Aus meinem Archiv „Meryems Welt“: Die USA – überall auf der Welt uneigennützig engagiert – Teil 3 – Warum tun die das?

In diesem Beitrag von 2012 begann ich damit, die Ursachen für die amerikanische Außenpolitik zu untersuchen. Für heute soll es dann genug sein, mit den Beiträgen aus meinem Archiv. Der Rest folgt dann inschaAllah in den nächsten Tagen. Wer ganz ungeduldig ist, kann diese Artikel und vieles andere aber auch in „Mariams Welt“ finden. Der Blog wurde allerdings seit 2015 nicht aktualisiert, es sind aber eine Menge Beiträge zu finden.

Bismillah i rahmani rahim

Hier geht es zu Teil 2

Ja also die Frage: warum tun die das, die Amerikaner? Ich meine: es hat schon andere Imperien gegeben, nehmen wir die Römer, die Osmanen oder die Briten – die haben lange große Teile der Welt  beherrscht, aber das hat ihnen ja wohl Nutzen gebracht. Also jedenfalls den Bevölkerungsteilen, die davon profitieren sollten – Sklaven oder die Unterschicht nicht. Gut, jetzt könnte man sagen, dass der John Normalamerikaner eben auch nicht zählt und das die Imperialisten nun einmal nicht in der Lage sind, ihren Untergang zu erkennen. Das ist o.g. und anderen Imperien auch schon so gegangen.

Und auch die Römer haben sich vielleicht damit gebrüstet, den eroberten Völkern eine Infrastruktur geschaffen zu haben, Straßen auf denen wir teilweise heute noch unterwegs sind. Die Osmanen hielten sich zugute, den Islam zu verbreiten. Vielleicht ist die Weltpolizei-Uniform der Amerikaner also gar nichts Ungewöhnliches?

Ich bin nicht ganz überzeugt davon, denn der Zustand der USA ist ja so offensichtlich, dass man doch eigentlich gar nicht darüber hinwegsehen kann. In diesen Zeiten, mit diesen Kommunikationsmöglichkeiten, diesem Wissen – können denn amerikanische Regierungen tatsächlich so blind sein, dass sie nicht merken, dass sie ihr Reich so nicht weiter vergrößern können? Während sie noch ihre Kriegsschiffe im Persischen Golf versammeln und den nächsten Angriffskrieg planen, bricht ihnen zu Hause alles zusammen. Aber ohne ein Kernland kann auch ein Imperium nicht existieren. Mal abgesehen davon, dass auch in den „geretteten“ Ländern die Dankbarkeit nicht groß ist und der Ertrag nicht so wie gewünscht. Die irakischen Ölfelder z.B. beuten zum größten Teil die Chinesen und Russen aus. So ein Pech aber auch. Da bringt es nicht so viel, dass man amerikanische Baufirmen zu überteuerten Preisen (die die Iraker zu bezahlen haben), den Wiederaufbau der Infrastruktur zuschanzt, die man vorher zerbombt hat.

Noam Chomsky hat dazu interessante Thesen zur Frage nach dem „Warum“ (gefunden hier: http://zmag.de/artikel/die-brutalitaet-des-us-imperialismus):

Es wäre reizvoll, ganz vorne in der Geschichte anzufangen. Zwar liegt dieses ‚ganz Vorne‘ ziemlich weit zurück, doch wäre es sinnvoll, sich Gedanken über einige Aspekte unserer amerikanischen Geschichte zu machen, die einen direktem Bezug zur aktuellen amerikanischen Nahostpolitik haben. Amerika ist, in vielerlei Hinsicht, ein recht außergewöhnliches Land. Vielleicht ist es das einzige Land auf der Welt, das als Imperium gegründet wurde. Zunächst steckte das Imperium noch in den Kinderschuhen. George Washington sprach von einem ‚Kleinkind-Imperium‘ (infant empire). Die Agenda der Gründerväter war ehrgeizig. Thomas Jefferson, der libertärste unter ihnen, war der Auffassung, das kindliche Imperium sollte expandieren. Es sollte, um es mit seinen Worten auszudrücken, das „Nest“ sein, von dem aus der gesamte Kontinent zu kolonialisieren sei. Das bedeutete auch, die „Roten“, die Indianer, loszuwerden. Sie sollten vertrieben oder vernichtet werden. Die Schwarzen sollten zurück nach Afrika (sobald wir sie nicht mehr brauchten) und die Latinos durch eine überlegenere Rasse ersetzt und eliminiert werden.

In seiner ganzen Geschichte war Amerika durchweg ein sehr rassistisches Land – nicht nur in Bezug auf die Schwarzen. Das war Jeffersons Vorstellung – mit der die anderen mehr oder  weniger konform gingen. Es war eine Gesellschaft von Kolonialsiedlern. Kolonialisierung durch Besiedelung ist bei weitem die schlimmste Form des Imperialismus, die brutalste, da sie die Auslöschung der indigenen Bevölkerung voraussetzt. Meiner Ansicht nach kommt die reflexartige Unterstützung der USA für Israel (auch Israel ist eine Gesellschaft von Kolonialsiedlern) nicht von ungefähr. Die israelische Politik erinnert in gewisser Weise an unsere eigene geschichtliche Vergangenheit. In gewissem Sinne wiederholt die israelischen Politik unsere Geschichte. Doch es geht noch weiter. Die ersten (weißen) Siedler Amerikas waren religiöse Fundamentalisten, die sich selbst in der Rolle der Kinder Israels sahen, die einer göttlichen Weisung folgend, das Gelobte Land besiedelten und die Amalekiter und andere Völker abschlachteten. Das fand genau hier statt: Die ersten Siedler siedelten in Massachusetts. Sie gingen mit reichlich wohlwollender Unterstützung zu Werke.

