Mein Monat Ramadan 2019

Im Namen Gottes des Erbarmers, des Barmherzigen

Salam aleikum und moin, da bin ich wieder, heute mit einem Fazit zum Monat Ramadan!

Zunächst einmal möchte ich allen meinen muslimischen Geschwister ein gesegnetes Fest zum Ende des Monats Ramadan wünschen! InschaAllah hattet Ihr einen schönen Monat Ramadan in dem Ihr von den zahlreichen Segnungen Gottes profitiert habt und habt jetzt zum Abschluss fröhliche und friedliche Tage im Kreise Eurer Lieben!

Mit dem Monat Ramadan ist es ein bisschen wie mit einem lange vermissten, geliebtem Familienmitglied, das zu Besuch kommt: sehnlich erwartet, liebevoll umsorgt – aber nach vier Wochen ist man dann doch auch erleichtert, sein Zuhause wieder für sich zu haben und den gewohnten Tagesrhythmus wieder aufnehmen zu können.

So geht es mir jetzt nach vier Wochen des Fastens: ich freue mich, dass wahrscheinlich morgen auch für mich das Fest des Fastenbrechens beginnt. Hier in der Türkei wird ja von fast allen heute, am 4. Juni, schon gefeiert.

Warum es da Unterschiede gibt: wie so oft sind wir Muslime uns nicht einig, wie man den Beginn eines neuen Mondmonats bestimmt. Da die Monate im islamischen Kalender 29 oder 30 Tage lang sein können, je nachdem wann der Neumond gesichtet wird, muss man eine Methode finden diesen Zeitpunkt zu bestimmen. Und da „streiten sich die Gelehrten“, wie man so schön sagt. Manche sagen, man muss den Mond mit bloßem Auge sehen können, andere erlauben Hilfsmittel. Wieder andere stellen astronomische Berechnungen an und bestimmen den Neumond ohne direkt hin zuschauen. So ist es auch in der Türkei üblich, da steht der Kalender schon lange im Voraus fest. Und dann gibt es noch Unterschiede in der Bewertung: Muss der Mond lokal gesichtet worden sein, also dort wo man sich aufhält – oder reicht es heutzutage, wenn er irgendwo auf der Welt gesichtet wurde.

Tja und so fangen wir mit dem Fasten zu unterschiedlichen Terminen an und beenden es auch unterschiedlich. Leider.

Ich gehöre ja der Rechtschule der „Dschafaria“an, bin also Schiitin und nach dem Gelehrten dem ich folge, geht keine Vorausberechnung, also warte ich ab, ob heute Abend eine Mondsichtung gemeldet wurde, oder ob noch ein weiterer letzter Fastentag folgt. Aber ich gehe davon aus, dass es heute Abend vorbei ist, mit dem Monat Ramadan. Aber auch innerhalb der schiitischen Konfession gibt es da noch Unterschiede, genau wie unter den Sunniten. Da muss sich jeder Muslim und jede Muslima nach dem richten, was ihm oder ihr am einleuchtendsten erscheint.

Ich bin sehr dankbar, dass ich diesen ganzen Monat Ramadan fasten konnte, das schien mir noch letztes Jahr undenkbar, genauso wie ich dachte, dass ich niemals mehr ohne anti-depressive Medikation leben könnte. Aber in diesen fast eineinhalb Jahren, die ich jetzt in der Türkei lebe, hat sich bei mir gesundheitlich wirklich viel zum Vorteil verändert. So kann ich sagen, dass ich den Monat Ramadan genießen konnte und mehr als in den Jahren ohne Fasten auch von der besonderen Kraft die Gott in diese Zeit gelegt hat, profitiert habe. Am Monatsende sagt sich wohl fast jede/r Gläubige, dass man die Zeit noch mehr hätte nutzen können. Das ist auch gut so, wir sollen ja immer danach streben, uns zu entwickeln. Aber die Absicht ist es, die im Islam zählt. Ich habe geschafft, meine Konzentration in den Gebeten meistens sehr zu verbessern, einige freiwillige Gebete gemacht, die „Lailatul qadr“ genutzt und habe mich die meiste Zeit wirklich in einer friedlichen und besinnlichen Geisteshaltung befunden. Es war ein ruhiger Monat für mich, ich war nicht viel unterwegs, aber das war genau richtig für mich.

Einen Tag in der letzten Woche habe ich nicht gefastet, weil ich „auf Reisen“ war (dann fastet man nicht und holt den Tag später nach). Ich bin mit dem Bus nach Antalya gefahren, um an der örtlichen Kundgebung zum internationalen Quds (Jerusalem)-Tag teilzunehmen. Das ist ein weltweit am letzten Freitag im Monat Ramadan stattfindender Tag, an dem gegen die illegale Besatzung Palästinas und Jerusalems demonstriert wird, aber auch gegen jede andere Form der Unterdrückung. In Deutschland findet es immer samstags statt und heftigem Mediengewitter, weil es sich angeblich um eine „antisemitische“ Demonstration handelt. Mich lässt diese Kritik kalt, denn wer gegen völkerrechtswidriges Verhalten protestiert, ist darum nicht antisemitisch. In Berlin sind auch immer jüdische Geistliche bei der Demonstration dabei. Nun, die Beteiligung am „Kudüs günü“ wie es in der Türkei heißt, war hier in Antalya sehr gering. Ich habe mich aber trotzdem gefreut, dabei gewesen zu sein und einige schiitische Geschwister kennengelernt zu haben, denn da hatte ich noch gar keine Kontakte hier. Also ein Schritt zur Integration, denn jetzt werde ich inschaAllah manchmal dort an Veranstaltungen teilnehmen.

Als ich eben mal in den Medien rumstöberte, wurde ich darauf aufmerksam, welche Auswirkungen es haben kann, wenn man Islamhass in der Gesellschaft schürt: ein paar junge Männer in islamischer, festlicher Kleidung hetzen durch den Kölner Hauptbahnhof, um ihren Zug noch zu erwischen, sie sind auf dem Weg, den Festtag zu begehen. Das geht gar nicht, das ist verdächtig! Die Polizei schreitet ein, wirft sie zu Boden, der Staatsschutz ermittelt…..käme man auf den Gedanken, andere Reisende, die zum Zug rennen so zu behandeln? Ich fürchte, auf eine Entschuldigung wegen verschärften „Racial profiling“ können die Brüder lange warten. Außer dass vermeldet wurde, es wäre keine Gefahr von ihnen ausgegangen, wird wohl nichts passieren. Ich habe nichts dagegen, dass für unsere Sicherheit gesorgt wird – hier in der Türkei gibt es sehr viele Kontrollen, selbst wenn man in ein Einkaufszentrum geht. Aber solche Reaktionen sind paranoid. Zum Bericht über das Vorkommnis geht es hier.

Aber, wie schrieb jemand, „es ist nicht alles schlecht im Abendland“: Bundespräsident Steinmeier hat zum Ramadanfest eine Grußbotschaft an die Muslime in Deutschland gesendet. Darin heißt es u.a.:

Ich versichere Ihnen: Wir dulden keinen Hass, keine Ausgrenzung, keinen Generalverdacht gegen muslimische Zuwanderer oder gar ‚die Muslime‘. Dafür setze ich mich ein. Das Grundgesetz garantiert Religionsfreiheit und es schreibt fest, dass niemand wegen seines Glaubens diskriminiert oder ausgegrenzt werden darf, egal, was er glaubt und ob er überhaupt glaubt, ob er ein Kreuz, ein Kopftuch oder eine Kippa trägt.

Das versöhnt mich dann wieder ein bisschen.

In acht Tagen geht es dann für zwei Wochen nach Deutschland, eine Familienfeier steht an. Danach werde ich inschaAllah den Sommer hier an der türkischen Südküste genießen.

So weit für heute. Ich habe viele Ideen, worüber ich in nächster Zeit schreiben will, aber einige Beiträge erfordern ziemlich viel Recherche und dazu fehlt mir gerade etwas die Zeit und Muße – jetzt will ich auch erst einmal das Fest genießen, mein Plan ist als erstes ein Strandtag in meinem bevorzugten Strandclub, in dem es auch eine seeeeehr leckere Pizza gibt, die ich dann bei hellem Sonnenschein zu verspeisen gedenke!

Mein Bittgebet des Tages

Im Namen Gottes, des Erbarmers des Barmherzigen

„Bitte lass mich frei werden von jeglicher Arroganz und lehre mich Demut, ohne mich zu demütigen“

Dieses Bittgebet kam mir in den Sinn, beeinflusst durch die überlieferte Aussage unseres Propheten Muhammed, s.a.s.:

„Wer in seinem Herzen auch nur das Gewicht eines Stäubchens an Arroganz hat, wird nicht das Paradies betreten.“

Erste Woche Ramadan 2019: Dankbarkeit, Lektüre, Nachdenkliches

Im Namen Gottes des Erbarmers, des Barmherzigen

Das Titelbild dieses Artikels ist mir jetzt schon mehrfach in den sozialen Medien über den Weg gelaufen, da hab ich es einfach mal geklaut, weil ich es so witzig finde. Für Nichtmuslime: Das Bild spielt mit dem Thema der „Überlieferungen“ im Islam. Dabei handelt es sich Erzählungen über Äußerungen unseres Propheten Muhammed, Friede und Segen sei mit ihm, und – bei den schiitischen Muslimen – auch über solche seiner Nachkommen. Diese Überlieferungen („Hadith“) sollen das Verständnis des Korans erleichtern, indem sie Erklärungen des Propheten wiedergeben und Begebenheiten aus seinem Leben. Leider ist das auch ein umstrittenes Thema, denn es gibt sehr viele gefälschte Überlieferungen, oder solche von nicht vertrauenswürdigen Überlieferern, so dass man da nicht alles als wahr annehmen darf, was so kursiert. Eine ganze Wissenschaft im Islam beschäftigt sich mit diesem Thema, aber leider gibt es ja auch sehr viele „Google-Imame“, die mit dem Thema nicht sehr verantwortungsvoll umgehen. So, das war nun eine sehr lange Einleitung und Erklärung zu einem lustigen Bildchen.

Ich habe seit langen Jahren das erste Mal eine ganze Woche im Monat Ramadan mit gefastet und bin sehr dankbar, dass mir das möglich war und so Gott will auch im restlichen Monat möglich ist. Ich fühle mich doch irgendwie mehr zugehörig zu der großen islamischen Gemeinde, auch wenn ich den Monat in relativer Zurückgezogenheit verbringe. Mir geht es gut, auch wenn es nicht ganz leicht ist, aber mit meinem ruhigen Rhythmus komme ich mit dem Fasten zurecht, an manchen Tagen besser, an manchen ist es mühseliger. Nicht weil ich hungrig wäre, durstig schon eher mal, aber es fehlt eben doch an Energie.

An den Vormittagen bin ich eigentlich fast normal leistungsfähig, aber ab mittags knicke ich dann doch sehr ab und schlafe erstmal ein paar Stunden. Nach dem Fastenbrechen, dem Iftar, bin ich dann zwar nicht müde, obwohl das schon fast meine übliche Zubettgehzeit ist, sondern bleibe relativ lange wach, aber das ist dann keine Zeit für konzentrierte Tätigkeiten.

