Aus meinem Archiv „Meryems Welt“: Teil 4 von „Die USA-überall auf der Welt uneigennützig engagiert“

Bismillah i rahmani rahim 

„Immer noch auf der Suche nach dem „Warum?“ habe ich den letzten Artikel dieser Reihe 2012 überschrieben und dabei Interessantes über religiösen Fundamentalismus herausgefunden. Leider funktionieren nicht mehr alle Links darin, vor allem nicht der zu einem Youtube Video. Ich werde mal graben, ob ich da noch was finde, aber das ist meistens schwierig nach so langer Zeit. Ich glaube aber, der Artikel bietet trotzdem ein paar Einsichten, die den meisten so nicht bekannt sein dürften.


Zu Teil 3 bitte hier entlang

„Die Vereinigten Staaten scheinen von der Vorsehung dazu bestimmt, der menschlichen Größe und dem menschlichen Glück eine Heimat zu geben. Das Resultat muss eine Nation sein, die einen bessernden Einfluss auf die ganze Menschheit ausübt.“(George Washington)  

Wie man sieht, hat der Anspruch  der Vereinigten Staaten die Welt mit ihrer Vorstellung einer idealen Welt zu beglücken,  Wurzeln in der frühesten Geschichte der USA. Anscheinend haben sie inzwischen aber das Glück ihrer eigenen Bevölkerung vergessen, wie wir schon gesehen haben.Der Beginn  der amerikanischen Rolle als Weltpolizei liegen also lange zurück – erklärt ist das für mich damit noch nicht.  Beim Rumstöbern bin ich dann auf den Begriff  „Manifest Destiny“ gestoßen, auch Noam Chomsky hat den ja erwähnt. Aber was ist damit gemeint: 

Der Begriff wurde zuerst 1845 durch den amerikanischen Journalisten John O’Sullivan benutzt, und zwar in einem Artikel, in dem es um die Annexion von Texas ging. O’Sullivan schrieb, es sei Amerikas „Manifest Destiny“, also seine offenkundige Bestimmung, sich über den Kontinent auszubreiten („to overspread the continent“). Dadurch, so der Journalist, würden die USA eine anerkannte politische und soziale Großmacht, die Wildnis würde verschwinden, die Zivilisation halte Einzug.

Tatsächlich war 1845 die Kolonisierung des Westens bereits in vollem Gange. O`Sullivans Stichwort wurde in der Öffentlichkeit als gute Zusammenfassung dessen empfunden, was bereits geschah. Zwar war Manifest Destiny nicht offizielle Regierungspolitik, aber die Idee wurde in den damaligen Medien propagiert und war sehr populär. Sie wurde zum festen Bestandteil amerikanischen politischen Denkens.

So stand sie zum Beispiel hinter dem Homestead Act (Heimstätten- Gesetz) von 1862, der die Kolonisation des Westens durch Landerwerb ermutigen sollte. Danach durfte jeder erwachsene amerikanische Bürger 160 acres Land im Westen kostenlos erwerben, falls er 5 Jahre lang darauf wohnte und es bebaute.

In denselben Zusammenhang gehören staatliche Landzuweisungen an die privaten Eisenbahngesellschaften von mehr als dem Gebietsumfang Frankreichs. Aus dem Verkauf des Landes entlang der Bahnlinien durch die Eisenbahngesellschaften finanzierten diese den Eisenbahnbau mit.

Zahlreiche Regierungskampagnen zeigten die Vorteile des Westens für künftige Siedler auf. Als Gold und wertvolle Rohstoffe entdeckt wurden, strömten weitere Menschenmassen nach Westen, auch sie im Glauben an Manifest Destiny.

Es bildete sich eine von Ost nach West wandernde Grenze, die sogenannte Frontier. Auf die Urban Frontier aus Kleinstädten folten nach Westen die Farming Frontier, die Cattle Rinder), Mining (Bergbau) und Lumbering (Holzfäller) Frontier sowie ganz im Westen die Trapper Frontier aus Fallenstellern, Pelzhändlern und Missionaren, die dann in das Indianerland überging.

Die große Zahl der Siedler speiste sich aus der Einwanderung, die sowohl auf Sog- als auch Schubkräften beruhte.

Die Landnahme war mit dem staatlichen Erwerb riesiger Territorien durch Kauf, Verträge und Krieg durch die Regierung verbunden, wie die Karte oben zeigt. Aus den zunächst gebildeten Territorien, die der amerikanischen Bundesregierung unterstanden, wurden später Bundesstaaten gegründet.