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Wenn wir uns das Große Siegel der Bay Colony von Massachusetts ansehen, so erkennen wir darauf einen Indianer mit einem Pfeil in der Hand. Die Spitze des Pfeils weist, als Friedensgeste, nach unten. Aus seinem Mund windet sich ein Spruchband: „Kommt rüber und helft uns“. Es ist ein frühes Beispiel für ‚Menschenrechting‘, für eine ‚humanitäre Intervention‘, wie wir heute sagen würden. Es gibt Parallelen zu anderen Begebenheiten – zu Geschehnissen bis in unsere Zeit. Die Indianer sollen die Siedler gebeten haben, herüberzukommen und ihnen zu helfen. Die Siedler kamen mit guten Absichten, einer göttlichen Weisung folgend. Sie kamen, um zu helfen. Allerdings stellte sich heraus, dass sie den Indianern zu ihrer Ausrottung ver-halfen. Das war verwirrend. Um das Jahr 1820 schrieb ein Richter des Obersten Gerichtshofs, es sei merkwürdig, dass die Indianer „wie die Blätter im Herbst“ dahinwelkten und sich verstreuten – trotz der guten Absichten und der Liebe, die man ihnen entgegenbrachte. Wie war das möglich? Der Wille Gottes, die Vorsehung, seien „jenseits dessen, was wir Menschen begreifen können“, meinte der Richter. Es war also schlicht Gottes Wille – den wir schließlich nie begreifen können. Die Vorstellung, dass wir stets Gottes Willen tun, nennt sich ‚Glaube an die Vorsehung‘ – und dieser Glaube existiert bis heute. Mit allem, was wir tun, erfüllen wir Gottes Willen.

Ich finde das spannend, weil ich mich auch schon oft gefragt habe, welche Auswirkungen es auf ein Land, oder einen Staatenbund hat, wenn er auf dem größten Völkermord aller Zeiten gegründet ist! Wobei über den Begriff „Völkermord“ in diesem Zusammenhang gestritten wird, da es ja wohl nicht den grundlegenden Plan gab, alle Indianer umzubringen. Und viele sind schlicht an ansteckenden Krankheiten gestorben, gegen die sie keine Immunität hatten. Es ist auch fast nicht mehr feststellbar, wieviel Bevölkerung Nordamerika vor der Eroberung durch die Europäer hatte.

Die  Siedler in Amerika waren ja auch nicht nur als Missionare unterwegs. Millionen von Menschen sind dorthin ausgewandert, weil sie in Europa unter Hunger und politischer und religiöser Unterdrückung litten. Man kann also davon ausgehen, dass viele schon traumatisiert waren, als sie sich auf die Reise gemacht haben und dass viele auch auf der Reise Traumata erlitten haben…schließlich waren die Reisebedingungen für arme Passagiere nicht nur unkomfortabel sondern auch lebensgefährlich. Hunger, Krankheiten, Verlust der spärlichen  Habe auf der Reise – die meisten Siedler die nach Amerika kamen, waren keine privilegierten Personen. Viele mussten sich für Jahre dienstverpflichten um ihre Überfahrt bezahlt zu bekommen. Man kann sich also auch fragen, was diese Gründe für,  und Bedingungen der, Auswanderung für eine Rolle spielen im Zusammenhang mit damaligem und heutigem kolonialem Denken und Handeln.

Vielleicht ist das alles pures Sicherheitsstreben, wie Noam Chomsky schreibt:

Die Eroberung des nationalen Territoriums der USA war eine hässliche Angelegenheit. Die etwas ehrlicheren Charaktere in unserer Geschichte gaben das durchaus zu – etwa John Quincy Adams. Er war ein überragender Großstratege des Expansionismus und geistiger Vater des ‚Manifest Destiny‘ und vielem mehr. In seinen späten Jahren, nachdem seine eigenen schrecklichen Verbrechen längst Vergangenheit waren, begann er, das Schicksal jener „glücklosen Rasse der eingeborenen Amerikaner“ zu bejammern, „die wir mit solch gnadenloser und perfider Brutalität ausrotten“. Dies sei eine der Sünden, für die der Herr uns bestrafen werde, meinte Adams. Nun, wir warten noch immer darauf.

Adams Lehren werden bis heute gepriesen. Einer der führenden Historiker unseres Landes ist John Lewis Gaddis. Er hat ein wichtiges akademisches Buch über die Wurzeln der Bush-Doktrin geschrieben. In diesem Werk leitet Gaddis die Bush-Doktrin direkt von Adams Großstrategie ab. Das ist korrekt und plausibel. Gaddis schreibt, die Doktrin ziehe sich durch die gesamte Geschichte unseres Landes. Er preist sie. Seiner Meinung nach ist es genau das richtige Konzept: Wir müssen unsere Sicherheit verteidigen; Expansion ist der richtige Weg, um dies zu erreichen. Du musst alles kontrollieren, um tatsächlich in Sicherheit leben zu können. Folglich mussten wir expandieren – und nicht nur in unserer eigenen Hemisphäre. Das ist die Bush-Doktrin.

Ich finde das nachvollziehbar, aber natürlich irrsinnig. Gerade wenn man sich doch auf sein Gottvertrauen beruft, kann man schließlich nicht meinen, dass man „alles kontrollieren“ könne.  Wenn ich jung wäre, würde ich die Folgen von Traumata für das Bewußtsein, oder besser Unterbewußtsein, ganzer Völker untersuchen wollen – aber für eine akademische Karriere ist es zu spät. Bei Patienten mit Zwangserkrankungen findet man allerdings bei über der Hälfte der Betroffenen traumatische Erlebnisse in der Vergangenheit. Der Zwang ist hier also u.a. eine außer Kontrolle geratene Methode, mit alten Ängsten fertig zu werden.