Meinen täglichen Abschnitt im Koran, bzw. in der Übersetzung lese ich meistens nach der Mittagsruhe. Dann ist es jetzt auf dem Balkon so schön zu sitzen und ich mache es mir dort gemütlich.

Ich sagte ja schon, dass je nachdem was gerade so Lebensthema ist, sich auch bestimmte Themen im heiligen Koran besonders „bemerkbar“ machen. Bei mir ist es z.Zt. ein kurzer Abschnitt aus der 7. Sure, Al Araf – Die Höhen, aus den Versen 42 und 43:


42
Diejenigen aber, die glauben und rechtschaffene Werke tun – Wir erlegen keiner Seele mehr auf, als sie zu leisten vermag –, jene sind Insassen des (Paradies)gartens. Ewig werden sie darin bleiben.

43
Und Wir nehmen weg, was in ihren Brüsten an Groll ist. Unter ihnen strömen Flüsse. Und sie sagen: „(Alles) Lob gehört Allah, Der uns hierher geleitet hat! Wir hätten unmöglich die Rechtleitung gefunden, wenn uns Allah nicht rechtgeleitet hätte. Die Gesandten unseres Herrn sind wirklich mit der Wahrheit gekommen.“ Und es wird ihnen zugerufen: „Siehe, das ist der (Paradies)garten. Er ist euch zum Erbe gegeben worden für das, was ihr zu tun pflegtet.“

Die Übersetzung ist in diesem Fall von islam.de.

Diese Stelle beschäftigt mich schon ein paar Tage. Einmal wegen der Aussage: „Wir erlegen keiner Seele mehr auf, als sie zu leisten vermag“ – denn das rührt noch einmal an das Thema „Krankheit“, ich habe ja ein paar Artikel über das Thema Depression geschrieben, zuletzt diesen hier: Danke für die Depression.

Andererseits muss ich an die vielen Menschen denken, die gerade in unvorstellbarer Weise unter Krieg, Hunger und Unterdrückung leiden. Ich glaube, diesen Vers kann man dann nur verstehen, wenn man überzeugt ist, dass dieses Leben nicht alles ist, sondern dass es noch ein weiteres Leben gibt, in dem schließlich alles gut wird, so wie es der zweite Vers sagt.

Bei diesem beschäftigt mich für mich persönlich das Thema „Groll“. Denn ich bin nicht ganz frei davon, auch wenn ich mich schon zu einem großen Teil unguter Gefühle entledigt habe. Manchmal holt mich er mich doch ein, der Groll über erfahrenes Unrecht. Besonders über das, was mir von einem Menschen zugefügt wurde, dem ich bedingungslos vertraut habe. Ich denke darüber nach, ob die Freiheit von einem solchen Gefühl nicht eines der erstrebenswertesten Dinge ist. Und wenn die gänzliche Befreiung davon schon in diesem Leben gelingt: ist das nicht schon ein großer Schritt dahin, das „Paradies auf Erden“ zu erleben?

Bougeainvillea, aufgenommen in Side, im Mai 2019

Ich bin mir da eigentlich sicher, aber wie gesagt, ganz befreit bin ich noch nicht. Das wird also noch mein Thema bleiben und so Gott will, nutze ich auch diese besinnliche Zeit für die Auseinandersetzung damit. Wie immer ist das kein Thema das alleine steht, sondern es verbindet sich mit anderen Lebensthemen – mal sehen, ob mir die Koran-Lektüre in diesem Monat da hilft, etwas „rund“ zu machen.

Außer im Koran zu lesen, habe ich mir in dieser Woche noch das neue Buch von Jürgen Todenhöfer vorgenommen: „Die große Heuchelei – wie Politik und Medien unsere Werte verraten“

Die Lektüre tut weh, muss aber sein, finde ich, wenn man nicht zu den Heuchlern gehören, oder ihnen folgen will. Ich bewundere Jürgen Todenhöfer, der sich im Laufe seines Lebens vom „rüstungspolitischen Sprecher“ zum bedingungslosen Pazifisten gewandelt hat, weil er keine Angst hat (oder diese überwindet), weil er ungeachtet aller Gefahren sich in Kriegsgebiete begibt und die schmerzliche Wahrheit des Krieges anschaut, mit den Menschen spricht und uns diese Wahrheit ins Gesicht sagt. Und nicht nur uns „Normalos“, sondern auch den Mächtigen dieser Welt. Die ihn erstaunlicherweise durchaus anhören, auch wenn sie nicht unbedingt auf ihn hören. Also, wer die Geschichte des „Westens“ ungeschönt kennen lernen will, findet in dem Buch einen Überblick, dazu viele Informationen über die Kriege, die „wir“ im Westen angeblich gegen den Terror führen und über die unrühmliche Rolle der Medien, die doch eigentlich in der Demokratie den Auftrag haben, die Entscheidungen der Regierenden kritisch zu begutachten – aber leider heutzutage zu einem großen Teil an der Vorbereitung und Rechtfertigung von Kriegen mitwirken. Die Berichte über Begegnungen mit Menschen in Kriegsgebieten, oder von Flucht und Vertreibung sind Herz zerreißend – aber es ist ja auch gut, wenn wir noch ein Herz haben, das Mitgefühl empfindet. Jürgen Todenhöfer ist ein echter Mensch, der nicht abgestumpft ist und, was ich besonders bewundere, der trotz all diesen Elends die Hoffnung auf eine friedliche Welt nicht aufgegeben hat. Er ist trotz allem was er gesehen hat in der Lage, in jedem Menschen den göttlichen Funken zu erkennen, der uns mitgegeben wurde. So gibt es auch einen Abschnitt: „Was tun“ in diesem Buch.

Rose, aufgenommen im Mai 2019 in Side in der Türkei

Ja, das war´s was mich diese Woche so beschäftigt hat. Und ich bin wirklich privilegiert, dass ich den heiligen Monat Ramadan unter solchen Umständen, in Ruhe und Sicherheit verbringen kann. So Gott will, werden auch alle die Menschen die heute unter Hunger, Krankheit und Unterdrückung leiden, einmal in diesen Genuss kommen.

Monat Ramadan: Der Monat des Koran

Im Namen Gottes, des Erbarmers, des Barmherzigen

„Der Monat Ramadan ist es, in dem der Quran offenbart wurde, als eine Führung für die Menschen und als klares Zeugnis für die Rechtleitung und die Auseinandersetzung (zwischen Wahrheit und Unwahrheit).“ (Heiliger Quran Sure 2, Vers 185)

Der heilige Monat ist nicht einfach eine Zeit, in der wir unsere Selbstbeherrschung trainieren und mehr beten. Nein, wir feiern darin, dass Gott uns seine abschließende Offenbarung, die bestätigt, ergänzt und abschließt, was in den anderen heiligen Büchern schon geschrieben steht, herab gesendet hat. Wir sind damit nicht im Widerspruch zu den anderen abrahamitischen Religionen, dem Juden- und Christentum:

In der 4. Sure des Korans (An-Nisa- die Frauen) heißt es in Vers 125:
„Und wer hat eine schönere Religion als jener, der sich Allah ergibt und dabei Güte übt und dem Glauben Abrahams folgt, des Aufrechten? Und Allah nahm Sich Abraham zum Freund.“

Bild von Josef Fendt auf Pixabay

Ich habe mehrere Koran – Übersetzungen. Keine ist so richtig gut, sagen die, die es beurteilen können. Manchmal nehme ich mir mehrere zur Hand, wenn ich gucken will, wie andere Übersetzer mit einer bestimmten Stelle fertig geworden sind. Jede Übersetzung ist ja auch schon mindestens ein Stück Interpretation, auch wenn diese eigentlich Aufgabe der Fachleute für dieses Thema ist.

Den Koran auszulegen ist ein Lebenswerk. Das macht man nicht so nebenher, auch wenn man heute in deutschen Medien schon zum „Islamexperten“ wird, wenn man mal einen Abschnitt einer deutschen Übersetzung gelesen hat. Komisch, dass sich das bei den heiligen Büchern anderer Religionen nicht jeder anmaßt.

Je länger ich Muslima bin und je öfter ich im Koran lese, je mehr ich darüber lerne, was alles zu den Wissenschaften um den Koran gehört – je mehr erkenne ich meine Grenzen und das ist auch gut so. Was nicht heißt, dass Gott sich nicht auch mir verständlich macht, selbst in einer mangelhaften Übersetzung. Das heilige Buch hat viele Schichten. Auch wenn ich mich an der Oberfläche des Verständnisses bewege, heißt das ja nicht, dass ich dort nichts Wertvolles finde. Und bei jedem Durchgang beiße ich mich sozusagen an anderen Themen fest. Je nachdem, was mich gerade so in meinem Leben bewegt.

Wir haben heute viele Möglichkeiten, uns den Koran von Leuten erklären zu lassen, die ein tiefer gehendes Verständnis haben, alhamdulillah (= alles Lob gebührt Allah).

Bei meiner ersten Begegnung mit dem Koran, als ich gerade anfing mich für den Islam zu interessieren, sah ich nur „Höllenfeuer“ in dem Buch. Und es kam mir sehr katholisch vor, war doch auch meine christliche Erziehung von Ängsten vor der Hölle geprägt.

Hier wie dort eine Fehlinterpretation, die leider viele Menschen zu einer schlechten Meinung über Gott bringt und mich viele Jahre vom Glauben entfernt hat.

Gott sei Dank hab ich an der Stelle nicht das heilige Buch in die Ecke geworfen, sondern ich wollte verstehen und habe weiter gelesen, nicht nur im Koran sondern auch rund um die Offenbarung und um das Leben unseres Propheten Muhammed, Friede und Segen sei mit ihm und mit seinen reinen Nachkommen.

Und siehe da: nicht nur musste ich einsehen, dass der Koran kein Menschenwerk ist, sondern tatsächlich göttliche Offenbarung, sondern auch, dass er ein „Liebesbrief“ Gottes an die Menschen ist und eine unerschöpfliche Quelle an Weisheiten, Gleichnissen, Geschichten über Gott, das Leben und das Zusammenleben der Menschen. Das hat mich dann zu der Entscheidung gebracht, Muslima zu werden und mein Leben an dieser Botschaft auszurichten. Und auch wenn das vielen unverständlich erscheint: Für mich ist damit vieles „rund“ geworden, viele Themen an denen ich hätte verzweifeln können, ob persönlicher oder gesellschaftlicher Art, haben ihren Sinn offenbart. Aber das ist eine andere Geschichte – oder viele Geschichten.

Bild von Gerd Altmann auf Pixabay

Wenn wir Übersetzungen und Auslegungen (=Tafsir) des Korans lesen, müssen wir gut aufpassen, von wem die stammen. Die islamische Welt ist kein einheitliches Gebilde. Niemandem ist verborgen geblieben, dass es Verfechter einer angeblich wortgetreuen, aber trotzdem Sinn entstellenden Auslegung gibt, die den Islam als eine grausame Religion und Gott als einen strafenden, unbarmherzigen Herrscher darstellt, der nur denen gnädig ist, die sich in ein enges Korsett blinden Gehorsams pressen und ihren Verstand und ihr Herz ausschalten. Bei einer solchen Auslegung sind sich dann die unbarmherzigen „Islamisten“ und die sogenannten „Islamexperten“ einig. Sie haben wohl überlesen, dass sich Gott im heiligen Koran zur Barmherzigkeit verpflichtet hat!

