott will, werden auch alle die Menschen die heute unter Hunger, Krankheit und Unterdrückung leiden, einmal in diesen Genuss kommen.

Danke für die Depression!

Jemand, der oder die, meine Überschrift liest und sich womöglich gerade in tiefer Depression befindet, denkt vermutlich, dass ich spinne….

Aber mir ging in diesen Tagen durch den Kopf, dass es jetzt fast genau 10 Jahre her ist, dass ich wegen meiner Erkrankung aus dem Berufsleben ausgeschieden bin. Ich hatte schon eine Teil-Rente, aber selbst die Belastung mit dem 5-Stunden-Job in einem im Vergleich zu meinen vielen Jahren im Suchtbereich eigentlich ziemlich entspannten Arbeitsbereich, erwies sich als zu anstrengend und ich rutschte wieder in eine depressive Phase ab. Ich ging dann noch einmal in eine Reha, in der ich auch ein paar wesentliche therapeutische Erkenntnisse hatte, die zu meinem inneren Frieden sehr beigetragen haben. Und eine große Verbesserung in der Beziehung zu meinen Eltern brachten. In der man mir dann aber auch ganz dringend die volle Rente empfahl und mir auf den Kopf zusagte, dass meine Depression eine schwere sei (und das war definitiv nicht meine schlimmste Phase).

Einerseits war ich total erleichtert, dass mein Leiden gesehen wurde – andererseits war es aber doch irgendwie ein Schock, dass ich nun so ganz aus dem Beruf ausscheiden sollte. Denn mein ganzes Erwachsenenleben war die Arbeit extrem wichtig für mich. Vor allem wohl für mein Selbstbild und meinen gefühlten „Lebensberechtigungsschein“.

Und jetzt kommt, wofür ich dankbar bin: Dass mich die Depression gezwungen hat, diese Einstellung zu überdenken! Dass sie mich entschleunigt hat, so dass ich nicht mehr mithalten konnte mit dem ganzen Alltagstempo – ausgerechnet ich, die in „guten“ Zeiten immer das größte Klavier alleine tragen wollte. Immer mehr schaffen wollte als andere und möglichst auch noch besser.

Ich musste an meinem Selbstbild arbeiten. Besser gesagt: ich musste meine Illusionen über mich zerstören. Wurde zurückgeworfen auf das was ich wirklich bin. Und das ist ein Mensch, der einen anderen Daseinszweck hat, als nur immer zu arbeiten. Was nicht bedeutet, untätig zu sein. Aber eben nicht mehr den eigenen Wert davon abhängig zu machen, wie viel man arbeitet, oder wie gut man seinen Job macht.

Die Entschleunigung ist eine wunderbare Sache – natürlich wenn man wie ich den Luxus genießt, noch eine auskömmliche Rente zu beziehen. Früher bin ich in „gesunden“ Zeiten durch meinen Tag gerast. Ich hatte zeitweilig einen Vollzeitjob, einen Nebenjob, der mich auch noch gut mal bis zu 10 Stunden in der Woche gekostet hat und bin noch dreimal wöchentlich stundenlang im Fitnessstudio rumgetobt. Und natürlich hab ich auch noch meinen Sohn groß gezogen und Partnerschaft gelebt.

Solche oder ähnliche Phasen sind dann öfters mal in totaler Erschöpfung geendet und dann ging wochen- oder monatelang praktisch nichts mehr. Es gab Zeiten, da lag ich stundenlang wie festgeklebt im Bett und hatte Durst, war aber nicht in der Lage aufzustehen und mir etwas zu trinken zu holen. Wer es nicht erlebt hat, kann sich das kaum vorstellen. Körperlich gibt es keinen Grund für diesen Zustand, jedenfalls keinen sichtbaren. Und doch ist es Realität: es geht einfach nicht!

Bild von Ulrike Mai auf Pixabay

Nebenbei: auch ich habe die Erfahrung gemacht, dass andere Menschen das gar nicht verstehen können. Und bis ich mir darüber klar wurde, was mit mir los ist, konnte ich es ihnen auch nicht erklären. Wenn in solchen Zeiten einem Faulheit vorgeworfen wird, ist das nicht hilfreich, liebe Angehörige und Freunde!

Also, solche Wechsel gab es mehrfach in meinem Leben. Bis ich es endlich kapieren musste. Und damit ich nicht „rückfällig“ werde, ist die Entschleunigung geblieben. Heute könnte ich gar nicht mehr wie früher, selbst wenn ich wollte.