(Kleiner Einschub: Auch im Hinblick auf israelische Politik ist es interessant, diese Zusammenhänge zu betrachten. Denn auch die völlig rücksichtslose zionistische Politik scheint mir jedenfalls zum Teil in der Verfolgung und Ermordung der Juden zu wurzeln. Aber nicht nur – den Zionismus und das  Gefühl der Überlegenheit gab es schon vor dem Holocaust. Die Zwangserkrankungen von Einzelpersonen führen aber auch dazu, dass man für andere Menschen keine Rücksicht und keinen Raum mehr übrig hat. Das hat man ja nicht einmal für sich selber sondern verausgabt sich bis zur völligen Erschöpfung damit, den Zwängen nachzugehen

Und natürlich kann man auch unsere deutsche Politik unter dem Vorzeichen der Folgen der Weltkriege des 20. Jahrhunderts untersuchen. Dass diese sich bis heute auf Einzelpersonen, aber auch Familien auswirken, ist ja auch bekannt – s. Literatur über „Kriegskinder“ und „Kriegsenkel“ – zu denen ich auch gehöre.)

Haben wir vielleicht hier einfach eine verhängnisvolle Vermischung von religiösem Eifer, Herrenmenschendenken und tiefer Verunsicherung durch schlimme Erfahrungen in der Vergangenheit? Und wie ist die heutige Rolle der USA zustandegekommen, so lange sind die Vereinigten Staaten ja noch keine Weltmacht. Noam Chomsky dazu:

Ich möchte nicht zu sehr ins Detail gehen. Zur Zeit des Zweiten Weltkrieges spielten die USA global gesehen gewissermaßen noch eine sekundäre Rolle, obgleich sie schon lange das mit Abstand reichste Land der Welt waren. Hauptakteur auf der Weltbühne waren die Briten – ja selbst die Franzosen verfügten global gesehen über größeren Einfluss. Mit dem Zweiten Weltkrieg änderte sich alles. Amerikanische Strategen – Roosevelts Planer – hatten gleich zu Beginn des Krieges begriffen, dass die USA am Ende des Krieges eine ungeheure Machtstellung bekleiden würden.

Im Verlauf des Krieges bezwangen die Russen die Deutschen. Es waren in erster Linie die Russen, die den Krieg in Europa gewannen. Dennoch war klar, dass die USA (nach dem Krieg) noch dominanter sein würden. Folglich arbeiteten amerikanische Strategen sorgfältig an Plänen für die Zeit danach. Wie sollte, nach ihrer Meinung, die Welt nach dem Krieg aussehen? Die USA sollten die totale Kontrolle über die westliche Hemisphäre, über Fernost und die Regionen des ehemaligen Britischen Imperiums erhalten (und soviel Macht über Europa und Asien (Eurasien) wie irgend möglich). Dabei kam Europa – dem industriellen und kommerziellen Herzstück dieser Region – besondere Bedeutung zu. Das war die minimale Zielsetzung. (Das Maximum wäre die ganze Welt gewesen – wobei wir dies ja nur anstrebten, weil es für unsere Sicherheit nötig war.) Innerhalb dieser Regionen würden die USA eine nicht zu hinterfragende Kontrolle ausüben und jedes Streben (eines Staates) nach Souveränität in die Schranken weisen.

Als der Krieg zu Ende war, befand sich Amerika in einer Position, die so mächtig und sicher war, wie es das in der Geschichte noch nie gegeben hatte, nicht einmal ansatzweise. Die USA besaßen die Hälfte des Reichtums der Erde. Sie kontrollierten die gesamte Hemisphäre und die ihnen gegenüberliegenden Regionen jenseits des Atlantik und des Pazifik. Doch sie hatten noch nicht alles, was sie wollten. Da waren die Russen und vieles mehr, was noch nicht unter ihrer Kontrolle war. Dennoch dehnten sich die USA auf erstaunliche Weise aus – und das Zentrum dieser Expansion war der Nahe/Mittlere Osten.

Adolf A. Berle war einer von Präsident Roosevelts führenden und langjährigen Beratern und  ein führender Liberaler. Berle glaubte, das Öl des Nahen/Mittleren Ostens werde von substantieller Bedeutung sein, wenn es darum gehe, wer die Welt kontrolliere. Diese Doktrin gilt bis heute. Sie gilt, jetzt, in diesem Moment und wird auch in Zukunft eines der wichtigsten politischen Themen sein.

Noam Chomsky geht im weiteren Verlauf noch gezielter auf die US-amerikanische Politik nach dem Zweiten Weltkrieg und nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion ein und beschreibt auch, warum der Nahe und Mittlere Osten für das amerikanische Machtstreben so wichtig ist und warum es immer die Iraner erwischt. Das passt aber nicht alles hier hinein und könnt Ihr unter obigem link nachlesen.

Ihr seht schon – ich weiß auch nicht wirklich „warum“ und kann nur Überlegungen anstellen. Da gibt es noch einige interessante Faktoren, wie den Einfluss der religiösen Strömungen auf amerikanische Politik.

Aber ich muss wohl noch einen Teil anhängen. Für heute ist Schluss mit Internet – der Ramadan beginnt jetzt auch für mich, viele Muslime haben ja schon heute mit dem Fasten begonnen, aber ich habe noch gewartet, dass mein „Marja“ die Mondsichtung verkündet. Und jetzt will ich die Nacht zum 1. Ramadan nutzen, dieser Monat ist schließlich ein Monat der Gelegenheiten.

Die Türen des Paradieses sind in diesem Monat offen, so bittet Allah, euren Herrn, sie nicht vor euch zu verschließen. Die Türen des Feuers sind geschlossen, so bittet Allah, euren Herrn, sie nicht für euch zu öffnen. Die Teufel sind angekettet, so bittet Allah, euren Herrn, sie nicht auf euch loszulassen.”

Aber das ist jetzt wieder ein anderes Thema. Oder auch nicht.