Die Indianer wurden in einer Serie von Kriegen vertrieben, vernichtet oder in Reservate gesperrt. Ihre Lebensgrundlagen wurden zerstört. Bekanntes Beispiel ist die Vernichtung der riesigen Büffelherden, die die Lebensgrundlage der nomadisierenden Stämme darstellten. Einzelne indianische Siege wie in der Schlacht am Little Big Horn 1876 unter den Häuptlingen Sitting Bull und Crazy Horse oder der Guerrillakrieg der Apachen unter Cochise und Geronimo konnten die Entwicklung nicht aufhalten.

Manifest Destiny im 20. Jahrhundert

Im 20. Jahrhundert, als die Besiedlung des Westens bereits lange abgeschlossen war, meinte der Begriff „Manifest Destiny“ nun, dass die Amerikaner in einzigartiger Weise dazu bestimmt seien, Demokratie in der Welt zu verbreiten. Diese Auffassung spielte in der amerikanischen Außenpolitik der Weltkriege und des Kalten Krieges bin hin zum 3. Golfkrieg (Irakkrieg) im 21. Jahrhundert eine wichtige Rolle.Es muss sich um eine Bildungslücke meinerseits handeln, denn zu finden ist diese Zusammenfassung auf dem Landesbildungsserver des Landes Baden-Württemberg: http://www.schule-bw.de/unterricht/faecher/geschichte/materialien_und_medien/manifest-destiny/  Man hat also auch alle die unterprivilegierten Einwanderer die ihr Glück in der „Neuen Welt“ suchten unter diesem Anspruch vereinnahmt. Fühlte sich wahrscheinlich gut an, wenn man als Unterdrückter und „Hungerleider“ nach Amerika kam (http://www.migrapolis-deutschland.de/index.php?id=922) und sich dort jedenfalls theoretisch als überlegen fühlen konnte – in der Realität haben natürlich die Einwanderer zum großen Teil für ihr Überleben geschuftet. Aber der Landraub war ja quasi durch diesen Anspruch gerechtfertigt (auch das finden wir bei den Zionisten wieder, die ja behaupten, dass sie die „Wüste zum Blühen gebracht und den Arabern überhaupt erst die Zivilisation gebracht hätten.  Wo sie das Wasser für die blühende Wüste klauen, kann ich jetzt hier nicht erläutern, das ist ein Thema für sich. )  In seinem Bericht zur Lage der Nation am 29. 1. 1991 erklärte der US-amerikanische Präsident George Bush im
Zusammenhang mit dem Golfkonflikt: »Seit 200 Jahren dienen die USA der Welt als leuchtendes Beispiel für Freiheit und Demokratie. (…) Wir haben eine einzigartige Verantwortung, die harte Arbeit der Freiheit zu leisten.« Ich bin weiter auf der Suche nach der Antwort auf das „Warum?“ – es hat also alles quasi mit der Unabhängigkeit Amerikas angefangen – dass sich die Siedler über den Kontinent ausbreiten wollten ist auch noch nachvollziehbar. Aber woher die Ideologie kommt, dass man auch den Rest der Welt beglücken muss, erschließt sich mir daraus nicht. Und hier kommt man zur Religion als einem weiteren Teil der Erklärung.  Ein interessanter Artikel, über einen Vortrag des Theologen Geiko Müller-Fahrenholz vor der Martin Niemöller Stiftung zur amerikanischen Politik: http://www.martin-niemoeller-stiftung.de/textarchiv/2005/a73_print. Hier wird auch der 2. George  W.Bush zitiert, der den USA ob ihrer Politik  in der Welt entgegenschlägt, damit erklärt, dass sie einfach „zu gut“ sind.  Der Artikel bringt einiges über die Gewalt als Basis amerikanischer Geschichte und Politik und auch über die Rolle der Religion, ich zitiere über diesen Aspekt:  Die Bibel als Gottes Fahrplan für die GeschichteVon 1800 bis 1882 lebte der englische Evangelist John Nelson Darby. Er las die Bibel, vor allem jedoch die apokalyptischen Teile des Neuen Testaments, als den geheimen göttlichen Fahrplan für die Lauf der Geschichte. Wer diese Texte richtig zu entschlüsseln verstand, konnte nach seiner Meinung wissen, wie die Geschichte der Erde aussehen würde. Er hatte das Rätsel der Geschichte enthüllt. Darby nannte sein Bibelverständnis »Dispensationalism«. (Der Begriff »dispensation« bedeutet so etwas wie Zeitalter oder Epoche.) Er hat damit bei den konservativ-evangelischen Christen in den USA außerordentlich viel Anklang gefunden. Dass er in den pietistischen Kreisen Deutschlands kaum Zustimmung erfuhr, wird vor allem daran gelegen haben, dass dort in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts eine gewisse Ernüchterung bezüglich apokalyptischer Endzeitsspekulationen eingetreten war. Der große Lehrer des Pietismus, der schwäbische Bibeltheologie Johann Albrecht Bengel, hatte nämlich aus der Zahlensymbolik der Offenbarung des Johannes »errechnet«, dass das tausendjährige Reich Christi am 18. Juni 1836 beginnen würde. Als dann aber alles so weiterging wie zuvor, machte sich die beklommene