Deshalb bin ich Rentnerin. Und mit mir inzwischen weitgehend im Reinen. Die Bereiche in denen das nicht so ist, haben mit Arbeit und Leistung nichts zu tun. Langweilig ist mir übrigens nicht. Im Gegenteil. Ich hab ein paar Minijobs probiert, u.a. war ich Kurierfahrerin in Bayern. Das war lustig: als Kopftuch tragende Muslima über die bayrischen Dörfer sausen und irgendwelche Teile in kleinen Baufirmen abgeben – ich mag es ja, die Leute ein wenig zu verwirren.

Als ich vor vier Jahren aus Bayern weggezogen bin, hab ich das aufgegeben und bald danach angefangen mit meiner jetzigen Tätigkeit, die ich von zu Hause aus machen kann. Diese Minijobs haben ganz und gar andere Themen, als ich in meinem langen Berufsleben in der psychiatrischen Pflege hatte. Jetzt mache ich Recherchen, schreibe Artikel und pflege die Social-Media für eine kleine Firma. Mein Horizont hat sich sehr erweitert über meine früheren beruflichen Themen hinaus. Weil mir aber auch hier ein voller Minijob zu viel wurde, hab ich jetzt nur noch eine Mini-Mini-Tätigkeit und das geht gerade so. Es ist nicht ohne Grund so, dass man bei einer vollen Erwerbsminderungsrente täglich nur unter drei Stunden arbeiten darf! Bei mir ist es auf jeden Fall zu viel, wenn ich mehr als zwei Stunden täglich konzentriert sein soll. Und selbst in dieser Zeit brauche ich immer mal kurze Pausen. Die ich mir ja unter diesen Umständen auch nehmen kann.

Ich brauche sehr viel Freiraum. Kann je nach Tagesform meinen Ablauf gestalten. Ich genieße es, am Meer zu spazieren, oder ein bisschen im Hinterland zu wandern. Ich mag lesen, interessiere mich für Politik und Weltgeschehen, bin im Internet unterwegs – spielend, diskutierend, lernend. Versuche immer mal wieder mein Türkisch zu verbessern und bin auch gerne mal unter Menschen. Ich schreibe gerne und hab meine kreativen Phasen. Und wenn es mir zu viel wird, kann ich es wieder ruhig angehen lassen. Und einfach genießen, dass der Druck raus ist. Sogar die Hausarbeit kann so etwas Meditatives sein.

Darum bin ich dankbar für die Depression. Sie ist und war eine harte Schule und ich hab ein paar Klassen wiederholen müssen, d.h. mehrere schwere Phasen durchleben müssen, bis ich erkannt habe, dass meine Aufgabe in diesem Leben nicht „Selbstaufgabe“ heißt. Dass ich Grenzen habe, die ich respektieren muss. Und dass mein Wert, auch für meine Mitmenschen, nicht davon abhängt, wie leistungsfähig ich bin!

Es gab noch ein paar andere Lernthemen in diesem Zusammenhang. Z.B. über Geld und Existenzängste. Oder das Streben nach Unabhängigkeit (eine Illusion, wie ich heute weiß). Über Vertrauen und Hoffnung. Das sind vielleicht Themen für einen anderen Blog, sonst wird das heute zu viel.

Ich danke meinem Schöpfer für SEINE Geduld mit mir, für die Chancen die ich bekommen habe und immer wieder bekomme, für die Zeit die mir geschenkt wurde, für die Erkenntnisse, die ich gewonnen habe. Für die vielen Jahre befriedigender Arbeit und für die jetzigen im Ruhestand.

Und ich erzähle Euch das, damit diejenigen die gerade mit dieser Krankheit kämpfen vielleicht eine Ahnung davon bekommen, dass sich da eine oder mehrere Lernaufgaben verbergen und dass das Leiden nicht ohne Sinn ist. Und für die Angehörigen und Freunde zu einem vielleicht besseren Verständnis dafür, was sich hinter dieser von außen nicht sichtbaren Krankheit so verbergen kann!