Aus meinem Archiv „Meryems Welt“: Die USA – überall auf der Welt uneigennützig engagiert – Teil 2

Hier geht es weiter mit der Artikelreihe von 2012 zur Außenpolitik der USA.

Bismillah i rahmani rahim

zu Teil 1 geht es hier

Das außergewöhnliche Engagement der USA wurde in 2009 endlich mit dem Friedensnobelpreis für seinen Präsidenten Barak Hussein Obama gewürdigt. Das Nobelpreiskomitee sprach (Auszug):

Es kommt nur sehr selten vor, dass eine einzelne Person es in dem Maße wie Obama schafft, die Aufmerksamkeit der ganzen Welt auf sich zu ziehen und den Menschen die Hoffnung auf eine bessere Zukunft zu geben. Sein Verständnis von Diplomatie gründet sich auf der Überzeugung, dass diejenigen, die in der Welt den Ton angeben, dies auf der Grundlage von Werten und Maßstäben tun, die der Großteil der Erdbevölkerung teilt.

Seit 108 Jahren bemüht sich das norwegische Nobel-Komitee darum, eben diese Art der internationalen Politik und diese Maßstäbe zu fördern, für die Obama nun als weltweit größter Fürsprecher steht. Das Komitee macht sich Obamas Aufruf zu eigen, dass ’nun die Zeit für uns alle gekommen ist, unseren Teil der Verantwortung zu übernehmen, um eine globale Antwort auf globale Herausforderungen zu finden

http://www.spiegel.de/politik/ausland/wortlaut-wie-die-jury-den-nobelpreis-fuer-obama-begruendet-a-654188.html

Es gibt aber auch in den USA leider  Leute, die nicht bereit sind, überall auf der Welt zu helfen. Traurig aber wahr.  Die sogenannte Friedensbewegung z.B., kritisiert dass zuviel Geld für humanitäre Zwecke im Ausland eingesetzt wird (im US-Etat  Rüstungshaushalt genannt). Z.B. dass das Pentagon die Sparziele verfehlt, die ihm der Kongress aufgegeben hat. 123 Milliarden Dollar fehlen in den nächsten 5  Jahren, schließlich müssen auch die Soldaten Gesundheitsversorgung erhalten  und die Rüstungsindustrie versorgt werden, wegen der Arbeitsplätze. Und wenn das Verteidigungsministerium soviel Geld sparen soll, dann sehen Kritiker schon die Auslandseinsätze gefährdet und das geht natürlich nicht, wo doch die Völker nach amerikanischer Hilfe schreien.

In Afghanistan, Irak, Libyen, Syrien, Haiti, Pakistan, Kolumbien, Kenia….um nur einige zu nennen.

Bild: Urs1798 http://urs1798.wordpress.com/

Es ist schon ungerecht, dass der positive Einfluss der USA weltweit nur im Mittelfeld gesehen wird. Unverständlich.

http://tinyurl.com/7gmpbu7

O.K. jetzt aber Schluss mit der Ironie und hin zur Wahrheitssuche. „Uneigennützig“ ist das Engagement der USA wirklich in dem Sinne, dass es ihnen nichts nutzt, wie wir gesehen haben. Aber „uneigennützig“ per definitionem bedeutet natürlich, dass auch die Absicht so sein muss. Und das ist natürlich nicht der Fall – die USA tun dies alles nicht für andere Völker und Länder. Trotzdem muss man sich natürlich fragen „Warum?“, wo doch alle diese kriegerische Einmischung weltweit dem Land so offensichtlich schadet.

Halt – es schadet nicht dem ganzen Land.

Besonders wichtig ist die Rüstungsindustrie in den USA. Unter den zehn umsatzstärksten Rüstungsunternehmen weltweit stammen nur drei aus anderen Staaten (BAE Systems, EADS, Finmeccania). Mit einem Umsatz von 39,5 Milliarden US-Dollar ist laut Defense News der Konzern Lockheed Martin Weltmarktführer in diesem Industriesektor .http://tinyurl.com/7q82dnz

Insgesamt sind die Umsätze von Rüstungs- und Sicherheitsunternehmen nach Daten des Finanzanalysedienstes Capital IQ zwischen 2001 und 2010 von 217 auf 386 Mrd. Dollar gewachsen. Die Gewinne vervierfachten sich von 6,7 auf 24,8 Mrd. Dollar. Sie flossen vor allem in die Kassen der großen fünf der Branche in den USA: Lockheed Martin, Boeing, Northrop Grumman, General Dynamics und Raytheon.