Einsicht breit, dass derlei Berechnungen vielleicht doch nichts mit dem eigentlichen Sinn der Heiligen Schrift zu tun haben könnten.In konservativ-evangelischen Kreisen der USA jedoch stieß diese Art von Biblizismus auf großen Widerhall. Und nicht nur dort. Nicht ohne Grund sind in jenen Jahren in den USA drei apokalyptische Bewegungen entstanden: Die Adventisten vom Siebenten Tag, die Mormonen und die Zeugen Johavas. Wie ist das zu erklären?1. Es besteht eine enge Verbindung zwischen Sendungsglaube und Geschichtstheologie. Wer nämlich glaubt, eine historische »Mission« erfüllen zu sollen, glaubt auch an einen Gott, der die Geschichte zu einem Ziel führt. Anders gesagt: Die eigene »Mission« muss als Erfüllung der göttlichen Mission verstanden werden. Und das bedeutet auch: Der eigenen Sendung treu zu sein, ist eine Sache des Gehorsams. Gott ist Herr und Subjekt der Geschichte, der gläubige Mensch nur sein Erfüllungsgehilfe. Die eigentliche Verantwortung für die Entscheidungen liegt also bei Gott. Diese Verschiebung der eigenen Verantwortung auf das göttliche Subjekt hat etwas ungeheuer Entlastendes.2. Dieser biblizistische Glaube vereinfacht die Welt und ihre Probleme. Wir dürfen nicht übersehen, dass in eben diesen Kreisen zu Beginn des 20. Jahrhunderts der Ausdruck »Fundamentalismus« gebildet wurde. Angesichts der liberalen Bibelkritik mit ihren radikalen Infragestellungen, angesichts der verstörenden wissenschaftlichen Entdeckungen, der multikulturellen Verunsicherungen und konkurrierenden Weltanschauungen war es für einen gläubigen Menschen außerordentlich verlockend, sich auf einige wenige fundamentale Wahrheiten zurückziehen zu können. Deshalb hat Fundamentalismus stets mit einer Reduktion von Komplexität zu tun. Es wird alles ganz einfach. Diese Fundamentalisten sagen von sich, sie seien »bibeltreu«. Sie sind es aber nicht; denn sie wählen nur bestimmte Texte aus, die in ihr Weltbild passen. Sie vereinfachen auch das biblische Zeugnis.3. Der »Dispensationalismus« von Darby gibt sich »bibeltreu«, ist aber im Kern ein typisches Produkt des Rationalismus und der Aufklärung. Wenn zum Beispiel Newton durch die Erkenntnis der Naturgesetze die Natur entzaubern wollte, so will Darby den Gang der Geschichte durchschauen und ihre rätselhafte Verworrenheit enthüllen. (»Enthüllen« ist die Entsprechung zum griechischen Wort »apokalypsis«.) Da Gott die Welt in sieben Tagen erschaffen hat, so seine einfache Argumentation, wird die Weltgeschichte auch in sieben Epochen ablaufen. Mit dem Erscheinen Christi ist die sechste Epoche gekommen, und nun steht uns die letzte, die siebte bevor. Darüber gibt die Apokalypse, die Offenbarung des Johannes, Auskunft, und darum wird diese letzte Schrift der Bibel die wichtigste, weil sie zur Erkenntnis der Endzeit verhilft. Das ist nicht biblisch sondern rationalistisch gedacht. So zu denken, vermittelt eine scheinbare Folgerichtigkeit und eine heimliche Genugtuung; denn wer so glaubt, weiß mehr als der törichte Rest der Welt. Der messianische Sendungsglaube wird durch das Gefühl der Erwählung, zu den »Wissenden« zu gehören, ergänzt und befestigt.4. Wenn die Welt nach Gottes Willen in einer endzeitlichen Schlacht zugrunde gehen muss, dann gehören Leid, Gewalt und Krieg zum unvermeidlichen, ja zum gottgewollten Inventar der Geschichte. So verstärkt das Denken in endzeitlichen Kategorien die Akzeptanz von Zerstörung und Gewalt. Aus dieser Sicht gilt daher: Wer sich für die Abschaffung des Krieges oder für die Überwindung von Gewalt einsetzt, mag es zwar subjektiv ernst meinen, aber er handelt gegen den von Gott bestimmten Lauf der Dinge. »Krieg soll nach Gottes Willen nicht sein«, hatte die erste Vollversammlung des Ökumenischen Rates der Kirchen 1948 in Amsterdam erklärt. Die Botschaft der endzeitlichen Gläubigen lautet entgegengesetzt: Krieg muss nach Gottes Willen sein. Erst dann, wenn Christus wiederkommen und sein tausendjähriges Friedensreich errichtet haben wird, erst dann wird es kein Leid mehr geben, keinen Schmerz, kein Geschrei. Es ist interessant, dass der „Christliche Zionismus“, der eine wesentlichen Teil des Bodens für die US-Unterstützung Israels bedeutet, im Grunde davon ausgeht, dass die Rückkehr des „Volkes Israel“  nach Palästina nur darum wünschenswert ist, weil es ein Zeichen für die Endzeit und die baldige Wiederkehr von Jesus, a.s., ist. Wenn er aber wiederkehrt, werden die Juden keine Juden bleiben, sondern sich bekehren. Ich weiß ja nicht, was die jüdischen Siedler dazu sagen. 