Ein Bild zum Thema Dankbarkeit

Wie meine Krankheitsgeschichte verlaufen ist, kann man hier nachlesen: Depression – meine Geschichte

Monat Ramadan: Der Monat des Koran

Im Namen Gottes, des Erbarmers, des Barmherzigen

„Der Monat Ramadan ist es, in dem der Quran offenbart wurde, als eine Führung für die Menschen und als klares Zeugnis für die Rechtleitung und die Auseinandersetzung (zwischen Wahrheit und Unwahrheit).“ (Heiliger Quran Sure 2, Vers 185)

Der heilige Monat ist nicht einfach eine Zeit, in der wir unsere Selbstbeherrschung trainieren und mehr beten. Nein, wir feiern darin, dass Gott uns seine abschließende Offenbarung, die bestätigt, ergänzt und abschließt, was in den anderen heiligen Büchern schon geschrieben steht, herab gesendet hat. Wir sind damit nicht im Widerspruch zu den anderen abrahamitischen Religionen, dem Juden- und Christentum:

In der 4. Sure des Korans (An-Nisa- die Frauen) heißt es in Vers 125:
„Und wer hat eine schönere Religion als jener, der sich Allah ergibt und dabei Güte übt und dem Glauben Abrahams folgt, des Aufrechten? Und Allah nahm Sich Abraham zum Freund.“

Bild von Josef Fendt auf Pixabay

Ich habe mehrere Koran – Übersetzungen. Keine ist so richtig gut, sagen die, die es beurteilen können. Manchmal nehme ich mir mehrere zur Hand, wenn ich gucken will, wie andere Übersetzer mit einer bestimmten Stelle fertig geworden sind. Jede Übersetzung ist ja auch schon mindestens ein Stück Interpretation, auch wenn diese eigentlich Aufgabe der Fachleute für dieses Thema ist.

Den Koran auszulegen ist ein Lebenswerk. Das macht man nicht so nebenher, auch wenn man heute in deutschen Medien schon zum „Islamexperten“ wird, wenn man mal einen Abschnitt einer deutschen Übersetzung gelesen hat. Komisch, dass sich das bei den heiligen Büchern anderer Religionen nicht jeder anmaßt.

Je länger ich Muslima bin und je öfter ich im Koran lese, je mehr ich darüber lerne, was alles zu den Wissenschaften um den Koran gehört – je mehr erkenne ich meine Grenzen und das ist auch gut so. Was nicht heißt, dass Gott sich nicht auch mir verständlich macht, selbst in einer mangelhaften Übersetzung. Das heilige Buch hat viele Schichten. Auch wenn ich mich an der Oberfläche des Verständnisses bewege, heißt das ja nicht, dass ich dort nichts Wertvolles finde. Und bei jedem Durchgang beiße ich mich sozusagen an anderen Themen fest. Je nachdem, was mich gerade so in meinem Leben bewegt.

Wir haben heute viele Möglichkeiten, uns den Koran von Leuten erklären zu lassen, die ein tiefer gehendes Verständnis haben, alhamdulillah (= alles Lob gebührt Allah).

Bei meiner ersten Begegnung mit dem Koran, als ich gerade anfing mich für den Islam zu interessieren, sah ich nur „Höllenfeuer“ in dem Buch. Und es kam mir sehr katholisch vor, war doch auch meine christliche Erziehung von Ängsten vor der Hölle geprägt.

Hier wie dort eine Fehlinterpretation, die leider viele Menschen zu einer schlechten Meinung über Gott bringt und mich viele Jahre vom Glauben entfernt hat.

Gott sei Dank hab ich an der Stelle nicht das heilige Buch in die Ecke geworfen, sondern ich wollte verstehen und habe weiter gelesen, nicht nur im Koran sondern auch rund um die Offenbarung und um das Leben unseres Propheten Muhammed, Friede und Segen sei mit ihm und mit seinen reinen Nachkommen.

Und siehe da: nicht nur musste ich einsehen, dass der Koran kein Menschenwerk ist, sondern tatsächlich göttliche Offenbarung, sondern auch, dass er ein „Liebesbrief“ Gottes an die Menschen ist und eine unerschöpfliche Quelle an Weisheiten, Gleichnissen, Geschichten über Gott, das Leben und das Zusammenleben der Menschen. Das hat mich dann zu der Entscheidung gebracht, Muslima zu werden und mein Leben an dieser Botschaft auszurichten. Und auch wenn das vielen unverständlich erscheint: Für mich ist damit vieles „rund“ geworden, viele Themen an denen ich hätte verzweifeln können, ob persönlicher oder gesellschaftlicher Art, haben ihren Sinn offenbart. Aber das ist eine andere Geschichte – oder viele Geschichten.