…..Doch auch andere Unternehmen profitierten: Der Lastwagenhersteller Oshkosh etwa wurde einer der Top-Ten-Lieferanten des US-Militärs; die ehemalige Halliburton-Tochter KBR baute die Infrastruktur für neue Militärbasen. L3 Communications lieferte Ganzkörperscanner für US-Flughäfen; und Blackwater – heute Xe Services – wurde zur führenden Privatarmee der Welt.Vor allem in der Region um Washington brummt das Geschäft, der Krieg gegen den Terror wirkte wie ein gigantisches Konjunkturprogramm. „Das Wachstum nach 9/11 hat jährlich etwa einen Prozentpunkt zum regionalen Wachstum beigetragen“, schätzt Stephen Fuller, Experte für regionale Ökonomie an der George-Mason-Universität. Zwei U-Bahn-Stationen entfernt vom Pentagon arbeiten in der Bürostadt Crystal City Mitarbeiter diverser amerikanischer Geheimdienste Tür an Tür mit den Vertragspartnern, auch Lesser hat hier Werbeplakate für seine Website aufhängen lassen. „We want you“ steht darauf. Um näher dran zu sein am Zentrum der Macht, hat SAIC die Konzernzentrale 2009 aus Kalifornien nach Virginia verlegt, 2010 folgte Northrop Grumman.Robert Hale, der Budgetchef des Ministeriums, sitzt in seinem geräumigen Büro auf der nordöstlichen Seite des Pentagon, weit weg von Korridor 4, wo damals die Boeing abgestürzt war. Das Ölgemälde an der Wand, auf dem ein Kampfflugzeug über einer Landschaft in der Normandie kreist, stammt aus der Kunstsammlung des Ministeriums. „Wir waren am Ende der 1990er-Jahre auf dem tiefsten Ausgabenstand seit Ende des Zweiten Weltkriegs“, sagt der Beamte, der von 1994 bis zum Frühjahr 2001 Finanzchef der Luftwaffe war. „Ich wusste, dass es Lücken gab. Aber mit einem solchen Ausgabenanstieg hätte ich nicht gerechnet.“Für die Privatwirtschaft setzte der Boom genau im richtigen Moment ein. Die Technologieblase der 90er war gerade geplatzt. Das Pentagon hatte lange sparen müssen – jetzt floss das Geld wieder. Der Etat, der in der Dekade nach Ende des Kalten Krieges geschrumpft war, stieg und stieg. Allein der Basishaushalt des Pentagons wuchs in den vergangenen zehn Jahren inflationsbereinigt um rund 40 Prozent auf derzeit rund 530 Mrd. Dollar.Die Kosten für die Kriege in Afghanistan und im Irak sind da noch nicht einmal eingerechnet. Hinzu kommen Ausgaben für Geheimdienste, rund 80 Mrd. Dollar im Jahr, und für die Sicherheit innerhalb der Landesgrenzen. So verschlingt das neu gegründete Heimatschutzministerium mit mehr als 200.000 Mitarbeitern in diesem Jahr rund 43 Mrd. Dollar. http://tinyurl.com/3ugh8na Es gibt also Profiteure der USA-Auslandseinsätze, auch wenn die Mehrheit der Amerikaner unter den Kosten leidet, aber nicht nur unter den Kosten.  Denn der „humanitäre“ Einsatz von Uranmunition kostet nicht nur die Menschen in den „befreiten“ Ländern Leben und Gesundheit (http://meryemdeutschemuslima.wordpress.com/2010/02/23/gott-bewahre-den-rest-der-menschheit-vor-der-hilfe-der-amerikaner/). Auch das Leben der eigenen Soldaten ist den US-Regierungen nicht viel wert. 

11000 Tote – Soldaten wurden durch abgereichertes Uran verstrahlt

Karl Weiss – Nach den neuesten Angaben US-amerikanischer Veteranen-Vereinigungen sind es jetzt bereits 11 000 Tote und 518 739 arbeitsunfähig erkrankte ehemalige US-Sodaten, deren Krankheit und Tod auf den Einsatz von abgereichertem Uran in Geschossen der US-Streitkräfte zurückgeführt werden muss….rthur Bernklau, Vorsitzender der Vereinigung „Veteranen für verfassungsmäßiges Recht” in New York hat erklärt, die Anzahl von toten US-Soldaten durch „depleted Uranium“ (abgereichertes Uran) habe die Marke von 11 000 überschritten. Das abgereicherte Uran ist als Ursache des „Golf-Krieg-Syndroms“ bekannt, an dem nach seinen Angaben im Moment 325.000 der 580.000 Soldaten leiden, die im ersten Golfkrieg 1991 eingesetzt waren. Die Zahl bezieht sich auf Veteranen, die dauernd arbeitsunfähig sind…Obwohl bekannt war, was die Munition mit abgereichertem Uran den eigenen Soldaten antut, wurde sie auch beim Überfall auf Afghanistan und den Irak verwendet. Sie ist dort weiterhin im Einsatz. Auch Israel hat im zweiten Libanonkrieg im Juli 2006 diese Munition eingesetzt. In Deutschland ist diese Munition gelagert.
Nach Angaben Bernklaus sind einschliesslich von Irak- und Afghanistan-Veteranen im Moment insgesamt 518.739 ehemalige Soldaten wegen des „Golf-Krieg-Syndroms“ arbeitsunfähig, berichtet „American Free Press“ in Washington. Nach den Erfahrungen mit den Veteranen des ersten Golfkriegs wird eine große Zahl von ihnen noch daran sterben….Verschiedene Stellungnahmen des US-Militärs legen sogar nahe, es handele sich um „eingebildete Kranke“. Würde einer der Journalisten, die so etwas kolportieren, einmal seiner Pflicht nachkommen und selbst recherchieren, würde er darauf stossen: Die Veteranen-Vereinigungen haben stichhaltige Beweise. Es handelt sich eindeutig um Strahlenkrankheit bzw. durch Strahlung verursachte Krankheiten, belegt mit ärtzlichen Attesten und ausführlichen klinischen Untersuchungen. Es kann überhaupt keinen Zweifel geben: Diese Erkrankungen und Todesfälle sind real und man weiss auch genau, woher dies kommt…http://oraclesyndicate.twoday.net/stories/3748527/ Dramatisch sind auch die psychischen Folgen der Auslandseinsätze unter den amerikanischen Soldaten. Kein Wunder… Die Gräuel des Krieges hinterlassen Spuren bei den US-Soldaten. Tausende leiden unter traumatischen Stresserkrankungen – möglicherweise auch der Amokläufer Robert Bales (Randbemerkung: ob es sich hier um den „Amoklauf eines Einzeltäters gehandelt hat, ist sehr fraglich). Doch die Armee-Psychologen haben vor allem ein Ziel: Die Kämpfer rasch zurück in die Schlacht zu schicken…Posttraumatische Belastungserkrankungen, PTBS, hinter diesen vier Buchstaben verbirgt sich ein Teufelskreis aus Stress, Überlastung und unvorstellbarer Gewalt, in den jährlich Tausende US-Soldaten geraten. Es ist der Krieg nach dem Krieg. Eine Schlacht, die viele Soldaten lieber allein ausfechten. Und nicht selten verlieren….