Es ist ziemlich dumm von mir, dass ich außerhalb des Monats Ramadan viel zu selten hineinschaue in das heilige Buch! Natürlich rezitiere ich im Gebet immer kurze Abschnitte, aber es sollte wirklich zum täglichen Ablauf gehören, mindestens einen kleinen Abschnitt zu lesen! Klappt doch im Monat Ramadan auch.

Monat Ramadan 2019: Beflügelt

Bild von U Hd auf Pixabay

Und wenn dich Meine Diener nach Mir fragen, so bin Ich nahe; Ich erhöre den Ruf des Bittenden, wenn er Mich anruft. So sollen sie nun auf Mich hören und an Mich glauben, auf daß sie besonnen handeln mögen. (Heiliger Koran, Sure 2, Vers 186)

Im Namen Gottes, des Erbarmers, des Barmherzigen

Im Monat Ramadan fällt vieles leichter. Klingt vielleicht sonderbar für die, die sich diesen Monat als eine einzige Quälerei vorstellen, voll Hunger und Durst. Und beides gibt es natürlich, manchmal auch unerträglich scheinend – aber oft fällt es eben viel leichter zu fasten, als in anderen Monaten. Das kennen glaube ich, viele Muslime, die Fastentage nachholen müssen. Es ist viel leichter in dieser Zeit, in der Milliarden Menschen auf der Welt fasten. Es ist z.T. diese Vorstellung, dass immer irgendwo auf der Erde jetzt gerade gefastet und anderswo das Fasten gebrochen wird, die ich sehr inspirierend finde. Die Gebetszeiten, die Fasten- und Essenszeiten wandern mit dem Sonnenstand um die Welt, wie eine große Welle von Glaubensgeschwistern stelle ich mir das vor, die gerade im Gebet stehen, oder sich niederwerfen, die ihren letzten Schluck trinken vor dem Fasten, oder die ihr Fasten jetzt gerade brechen.

Ich bin zwar praktizierende Muslima und in der Regel halte ich meine Gebetszeiten ein – aber die freiwilligen Gebete, die zusätzlich zu den Pflichtgebeten empfohlen sind, die lasse ich meistens weg. Letzte Nacht aber, als ich beschlossen hatte dass es so spät geworden sei, dass ich auch wach bleiben konnte bis zum Morgengebet, habe ich seit langer Zeit mal wieder das empfohlene Nachmitternachtsgebet gebetet.

Bild von Vlad Ymyr auf Pixabay

„Das Gebet ist die Himmelfahrt des Gläubigen“ heißt es. Meine täglichen Ritualgebete sind davon oft weit entfernt. Kaum stelle ich mich zum Gebet, gehen mir tausend unwichtige Dinge durch den Kopf und ich muss mich sehr anstrengen bei der Sache zu bleiben und das Gebet wirklich zu nutzen: als Auszeit von genau den Nichtigkeiten und als Ausrichtung von meinen eigentlichen Daseinszweck und als Gelegenheit, mich meinem liebenden Schöpfer zuzuwenden, um Verzeihung für die Fehler zu bitten, die ich seit dem letzten Gebet begangen habe und um Beistand für alle Herausforderungen die mir begegnen könnten, bis zum nächsten Gebet.

Es ist schon erstaunlich, wie sich das im Monat Ramadan verbessert. Bei mir sehe ich ziemlich deutlich, dass es auch daran liegt, dass ich mich zurückziehe, nicht so viel zu erledigen habe, sondern nur das Nötigste einkaufen gehe und möglichst viele anstrengende Termine auf die Zeit nach dem Monat Ramadan verschiebe. Gott sei Dank habe ich ja die Möglichkeit dazu, weil ich nicht mehr berufstätig bin – bis auf das bisschen das ich im Home-Office für den Minijob erledige. Aber da bin ich ja relativ flexibel mit meiner Zeit.

Also im Monat Ramadan bin ich etwas beflügelt und jedenfalls einige meiner Gebete kommen der Himmelfahrt näher. Und das Nachmitternachtsgebet ist dabei schon eine besondere Erfahrung. Es ist sehr ruhig – ich wohne sowieso recht ruhig, aber um diese Zeit hört man auch nix von der Straße, im Hotel nebenan ist keine Musik mehr und die Vögel haben ihr Morgengebet noch nicht begonnen, :-). Das ist die Gelegenheit, sich ganz auf die Annäherung an Gott zu konzentrieren und IHM alles zu sagen und IHN um alles zu bitten, was gesagt werden will und um das gebeten werden will.

Ich hoffe, ich nutze diese Gelegenheit noch öfters in diesem Monat und nehme die Erfahrung dann mit in das restliche Jahr. Was bei mir nicht funktioniert ist, dass ich mir so etwas fest vornehme. Dann boykottiere ich mich selbst. Lieber bewahre ich das gute Gefühl in mir und pflege es, damit die Sehnsucht danach wächst, diese Erfahrung möglichst oft zu wiederholen.

„Mullah-Seminar“ – ich war dabei!

Bismillah

 

In den letzten Wochen konnten wir Zeuge einer antimuslimischen Kampagne der Springer-Presse sein. Ziel waren schiitische Muslime, die sich gegen Radikalisierung und für einen Islam der  Vernunft einsetzen. Nanu? Sollte man nicht gerade mit solchen Muslimen zusammenarbeiten?

Die Springer-Medien sind anderer Meinung und zwar nur deshalb, weil aus der Richtung der schiitischen Muslime am häufigsten Kritik an der israelischen Politik zu vernehmen ist. Und da verlässt dann wiederum den Springer-Verlag jegliche Vernunft und es wird gehetzt und gelogen was das Zeug hält. Recherche? Nicht nötig, wilde Spekulationen tun es doch auch. Und Springer behielt recht: mit dem Vorwurf, es handele sich um „Iranische Terror-Helfer“ und Antisemiten schafften sie es, die übliche zionistische und antideutsche Lobby zu mobilisieren und eine Reihe von naiven Unterstützern zu gewinnen die auf ihren Zug aufsprangen so dass schließlich das Ziel der Kampagne teilweise erreicht wurde. Denn dieses Ziel war, die Bundesfamilienministerin so unter Druck zu setzen, dass diese die Unterstützung für einen Workshop gegen Radikalisierung zurückzieht. Was dann auch einen Tag vor der Veranstaltung geschah.

Was die Kampagne nicht erreichte, war dass dieser Workshop nicht stattfand. Und so fanden  sich dann am vergangenen Wochenende im Al-Mustafa-Institut in Berlin, einer theologischen Bildungseinrichtung, ca. 25 meist junge und gebildete Muslime (und ich) überwiegend,aber nicht nur aus der schiitischen Rechtsschule mit ihren Dozenten (Professoren und Professorinnen der Philosophie,  islamischen Theologie, Jura und der Sozialwissenschaften – darunter eine Trägerin des Bundesverdienstkreuzes) ein um an drei Tagen über den

Islam zwischen Rationalität und Radikalität 

zu lernen und zu diskutieren. Veranstalter war der Dachverband der Schiiten, die „Islamische Gemeinschaft der schiitischen Gemeinden in Deutschland“

Ich erspare mir hier, alle die Pamphlete zu verlinken, die gegen dieses „Mullah-Seminar“ veröffentlicht wurden, die kann man ganz leicht finden, und gehe lieber auf die Inhalte des Workshops ein. Im Anschluss werde ich dann noch ein paar aufklärende Artikel anhängen.

Lieber fasse ich hier kurz zusammen, was wir im Workshop behandelt haben.

Aufgeteilt war das Programm in 3 Themenblöcke: einen theologischen, einen historischen und einen sozialpolitischen Teil.

Im theologischen Teil ging es zunächst um die Rolle des Verstandes und der Vernunft in der islamischen Theologie. In unserem heiligen Buch, dem Koran, wird viele Male darauf verwiesen, dass der Mensch Verstand besitzt und diesen doch auch benutzen soll. Im ersten Vortrag wurde behandelt, welche Rolle dieser Verstand beim Verständnis der Offenbarung und der Begegnung mit unserem Propheten Muhammed, Friede und Segen sei mit ihm abgekürzt: s. , spielen sollte: In seiner Zeit war der Prophet, s., schon als guter und sehr vertrauenswürdiger Mensch bekannt, bevor seine Berufung zum Propheten erfolgte – aber woran konnten die Menschen erkennen, dass seine Äußerungen, die er jetzt in der neuen Rolle machte, glaubhaft waren und sie ihm folgen sollten?

Hierzu war es nötig, Vernunft und Verstand einzusetzen und die Worte des Propheten, s., auf innere Kohärenz und Konsistenz zu überprüfen – ob innerhalb des Korans, oder in seinen Äußerungen außerhalb der direkten Offenbarung. Hätte es Widersprüche darin gegeben, oder in seinem Verhalten – dann wäre er nicht glaubhaft gewesen.

So mussten also die Menschen in der Zeit des Propheten, s., ihren Verstand benutzen, um seine Wahrhaftigkeit zu überprüfen. Und auch der Prophet, s., selber beachtete den Intellekt seiner Gesprächspartner und ging in entsprechender Weise auf die Menschen ein.

Es gibt keine andere Möglichkeit, als bei der Auseinandersetzung mit der Botschaft Muhammeds, s., seinen Verstand zu benutzen.

Der Intellekt spielt so eine große Rolle bei uns Menschen, dass einer unserer großen islamischen Vorbilder, Imam Dschafar Sadiq, Friede sei mit ihm, abgek.: a., sagte:

Die Hauptsäule des Menschen ist der Verstand

Er benutzte hier den arabischen Begriff„Aql“: deutsche Übersetzung: Verstand, Logos, Gerechtigkeit, Intellekt, Ratio. Über die Herkunft und die verschiedenen Bedeutungen dieser Begriffe haben wir auch gesprochen, aber das führt hier jetzt zu weit.

Im theologischen Teil des Workshops ging es dann weiter mit der Rolle, die der Intellekt bei der Interpretation des Korans und der zweiten wichtigen theologischen Quelle der Muslime, den Überlieferungen (Hadith, Mz.  in Deutsch Hadithe, Arabisch Ahadith) der Aussagen und Handlungen des Propheten, s. spielt, sowie über Hermeneutik bei der Exegese des Korans (dieser letzte Teil war auf Englisch und ich habe nicht genug mitgeschrieben um es sinnvoll weitergeben zu können).

Im zweiten Teil des theologischen Themenblocks wurde die Rolle des Verstandes in der islamischen Religionsgeschichte noch mehr betont. Religion und Vernunft gehören zusammen, das ist das Wesen des Islams. Das Denken ist ein einzigartiges menschliches Talent und unterscheidet uns von den Tieren. Niemals kann die eigene Verantwortung für das Verständnis unserer Religion abgegeben werden: blinde Gefolgschaft gibt es im Islam nicht, die Grundlagen (Säulen) des Glaubens  muss der Mensch selber begreifen und darf sich darin nicht nach anderen richten. Das Befolgen der Anweisungen von Gelehrten darf sich nur auf Nebenaspekte beziehen, also bspw. Anleitungen wie man betet und dgl.

