Elhamdülillah,Bayram!

Im Namen Gottes, des Erbarmers, des Barmherzigen!

Da ist er, der Neumond von Schawwal!

Der Neumond des 10. Monats im islamischen Kalender wurde gesichtet und somit ist nun, wie ich schon vermutet hatte, heute auch „Bayram“ (Feiertag) für mich gewesen. Elhamdülillah (türkische Version von „Alhamdulillah – Gott sei Dank, alles Lob gebührt Allah)

Da ich hier in der Türkei keine Familie habe und auch bislang keine Gemeinde, mit der ich den Tag verbringen könnte (ich habe ja erst letzte Woche ein paar schiitische Schwestern kennen gelernt, aber die sind in Antalya, was für mich ja auch eine mehrstündige Anreise bedeutet) habe ich den Tag mit einer Freundin am Strand verbracht. Ein paar Eindrücke gibt es hier (nur Handybilder, ich wollte die Kamera da nicht einem ganzen sandigen Tag aussetzen, 🙂 ). Heute waren auch viele türkische Familien am Strand, hier sind ja insgesamt 9 Tage Feiertagsferien ausgerufen worden, die viele auch zu einer Reise nutzen. Natürlich muss all das Hotel- und Servicepersonal arbeiten.

Wir waren in unserem bevorzugten „Beach-Club“, der „Coppa Beach“ in Side-Kumköy. Viele Strandabschnitte sind ja von den große Hotels belegt, aber es gibt einige freie Strände, oder auch kommunale, bei denen man für wenig Geld einen Liegestuhl mieten kann, oder einen umsonst bekommt, wenn man etwas verzehrt. Ich hab normalerweise nur 10 Min. Fussweg zum Strand, aber zum heutigen Ziel muss ich ca. 3 km laufen, oder den Bus nehmen. Ich gehe aber gerne am Wasser entlang dorthin. Heute habe ich es mal richtig krachen lassen…Kaffee, Wasser, Softdrink, Pizza…..für 60 türkische Lira, macht nach heutigem Kurs 9,31€ plus Trinkgeld. Das kann man sich zum Festtag auch als Frührentnerin mal leisten. Und dieser Beach-Club gehört zu den teureren.

Liegestuhlperspektive
plitsch,platsch, an der Wasserkante wieder nach Hause..

Gut gelaunte Festtagsgrüße an die Welt!

Monat Ramadan 2019: Muslima allein zu Haus

Im Namen Gottes des Erbarmers, des Barmherzigen

Ich verfolge gerne die Blog- und Videobeiträge von muslimischen Schwestern zu ihren Erfahrungen im Monat Ramadan. In früheren Jahren hab ich auch schon davon erzählt, einiges davon findet sich noch im Archiv von „Mariams Welt“. In den letzten Jahren konnte ich nicht fasten im heiligen Monat. Jetzt ist natürlich der „Fastenmonat“ nicht nur wegen des Fastens bedeutungsvoll, sondern ist eine Einladung unseres Schöpfers, damit wir uns IHM mehr nähern. Fasten ist dazu ein Hilfsmittel, man ist nicht so abgelenkt mit dem ständigen Gedanken an und der Vorbereitung von Essen, man schult seine Willenskraft, das Mitgefühl mit Menschen denen es nicht so gut geht wie uns steigt – und viele weitere Aspekte machen diese Zeit zu einer Herausforderung und Chance. Aber man kann natürlich auch eine spirituelle Atmosphäre für sich schaffen, obwohl man nicht fastet. Das habe ich immer versucht, bin aber trotzdem glücklich, dass mein Gesundheitszustand jetzt so ist, dass ich keine Medikamente mehr nehmen muss, die mich daran hindern, im diesem Monat zu fasten.

Der Einstieg ist mir ganz gut gelungen. Ich wohne ja seit letztem Jahr in der Türkei, habe aber letztes Jahr nur einen Teil des Monats hier verbracht, weil ich vorher in Deutschland war. Danach waren dann mein Mann und sein Sohn mit mir hier. Da hatte ich also zwei fastende Männer im Haus und konnte aber damals selber noch nicht mitmachen. Dazu hatten wir viel zu tun an der Wohnung und Organisatorisches. So eine richtig ruhige Atmosphäre war das nicht. Mein Mann ist ja von Kindheit an gewohnt zu fasten und zieht das auch in diesem Jahr während der Arbeitszeit im Drei-Schicht-Betrieb durch, das kann ich mir für mich gar nicht vorstellen.