Mehr als 200.000 Menschen haben sich seit Beginn der Kriege im Irak und in Afghanistan in Veteranen-Krankenhäusern behandeln lassen – alle wegen PTBS. Diese Zahl veröffentlichte die Tageszeitung „USA Today“ im November 2011 unter Berufung auf eine Studie von Veteranen-Vereinigungen. Die Dunkelziffer der Erkrankungen dürfte aber deutlich höher liegen. Scham und Stolz halten noch immer viele Soldaten davon ab, sich professionelle Hilfe zu holen. Das Militär spricht dagegen offiziell von „nur“ rund 50.000 PTBS-Fällen.

Welche Auswirkungen die Missionen in Afghanistan und dem Irak auf die mentale Gesundheit der Heimkehrer haben werden, ist noch nicht absehbar. Eine Studie aus dem Jahr 2003 hat jedoch ergeben, dass rund ein Drittel der Veteranen des Vietnam-Kriegs mit massiven psychischen Problemen aus Übersee zurückgekommen ist. 15 Prozent der Rückkehrer hatten demnach auch 15 Jahre nach ihrem Ausscheiden aus dem Militärdienst noch mit PTBS-Symptomen zu kämpfen. Diese können sich in Angstzuständen äußern, in Schlaflosigkeit und Depression. Aber auch spontane Gewaltausbrüche, häusliche Dispute sowie Alkohol- und Drogenmissbrauch gehören zu den möglichen Folgen einer PTBS-Erkrankung. Seit Jahren beklagen Veteranen-Organisationen steigende Selbstmordraten unter Kriegsheimkehrern mit traumatischen Erfahrungen. …

„Die Armee beharrt darauf, dass es sich um isolierte Einzelfälle handelt. Soldaten, die aus ganz individuellen Gründen außer Kontrolle geraten. Aber so ist es nicht“, zitiert die „New York Times“ den Psychologen Stephen Xenakis. Als ehemaliger Militärarzt beschäftigt er sich seit Jahren mit dem Problem PTBS.

Xenakis hat eine gefährliche Kombination ausgemacht. Immer längere Einsätze – Auslandsaufenthalte von einem Jahr und mehr sind die Regel -, treffen auf immer kürzere Pausen in der Heimat. Zudem werden Soldaten häufiger nach Übersee geschickt als in der Vergangenheit….

Hinzu kommt eine steigende Anzahl der Hirnverletzungen bei US-Soldaten im Kampfeinsatz. Laut Verteidigungsministerium und Veteranenverbänden betreffen rund 22 Prozent der im Irak und in Afghanistan gemeldeten Verletzungen das Gehirn. Eine Studie der Universität Los Angeles hatte im Februar 2012 erstmals eine direkte Verbindung von Hirnverletzungen und der Tendenz zu PTBS-Erkrankungen belegt….

Zwar werden Soldaten schon jetzt intensiv psychologisch betreut – auch im Kriegsgebiet. In sogenannten Combat Stress Control Units arbeiten Armee-Psychologen im Irak und in Afghanistan mit auffällig gewordenen Einheiten zusammen. Dabei, so Jan Haaken, verfolgen sie jedoch eine widersprüchliche Strategie. Die Psychologin und Filmemacherin hat mehrere dieser Einheiten bei ihrer Arbeit begleitet, auch auf der Joint Base Lewis-McChord, von der Robert Bales in seine Afghanistan-Mission geschickt wurde. „Die Psychologen sollen natürlich versuchen, psychische Langzeitschäden zu verhindern. Ihre wichtigste Aufgabe ist jedoch eine andere: Die Soldaten möglichst schnell wieder gefechtsbereit zu machen“, erklärt Haaken. http://tinyurl.com/74buvydGeld, Leben und seelische Gesundheit geben die Amerikaner dafür her, dass sie angeblich Frieden und Demokratie in die ganze Welt bringen. Aber wie sehen denn die Ergebnisse ihrer „humanitären“ Bemühungen aus: Durch Anschläge und Kämpfe in Afghanistan sind im vergangenen Jahr (2011) mehr als 10.000 Menschen getötet worden. Unter den Opfern der Gewalt waren rund 2000 Zivilisten, wie die Nachrichtenagentur AFP auf Grundlage offizieller Zahlen und der Angaben der unabhängigen Website icasualties.org am Sonntag berechnete. …Die Uno geht von einer höheren Opferzahl aus: In einem im Dezember veröffentlichten Bericht schätzte sie die Zahl der getöteten Zivilisten zwischen Januar und Oktober auf 2412, das entspricht einer Steigerung um 20 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum….http://tinyurl.com/cwdrkdc Diese Zahlen sagen natürlich nichts darüber aus, wieviele Opfer „Kollateralschäden“ von ISAF-Einsätzen waren. Genausowenig wie sie erfassen können, welche Opferzahlen es in Afghanistan unter ungestörter Taliban-Regierung gegeben hätte. Die Sicherheitslage in Afghanistan wird aber nach 10 Jahren Krieg immer noch als „desaströs“ bezeichnet. Welches Bild die USA in Afghanistan durch die Schandtaten ihrer traumatisierten Soldaten hinterlassen (Vergewaltigungen, nächtliche Überfälle und Morde, Leichenschändung) lässt sich sowieso nicht erfassen.  Nehmen wir als weiteres Beispiel Irak: Die Schreckensherrschaft von Saddam Hussein hat ca. 1 Million irakischer Bürger das Leben gekostet. Die Opfer des Krieges gegen Iran nicht mitgerechnet (http://www.gfbv.de/pressemit.php?id=67). Unterstützung für seine (Völker)morde erhielt Saddam Hussein auch gerne aus dem Westen, die USA aber auch deutsche Firmen lieferten die Chemiewaffen. Später wurde aber dann Saddam zum Oberschurken und der Irak von den USA befreit.Das kostete 1,5 Millionen Menschenleben durch direkte Gewalteinwirkung innerhalb von neun Jahren Krieg (http://www.ag-friedensforschung.de/themen/Terrorismus/tote.html). Die Folgeschäden durch o.g. Uranmunition nicht mitgerechnet. Die „Befreiung“ Libyens im vergangenen Jahr verlief folgendermaßen:Ersten Schätzungen zufolge haben mindestens 50000 Libyer die »Operation vereinigte Beschützer« nicht überlebt.http://www.ag-friedensforschung.de/regionen/Libyen/guilliard.html und führte zu „Jeder gegen Jeden“ – staatlichem Zerfall in einem Land, das immerhin eine gut funktionierende Infrastruktur besessen hat und dessen Öleinnahmen beim Volk ankamen, auch wenn Ghaddafi wirklich kein Menschenfreund war.  Aber eigentlich will ich ja auf etwas anderes hinaus, nämlich auf die Frage nach dem „Warum“ des weltweiten amerikanischen Engagements. O.k., die Rüstungsindustrie hatten wir schon, aber solche gibt es auch in anderen Ländern der Welt, ohne dass diese derartig exzessiv Einfluss überall auf der Welt nehmen wollen. Es muss also noch andere Erklärungen geben. Dazu folgt inschallah Teil 3.  