Bild von Gerd Altmann auf Pixabay

Wenn wir Übersetzungen und Auslegungen (=Tafsir) des Korans lesen, müssen wir gut aufpassen, von wem die stammen. Die islamische Welt ist kein einheitliches Gebilde. Niemandem ist verborgen geblieben, dass es Verfechter einer angeblich wortgetreuen, aber trotzdem Sinn entstellenden Auslegung gibt, die den Islam als eine grausame Religion und Gott als einen strafenden, unbarmherzigen Herrscher darstellt, der nur denen gnädig ist, die sich in ein enges Korsett blinden Gehorsams pressen und ihren Verstand und ihr Herz ausschalten. Bei einer solchen Auslegung sind sich dann die unbarmherzigen „Islamisten“ und die sogenannten „Islamexperten“ einig. Sie haben wohl überlesen, dass sich Gott im heiligen Koran zur Barmherzigkeit verpflichtet hat!

Es ist ziemlich dumm von mir, dass ich außerhalb des Monats Ramadan viel zu selten hineinschaue in das heilige Buch! Natürlich rezitiere ich im Gebet immer kurze Abschnitte, aber es sollte wirklich zum täglichen Ablauf gehören, mindestens einen kleinen Abschnitt zu lesen! Klappt doch im Monat Ramadan auch.

Monat Ramadan 2019: Beflügelt

Bild von U Hd auf Pixabay

Und wenn dich Meine Diener nach Mir fragen, so bin Ich nahe; Ich erhöre den Ruf des Bittenden, wenn er Mich anruft. So sollen sie nun auf Mich hören und an Mich glauben, auf daß sie besonnen handeln mögen. (Heiliger Koran, Sure 2, Vers 186)

Im Namen Gottes, des Erbarmers, des Barmherzigen

Im Monat Ramadan fällt vieles leichter. Klingt vielleicht sonderbar für die, die sich diesen Monat als eine einzige Quälerei vorstellen, voll Hunger und Durst. Und beides gibt es natürlich, manchmal auch unerträglich scheinend – aber oft fällt es eben viel leichter zu fasten, als in anderen Monaten. Das kennen glaube ich, viele Muslime, die Fastentage nachholen müssen. Es ist viel leichter in dieser Zeit, in der Milliarden Menschen auf der Welt fasten. Es ist z.T. diese Vorstellung, dass immer irgendwo auf der Erde jetzt gerade gefastet und anderswo das Fasten gebrochen wird, die ich sehr inspirierend finde. Die Gebetszeiten, die Fasten- und Essenszeiten wandern mit dem Sonnenstand um die Welt, wie eine große Welle von Glaubensgeschwistern stelle ich mir das vor, die gerade im Gebet stehen, oder sich niederwerfen, die ihren letzten Schluck trinken vor dem Fasten, oder die ihr Fasten jetzt gerade brechen.

Ich bin zwar praktizierende Muslima und in der Regel halte ich meine Gebetszeiten ein – aber die freiwilligen Gebete, die zusätzlich zu den Pflichtgebeten empfohlen sind, die lasse ich meistens weg. Letzte Nacht aber, als ich beschlossen hatte dass es so spät geworden sei, dass ich auch wach bleiben konnte bis zum Morgengebet, habe ich seit langer Zeit mal wieder das empfohlene Nachmitternachtsgebet gebetet.

Bild von Vlad Ymyr auf Pixabay

„Das Gebet ist die Himmelfahrt des Gläubigen“ heißt es. Meine täglichen Ritualgebete sind davon oft weit entfernt. Kaum stelle ich mich zum Gebet, gehen mir tausend unwichtige Dinge durch den Kopf und ich muss mich sehr anstrengen bei der Sache zu bleiben und das Gebet wirklich zu nutzen: als Auszeit von genau den Nichtigkeiten und als Ausrichtung von meinen eigentlichen Daseinszweck und als Gelegenheit, mich meinem liebenden Schöpfer zuzuwenden, um Verzeihung für die Fehler zu bitten, die ich seit dem letzten Gebet begangen habe und um Beistand für alle Herausforderungen die mir begegnen könnten, bis zum nächsten Gebet.

Es ist schon erstaunlich, wie sich das im Monat Ramadan verbessert. Bei mir sehe ich ziemlich deutlich, dass es auch daran liegt, dass ich mich zurückziehe, nicht so viel zu erledigen habe, sondern nur das Nötigste einkaufen gehe und möglichst viele anstrengende Termine auf die Zeit nach dem Monat Ramadan verschiebe. Gott sei Dank habe ich ja die Möglichkeit dazu, weil ich nicht mehr berufstätig bin – bis auf das bisschen das ich im Home-Office für den Minijob erledige. Aber da bin ich ja relativ flexibel mit meiner Zeit.