 Der Referent des obigen Vortrages sagt viele interessante Dinge über andere christliche Sichtweisen, das ist lesenswert, kann ich aber hier nicht alles zitieren. Kurz: Das aber heißt: Wir werden uns auf keine dualistischen Aufspaltungen der Welt einlassen. Christen sind als solche nicht besser als Buddhisten oder Muslime; denn »der Mensch sieht, was vor Augen ist. Gott aber sieht das Herz an.« (1. Sam. 16, 7) So wie wir die Versuchlichkeit durch das Böse in uns allen ernst nehmen, so nehmen wir auch die Bereitschaft zu Liebe, Ehrlichkeit und Solidarität in allen Menschen und Völkern ernst. »Nicht an den Siegen der Mächtigen entscheidet sich das Bild des Menschlichen, sondern in dem Wissen um das Leid, das keinen verschont. Es ist das Wissen um eine Gemeinsamkeit im menschlichen Geschick, die schwerste Schuld und bitterste Kränkung zu transzendieren vermag.«   Die „apokalyptischen“ Vorstellungen die anscheinend für einen großen Teil der Amerikaner prägend sind, ähneln übrigens dem, was man den shiitischen Muslimen gerne vorwirft zu glauben.  Z.B. ist der iranische Präsident Ahmadinejad ein Anhänger solchen Gedankenguts, sagt hier Professor Dr. Harald Müller: Zweitens ist Ahmadinejad ein Anhänger des Mahdismus; das ist die millenarischmessianisch- apokalyptische Version des Schiismus (eine Spielart, die es auch im christlichen und jüdischen Fundamentalismus
gibt): Die Welt strebt demnach dem ultimativen Zusammenstoß von Gut und Böse entgegen, in dem der „verborgene Imam“ al-Mahdi erscheinen und dieRettung bringen wird.17 Aufgabe der weltlichen
Politik ist es, diese Entwicklung zu beschleunigen; dazu zählt die Zerstörung Israels als ein Fremdkörper im „Heiligen Land“ des Islam: Die Wiederherstellung des (schiitischen) Kalifats setzt voraus, dass der
Islam sein gesamtes Territorium der klassischen Zeit wieder kontrolliert. Der Artikel von Müller findet sich hier: http://www.hsfk.de/fileadmin/downloads/Standpunkte_2_2010_hp.pdf eine sachkundige Erwiderung hier: http://irananders.de/home/news/article/gegenanalyse-krieg-in-sicht-das-iranische-nuklearprogramm-und-das-sicherheitsdilemma-israels.htmlund darüber, wie Muslime sich wirklich auf die Wiederkehr Imam Mahdis, a.s., vorbereiten sollen, habe ich schon geschrieben: http://meryemdeutschemuslima.wordpress.com/page/5/?s=mahdi Ich weiß nicht, ob wirklich so viele „fundamentalistische“ Christen in den USA daran glauben, dass der Krieg das richtige Mittel ist, Gottes Willen zu verwirklichen. Ich hoffe nicht. Aber die amerikanische Politik scheint das trotzdem zu prägen. Als „Fundamentalistin“ sehe ich mich auch – schließlich ist das Fundament meines Glaubens die göttliche Offenbarung. Darum schätze ich auch, wenn Gläubige anderer Religionen ihre Schriften lesen und zu verstehen versuchen. Schließlich glauben auch Muslime an die früheren Offenbarungen, an die Thora und die Evangelien. Mit der Einschränkung, dass wir sagen, dass diese nicht mehr im Original zugänglich sind, anders als der Koran, den wir noch so finden, wie er überliefert wurde. Aber das muss jetzt erstmal nicht der Grund für Feindschaft zwischen den Religionen sein, sondern es gibt so viele Gemeinsamkeiten in den Werten und in den Vorstellungen eines moralischen Lebenswandels, dass es eben keinen Grund für Krieg gibt. Ich kann mir nicht vorstellen, dass nicht auch bei den meisten US-Bürgern der Wunsch nach Frieden und guter Nachbarschaft vorherrscht. Trotzdem ist die amerikanische Politik eine derartig aggressive und expansive und es wehren sich nur sehr wenige.  Das ist aber ja bei uns Europäern auch nicht anders, auch nicht bei den Israelis. Aber überall gibt es Menschen, die nicht daran glauben, dass es richtig ist, die eigene Ideologie anderen aufzwingen zu müssen um damit eine „bessere“ Welt zu schaffen. Vielleicht glauben ein paar US-Politiker auch wirklich an ihren göttlichen Auftrag. Aber die meisten glauben doch wohl eher an ihr Portemonnaie und benutzen diese religiösen Vorstellungen um ihr Hegemonialstreben ideologisch zu verbrämen. Es ist jedenfalls ziemlich furchterregend, wenn man sieht, wie sich die USA für einen weiteren Krieg rund um Iran positionieren. Dass sie wie gesagt, den Iranern dabei vorwerfen, sie würden danach streben die Welt in Vernichtung zu stürzen, ist ein schlechter Witz. Das Warum? Einen Teil der Antworten habe ich wohl gefunden: Paranoia, Gier, Sendungsbewußtsein….das kann natürlich nicht alles erklären. Damit beende ich diese Serie – obwohl man wohl noch viel darüber schreiben könnte. InschaAllah siegen überall auf der Welt die Mitmenschlichkeit, Vernunft und der Wunsch nach Frieden. hier noch ein Artikel vom Deutschlandradio über christlichen Zionismus: http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/religionen/915891/