Nur zur Erläuterung: Die „Säulen des Islam“ sind nach schiitischer Rechtsschule der Glaube an die Einheit Gottes (Tauhid), der Glaube an die Propheten, der Glaube an das Jüngste Gericht, der Glaube an Gottes Gerechtigkeit, der Glaube an das Imamat

In diesem theologischen Abschnitt haben wir noch eine Vielzahl von koranischen Versen besprochen, die auffordern zu lernen und nachzudenken und dadurch Gott zu erkennen.

Das Fazit dieses Abschnitts: Das Denken ist die zentrale Säule des  schiitischen Islams!

Nach dem theologischen Teil des Workshops gingen wir zur Geschichte des Islams über – und hier finden wir die Wurzeln vieler Probleme die wir heute haben!

In zwei ausführlichen Vorträgen wurde die Zeit des Propheten, s., seine Auseinandersetzung mit seinem sozialen Umfeld und die Art, wie über ihn berichtet wurde und die Geschichte der Überlieferungen im Islam besprochen. Während es keinen Zweifel unter allen Muslimen darüber gibt, dass der Koran uns im arabischen Original absolut unverfälscht erhalten geblieben ist, gibt es bei den Berichten über die Aussagen und Handlungen des Propheten, s., erhebliche Differenzen. Was sich natürlich auch auf die Art auswirkt, wie der Koran ausgelegt wird. Zur Zeit des Propheten, s., hat er selber diese Auslegungen vorgenommen – aber leider ist davon im Laufe von 1400 Jahren viel verloren gegangen oder verfälscht worden.

Das hat einmal damit zu tun, dass es unterschiedliche Ansichten darüber gibt, wie die Zeitgenossen des Propheten, s., zu bewerten sind. Eine große Anzahl der Muslime glaubt, dass alleine das Zusammensein mit dem Propheten, s. und das öffentliche Bekenntnis zum Islam, die Menschen zu vertrauenswürdigen Personen gemacht hat. Leider ein Irrtum, der zudem auch in Hunderten von Koranversen aufgedeckt wird. Hier ist viele Male von den Heuchlern die Rede, die ihre wahre Meinung verbergen, weil sie Opportunisten sind und ihren eigenen Vorteil suchen.

Das bedingt auf jeden Fall schon eine kritische Betrachtung sowohl der Überlieferer, als auch der Überlieferungen. Und was noch dazu kommt – das haben wir ausgiebig im zweiten Abschnitt des historischen Themenblocks besprochen: zu Lebzeiten des Propheten, s., wurden seine Äußerungen aufgeschrieben, aber in ungefähr 100 Jahren nach seinem Tod wurden diese vernichtet und die regierenden Herrscher verboten es, Überlieferungen zu sammeln.

Es werden verschiedene Gründe für dieses Verhalten genannt. Wohlwollende Stimmen meinen, dass es aus der Befürchtung heraus geschah, Koran und Überlieferungen könnten vermischt werden, andere sagen, dass es darum ging die Macht von unrechtmäßig ins Amt gekommenen Herrschern zu erhalten und die Familie des Propheten in Vergessenheit geraten zu lassen.

Nicht alle Überlieferungen wurden vernichtet und es wurde auch viel mündlich überliefert, aber ein großer Schatz ist uns verloren gegangen und – um es noch schlimmer zu machen . es wurden große Zahlen von gefälschten Hadithen produziert, mit denen die regierenden und oft unterdrückerischen Herrscher der islamischen Dynastien, wie die Umayyaden, ihre Gewaltherrschaft rechtfertigen wollten.

Für die heutige Zeit sind diese Erkenntnisse wichtig, denn ein großer Teil der Muslime glaubt daran, dass es „Sahih“-Überlieferungen gibt. Damit ist gemeint, dass diese Werke absolut zuverlässig und geprüft sind. Leider finden sich darin Aussagen, die weder zum Koran, noch zum Wesen des Propheten, s., passen, die aber als Grundlage für die Gewalttaten terroristischer „islamistischer“ Organisationen genutzt werden.

Auch hier geht es nicht ohne eine kritische Betrachtung aller Aspekte. Eine Überlieferung, die dem Koran widerspricht, kann schon mal nicht richtig sein. Eine Überlieferung mit unzuverlässigen Überlieferern ebenfalls nicht. Fazit: Es gibt keine „Sahih“- Werke!

Der dritte Teil des Workshops beschäftigte sich mit sozialpolitischen Aspekten, zunächst mit den psychologischen und sozialen Gründen für die Radikalisierung junger Muslime. Die Dozentin hat jahrelange Erfahrung in einer Beratungsstelle zur Deradikalisierung gesammelt und konnte sowohl aus ihrer täglichen Arbeit, als auch anhand von Fachliteratur und Statistiken vermitteln, welche Aspekte hier eine Rolle spielen. Und das spielt sich auf verschiedenen Ebenen ab: im persönlichen Bereich, in dem junge Menschen in Pubertät und Adoleszenz mit ihrer Identitätsfindung beschäftigt sind, samt vieler Probleme die in der Phase auftreten können, im Bereich des engeren sozialen Umfelds, aber auch auf der größeren gesellschaftlichen Ebene, z.B. wenn Menschen die ungerechte Außenpolitik unseres Landes betrachten und der innere Widerstand dagegen eine Rolle dabei spielt, dass sie auf die vermeintlichen guten und gerechten Absichten radikaler Gruppierungen hereinfallen. Insgesamt bieten diese Gruppen (wir sprachen hauptsächlich über salafistische Gruppen, aber grundsätzlich gilt das auch für andere Gruppierungen innerhalb und außerhalb des Islams) ein einfaches Weltbild, Anerkennung und Kameradschaft an und das Gefühl, sich für eine gerechte Sache einzusetzen.  Verbrämt mit Heilsversprechen, aber auch mit der Legitimation von Gewalt, was Jugendliche mit kriminellem Potential anspricht, locken sie die jungen Leute dazu, sich ihren Gruppierungen anzuschließen. Erschreckend: alleine aus Deutschland sind fast  tausend  Personen ausgereist, um sich dem „IS“ oder anderen terroristischen Gruppen in Syrien und im Irak anzuschließen. Diese Menschen waren meistens überhaupt nicht religiös, häufig auch gar keine Muslime, bevor sie in die Fänge dieser Sekten gerieten.

Der letzte Abschnitt des sozialpolitischen Teils beschäftigte sich mit der Rolle der Medien und der Politik, bei der Erschaffung des Islambildes in unserer Gesellschaft, das ein sehr schlechtes und defizitäres Bild ist. Die Dozentin forderte aber auch uns Muslime auf, uns mehr in die Gesellschaft einzubringen und keineswegs in einer Opferrolle zu verharren. Wir sollten uns in allen gesellschaftlichen Bereichen einbringen, selbstbewusst mit unserer muslimischen Identität, aber nicht auf Islamthemen begrenzt.

Das war eine sehr kurze und begrenzte Zusammenfassung des Inhaltes des so umstrittenen „Terror-Helfer“ Workshops, oder auch „Mullah-Seminars“.

Am letzten Tag haben wir sehr lebhaft unsere Erkenntnisse zusammengetragen und Thesen formuliert, bzw. Wünsche und Handlungsanregungen an verschiedene gesellschaftliche, muslimische und nichtmuslimische Akteure. Diese Erkenntnisse werden sicherlich an anderer Stelle veröffentlicht und ich werde sie dann , so Gott will,  hier verlinken.

Ich bin sehr dankbar, dass ich an dieser so hochkarätig besetzten Veranstaltung teilnehmen durfte! Und ich hoffe, ich habe einen kleinen Einblick geben können um die völlig ungerechte Bewertung dieses Workshops klar zustellen. Von unseren Medien und unserer Politik, ja auch von manchen Geschwistern und Akteuren der „Zivilgesellschaft“ bin ich wirklich enttäuscht, weil sie auf billigste Propaganda hereinfallen!

Hier noch ein paar Links zur Auseinandersetzung um die Veranstaltung, wird ggf. ergänzt:

Pressemitteilung des Veranstalters (IGS)

Pressemitteilung des Al-Mustafa Institutes

Wer ist Antje Schippmann? Eine Journalistenkarriere bei der Springerpresse

Inzwischen sind die Handlungsempfehlungen/Arbeitsergebnisse des Workshops erschienen

Und hier mal ein fairer Artikel zu dem ganzen Wirbel:

Schiiten in Deutschland

Eine Dozentin erzählt:

Meine Begegnung mit jungen Muslimen am Al-Mustafa Institut

 

Aus meinem Archiv: Braucht der Islam eine sexuelle Revolution?

Im Namen Gottes, des Erbarmers, des Barmherzigen

Ich schreibe gerade über die Aktivitäten von Seyran Ates, da hab ich mich an einen Artikel aus den Anfangszeiten meiner Bloggerei erinnert, der von ihrem Buch „Der Islam braucht eine sexuelle Revolution“ angeregt wurde. Also kopiere ich den mit kleinen Änderungen hier hinein.

Ganz unten gibt es dann noch einen Buchtipp zu einem Buch, das erst 2013 erschienen ist, sonst hätte ich schon beim Erstellen dieses Artikels darauf hingewiesen!

Im Original vom 20. Oktober 2009:

Bismillah

Mal was anderes….kann ja nicht jeden Tag über Kriege schreiben, Revolutionen sind ja auch was Feines…wiki sagt dazu:

Eine „Revolution“ bezeichnet in der Soziologie sowie umgangssprachlich einen radikalen und meist, jedoch nicht immer gewalttätigen sozialen Wandel (Umsturz) der bestehenden politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse. Eine Revolution wird entweder von einer organisierten, möglicherweise geheimen, Gruppierung von Neuerern (vgl. Avantgarde, Elite) getragen und findet die Unterstützung größerer Bevölkerungsteile, oder sie ist von vornherein eine Massenbewegung.

Also, sie werden noch differenzierter bei wiki, aber es passt gerade so gut, dass es „meist gewalttätig“ zugeht in Revolutionen. Denn gewalttätig kommt es mir schon vor, wenn es ein Fortschritt sein soll, dass Frauen sich zum Vergnügen der Männer entblößen.

Aber gut, ich will´s genauer wissen und schau mal, was eigentlich mal mit diesem Begriff gemeint war (habs heute mit wiki):

Der Ausdruck Sexuelle Revolution, und deren Aussagen, geht auf Wilhelm Reichs 1945 veröffentlichtes Werk The Sexual Revolution (deutsch 1966, erstmals jedoch 1936 unter dem Titel Die Sexualität im Kulturkampf) mit gleichem Namen zurück. Dreißig Jahre nach Magnus Hirschfeld (Arzt), Otto Gross (Arzt) und Karl Kraus (Satiriker, Sittlichkeit und Kriminalität) kritisierte Wilhelm Reich darin die aus seiner Sicht bigotte und verlogene Sexualmoral seiner Zeit. Nach Reichs Auffassung bringe Doppelmoral und Unterdrückung der vitalen sexuellen Triebe Persönlichkeitsdeformationen mit sich und führe so zu Aggression und Frustration, welche verdrängt würden und sich oft in Lust an Herrschaft und Hierarchie ein Ventil schaffen müssten.