Aus meinem Archiv in „Meryems Welt“: Die USA -überall auf der Welt uneigennützig engagiert Teil 1

Diese Artikelreihe ist von 2012 – also vor den Zeiten des sogenannten „Islamischen Staates“ entstanden, bevor der Terror in Syrien eskalierte, in Zeiten eines so ganz anderen (???) US-Präsidenten….

Dass ich sie jetzt wieder ausgrabe und in meinen neu erstandenen Blog kopiere, ist aus aktuellem Anlass, denn kürzlich haben ja die USA das erste Mal die Armee eines anderen Staates, nämlich die Revolutionsgarden Irans, zu einer Terrororganisation „ernannt“. Naja, so ganz neu war das nicht, denn bei einem Teil der „Revolutionsgarden“, den Quds-Brigaden, haben sie das schon 2007 getan. Damit erklären die USA auch das Staatsoberhaupt Irans, Ayatollah Chamene´i zum Terroristen, schließlich ist er Oberbefehlshaber des Militärs. Dass Iran seit Jahrhunderten kein anderes Land angegriffen hat, stört das Land, das sich gerne ungefragt und uneingeladen niederlässt aber nicht bei seiner Bewertung.

Wer also in Wahrheit die Welt mit Terror überzieht und worin dieses Verhalten seine Wurzeln hat, das habe ich schon vor sieben Jahren versucht zu ergründen und finde meine Blogreihe immer noch ganz gut. Vielleicht werde ich sie in Teilen bearbeiten, nicht alle verlinkten Artikel und Videos sind mehr zugänglich, aber im Großen und Ganzen passt es immer noch – egal welcher amerikanische Präsident gerade internationales Recht bricht. Hier geht es also los:

Bismillah i rahmani rahim

Eine Kritik in einem Kommentarthread in einem anderen Blog hat mich auf die Idee zu diesem Artikel gebracht. Paranoid sei ich, was die amerikanische Politik weltweit angeht, hieß es da. Ich unterstelle den Amerikanern die Schuld an allem was auf der Welt so an Schlechtem geschieht. Nun, ich bin ja kritikfähig und hab mir dazu meine Gedanken gemacht und festgestellt, dass ich wirklich ungerecht gegenüber den Amerikanern bin. Denn sie sind weltweit engagiert, ohne dass sie irgendeinen Nutzen davon haben – also muss man wohl zugeben, dass sie überall nur helfen wollen. Und dafür einen hohen Preis bezahlen, denn für dieses Engagement zahlen die amerikanischen Bürger:

Wir sehen z.B.,  wie viel Geld die Vereinigten Staaten nur für die Kriege in Irak und Afghanistan ausgeben.

und wie viel Geld sie insgesamt für ihre Rüstung ausgeben und sich dabei noch steigern:

Bisschen klein geraten, im Original hier:

http://milexdata.sipri.org/result.php4

USA weiter einsam an der Spitze bei Militärausgaben

Laut dem Stockholmer Friedensforschungsinstitut SIPRI

Stockholm – Die USA stehen bei den Militärausgaben weltweit weiter einsam an der Spitze. Wie das Stockholmer Friedensforschungsinstitut SIPRI am Dienstag angab, haben die Vereinigten Staaten 2010 sechsmal so viel Geld für militärische Zwecke ausgegeben wie China, das Land mit dem zweithöchsten Militärhaushalt aller Länder. http://derstandard.at/1304553802203/698-Milliarden-Dollar-USA-weiter-einsam-an-der-Spitze-bei-Militaerausgaben

Wirklich beeindruckend, oder?

Jetzt kann man natürlich sagen, dass die Amerikaner ja schließlich reich sind und sich deswegen dieses wohltätige Engagement locker leisten können. Aber nein, so ist es nicht, die amerikanischen Bürger bringen wirkliche Opfer um Frieden und Demokratie auf der Welt zu verbreiten:

41,8 Millionen (der ca. 308,2 Millionen) US-Amerikaner können nur mit Hilfe des U.S. Supplemental Nutrition Assistance Program (des Ernährungs-Hilfsprogramms der USA,  überleben, das sie mit Lebensmittelgutscheinen versorgt.

http://www.luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_10/LP20110_171010.pdf

Am Essen mangelt es, aber auch sonst geht es den Vereinigten Staaten nicht gut:

Am Wochenende feierte der US-Präsident einen „wichtigen Durchbruch“ zur Rettung der schwer angeschlagenen Infrastruktur seines Landes. Demokraten und Republikaner im US-Kongress hatten in seltener Eintracht ein Transportgesetz verabschiedet, das in den kommenden Jahren unter anderen mehrere Millionen Dollar für den Straßenbau bereitstellen soll. http://www.focus.de/politik/ausland/usa/tid-26444/krisenland-usa-der-supermacht-geht-die-kraft-aus_aid_779024.html

schaut Euch das an, nur ein paar Millionen Dollar haben die USA übrig, um ihre Straßen zu sanieren und das, weil sie überall auf der Welt helfen  und deshalb, s.o., über 600 Milliarden Dollar für die Rüstung ausgeben müssen.