Also im Monat Ramadan bin ich etwas beflügelt und jedenfalls einige meiner Gebete kommen der Himmelfahrt näher. Und das Nachmitternachtsgebet ist dabei schon eine besondere Erfahrung. Es ist sehr ruhig – ich wohne sowieso recht ruhig, aber um diese Zeit hört man auch nix von der Straße, im Hotel nebenan ist keine Musik mehr und die Vögel haben ihr Morgengebet noch nicht begonnen, :-). Das ist die Gelegenheit, sich ganz auf die Annäherung an Gott zu konzentrieren und IHM alles zu sagen und IHN um alles zu bitten, was gesagt werden will und um das gebeten werden will.

Ich hoffe, ich nutze diese Gelegenheit noch öfters in diesem Monat und nehme die Erfahrung dann mit in das restliche Jahr. Was bei mir nicht funktioniert ist, dass ich mir so etwas fest vornehme. Dann boykottiere ich mich selbst. Lieber bewahre ich das gute Gefühl in mir und pflege es, damit die Sehnsucht danach wächst, diese Erfahrung möglichst oft zu wiederholen.

Monat Ramadan 2019: Muslima allein zu Haus

Im Namen Gottes des Erbarmers, des Barmherzigen

Ich verfolge gerne die Blog- und Videobeiträge von muslimischen Schwestern zu ihren Erfahrungen im Monat Ramadan. In früheren Jahren hab ich auch schon davon erzählt, einiges davon findet sich noch im Archiv von „Mariams Welt“. In den letzten Jahren konnte ich nicht fasten im heiligen Monat. Jetzt ist natürlich der „Fastenmonat“ nicht nur wegen des Fastens bedeutungsvoll, sondern ist eine Einladung unseres Schöpfers, damit wir uns IHM mehr nähern. Fasten ist dazu ein Hilfsmittel, man ist nicht so abgelenkt mit dem ständigen Gedanken an und der Vorbereitung von Essen, man schult seine Willenskraft, das Mitgefühl mit Menschen denen es nicht so gut geht wie uns steigt – und viele weitere Aspekte machen diese Zeit zu einer Herausforderung und Chance. Aber man kann natürlich auch eine spirituelle Atmosphäre für sich schaffen, obwohl man nicht fastet. Das habe ich immer versucht, bin aber trotzdem glücklich, dass mein Gesundheitszustand jetzt so ist, dass ich keine Medikamente mehr nehmen muss, die mich daran hindern, im diesem Monat zu fasten.

Der Einstieg ist mir ganz gut gelungen. Ich wohne ja seit letztem Jahr in der Türkei, habe aber letztes Jahr nur einen Teil des Monats hier verbracht, weil ich vorher in Deutschland war. Danach waren dann mein Mann und sein Sohn mit mir hier. Da hatte ich also zwei fastende Männer im Haus und konnte aber damals selber noch nicht mitmachen. Dazu hatten wir viel zu tun an der Wohnung und Organisatorisches. So eine richtig ruhige Atmosphäre war das nicht. Mein Mann ist ja von Kindheit an gewohnt zu fasten und zieht das auch in diesem Jahr während der Arbeitszeit im Drei-Schicht-Betrieb durch, das kann ich mir für mich gar nicht vorstellen.

In diesem Jahr bin ich also ganz alleine hier zu Hause in der Türkei, weil mein Mann ja weitgehend in Deutschland lebt und arbeitet und jetzt keinen Urlaub hat. Die ersten drei Fastentage (ich habe am Montag mit den türkischen Geschwistern angefangen, obwohl nach meiner Rechtsschule der 1. Ramadan erst am Dienstag war) habe ich gut verbracht, alhamdulillhah, elhamdülillah, Gott sei Dank!

Bild von Afshad Subair auf Pixabay

So langsam scheine ich eine Routine für diese Zeit zu entwickeln. Ich stehe ein wenig später auf als gewohnt und verbringe den Vormittag nahezu „normal“, ein bisschen Arbeit für meinen Minijob, ein bisschen Haushalt – wie üblich, nur ohne Kaffee. Den habe ich schon ein paar Tage vor dem Beginn des Monats Ramadan sehr reduziert, denn ich glaube, dass der Kaffee, oder vielmehr der Koffeinentzug verantwortlich ist, wenn ich beim Fasten sehr unter Kopfschmerzen leide.