Also, da kann ich glatt zustimmen: sexuelle Triebe zu unterdrücken ist ungesund, Gott hat sie uns ja nicht mitgegeben, damit wir sie nicht leben. Und Doppelmoral – klar, das soll nicht sein. Aber gehen Moral und sexuelle Unterdrückung denn Hand in Hand?

Heißt eine erfüllte Sexualität, dass man diese in die Öffentlichkeit tragen muss? Heißt sexuelle Freiheit, dass man nicht monogam leben kann?

Ich bin mit der hiesigen „sexuellen Revolution“ aufgewachsen. Und-was hat es uns gebracht? Sicher war die „Pille“ ein Fortschritt, was die Familienplanung betrifft (und die ist im Islam übrigens nicht verboten). Aber sonst? Was entfesselt wurde ist ein Riesenkommerz, „Sex sells“. Na toll. Und das heute in den Medien sich jede und jeder lächerlich machen darf. Das haben wir bestimmt gebraucht.

Komisch nur, dass die einfachsten Dinge anscheinend in 40 Jahren sexueller Revolution nicht gelernt wurden:

Männer und Reden? Das scheint im Alltag nicht immer einfach. Doch dass Kommunikation Basis für guten Sex ist, sehen auch die befragten Männer in der Studie. So finden 66 Prozent „sexuelle Wünsche einfach zu formulieren“ wichtig für eine gut laufende Beziehung in Bezug auf Sex. Und sogar 86 Prozent geben an, dass es gut tut, sexuelle Wünsche mitzuteilen, 75 Prozent empfinden solche Gespräche als Vertrauensbeweis. Doch obwohl Männer die offene Kommunikation eines partnerschaftlichen Vertrauensverhältnisses als Grundlage für guten Sex ansehen, hapert es bei der Umsetzung: 62 Prozent der Männer geben an, nicht immer mit ihrer Partnerin offen über ihre Wünsche zu sprechen, 10 Prozent sagen sogar, dass sie gerne würden, sich aber nicht trauen. Dr. Eva Wlodarek, Psychologin und „female affairs“-Expertin, betont offene Kommunikation sei das A und O für eine gute Sexualität. „Dazu gehört auch, dass man dem Partner die eigenen Vorlieben mitteilt und für seine Wünsche aufgeschlossen ist. Fehlt dieser Austausch, kann das leicht zu Frustrationen führen.“(hier funktioniert leider die Quelle nicht mehr)

Ich geb zu, das ist eine Binsenweisheit-aber eben: wenn die angebliche sexuelle Befreiung den Menschen nicht mal die einfachsten Notwendigkeiten in Sachen Sexualität beigebracht hat – wozu ist sie dann gut gewesen, außer zu o.g. Kommerz?

Jetzt behaupte ich mal, ohne Zahlen zu kennen, dass diese Probleme bei Muslimen wie bei Nichtmuslimen auftreten. Und bei praktizierenden und nicht praktizierenden Muslimen. Denn der Islam steht einer zufriedenen sexuellen Beziehung der Ehepartner nicht im Weg. Genau: der Ehepartner. Denn Sexualität ist im Islam mit Verbindlichkeit und Verantwortung verbunden. Und, guck an: das macht eine befriedigende Sexualität aus:

Es gibt keine wissenschaftliche Untersuchung, die belegen würde, dass die Sexualität von Paaren im Laufe der Jahre langweilig werden muss. Das Begehren wird seltener – na und? Ist das schlimm? Bei Paaren, die sich einander nahe fühlen, wird das körperliche Zusammensein dafür im Laufe der Zeit intensiver erlebt. Das Prickeln der Anfangszeit, als die Verliebtheit den Körper mit Hormonen überschüttete, lässt irgendwann nach. Stattdessen wird Erotik inniger und intensiver. Dies gilt aber nur für Paare, die tatsächlich auch in einer glücklichen Beziehung leben. Die fünf größten Irrtümer beim Thema Sex

Achwas? Wer hätte das gedacht, das Zufriedenheit mit dem Zusammenleben eine Grundlage für ein erfülltes Sexualleben ist und weder der Inhalt der Spielzeugkiste noch die Kenntnis des Kamasutra dabei eine Rolle spielt? Mal ehrlich: das wissen wir doch im Grunde alle. Nur kann man bei den Ansprüchen die in einem „sexuell befreiten“ Land suggeriert werden, leicht in Stress geraten, sei es als Mann oder Frau, sei es was die eigene „Leistungsfähigkeit“ angeht, oder die Optik. Hat man sich früher – also ich meine damals in den verklemmten Zeiten – sich um jedes Röllchen solche Gedanken gemacht? Wie sehr haben die Essstörungen und Körperkult zugenommen, seit wir doch alle so frei sind? Mal abgesehen davon, dass die Kindheit heute extrem verkürzt ist: schminken sich doch schon 8jährige und ziehen sich „sexy“ an und mit 13 noch Jungfrau? Da wird man schnell zum „späten Mädchen“.

Gucken wir doch nochmal bei der o.g. Quelle, was für eine zufriedenstellende Sexualität am wichtigsten ist:

Flauen die Gefühle in der Partnerschaft ab, so gibt es nur einen Erfolg versprechenden Weg, dem zu begegnen: Die Partner müssen ihre Zufriedenheit miteinander verbessern.
Unzufriedenheit kann zum Beispiel entstehen, wenn in einer Partnerschaft die Hausarbeit unfair verteilt ist. Wissenschaftliche Studien belegen: In Ehen, in denen die Frau den Eindruck hat, dass sein Anteil an der Hausarbeit zu gering ist, berichten sowohl sie als auch er, dass ihre Sexualität weniger befriedigend ist. Umgekehrt gilt: Hat die Frau den Eindruck, dass der Mann seinen Anteil leistet, dann sind beide mit ihrem Sexualleben zufriedener. Das Gleiche gilt für eine unfaire Machtverteilung in der Partnerschaft. Hat der Mann ausschließlich das Sagen, erlahmt die Sexualität eines Paares. Männer wie Frauen profitieren von der Gleichberichtigung der Geschlechter. Schon vor 100 Jahren kritisierte der berühmte Österreicher Alfred Adler die Dominanz der Männer in den Beziehungen. Schon damals sagte er voraus, dass eine ausgewogene Machtbalance der Zufriedenheit in Beziehungen zugute kommen und den Sex beflügeln werde.

Also-ich wage mal zu behaupten, dass da die Wurzel, des evtl. vorhandenen Übels liegt: Die Partner sind sich nicht einig, wie ihr ganz alltägliches Zusammenleben gestaltet werden soll. Und dazu behaupte ich, dass das ein muslimisches, wie ein nicht-muslimisches Problem ist. Was Paare brauchen, ist Respekt voreinander und die Fähigkeit zu kommunizieren. Und dass sie sich frei machen von Rollenbildern, wie etwas „sein soll“. Es geht nur die Betroffenen an, wie sie ihre Arbeitsteilung im Haushalt gestalten. Nur sie können sich darüber einigen, wer wie wann was arbeitet oder studiert. Der absolute Vorteil den muslimische Frauen, bzw. Paare dabei haben ist, dass sie mit gutem Gewissen „nur“ Hausfrau und Mutter sein dürfen, wenn sie das möchten. Weil nämlich diese Tätigkeit im Islam als so wertvoll betrachtet wird, wie sie ist und nicht als niedere Tätigkeit.

Aber in Fragen der Partnerschaftlichkeit können Muslime ganz sicher dazulernen. Weil nämlich in den überwiegend islamischen Ländern so allerlei Traditionen im Weg stehen, die mit dem Islam erstmal gar nichts zu tun haben. Das fällt aber jetzt nicht in den Bereich „sexuelle Revolution“

Ansonsten: Muslime tun das, was Nichtmuslime auch tun. Sie erzählen nur nicht im Fernsehen darüber. Und sie sehen es als einen Wert an, eine dauerhafte und zufriedene Partnerschaft zu führen und haben nicht ständig das Gefühl, sie könnten was verpassen.

Ich rede hier übrigens von praktizierenden Muslimen. Sowas (Auszug aus dem Buch von Seyran Ates) ist hier nicht gemeint:

Als ich etwa fünfzehn war, verhinderte mein ältester Bruder, dass ich eine Hose bekam, die hinten einen Reißverschluss hatte (der letzte Schrei damals). Mir war sofort klar, dass es daran lag, dass mein Po dadurch zu sehr betont wurde. Aber niemand sprach das aus. Mein Bruder sagte nein, und meine Eltern gehorchten ihm. Sie fanden es gut, dass er auf die Ehre und Moral seiner Schwester achtete. Die deutschen Freundinnen meines Bruders trugen solche Hosen. Das war für ihn natürlich etwas anderes. Ich erinnere mich noch heute, wie sich damals die Scham einstellte, die mich lange begleiten sollte.
Die Scham darüber, ein Mädchen zu sein.

Wenn der Bruder hier so handelt, dann haben wir es in der Tat wieder mit Doppelmoral zu tun. Für Männer gelten nämlich die gleichen Regeln wie für Frauen, was den Umgang mit dem anderen Geschlecht angeht. Warum allerdings die Autorin daraus eine Scham, ein Mädchen zu sein ableitet, ist mir nicht nachvollziehbar. Die habe ich erworben, als man mir in meiner katholischen Kindheit gesagt hat, dass Mädchen schlechter sind als Jungs, weil Eva, die Verführerin, eine Frau war.

Nun ja. Ich kann das ganze Thema irgendwie nicht wirklich ernst nehmen. Hier wird mal wieder was aufgeblasen, um Geld damit zu verdienen. Meinetwegen, jeder muss ja wissen, was er kauft. Jedenfalls kann doch nicht der Maßstab sein, dass man, bzw. frau um so glücklicher ist, je mehr sie sich auszieht. Also vor Fremden natürlich. Und in allem anderen sind Muslime, wie gesagt, auch nicht anders als „normale“ Menschen.

Jetzt aber noch mal geguckt, was Muslime und der Quran, bzw. Prophet Muhammed, s., zum Thema sagen:

Hier was zum Thema Bildung, auch Sexualerziehung:

Und wie viele Bücher lesen Muslimas, wenn sie gleichzeitig fünf Kinder groß ziehen müssen? In wie weit sind Muslime aufgeklärt und kennen Empfängnisverhütungsmethoden? Überhaupt, wie sieht es aus mit dem Thema Sexualität und der Kenntnis darüber? Waren einstmals Muslime nicht die weltweit “Aufgeklärtesten“, wenn man die Überlieferungen studiert? Wer geht heute noch auf die Fragen, Ängste, Vorstellungen und Fehlvorstellungen der muslimischen Jugend diesbezüglich ein? Und wer ermöglicht verheirateten Paaren ein erfülltes Sexualleben durch hinreichende Information, die über das “technische“ hinausgehen und auch Probleme lösen helfen? Und welche Möglichkeiten eröffnen wir der Jugend, den geeigneten Lebenspartner zu finden?Auszug aus: sind Türken dümmer?

Hat uns die „sexuelle Revolution“ einen Vorgeschmack auf das Paradies beschert, so wie es in einer erfüllten Beziehung der Fall sein sollte?:

Der Ehepartner ist im Islam der andersgeschlechtliche Partner, mit dem der Bund der Ehe eingegangen wird. Mit dem Ehepartner vollzieht der Mensch die Wiedervereinigung der beiden Hälften der einen Seele aus der Mann und Frau erschaffen sind.