Aus meinem Archiv „Meryems Welt“: Die USA – überall auf der Welt uneigennützig engagiert – Teil 3 – Warum tun die das?

In diesem Beitrag von 2012 begann ich damit, die Ursachen für die amerikanische Außenpolitik zu untersuchen. Für heute soll es dann genug sein, mit den Beiträgen aus meinem Archiv. Der Rest folgt dann inschaAllah in den nächsten Tagen. Wer ganz ungeduldig ist, kann diese Artikel und vieles andere aber auch in „Mariams Welt“ finden. Der Blog wurde allerdings seit 2015 nicht aktualisiert, es sind aber eine Menge Beiträge zu finden.

Bismillah i rahmani rahim

Hier geht es zu Teil 2

Ja also die Frage: warum tun die das, die Amerikaner? Ich meine: es hat schon andere Imperien gegeben, nehmen wir die Römer, die Osmanen oder die Briten – die haben lange große Teile der Welt  beherrscht, aber das hat ihnen ja wohl Nutzen gebracht. Also jedenfalls den Bevölkerungsteilen, die davon profitieren sollten – Sklaven oder die Unterschicht nicht. Gut, jetzt könnte man sagen, dass der John Normalamerikaner eben auch nicht zählt und das die Imperialisten nun einmal nicht in der Lage sind, ihren Untergang zu erkennen. Das ist o.g. und anderen Imperien auch schon so gegangen.

Und auch die Römer haben sich vielleicht damit gebrüstet, den eroberten Völkern eine Infrastruktur geschaffen zu haben, Straßen auf denen wir teilweise heute noch unterwegs sind. Die Osmanen hielten sich zugute, den Islam zu verbreiten. Vielleicht ist die Weltpolizei-Uniform der Amerikaner also gar nichts Ungewöhnliches?

Ich bin nicht ganz überzeugt davon, denn der Zustand der USA ist ja so offensichtlich, dass man doch eigentlich gar nicht darüber hinwegsehen kann. In diesen Zeiten, mit diesen Kommunikationsmöglichkeiten, diesem Wissen – können denn amerikanische Regierungen tatsächlich so blind sein, dass sie nicht merken, dass sie ihr Reich so nicht weiter vergrößern können? Während sie noch ihre Kriegsschiffe im Persischen Golf versammeln und den nächsten Angriffskrieg planen, bricht ihnen zu Hause alles zusammen. Aber ohne ein Kernland kann auch ein Imperium nicht existieren. Mal abgesehen davon, dass auch in den „geretteten“ Ländern die Dankbarkeit nicht groß ist und der Ertrag nicht so wie gewünscht. Die irakischen Ölfelder z.B. beuten zum größten Teil die Chinesen und Russen aus. So ein Pech aber auch. Da bringt es nicht so viel, dass man amerikanische Baufirmen zu überteuerten Preisen (die die Iraker zu bezahlen haben), den Wiederaufbau der Infrastruktur zuschanzt, die man vorher zerbombt hat.