Wenn ich was zu erledigen habe, sollte ich das noch vor dem Mittagsgebet tun, oder bald danach. Auch mein täglicher Spaziergang sollte vor 15 Uhr nachmittags stattfinden. Er fällt kürzer aus als normal, ich hab vielleicht die Hälfte meiner üblichen Schritte auf dem Zähler. Meist telefoniere ich um die Zeit auch mit meinem Mann, wenn der gerade Spätschicht hat.

Nach einem ausgiebigen Mittagsschlaf, den ich richtig nötig habe, denn am Nachmittag schwächele ich ganz schön, lese ich dann meinen täglichen Abschnitt im Koran (in Übersetzung), kümmere mich um meine Mahlzeit zum Iftar und mach noch ein bisschen was im Haushalt.

Ein bisschen noch herumgammeln, vielleicht auf dem Balkon sitzen, Zeit für ein bisschen lesen, telefonieren o.ä. und dann naht auch schon bald die abendliche Gebetszeit und das Abendessen. Mein Iftar fällt nicht aufwendig aus, so alleine. Und danach hab ich noch Zeit zum lesen. Durch den Mittagsschlaf bleibe ich länger wach am Abend, einmal war ich sogar bis zum Morgengebet auf.

Ein sehr ruhiger Rhythmus, aber so komme ich wohl ganz gut zurecht. InschaAllah (so Gott will) schaffe ich es, den Monat Ramadan durchzufasten. Aber noch wichtiger ist mir, dass ich meine Verbindung zu Gott festige. Mehr Bittgebete, mehr islamische Literatur lesen oder auch Vorträge anschauen, mehr nachdenken …das kann ich übrigens am besten, wenn ich am Meer ganz in Ruhe spazieren gehe.

Ich bin ja Anhängerin der dschafaritischen Rechtsschule, also Schiitin – darum gehe ich nicht in die Moschee zu den Tarawih-Gebeten wie die sunnitischen Geschwister hier. Aber vielleicht gehe ich dann im Laufe des Monats doch mal in die Moschee, in den heiligen Nächten vielleicht. Ein bisschen Gemeinschaftsgefühl wird sicherlich auch gut tun. Aber ansonsten bin ich in meiner Ruhe und meinem weitgehenden Rückzug sehr zufrieden. Ich glaube, diese Art den Monat Ramadan zu begehen, ermöglicht mir überhaupt erst zu fasten. Ich muss ja immer sehr gut auf mich aufpassen, damit meine chronische Depression sich fein im Hintergrund hält. Achte ich gut darauf, das richtige Maß an Aktivität und Ruhe einzuhalten, wie es für mich passt, dann komme ich zur Zeit ohne Medikamente sehr gut zurecht.

Ich denke, ich werde in den nächsten Tagen ein bisschen darüber erzählen, was mich so beschäftigt und wie es mir hier weiter so geht. Momentan bin ich sehr zufrieden und fühle mich reich beschenkt von diesem friedlichen Leben. Meine Bittgebete sind bei denen, die es in diesem heiligen Monat nicht so gut haben.

Bild von Zaid ali auf Pixabay

Herumstromern in: Side

Side, meine neue Heimat, hat eine bewegte Geschichte. Hethiter, Perser, Griechen, Römer, diverse Piraten, Araber und die Byzantiner besuchten, besetzten und besiedelten die heutige Altstadt auf der Halbinsel, die jetzt zwischen den touristischen Hotelzentren liegt. Vor ca. 6000 Jahren (darüber gibt es sehr unterschiedliche Angaben) bis ca. 1200 n.Chr. soll hier eine wichtige Hafenstadt (u.a. mit Sklavenmarkt) gewesen sein, die dann durch ein Erdbeben zerstört wurde. Erst um 1900 herum begann wieder eine Besiedlung durch Türken, die von der griechischen Insel Kreta vertrieben wurden. Ein kretisches Kulturhaus erzählt davon, aber das hab ich noch nicht besucht, das folgt inschaAllah ein anderes Mal.