Die eheliche Sexualität wird dementsprechend als Vorgeschmack auf das Paradies verstanden. Quelle

Eine muslimische Journalistin zum Thema:

„Für Muslime ist die Vorstellung, dass der menschliche Körper etwas hassenswertes sei, undenkbar. In den relevanten qur’anischen Versen wird implizit deutlich, dass der menschliche Körper als Teil der Schöpfung Allahs schön ist und nicht als etwas verachtenswertes zu verstecken sei. Aber gleichermaßen ist die Anbetung des­selben ein Anathema, da sie die Grundfesten unseres Glaubens verlässt. Es scheint mir so zu sein, dass die augenblicklichen Einstellungen zwischen diesen Extremen schwanken.“

Im gleichen Artikel sehr schön gesagt:

Eklatant für die Missverständnisse im Nachdenken über Sexualität im Rahmen muslimischer Lebenswelten ist die hitzig debattierte Frage nach dem Kopftuch. Der Islam wird in einer ganzheitlichen Welt der Bedeutungen gelebt und gedacht. Es ist heute augenscheinlich, dass die Mehrheit der jungen Kopftuch-tragenden Frauen dies nicht etwa tut, weil sie einer bestimmten Parteiung angehören wollen. Für viele europäische muslimische Frauen ist das „Problem Kopftuch“ eher ein Symbol für eine verdrängte Debatte um die Rolle der Frau und der Sexualität in der europäischen Gesellschaft. Das Kopftuch wird für diese Frauen zum Ausdruck der Selbstbestimmtheit der muslimischen Frau, die ihren Körper verhüllt, weil er ihr, nicht aber der Gesellschaft gehört. Hierher gehört wohl auch, dass viele Belehrungen über das Kopftuch von biederen Männern stammen, zu deren Selbstdefinition gehört, wie eine Frau eben für sie auszusehen hat. Die heutige Dominanz des Sexuellen in der Gesellschaft beschäftigt dabei nicht nur Muslime. Auf vielen Veranstaltungen mit Musliminnen zeigt sich, dass vor allem Männer über das Kopftuch plaudern wollen. Heute ist Sexualität zwar allgegenwärtig, ein offenes Gespräch über die Rolle von Sexualität aber genauso selten. Macht und Sexualität können in der westlichen und der islamischen Gesellschaft miss­braucht werden.

Der Gelehrte Al-Ghazali (1058-1111 n.Chr.):

„Die Gewährleistung der ehelichen Treue ist die Pflicht des Mannes. Wenn er ihre sexuellen Bedürfnisse nicht befriedigen kann, wird das ihre eheliche Treue gefährden.“

Eine Fatwa(islamisches Rechtsurteil) von Ayatollah Sistani zum Thema „Offenheit zwischen Mann und Frau“:

Es ist für Ehemann und Ehefrau gestattet, ihre Körper gegenseitig anzuschauen, draußen oder drinnen, einschließlich der Scham, wie es auch gestattet ist, jeden Teil des anderen Körpers gegenseitig mit jedem Teil des eigenen Körpers zu berühren, mit und ohne Begierde.

Zum Thema: „Zufriedenes Zusammenleben“ :

„Wenn ein Ehemann seine Frau schikaniert und sich ihr gegenüber ohne eigentlichen Grund gehässig oder boshaft verhält, ist es ihr gestattet, ihren Fall vor einen mardji´a zu bringen, der den Ehemann zwingen wird, mit ihr auf angenehme Art und Weise zu leben, wenn dies möglich ist, oder ihn in einer angemessenen Form rügen wird. Wenn dies nichts nützt, kann sie verlangen, von ihrem Ehemann geschieden zu werden. Sollte er ablehnen, sie zu scheiden, und es ist nicht möglich, ihn dazu zu zwingen, wird der mardji´a sie geschieden sprechen“ (Ebenfalls von Ayatollah Sistani)

Und von unserem geliebten Propheten, s., folgende Überlieferungen:

Prophet Muhammad (s.a.s.) berichtete:

„Der Erhabene und Allmächtige Gott ließ mich wissen: Wenn Ich (Gott) einem Gläubigen alles Gute der irdischen und jenseitigen Welt geben möchte, so schenke Ich ihm ein demütig Herz, einen Mund, der sich zum „Dhikr“ (Gotteslob) öffnet und jene Stärke und Kraft, die es ihm erleichtern, Leid und Unbilden des Lebens geduldig zu ertragen. Dazu eine Gattin, die ihn, wenn er sie ansieht, mit Freude erfüllt und sich als auch seine Habe während seiner Abwesenheit treu bewahrt.“

Jemand ging zum Gesandten Gottes (s.a.s.) und sagte:

„Ich habe eine Gattin, die mich, wenn ich heimkomme, willkommen heißt und mir, wenn ich das Haus verlasse, den Abschiedskuß schenkt. Sieht sie mich bedrückt oder bekümmert, sagt sie voller Mitgefühl:

Wenn Du unseres Unterhaltes wegen besorgt bist, so wisse, daß Gott sich um uns kümmern wird und uns nicht im Stich läßt. Machst du dir aber Gedanken über das Jenseits, so wisse, daß Gott dies auch diesbezüglich stärken und unterstützen wird.“

Prophet Muhammad (s.a.s.) antwortete:

„Gott hat „Beauftragte“ in dieser Welt. Deine Frau gehört zu diesen. Die Hälfte jener Belohnung, die ein Schahid (Märtyrer) zu erwarten hat, kommt einer solchen Frau zu.“

 

Prophet Muhammad (s.a.s.): „Dschihad einer Frau ist es ihren Mann gut zu behandeln.“

Ja, das soll reichen zum Thema. Auslösend für meine Motivation war natürlich das Buch von Seyran Ates. Dann war heute noch in der SZ etwas über die Forschungen einer türkischen Professorin zum Thema: Es ist nicht so, dass wir alle unterdrückt wären

Und mein Fazit: „Im Westen nichts Neues“

Hier der versprochene Buchtipp: 

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Liebesverschmelzung

Sexualität im Islam – Altersempfehlung: ab 16 Jahre

von Dr. Yavuz Özoguz

Wahre Erotik zwischen Ehepartnern ist heilig! Sie kann zu einer höheren Stufe der Erkenntnis und des Bewusstseins führen, wie es auch das rituelle Gebet kann. Und es ist kein Zufall, dass Mann und Frau im Islam altersmäßig erst dann zum rituellen Gebet verpflichtet sind, wenn auch ihre Sexualität heranreift.

Die Liebesverschmelzung ist auch eine Form des Gottesdienstes, die Spiegelbild einer viel tiefer gehenden seelischen Dimension ist.

Autor: Dr. Yavuz Özoguz
Format: DIN A5, Paperback
Seiten: 306
Ort, Jahr:  Bremen, 2013
ISBN 978-3-939416-76-0

Eine Moschee der Zwietracht?

Im Namen Gottes, des Erbarmers, des Barmherzigen

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Die Gründung der „Ibn-Rushd-Goethe-Moschee“ in Berlin hat mediale Wellen geschlagen, das war zu erwarten und ganz sicher auch geplant. Ich gehe davon aus, dass die „angehende Imamin“ und prominente Mitbegründerin der „Moschee“ (in Anführungszeichen, denn die Räumlichkeit erfüllt meines Wissens nicht die Voraussetzungen für eine Moschee) , Seyran Ates, sich auch durchaus bewusst war, dass diese Gründung mit persönlichen Gefahren für sie und ihre Mitstreiter einhergehen würde. Und auch wenn ich hier diese Gruppierung und ihre Aktivitäten kritisiere, sage ich doch gleich zu Anfang, dass ich jegliche Gewalt- oder Gewaltandrohungen gegen diese Personen, die Räumlichkeiten und ihre Besucher verurteile! Das ist erstens nicht die Art, wie wir als Muslime eine Auseinandersetzung führen sollten, zweitens befördert solches Verhalten genau das, was nach meiner Vermutung diese „Moschee“ bezwecken soll: Zwietracht und Unfrieden unter den Muslimen und zwischen Muslimen und der Mehrheit der Gesellschaft.

Ja – das ist meine Vermutung – über die wahren Motive, diese Gebetsräumlichkeit zu begründen, kann ich nur spekulieren.

Zu meinen Gründen, dieses zu glauben, komme ich noch. Aber als Erstes möchte ich aus der islamischen Geschichte erzählen, denn bei dem ganzen Aufstand rund um diesen Ort fiel mir dieser Vers aus dem heiligen Quran ein und die Geschichte drumherum – historisch betrachtet – das passt doch gut, denn das ist es doch, was die „liberalen“ Muslime verlangen – als ob das heilige Buch nicht schon immer in diesen Zusammenhängen erläutert wurde. Hier der Quranvers:

„Und diejenigen, die sich eine Moschee genommen haben, um (dem Islam) zu schaden und Unglauben zu verbreiten und unter den Gläubigen zu spalten und als Stützpunkt für Leute, die früher gegen Gott und Seinen Gesandten Krieg geführt haben und bestimmt schwören, dass sie es in bester Absicht getan haben: Aber Gott bezeugt, dass sie lügen!“ ( Heiliger Quran Sure 9: 107)

Aus einer Erläuterung zu diesem Vers aus dem heiligen Quran. Die Auslegung ist aus dem „Tafsir Noor“ (deutsch: „In Richtung Licht“) des prominenten Geistlichen Ayatollah Mohsin Qara’ati aus Iran:

Dieser Vers beinhaltet den Hinweis auf die Zarar- Moschee. Und zwar hatten die Heuchler, angeblich um Bedürftigen und Kranken zu helfen, gegenüber der Quba-Moschee noch eine andere Moschee gebaut, damit sie sich unter dem Deckmantel eines Moscheenbesuches dort versammeln konnten und diese Moschee ihr Stützpunkt wird. Kurz vor dem Tabuk-Gefecht luden sie den Propheten ein, in dieser Moschee das Gebet zu verrichten und die Moschee zu eröffnen. Aber da wurde dem Propheten Vers 107 der Sure At Tauba geoffenbart und somit erfuhr er von den schlechten Absichten der Heuchler. Er erfuhr, dass es ihnen nicht um gottesdienstliche Handlungen und das gemeinsame Gebet geht, sondern darum, von einem Stützpunkt aus für Spaltung und Zwietracht unter den Muslimen zu sorgen. Da gab der Prophet den Befehl diese Moschee zu zerstören und das Grundstück als Abfallhaufen zu benutzen.

Wir entnehmen dem Vers 107 der Sure 9:

Erstens: Heuchler und Feinde nutzen Moscheen und religiöse Motive aus, um gegen die wahre Religion vorzugehen. Deshalb sollte uns kein Ruf, der nur scheinbar im Namen des Islams und der Religion erschallt, in die Irre führen.

Zweitens: Die Vernichtung der Einheit in der islamischen Gemeinschaft und Zwietrachtstiftung in den Reihen der Muslime stehen mit dem Unglauben auf einer Stufe. Wenn eine Moschee zum Ausgangspunkt für Zwietracht unter den Muslimen wird, ist sie nicht besser als die Zarar-Moschee, welche die Heuchler zur Zeit des Propheten bauten, und muss zerstört werden.