In diesem Jahr bin ich also ganz alleine hier zu Hause in der Türkei, weil mein Mann ja weitgehend in Deutschland lebt und arbeitet und jetzt keinen Urlaub hat. Die ersten drei Fastentage (ich habe am Montag mit den türkischen Geschwistern angefangen, obwohl nach meiner Rechtsschule der 1. Ramadan erst am Dienstag war) habe ich gut verbracht, alhamdulillhah, elhamdülillah, Gott sei Dank!

Bild von Afshad Subair auf Pixabay

So langsam scheine ich eine Routine für diese Zeit zu entwickeln. Ich stehe ein wenig später auf als gewohnt und verbringe den Vormittag nahezu „normal“, ein bisschen Arbeit für meinen Minijob, ein bisschen Haushalt – wie üblich, nur ohne Kaffee. Den habe ich schon ein paar Tage vor dem Beginn des Monats Ramadan sehr reduziert, denn ich glaube, dass der Kaffee, oder vielmehr der Koffeinentzug verantwortlich ist, wenn ich beim Fasten sehr unter Kopfschmerzen leide.

Wenn ich was zu erledigen habe, sollte ich das noch vor dem Mittagsgebet tun, oder bald danach. Auch mein täglicher Spaziergang sollte vor 15 Uhr nachmittags stattfinden. Er fällt kürzer aus als normal, ich hab vielleicht die Hälfte meiner üblichen Schritte auf dem Zähler. Meist telefoniere ich um die Zeit auch mit meinem Mann, wenn der gerade Spätschicht hat.

Nach einem ausgiebigen Mittagsschlaf, den ich richtig nötig habe, denn am Nachmittag schwächele ich ganz schön, lese ich dann meinen täglichen Abschnitt im Koran (in Übersetzung), kümmere mich um meine Mahlzeit zum Iftar und mach noch ein bisschen was im Haushalt.

Ein bisschen noch herumgammeln, vielleicht auf dem Balkon sitzen, Zeit für ein bisschen lesen, telefonieren o.ä. und dann naht auch schon bald die abendliche Gebetszeit und das Abendessen. Mein Iftar fällt nicht aufwendig aus, so alleine. Und danach hab ich noch Zeit zum lesen. Durch den Mittagsschlaf bleibe ich länger wach am Abend, einmal war ich sogar bis zum Morgengebet auf.

Ein sehr ruhiger Rhythmus, aber so komme ich wohl ganz gut zurecht. InschaAllah (so Gott will) schaffe ich es, den Monat Ramadan durchzufasten. Aber noch wichtiger ist mir, dass ich meine Verbindung zu Gott festige. Mehr Bittgebete, mehr islamische Literatur lesen oder auch Vorträge anschauen, mehr nachdenken …das kann ich übrigens am besten, wenn ich am Meer ganz in Ruhe spazieren gehe.

Ich bin ja Anhängerin der dschafaritischen Rechtsschule, also Schiitin – darum gehe ich nicht in die Moschee zu den Tarawih-Gebeten wie die sunnitischen Geschwister hier. Aber vielleicht gehe ich dann im Laufe des Monats doch mal in die Moschee, in den heiligen Nächten vielleicht. Ein bisschen Gemeinschaftsgefühl wird sicherlich auch gut tun. Aber ansonsten bin ich in meiner Ruhe und meinem weitgehenden Rückzug sehr zufrieden. Ich glaube, diese Art den Monat Ramadan zu begehen, ermöglicht mir überhaupt erst zu fasten. Ich muss ja immer sehr gut auf mich aufpassen, damit meine chronische Depression sich fein im Hintergrund hält. Achte ich gut darauf, das richtige Maß an Aktivität und Ruhe einzuhalten, wie es für mich passt, dann komme ich zur Zeit ohne Medikamente sehr gut zurecht.

Ich denke, ich werde in den nächsten Tagen ein bisschen darüber erzählen, was mich so beschäftigt und wie es mir hier weiter so geht. Momentan bin ich sehr zufrieden und fühle mich reich beschenkt von diesem friedlichen Leben. Meine Bittgebete sind bei denen, die es in diesem heiligen Monat nicht so gut haben.

Bild von Zaid ali auf Pixabay