Das war ein sehr gekürzter Überblick über die Geschichte von Side, es gibt viele Seiten die detaillierter Berichten, da brauche ich das nicht wiederholen. Mich hat schon bei meinem ersten Besuch hier, Mitte der 90er Jahre des letzten Jahrhunderts, die Atmosphäre fasziniert. In Side spaziert man einfach so zwischen den Hinterlassenschaften der Kulturen herum. Für manche ist das nur eine Menge langweiliger alter Steine. Ich allerdings liebe es, einfach nur so herumzustrolchen und mir vorzustellen, wer hier wohl alles schon so gelebt hat und die gleichen Wege gegangen ist.

So habe ich mir heute – „der Mai ist gekommen“ – einen ausgiebigen Frühlingsspaziergang mit Touristenaugen durch das antike Side gegönnt, einschließlich Museumsbesuch. Nächste Woche beginnt ja der Fastenmonat Ramadan, oder Ramazan, wie er hier genannt wird. Wie ich mich kenne, hab ich dann keine Energie tagsüber in der Wärme viel zu unternehmen (ob das abends nach dem Fastenbrechen anders ist, sei mal dahingestellt). Nicht zu essen fällt mir nicht so schwer, ich mache sowieso meistens „intermittierendes Fasten“, aber normalerweise trinke ich natürlich dann. Egal, Schluss mit der Vorrede, ich will ja nur ein paar Eindrücke teilen.

Los geht es von mir zu Hause an an die Strandpromenade, das sind ca. zehn Minuten Fussweg. Und dann einfach die Promenade, oder unten am Wasser entlang Richtung Side. Das ist mein fast täglicher Spazierweg, bis in die Altstadt habe ich ungefähr 3 km zu gehen.

Und dann ist man auch schon fast beim Museum von Side, das liegt in der Nähe des antiken Theaters. Mit meiner kürzlich in Alanya erworbenen Müze-Card kann ich da jetzt so oft hinein wie ich möchte. Die hat 70 TRY gekostet, also ca. 11 € und gilt ein Jahr für viele staatliche Museen. Ich denke, ich werde schon alleine wegen der Aussicht öfters mal in das Museum gehen und einfach nur da in Ruhe sitzen.

In den Ausstellungsräumen finden sich Alltags- und Schmuckgegenstände der verschiedenen Epochen, und viele Skulpturen. Hier stehen „Götter“, „Halbgötter“ (ich sollte vielleicht lieber „Götzen“ schreiben, aber ich denke es ist bekannt, dass ich Monotheistin bin und an die doch allzu menschlichen griechischen und römischen „Götter“ nicht glaube), Kaiser, Soldaten und ganz normale Menschen einträchtig und mehr oder weniger gut erhalten beieinander. Sogar zwei Sphinxen sind mir begegnet.

Diese kleinen Vasen könnten mir durchaus für meine Wohnung gefallen. Unglaublich, dass die tausend Jahre oder älter sind…

Solch eine detailgenaue Arbeit finde ich faszinierend. Und wie steht wohl dieses Paar zueinander? Was mögen sie zu besprechen haben? Sie schaut ein wenig sorgenvoll, finde ich…

Leider kann ich die Schrift nicht lesen, sonst wüsste ich, was die beiden Herren da gerade per Handschlag vereinbaren. Aber so kann ich mir eine Geschichte ausdenken, auch schön.

Gestatten, Herakles. Ein Bild von einem Mann, etwas mitgenommen ist er.

Ein Imperator, soweit ich mich erinnere und eine der Sphinxen.

Drei Herren und schau an: einfach eine Frau, ganz ohne ihr zugeschriebene göttliche Eigenschaften.

Und schon geht´s wieder raus aus dem Museum und kreuz und quer durch die Ruinen.

Ein Krankenhaus aus byzantinischer Zeit…mein Krankenschwesternherz fühlt sich angesprochen und denkt sich Geschichten aus.

Das antike Theater von Side und – nein, das ist keine Mohnblume, :-). Sehr hübsch, aber macht eigentlich keiner mehr so ganz normale Fotos? Überall posieren die Leute, als ob sie zeigen wollten, was sie in ihrem Wochenend-Model-Lehrgang gelernt haben. Ist das eine Krankheit des Instagram-Zeitalters?

Und schon wieder am Meer und in der touristischen Zone angekommen:

Auf oder neben diesem Schiffchen im Hafen von Side kann man übrigens lecker Fisch essen. Das „Balık-Ekmek“ aktuell für 20 TRY. Dafür esse ich zwar in meinem Lieblingsimbiss in Manavgat fast ein ganzes Menü, aber die Atmosphäre hier hat ja was. Und dann kann man ja in dem kleinen „Girit Kahvesi“, also dem „kretischen“ Cafe, das von der Gemeinde betrieben wird, sehr, sehr günstig einen Çay trinken. 3 TRY hab ich heute für einen Tee samt Keks und ein Wasser bezahlt. Teşekkür ederim, Manavgat Belediyesi!