Vorsichtshalber weise ich noch einmal darauf hin, dass es gegen den Islam ist, Gesetze zu brechen und Eigentum anderer Leute zu beschädigen! Wenn diese „Moschee“ zerstört werden soll, dann durch Argumentationen und nicht durch Tätlichkeiten!

Aber gebe ich doch erst einmal den Gründern dieser „Moschee“ eine Stimme! Was ist ihre offizielle Begründung dafür, diese Räumlichkeiten einzurichten? Seyran Ates sagte dazu z.B.:

Ich bin gläubige Muslimin, dennoch gab es bisher keine Moschee, in der ich meinen Glauben frei und selbstbestimmt praktizieren konnte. Der konservative Islam der allermeisten deutschen Moscheegemeinden ist mit meinen religiösen Überzeugungen nicht vereinbar. Mir geht es beim Moscheebesuch um die gemeinsame Begegnung aller Gläubigen mit Gott. Doch schon durch die vorherrschende Geschlechtertrennung fühle ich mich, zumal ich kein Kopftuch trage, diskriminiert: Vielerorts werden wir Frauen in einen separaten, lieblosen Raum verbannt. Außerdem stellen traditionelle Imame oft nicht die Liebe zu Gott und den Menschen in den Vordergrund, sondern betonen immerfort das Trennende: zwischen den Geschlechtern, zwischen den einzelnen Strömungen des Islams, zwischen „uns“ Muslimen und den „anderen“ – den vermeintlich Ungläubigen.

Lange Zeit habe ich nur davon geträumt, dass sich liberale Muslime zusammenfinden, um einen Islam zu leben, der die Demokratie ausdrücklich bejaht und eine gleichberechtigte Gemeinschaft der Gläubigen. Ich habe darauf gewartet, dass die passende Moschee eröffnet wird, von Menschen, die koranfester sind als ich. Irgendwann fühlte es sich an wie Warten auf Godot. Schließlich beschloss ich, meine Vision selbst zu realisieren.

Am Freitag, dem 16. Juni, eröffnen wir in Berlin die Ibn-Rushd-Goethe-Moschee, weil wir den Islam von innen heraus reformieren wollen. Manche Muslime haben Probleme mit dem Wort Reform. Wir können auch gern von Erneuerung sprechen, wie es kürzlich der Sprecher der berühmten Al-Azhar-Universität in Kairo tat. Die neue Moschee in Berlin soll eine spirituelle Heimat sein vor allem für jene Frauen und Männer, die sich in traditionellen Moscheen nicht wohlfühlen und die sich nicht mehr vorschreiben lassen wollen, wie sie ihre Religion zu leben haben. Toleranz, Gewaltfreiheit und Geschlechtergerechtigkeit sollen im Vordergrund stehen.

Es steht mir weder zu, die innere Überzeugung von Frau Ates als Muslima in Frage zu stellen, noch kann ich mit Sicherheit sagen, ob sie hier ihre ehrliche Motivation schildert, oder ob sie zu den Heuchlern gehört, die die Religion benutzen, um den Islam zu bekämpfen, so wie es der Quran beschreibt! Allerdings kann ich meine Zweifel äußern. Und natürlich auch Zustimmung, dort wo ich mit ihr einer Meinung bin. Z.B. über die Abstellkammern, in die Muslimas in manchen Moscheen verdrängt werden, wo sie ihr Gebet zwischen Staubsauger und abgestellten Stühlen verrichten, während die Männer in einem schönen Gebetsraum mit weichen Teppichen beten dürfen. Das gibt es zweifellos noch immer, ich habe es, wenn auch sehr selten erlebt.

Allerdings: man mag über die Pflicht zum Tragen eines Kopftuchs (besser: islamische Kleidung, denn die besteht aus mehr als der Kopfbedeckung) unterschiedlicher Meinung sein – allerdings dass man aus Respekt in ein Gotteshaus in angemessene Kleidung geht, ist wohl nur unter einer winzigen Zahl von Muslimen umstritten. Die Mehrheit der Männer wird wohl nicht mal auf die Idee kommen in Shorts in die Moschee zu gehen, ebenso wenig wie eine Muslima nicht ihren Körper samt Kopf bedecken würde, wenn sie zum Gebet geht.

An dem Punkt ist es schon aus mit meinem Einverständnis mit Frau Ates.  Und was ich höchst befremdlich finde ist ihr Anspruch „den Islam reformieren“ zu wollen. Sie mag gläubig sein, eine im Islam gebildete Person ist sie nicht, auch wenn sie jetzt kürzlich angefangen hat, Arabisch zu lernen und vor hat (!), Islamwissenschaften zu studieren! Dass sie schon davon träumt „Imamin“ zu sein, zeugt für mich eher von Geltungssucht als von Frömmigkeit. Einer Gemeinde vorzubeten ist eine hohe Verantwortung und kein Privileg! Warum nicht erst einmal die eigene Religion kennen lernen, bevor man sich zur „Lutherin“ aufschwingt?

Frau Ates möchte „liberalen“ Muslimen einen Ort geben. Nun, „liberal“ ist bei mir kein positiv besetzter Begriff, ich denk dabei an die Partei mit den drei Pünktchen, für die „Liberalität“ bedeutet, einer zügellosen Geldgier die Bahn frei zu machen. Das meint Seyran Ates vermutlich nicht, sondern sie findet dass ihr Verständnis vom Islam, ich zitiere:

Ich glaube an den liebenden, barmherzigen Allah und das positive Vorbild Mohammeds. Die Moschee soll zeigen: Unsere Religion besteht nicht aus Hass.

in den vorhandenen Moscheen nicht verbreitet wird. Ich weiß nicht, welche Moscheen sie besucht hat: ich habe in keiner Moschee je etwas anderes gehört, als das was sie dort sagt! Ich kenne keine Moschee, wie sie sie beschreibt:

Außerdem stellen traditionelle Imame oft nicht die Liebe zu Gott und den Menschen in den Vordergrund, sondern betonen immerfort das Trennende: zwischen den Geschlechtern, zwischen den einzelnen Strömungen des Islams, zwischen „uns“ Muslimen und den „anderen“ – den vermeintlich Ungläubigen.

Und mit diesen Äußerungen fördert sie doch genau das, was sie kritisiert: die Spaltung der Muslime! Sie unterstellt, dass nur ihre „Art“ von Muslimen, solche die sich säkular und/oder liberal nennen, für die Demokratie, für Toleranz, Gewaltfreiheit und Geschlechtergerechtigkeit sind!

Das ist gelinde gesagt Unsinn! Und ich glaube ehrlich gesagt nicht, dass die Gründer der „Ibn-Rushd-Goethe-Moschee“ das nicht wissen. Aber wir Muslime sollen nachsichtig sein mit unseren Geschwistern und immer das Beste von ihnen denken. Vielleicht meint Frau Ates, was sie sagt….allerdings muss man dann auch zitieren, wie sie über praktizierende Gläubige denkt:

Das Kopftuch ist die Flagge der Trennung der Geschlechter und der „Andersartigkeit“, sprich Minderwertigkeit der Frauen. Es teilt Mädchen und Frauen in gute und schlechte. Da hilft es auch nicht, wenn die Kopftuchträgerinnen immer wieder runter beten, Männer und Frauen seien vor Gott gleichwertig. Gleichwertig bedeutet eben nicht gleichberechtigt.

Ich will nicht zum tausendsten Mal erklären, wie umstritten das Kopftuch auch unter Muslimen und Musliminnen ist. Ich will nicht zum tausendsten Mal Suren zitieren und erklären, wozu das Kopftuch im 7. Jahrhundert diente. Und ich bin es leid, immer wieder zu erklären, dass das Kopftuch nicht aus Gottgefälligkeit, sondern dem Mann zum Gefallen getragen wird. Einer ganz besonderen Sorte von Männern. Männer, die ihre Triebe angeblich nicht kontrollieren können. Männer, die beim Anblick von weiblichem Haupthaar vom rechten Weg abkommen und sich nicht mehr auf das Gebet konzentrieren können. Sie sollen geschützt werden vor dem Sex-Appeal der ewigen Verführerinnen. Quelle

Frau Ates zieht hier im Blättchen der Islamhasserin Alice Schwarzer über Muslimas und Muslime her, die ihren Glauben praktizieren und spricht ihnen ihre Überzeugung ab, ja unterstellt ihnen, dass sie ihr Verhalten nicht auf Gott ausrichten, sondern nur anderen Menschen zu Gefallen handeln. Wie auch ihre „Schwester im Geiste“, Necla Kelek, verallgemeinert sie hier schlechte Erfahrungen, die sie selber gemacht hat. Sie urteilt – dabei ist sie doch Rechtsanwältin und nicht Richterin – über andere Menschen. Trotzdem: ich will gerade darum vorsichtig sein mit meiner Bewertung. Nur Gott kann ihre Motive beurteilen. Aber die Auswirkungen ihres Verhaltens, die kann ich darlegen.

Und was kommt heraus, bei diesem ganzen Gerede um einen kleinen Gebetsraum, in dem, wie in allen „echten“ Moscheen, jeder Gläubige willkommen ist? Ein Medienhype der alle demütigen Muslime, die nur Gott fürchten und deshalb sich auch nicht verstecken mit ihrer Überzeugung, als zurückgeblieben, demokratiefeindlich und womöglich dem Terrorismus nahestehend verunglimpft.  Als ob gläubige Menschen nicht sowieso schon mit vielen Schwierigkeiten in einer Gesellschaft kämpfen, die zunehmend vom Glauben an Gott abgebracht werden soll, egal ob man das auf jüdische, christliche oder muslimische Art tut! Wahrhaft Gläubige haben einen Gerechtigkeitssinn und wissen, dass das Leben mit dem Tod nicht endet, sondern dass sie Rechenschaft ablegen werden für ihre Taten, egal in welcher der großen Religionen.

Das macht sie widerspenstig gegenüber Unrecht, das auf dieser Welt geschieht und unbequem. Solche Menschen können Imperialisten und Kapitalisten nicht gebrauchen. Was dieses System will, sind stumpfsinnige Konsumenten und Arbeitskräfte, keine Persönlichkeiten die um ihren menschlichen Wert wissen und ihre Würde wahren wollen. Der Glaube an Gott macht die Menschen frei – wahrscheinlich muss man sie genau deshalb als unterdrückte, dumme und ungebildete Schafe verunglimpfen, weil ihre Freiheit womöglich ansteckend sein könnte?!

Übrigens habe ich persönlich noch keine Moschee erlebt, die irgend jemanden ausgrenzt, der dorthin kommt um  zu beten. Nicht mal bei den Salafisten, als ich mich mal „verirrt“ hatte, hat man mich rausgeworfen, als ich meinen Gebetsstein auspackte. Wir brauchen keine Moscheen für Homosexuelle, weil es im Gebet niemanden interessiert, mit wem der Gläubige schläft und weil uns die Sünden anderer erstmal nichts angehen, schon gar nicht wenn wir uns gerade im Gebet vor Gott demütigen und für unsere eigenen Sünden um Verzeihung bitten. Kein Muslim soll doch mit seinen Sünden hausieren gehen, wir gehen nicht in die Moschee und verkünden laut, was wir gerade alles Schlimmes getan haben – und zu den großen Sünden gehören auch im Islam unerlaubte sexuelle Handlungen. Damit brüstet sich niemand in der Moschee, sondern damit setzt sich ein jeder und eine jede  trotzdem Gläubige in  ihrem eigenen Gebet auseinander. Woher sollen also andere Betende in der Moschee wissen, was ein Mensch außerhalb anstellt?