Noam Chomsky hat dazu interessante Thesen zur Frage nach dem „Warum“ (gefunden hier: http://zmag.de/artikel/die-brutalitaet-des-us-imperialismus):

Es wäre reizvoll, ganz vorne in der Geschichte anzufangen. Zwar liegt dieses ‚ganz Vorne‘ ziemlich weit zurück, doch wäre es sinnvoll, sich Gedanken über einige Aspekte unserer amerikanischen Geschichte zu machen, die einen direktem Bezug zur aktuellen amerikanischen Nahostpolitik haben. Amerika ist, in vielerlei Hinsicht, ein recht außergewöhnliches Land. Vielleicht ist es das einzige Land auf der Welt, das als Imperium gegründet wurde. Zunächst steckte das Imperium noch in den Kinderschuhen. George Washington sprach von einem ‚Kleinkind-Imperium‘ (infant empire). Die Agenda der Gründerväter war ehrgeizig. Thomas Jefferson, der libertärste unter ihnen, war der Auffassung, das kindliche Imperium sollte expandieren. Es sollte, um es mit seinen Worten auszudrücken, das „Nest“ sein, von dem aus der gesamte Kontinent zu kolonialisieren sei. Das bedeutete auch, die „Roten“, die Indianer, loszuwerden. Sie sollten vertrieben oder vernichtet werden. Die Schwarzen sollten zurück nach Afrika (sobald wir sie nicht mehr brauchten) und die Latinos durch eine überlegenere Rasse ersetzt und eliminiert werden.

In seiner ganzen Geschichte war Amerika durchweg ein sehr rassistisches Land – nicht nur in Bezug auf die Schwarzen. Das war Jeffersons Vorstellung – mit der die anderen mehr oder  weniger konform gingen. Es war eine Gesellschaft von Kolonialsiedlern. Kolonialisierung durch Besiedelung ist bei weitem die schlimmste Form des Imperialismus, die brutalste, da sie die Auslöschung der indigenen Bevölkerung voraussetzt. Meiner Ansicht nach kommt die reflexartige Unterstützung der USA für Israel (auch Israel ist eine Gesellschaft von Kolonialsiedlern) nicht von ungefähr. Die israelische Politik erinnert in gewisser Weise an unsere eigene geschichtliche Vergangenheit. In gewissem Sinne wiederholt die israelischen Politik unsere Geschichte. Doch es geht noch weiter. Die ersten (weißen) Siedler Amerikas waren religiöse Fundamentalisten, die sich selbst in der Rolle der Kinder Israels sahen, die einer göttlichen Weisung folgend, das Gelobte Land besiedelten und die Amalekiter und andere Völker abschlachteten. Das fand genau hier statt: Die ersten Siedler siedelten in Massachusetts. Sie gingen mit reichlich wohlwollender Unterstützung zu Werke.

…..

Wenn wir uns das Große Siegel der Bay Colony von Massachusetts ansehen, so erkennen wir darauf einen Indianer mit einem Pfeil in der Hand. Die Spitze des Pfeils weist, als Friedensgeste, nach unten. Aus seinem Mund windet sich ein Spruchband: „Kommt rüber und helft uns“. Es ist ein frühes Beispiel für ‚Menschenrechting‘, für eine ‚humanitäre Intervention‘, wie wir heute sagen würden. Es gibt Parallelen zu anderen Begebenheiten – zu Geschehnissen bis in unsere Zeit. Die Indianer sollen die Siedler gebeten haben, herüberzukommen und ihnen zu helfen. Die Siedler kamen mit guten Absichten, einer göttlichen Weisung folgend. Sie kamen, um zu helfen. Allerdings stellte sich heraus, dass sie den Indianern zu ihrer Ausrottung ver-halfen. Das war verwirrend. Um das Jahr 1820 schrieb ein Richter des Obersten Gerichtshofs, es sei merkwürdig, dass die Indianer „wie die Blätter im Herbst“ dahinwelkten und sich verstreuten – trotz der guten Absichten und der Liebe, die man ihnen entgegenbrachte. Wie war das möglich? Der Wille Gottes, die Vorsehung, seien „jenseits dessen, was wir Menschen begreifen können“, meinte der Richter. Es war also schlicht Gottes Wille – den wir schließlich nie begreifen können. Die Vorstellung, dass wir stets Gottes Willen tun, nennt sich ‚Glaube an die Vorsehung‘ – und dieser Glaube existiert bis heute. Mit allem, was wir tun, erfüllen wir Gottes Willen.

Ich finde das spannend, weil ich mich auch schon oft gefragt habe, welche Auswirkungen es auf ein Land, oder einen Staatenbund hat, wenn er auf dem größten Völkermord aller Zeiten gegründet ist! Wobei über den Begriff „Völkermord“ in diesem Zusammenhang gestritten wird, da es ja wohl nicht den grundlegenden Plan gab, alle Indianer umzubringen. Und viele sind schlicht an ansteckenden Krankheiten gestorben, gegen die sie keine Immunität hatten. Es ist auch fast nicht mehr feststellbar, wieviel Bevölkerung Nordamerika vor der Eroberung durch die Europäer hatte.