So sah es heute auf der „Hauptstraße“ in der Altstadt aus. Im Sommer ist hier ja kaum ein Durchkommen. Ich mag diese Zeit jetzt, wenn die Saison so langsam losgeht, es aber noch nicht überfüllt ist.

Ja, das war mein Spaziergang am Samstag vor dem Monat Ramadan. 17800 Schritte sagt mein Schrittzähler, das werde ich wohl im Fastenmonat nicht hinbekommen.

Ich hoffe es hat Euch gefallen, bis bald, görüşürüz!

Wandertag: Von Ilıca nach Evrenköy (und zurück)

Endlich ist es so richtig Frühling geworden hier an der türkischen Riviera. Wir haben einen langen und sehr nassen Winter hinter uns gebracht und die Temperaturen sind auch längst nicht so, wie man es um diese Jahreszeit hier kennt. Aber jetzt ist es gerade sehr angenehm, um sich in der Natur zu bewegen. Ich laufe auch im Winter normalerweise viel, aber in diesem Jahr ging das ja gar nicht, weil es viel zu nass und matschig war.

Aber vergessen wir das und freuen uns an dieser Jahreszeit, bevor die ganz große Hitze kommt! Dann mag man sich nämlich tagsüber kaum bewegen. Ich war heute alleine unterwegs und bin einen Weg gegangen, der hier im Wanderblog des GEM-Dernek beschrieben ist (Weg Nr.1). Der GEM-Dernek ist ein Verein in Manavgat, der Ausländer unterstützt, sich hier in der Türkei zurechtzufinden und der Treffen und Unternehmungen anbietet. Ich verlinke Verein und Blog mal in meine Seitenleiste.

Ich liebe die Beschreibungen im Wanderblog und hab mir das einfach ausgedruckt…Die sind nämlich so in der Art: „Vor der Brücke (ohne Geländer), rechts in den Feldweg abbiegen….“. Ich brauch solche Ansagen, denn mein Hirn streikt bei Aussagen wie sie das Navi gerne macht: „Richtung Norden….“.

So hab ich mich gut zurechtgefunden. Durch das Örtchen Ilıca geht es los ins Dorf Evrenköy, dort kann man das Nomadenmuseum besichtigen und dann geht es durch die Natur- und Kulturlandschaft, durch Obst-, Oliven- und Palmenplantagen wieder zurück nach Ilıca. Nach Ilıca kommt man leicht mit dem Dolmuş. Und es grünt und blüht jetzt, so schön!


Natürlich hab ich wieder Fotos gemacht. Ich hab mir ja in diesem Jahr mal eine ordentliche Kamera zugelegt. Kann sein, dass Profis einiges auszusetzen haben an der Qualität – ich bin nämlich absolute Laiin und hab außerdem echt schlechte Augen, aber im Vergleich zu Handyfotos sehe sogar ich den Unterschied. Leider war die Sicht auf das Gebirge heute nicht so toll – etwas diesig.

Moschee in Ilıca
Babyschildkröte getroffen, 🙂

Im liebevoll gestalteten Nomaden-Museum (Yörük Müzesi) bekommt man einen Eindruck von der nomadischen Kultur, die die Region um Antalya lange Zeit geprägt hat (das war die Phase vor der touristischen Kultur…)

Das Museum hat täglich von 8:30 bis 17:30 geöffnet, der Eintritt ist frei, Spenden werden gerne genommen. Es gibt eine Führung in türkischer Sprache und eine kleine Broschüre auch in Deutsch.

Die Adresse ist: Evren mah. Küme evleri No. 8 Manavgat/Antalya

Die Telefonnummer lautet: 0242 7476020

Ich bin ungefähr 12 km gelaufen, sagt mein Schrittzähler, der reine Wanderweg dürfte so um die 10 km haben und ist leicht zu bewältigen, mit ein paar Feldwegen eben, also nicht kinderwagenfreundlich. Ich hoffe, mein Bericht hat Euch gefallen und Lust darauf gemacht, die Gegend um Side mal zu erkunden – sprich (das richtet sich an die AI-Touristen) auch mal das Hotel zu verlassen und sich in die Landschaft zu trauen.