Monat Ramadan: Der Monat des Koran

Im Namen Gottes, des Erbarmers, des Barmherzigen

„Der Monat Ramadan ist es, in dem der Quran offenbart wurde, als eine Führung für die Menschen und als klares Zeugnis für die Rechtleitung und die Auseinandersetzung (zwischen Wahrheit und Unwahrheit).“ (Heiliger Quran Sure 2, Vers 185)

Der heilige Monat ist nicht einfach eine Zeit, in der wir unsere Selbstbeherrschung trainieren und mehr beten. Nein, wir feiern darin, dass Gott uns seine abschließende Offenbarung, die bestätigt, ergänzt und abschließt, was in den anderen heiligen Büchern schon geschrieben steht, herab gesendet hat. Wir sind damit nicht im Widerspruch zu den anderen abrahamitischen Religionen, dem Juden- und Christentum:

In der 4. Sure des Korans (An-Nisa- die Frauen) heißt es in Vers 125:
„Und wer hat eine schönere Religion als jener, der sich Allah ergibt und dabei Güte übt und dem Glauben Abrahams folgt, des Aufrechten? Und Allah nahm Sich Abraham zum Freund.“

Bild von Josef Fendt auf Pixabay

Ich habe mehrere Koran – Übersetzungen. Keine ist so richtig gut, sagen die, die es beurteilen können. Manchmal nehme ich mir mehrere zur Hand, wenn ich gucken will, wie andere Übersetzer mit einer bestimmten Stelle fertig geworden sind. Jede Übersetzung ist ja auch schon mindestens ein Stück Interpretation, auch wenn diese eigentlich Aufgabe der Fachleute für dieses Thema ist.

Den Koran auszulegen ist ein Lebenswerk. Das macht man nicht so nebenher, auch wenn man heute in deutschen Medien schon zum „Islamexperten“ wird, wenn man mal einen Abschnitt einer deutschen Übersetzung gelesen hat. Komisch, dass sich das bei den heiligen Büchern anderer Religionen nicht jeder anmaßt.

Je länger ich Muslima bin und je öfter ich im Koran lese, je mehr ich darüber lerne, was alles zu den Wissenschaften um den Koran gehört – je mehr erkenne ich meine Grenzen und das ist auch gut so. Was nicht heißt, dass Gott sich nicht auch mir verständlich macht, selbst in einer mangelhaften Übersetzung. Das heilige Buch hat viele Schichten. Auch wenn ich mich an der Oberfläche des Verständnisses bewege, heißt das ja nicht, dass ich dort nichts Wertvolles finde. Und bei jedem Durchgang beiße ich mich sozusagen an anderen Themen fest. Je nachdem, was mich gerade so in meinem Leben bewegt.

Wir haben heute viele Möglichkeiten, uns den Koran von Leuten erklären zu lassen, die ein tiefer gehendes Verständnis haben, alhamdulillah (= alles Lob gebührt Allah).

Bei meiner ersten Begegnung mit dem Koran, als ich gerade anfing mich für den Islam zu interessieren, sah ich nur „Höllenfeuer“ in dem Buch. Und es kam mir sehr katholisch vor, war doch auch meine christliche Erziehung von Ängsten vor der Hölle geprägt.

Hier wie dort eine Fehlinterpretation, die leider viele Menschen zu einer schlechten Meinung über Gott bringt und mich viele Jahre vom Glauben entfernt hat.

Gott sei Dank hab ich an der Stelle nicht das heilige Buch in die Ecke geworfen, sondern ich wollte verstehen und habe weiter gelesen, nicht nur im Koran sondern auch rund um die Offenbarung und um das Leben unseres Propheten Muhammed, Friede und Segen sei mit ihm und mit seinen reinen Nachkommen.

Und siehe da: nicht nur musste ich einsehen, dass der Koran kein Menschenwerk ist, sondern tatsächlich göttliche Offenbarung, sondern auch, dass er ein „Liebesbrief“ Gottes an die Menschen ist und eine unerschöpfliche Quelle an Weisheiten, Gleichnissen, Geschichten über Gott, das Leben und das Zusammenleben der Menschen. Das hat mich dann zu der Entscheidung gebracht, Muslima zu werden und mein Leben an dieser Botschaft auszurichten. Und auch wenn das vielen unverständlich erscheint: Für mich ist damit vieles „rund“ geworden, viele Themen an denen ich hätte verzweifeln können, ob persönlicher oder gesellschaftlicher Art, haben ihren Sinn offenbart. Aber das ist eine andere Geschichte – oder viele Geschichten.

Bild von Gerd Altmann auf Pixabay

Wenn wir Übersetzungen und Auslegungen (=Tafsir) des Korans lesen, müssen wir gut aufpassen, von wem die stammen. Die islamische Welt ist kein einheitliches Gebilde. Niemandem ist verborgen geblieben, dass es Verfechter einer angeblich wortgetreuen, aber trotzdem Sinn entstellenden Auslegung gibt, die den Islam als eine grausame Religion und Gott als einen strafenden, unbarmherzigen Herrscher darstellt, der nur denen gnädig ist, die sich in ein enges Korsett blinden Gehorsams pressen und ihren Verstand und ihr Herz ausschalten. Bei einer solchen Auslegung sind sich dann die unbarmherzigen „Islamisten“ und die sogenannten „Islamexperten“ einig. Sie haben wohl überlesen, dass sich Gott im heiligen Koran zur Barmherzigkeit verpflichtet hat!

Es ist ziemlich dumm von mir, dass ich außerhalb des Monats Ramadan viel zu selten hineinschaue in das heilige Buch! Natürlich rezitiere ich im Gebet immer kurze Abschnitte, aber es sollte wirklich zum täglichen Ablauf gehören, mindestens einen kleinen Abschnitt zu lesen! Klappt doch im Monat Ramadan auch.