Die  Siedler in Amerika waren ja auch nicht nur als Missionare unterwegs. Millionen von Menschen sind dorthin ausgewandert, weil sie in Europa unter Hunger und politischer und religiöser Unterdrückung litten. Man kann also davon ausgehen, dass viele schon traumatisiert waren, als sie sich auf die Reise gemacht haben und dass viele auch auf der Reise Traumata erlitten haben…schließlich waren die Reisebedingungen für arme Passagiere nicht nur unkomfortabel sondern auch lebensgefährlich. Hunger, Krankheiten, Verlust der spärlichen  Habe auf der Reise – die meisten Siedler die nach Amerika kamen, waren keine privilegierten Personen. Viele mussten sich für Jahre dienstverpflichten um ihre Überfahrt bezahlt zu bekommen. Man kann sich also auch fragen, was diese Gründe für,  und Bedingungen der, Auswanderung für eine Rolle spielen im Zusammenhang mit damaligem und heutigem kolonialem Denken und Handeln.

Vielleicht ist das alles pures Sicherheitsstreben, wie Noam Chomsky schreibt:

Die Eroberung des nationalen Territoriums der USA war eine hässliche Angelegenheit. Die etwas ehrlicheren Charaktere in unserer Geschichte gaben das durchaus zu – etwa John Quincy Adams. Er war ein überragender Großstratege des Expansionismus und geistiger Vater des ‚Manifest Destiny‘ und vielem mehr. In seinen späten Jahren, nachdem seine eigenen schrecklichen Verbrechen längst Vergangenheit waren, begann er, das Schicksal jener „glücklosen Rasse der eingeborenen Amerikaner“ zu bejammern, „die wir mit solch gnadenloser und perfider Brutalität ausrotten“. Dies sei eine der Sünden, für die der Herr uns bestrafen werde, meinte Adams. Nun, wir warten noch immer darauf.

Adams Lehren werden bis heute gepriesen. Einer der führenden Historiker unseres Landes ist John Lewis Gaddis. Er hat ein wichtiges akademisches Buch über die Wurzeln der Bush-Doktrin geschrieben. In diesem Werk leitet Gaddis die Bush-Doktrin direkt von Adams Großstrategie ab. Das ist korrekt und plausibel. Gaddis schreibt, die Doktrin ziehe sich durch die gesamte Geschichte unseres Landes. Er preist sie. Seiner Meinung nach ist es genau das richtige Konzept: Wir müssen unsere Sicherheit verteidigen; Expansion ist der richtige Weg, um dies zu erreichen. Du musst alles kontrollieren, um tatsächlich in Sicherheit leben zu können. Folglich mussten wir expandieren – und nicht nur in unserer eigenen Hemisphäre. Das ist die Bush-Doktrin.

Ich finde das nachvollziehbar, aber natürlich irrsinnig. Gerade wenn man sich doch auf sein Gottvertrauen beruft, kann man schließlich nicht meinen, dass man „alles kontrollieren“ könne.  Wenn ich jung wäre, würde ich die Folgen von Traumata für das Bewußtsein, oder besser Unterbewußtsein, ganzer Völker untersuchen wollen – aber für eine akademische Karriere ist es zu spät. Bei Patienten mit Zwangserkrankungen findet man allerdings bei über der Hälfte der Betroffenen traumatische Erlebnisse in der Vergangenheit. Der Zwang ist hier also u.a. eine außer Kontrolle geratene Methode, mit alten Ängsten fertig zu werden.

(Kleiner Einschub: Auch im Hinblick auf israelische Politik ist es interessant, diese Zusammenhänge zu betrachten. Denn auch die völlig rücksichtslose zionistische Politik scheint mir jedenfalls zum Teil in der Verfolgung und Ermordung der Juden zu wurzeln. Aber nicht nur – den Zionismus und das  Gefühl der Überlegenheit gab es schon vor dem Holocaust. Die Zwangserkrankungen von Einzelpersonen führen aber auch dazu, dass man für andere Menschen keine Rücksicht und keinen Raum mehr übrig hat. Das hat man ja nicht einmal für sich selber sondern verausgabt sich bis zur völligen Erschöpfung damit, den Zwängen nachzugehen

Und natürlich kann man auch unsere deutsche Politik unter dem Vorzeichen der Folgen der Weltkriege des 20. Jahrhunderts untersuchen. Dass diese sich bis heute auf Einzelpersonen, aber auch Familien auswirken, ist ja auch bekannt – s. Literatur über „Kriegskinder“ und „Kriegsenkel“ – zu denen ich auch gehöre.)