Sicher gibt es was zu verbessern in den Moscheen. Und die von den „Liberalen“ so gescholtenen Dachverbände können sicher an der einen oder anderen Stelle ihre Gemeinden mehr unterstützen, sich in vielen Bereichen ihrer Tätigkeiten weiterzuentwickeln. Aber kundige Vorbeter hat jede Gemeinde. Da braucht sich niemand zum „Imam“ oder zur „Imamin“ aufschwingen, der oder die mal gerade das Gebet erlernt hat.

Ates´Mitstreiter, Abdel Hakim-Ourghi, kritisiert übrigens „Selfmade-Imame“. Als „echter“ Islamwissenschaftler hat er aber anscheinend keine Probleme mit seiner „Selfmade-Imamin“. Es wundert auch, dass jemand der doch den Islam studiert hat, nicht in der Lage ist, „Problemverse“ historisch einzuordnen und der eine sehr einseitige Auslegung verbreitet, indem er behauptet, dass der Islam zur Ermordung von Nichtmuslimen aufruft und Frauen benachteiligt. Selbst eine Laiin wie ich, ist in der Lage zu verstehen, in welchem Kontext solche Stellen zu verstehen sind – Ourghi anscheinend nicht. Und auch er behauptet von sich ein Muslim zu sein und will jetzt eine „Moschee“ gründen.

Ich denke, wissentlich oder unwissentlich werden hier Marionetten eingesetzt, die einen dem Zeitgeist konformen Islam verbreiten sollen. Aber Gott ist unabhängig von unseren menschlichen Verwirrungen und hat uns ein Buch und Vorbilder gegeben, die uns in allen Zeiten anleiten. Das heißt nicht, dass wir heute herumlaufen müssen wie vor 1400 Jahren und auf Kamelen reiten. Im Gegenteil, der Quran betont immer wieder, dass wir unseren Verstand benutzen und uns weiterentwickeln sollen. Haltlos einem Zeitgeist nachlaufen, der uns zu stupiden Konsumenten machen soll, ist aber keine Weiterentwicklung.

Interessant ist übrigens, dass einer der Gesellschafter (ja, richtiger Ausdruck, denn die Rechtsform ist eine gGmbH) der „Ibn-Rushd-Goethe-Moschee“,  Mimoun Azizi, sich von dem ganzen Verein losgesagt und ein Buch über seine Erfahrungen angekündigt hat. Ich bin gespannt.

Soweit für jetzt. Das Thema wird uns wohl noch länger beschäftigen. Wir haben ja auch keine wirklichen Probleme auf der Welt.

Hier noch eine Stellungnahme des höchsten schiitischen Gelehrten in Europa, Ayatollah Ramezani vom Islamischen Zentrum Hamburg, der sehr viel deutlichere Worte als ich sagen kann, da er sehr viel besser durchschaut, welchen Zweck diese „Moschee“ verfolgt.

Stellungnahme von Ayatollah Dr. Reza Ramezani zur Gründung der liberalen Moschee in Berlin

Im Namen Gottes, des Gnädigen, des Barmherzigen

Nach der Veröffentlichung der Nachricht über die Eröffnung einer „anderen“ neuen Moschee in der deutschen Hauptstadt Berlin hat der Vorsitzende der schiitischen Theologen und Wissenschaftler Europas, Ayatollah Dr. Reza Ramezani, bei der Preidigt zum Freitagsgebet in Hamburg Stellung bezogen. Wie die deutschen Medien berichten, gehört dieses Zentrum, die so genannte Ibn-Rushd-Goethe-Moschee, den liberalen deutschen Muslimen. Das Freitagsgebet wird in dieser Moschee angeführt von einer Frau ohne die entsprechende islamische Bekleidung. In diesem Zentrum beten neben den Männern, Frauen ohne Kopfbedeckung. Auch Homosexuelle sind eingeladen, an den Zeremonien teilzunehmen. Die Verantwortlichen dieses Zentrums sagen, dass sie diesen Ort errichtet hätten, für alle Menschen, die sich in den anderen Zentren und Moscheen nicht sicher und wohl fühlen. Sie bezeichnen dies als eine Gegenbewegung zu den konservativen und extremistischen Muslimen.
Als Reaktion auf die Gründung dieser sogenannten Moschee verurteilte der Imam und Leiter des Islamischen Zentrums Hamburg diese Bewegung und sagte: „Zu meinem Bedauern hat mich die verwunderliche Nachricht über die Gründung der „anderen, schädigenden Moschee“ im Herzen Europas erreicht. Obwohl es zunächst wie ein schlechter Witz zu Kosten der Heiligtümer aussah, brachte jedoch deren Widerhall in den Medien die bittere Wahrheit dieser Bewegung ans Licht. Wir bezeichnen diese fragwürdige Aktion als eine gemanagte Bewegung zur Verunglimpfung und Beleidigung des Islams, der Muslime und den Heiligtümern der Religionen. Diese machen sich über den Islam und der Scharia lustig. Wie kann jemand, der keine Bildung in den religiösen und islamischen Lehren und kein Studium an einem religiösen Zentrum oder theologischen Hochschule hatte, die religiösen Angelegenheiten übernehmen und ein Ort Moschee nennen, und dabei alles, was ihm gefällt, im Namen des Islams der Welt präsentieren. Es liegt klar auf der Hand, dass die Leiter dieser fragwürdigen Bewegung unreligiöse Ziele verfolgen. Leider haben auch andere Konfessionen ihre Unterstützung von der Gründung eines solchen Zentrums bekundet, was wiederum einem zu bedenken gibt, wie sie plötzlich die Unterstützung der Muslime zum Bau von Moscheen als ihre Pflicht bezeichnen.“
„Wir Muslime sind der Ansicht, dass die Moschee das Haus Gottes ist, und dass die Anwesenheit an diesem heiligen Ort, wie auch andere heilige Stätten, wie Kirchen oder Synagogen, seine besonderen Rituale hat, die auch eingehalten werden müssen. Daher verkünden wir, dass die Würde der Moschee eingehalten werden muss, und deren heillige Stellung nicht mit Devitationen und Verunglimpfungen besudelt werden dürfen. Imam Hassan Mojtaba sagt über die Eigenschaften derjenigen, die mit der Moschee in Verbindung sind: „Jeder, der regelmäßig zur Moschee geht, wird von folgenden Zeichen nutzen ziehen: 1. Aufrichtige Zeichen (Verständnis der göttlichen Zeichen), 2. Nützliche Freundschaften, 3. Neue Kenntnisse, 4. Erhoffte Segen, 5. Worte, die ihn auf den rechten Weg leiten, 6. Worte, die ihn vor Erniedrigungen bewahren, 7. Distanzierung von Sünden, aus Scham vor Gott, 8. Distanzierung von Sünden, aus Furcht vor Gott.““
An einer anderen Stelle seiner Rede sagte Ayatollah Dr. Reza Ramezani: „Wir haben des Öfteren in unseren Reden angekündigt, dass der Islam sowohl eine Religion der Logik, Spiritualität und Gerechtigkeit ist, als auch auf der Scharia basiert, deren endgültigen Verordnungen bis zum jüngsten Tag unabänderlich sind. Gemäß der Scharia steht das Pontifikat einer Frau für Männer und Frauen im Widerspruch zu den Verkündungen der schiitischen und sunnitischen Gelehrten, außerdem ist eine notwendige islamische Bekleidung während des Ritualgebets verpflichtend. Des Weiteren ist eine angemessene Bekeidung der mulimischen Frauen gegenüber fremden Blicken vorgeschrieben. Eine Frage, die hier auftaucht, ist, wie diese sogenannten „Muslime“ mit den Versen der Sure al-Noor über die islamische Bekleidung (Hijab) umgehen wollen? Aus welchen Lehren des geehrten Propheten haben sie ihre neuen Regeln für das Ritualgebet entnommen? Nach welcher Grundlage haben sie die Rituale zum Betreten einer Moschee geändert? Nach welchem göttlichen Gebot wird angekündigt, dass die Präsenz derjenigen, die praktisch unzüchtige Taten begehen, in dem Gebäude, das sie „Moschee“ nennen, erlaubt ist? Solche Aktionen sind im klaren Widerspruch zu den eindeutigen Versen des Qur’ans und der Tradition des Propheten. Obwohl die Feinde des Islams es gern sehen würden, dass die islamische Scharia – genauso wie die anderen Religionen, die aufgrund verschiedener Abwege ihre Mission verloren haben – durch solche Taten auf Abwegen gerät und dekadent wird, sollten sie wissen, dass die Gebote Gottes und die islamische Scharia nicht so leicht auf Abwege zu bringen ist. Es steht jedem natürlich frei, unter welchem Namen auch immer, ein Tempel zu errichten und ähnliche Taten und Rituale, wie die anderen Religionen, zu verrichten, doch es darf nicht im Namen des Islams Taten vollbracht werden, die im Widerspruch zum Islam stehen.“
Ayatollah Dr. Reza Ramezani sagte als Antwort darauf, dass diese Personen ein Ort zur Bekämpfung von Extremismus und Terrorismus suchen: „Ist der Weg zur Bekämpfung von Extremismus die Entstellung des Islams und der Scharia des Propheten? Warum versucht ihr mit der Verunglimpfung der Heiligtümer und der göttlichen Gebote, die Gefühle der Muslime zu verletzten, anstatt die Handlanger der Verbreitung von Gewalt und Extremismus auf der Welt, die dann durch den Verkauf von Waffen enorme Profite erzielen, aufzuspüren? Wir verkünden hier ausdrücklich, dass die Türen der Moscheen für jeden aus jeder Religion und Konfession geöffnet sind. Jedoch müssen die Rituale und Traditionen, die in den Qur‘anversen und Überlieferungen verankert sind, respektiert und eingehalten werden. Diese fragwürdige Aktion, die unter keinen Umständen zu entschuldigen ist, ist eine Verunglimpfung der Heiligtümer der Religionen und steht im Widerspruch zu den Gebetsritualen des Islams. Die Muslime und insbesondere die religiösen Gelehrten müssen auf einer angemessenen und legitimen Weise ihren Einspruch zu dieser Aktion verkünden. Wir fordern den Koordinationsrat der Muslime (KRM), die Schiitische Gemeinschaft Deutschlands (IGS), die Islamischen Räte der Bundesländer, die islamischen Fakultäten, Islamwissenschaftler, Moscheen und deren Imame, und alle Brüder und Schwester auf, dieser Beleidigung nicht tatenlos zuzusehen und ihre Abneigung zu verkünden, damit dieser Schandfleck nicht auf den Namen der deutschen Muslime und deren Vertreter beruht.“

 

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Hier habe ich übrigens noch einen alten Beitrag über Seyran Ates recycelt: Braucht der Islam eine sexuelle Revolution