Haben wir vielleicht hier einfach eine verhängnisvolle Vermischung von religiösem Eifer, Herrenmenschendenken und tiefer Verunsicherung durch schlimme Erfahrungen in der Vergangenheit? Und wie ist die heutige Rolle der USA zustandegekommen, so lange sind die Vereinigten Staaten ja noch keine Weltmacht. Noam Chomsky dazu:

Ich möchte nicht zu sehr ins Detail gehen. Zur Zeit des Zweiten Weltkrieges spielten die USA global gesehen gewissermaßen noch eine sekundäre Rolle, obgleich sie schon lange das mit Abstand reichste Land der Welt waren. Hauptakteur auf der Weltbühne waren die Briten – ja selbst die Franzosen verfügten global gesehen über größeren Einfluss. Mit dem Zweiten Weltkrieg änderte sich alles. Amerikanische Strategen – Roosevelts Planer – hatten gleich zu Beginn des Krieges begriffen, dass die USA am Ende des Krieges eine ungeheure Machtstellung bekleiden würden.

Im Verlauf des Krieges bezwangen die Russen die Deutschen. Es waren in erster Linie die Russen, die den Krieg in Europa gewannen. Dennoch war klar, dass die USA (nach dem Krieg) noch dominanter sein würden. Folglich arbeiteten amerikanische Strategen sorgfältig an Plänen für die Zeit danach. Wie sollte, nach ihrer Meinung, die Welt nach dem Krieg aussehen? Die USA sollten die totale Kontrolle über die westliche Hemisphäre, über Fernost und die Regionen des ehemaligen Britischen Imperiums erhalten (und soviel Macht über Europa und Asien (Eurasien) wie irgend möglich). Dabei kam Europa – dem industriellen und kommerziellen Herzstück dieser Region – besondere Bedeutung zu. Das war die minimale Zielsetzung. (Das Maximum wäre die ganze Welt gewesen – wobei wir dies ja nur anstrebten, weil es für unsere Sicherheit nötig war.) Innerhalb dieser Regionen würden die USA eine nicht zu hinterfragende Kontrolle ausüben und jedes Streben (eines Staates) nach Souveränität in die Schranken weisen.

Als der Krieg zu Ende war, befand sich Amerika in einer Position, die so mächtig und sicher war, wie es das in der Geschichte noch nie gegeben hatte, nicht einmal ansatzweise. Die USA besaßen die Hälfte des Reichtums der Erde. Sie kontrollierten die gesamte Hemisphäre und die ihnen gegenüberliegenden Regionen jenseits des Atlantik und des Pazifik. Doch sie hatten noch nicht alles, was sie wollten. Da waren die Russen und vieles mehr, was noch nicht unter ihrer Kontrolle war. Dennoch dehnten sich die USA auf erstaunliche Weise aus – und das Zentrum dieser Expansion war der Nahe/Mittlere Osten.

Adolf A. Berle war einer von Präsident Roosevelts führenden und langjährigen Beratern und  ein führender Liberaler. Berle glaubte, das Öl des Nahen/Mittleren Ostens werde von substantieller Bedeutung sein, wenn es darum gehe, wer die Welt kontrolliere. Diese Doktrin gilt bis heute. Sie gilt, jetzt, in diesem Moment und wird auch in Zukunft eines der wichtigsten politischen Themen sein.

Noam Chomsky geht im weiteren Verlauf noch gezielter auf die US-amerikanische Politik nach dem Zweiten Weltkrieg und nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion ein und beschreibt auch, warum der Nahe und Mittlere Osten für das amerikanische Machtstreben so wichtig ist und warum es immer die Iraner erwischt. Das passt aber nicht alles hier hinein und könnt Ihr unter obigem link nachlesen.

Ihr seht schon – ich weiß auch nicht wirklich „warum“ und kann nur Überlegungen anstellen. Da gibt es noch einige interessante Faktoren, wie den Einfluss der religiösen Strömungen auf amerikanische Politik.

Aber ich muss wohl noch einen Teil anhängen. Für heute ist Schluss mit Internet – der Ramadan beginnt jetzt auch für mich, viele Muslime haben ja schon heute mit dem Fasten begonnen, aber ich habe noch gewartet, dass mein „Marja“ die Mondsichtung verkündet. Und jetzt will ich die Nacht zum 1. Ramadan nutzen, dieser Monat ist schließlich ein Monat der Gelegenheiten.

Die Türen des Paradieses sind in diesem Monat offen, so bittet Allah, euren Herrn, sie nicht vor euch zu verschließen. Die Türen des Feuers sind geschlossen, so bittet Allah, euren Herrn, sie nicht für euch zu öffnen. Die Teufel sind angekettet, so bittet Allah, euren Herrn, sie nicht auf euch loszulassen.”

Aber das ist jetzt wieder ein anderes Thema. Oder auch nicht.