Auch für die Bildung fehlt das Geld:

Immer mehr amerikanischen Schulen fehlt das Geld für fünf Tage Unterricht pro Woche. Es gebe mittlerweile fast 300 Schulbezirke in den USA, die wegen knapper öffentlicher Kassen einen Schultag streichen mussten, berichtete die „Washington Post“. Das seien doppelt so viele wie vor zwei Jahren. Gemessen an den insgesamt 15.000 Bezirken des Landes sei die Zahl zwar gering, doch die finanziellen Sorgen für Schulen würden zunehmend schlimmer, weil zahlreiche US-Staaten überschuldet seien.

Und um medizinische Versorgung zu erhalten, müssen arme Amerikaner ungewöhnliche Wege gehen:

James Verone wusste, dass er medizinische Hilfe benötige. Er spürte den Klumpen an der Brust, seine zwei kaputten Bandscheiben schmerzten, und er hatte Probleme mit seinem linken Fuß.

James Verone wusste, er würde mit 59 Jahren, als Arbeitsloser ohne Ersparnisse, in den USA keine adäquate ärztliche Versorgung bekommen.

Verone ist kein impulsiver Mensch. Er durchdenkt, was er tut. Und deswegen betrat er am 9. Juni unbewaffnet eine Filiale der RBC Bank in Gaston County im Südwesten des US-Bundesstaats North Carolina. Er gab der Bankangestellten einen Zettel: „Dies ist ein Banküberfall. Bitte geben Sie mir nur einen Dollar.“ Dann sagte er: „Ich werde mich dort drüben hinsetzen und auf die Polizei warten.“

James Verone setzte sich, die Bank alarmierte die Polizei, die Beamten kamen und nahmen Verone fest. Er hatte sein Ziel erreicht. Er wollte nicht möglichst viel Geld für gute Ärzte rauben. „Ich bin reingegangen und ich wollte ins Gefängnis.“

Der Banküberfall war der letzte Schritt eines detaillierten Plans, geboren aus der Not:

  • Verone war krank.
  • Verone brauchte ärztliche Hilfe.
  • Verone hatte keine Krankenversicherung.
  • Häftlinge werden kostenlos medizinisch versorgt.
  • Verone wollte unbedingt ins Gefängnis.

http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/us-gesundheitssystem-bankraub-fuer-einen-arzttermin-a-769607.html Warum nehmen die US-Bürger alle dieser Schwierigkeiten auf sich? Nur aus Idealismus! „Unsere Nation ist einem historischen, langfristigen Ziel verpflichtet: Wir streben das Ende der Tyrannei in unserer Welt an.“ http://www.ksta.de/politik/usa-sehen-sich-als-weltpolizei,15187246,13724724.html  Präsident Obama hat über die schwere Entscheidung gesprochen, US-Soldaten in den Krieg zu schicken, aber dieses Opfer wird gebracht, wenn die USA:  “ die volle Unterstützung einer dankbaren Nation haben.“  http://www.handelsblatt.com/politik/international/us-praesident-obama-nur-noch-absolut-notwendige-kriegseinsaetze/6682766.html Da nehmen die Amerikaner doch gerne die Opfer auf sich, auch das von 5000 getöteten Kämpfern seit Beginn des „War on Terror“ 2001, was natürlich wenig ist im Vergleich zu den 80000 gefallenen amerikanischen Soldaten im Korea- und Vietnam-Krieg (Zahlen lt. wiki). Da machen sich doch die Investitionen  in modernes Kriegsgerät bezahlt, denn dank moderner Waffen wie unbemannter „Drohnen“ ist natürlich die Gefahr für die amerikanischen Army-Angehörigen nicht mehr ganz so groß. Aber natürlich hinterlässt jeder der gefallenen US-Soldaten trauernde Angehörige, aber die nehmen das alles auf sich, um der großen Aufgabe ihrer Nation willen. Tja, soweit über das amerikanische Selbstbild.  Glaubt Ihr das? Fortsetzung folgt inschallah, das wird sonst zu lang.

„Mullah-Seminar“ – ich war dabei!

Bismillah

 

In den letzten Wochen konnten wir Zeuge einer antimuslimischen Kampagne der Springer-Presse sein. Ziel waren schiitische Muslime, die sich gegen Radikalisierung und für einen Islam der  Vernunft einsetzen. Nanu? Sollte man nicht gerade mit solchen Muslimen zusammenarbeiten?

Die Springer-Medien sind anderer Meinung und zwar nur deshalb, weil aus der Richtung der schiitischen Muslime am häufigsten Kritik an der israelischen Politik zu vernehmen ist. Und da verlässt dann wiederum den Springer-Verlag jegliche Vernunft und es wird gehetzt und gelogen was das Zeug hält. Recherche? Nicht nötig, wilde Spekulationen tun es doch auch. Und Springer behielt recht: mit dem Vorwurf, es handele sich um „Iranische Terror-Helfer“ und Antisemiten schafften sie es, die übliche zionistische und antideutsche Lobby zu mobilisieren und eine Reihe von naiven Unterstützern zu gewinnen die auf ihren Zug aufsprangen so dass schließlich das Ziel der Kampagne teilweise erreicht wurde. Denn dieses Ziel war, die Bundesfamilienministerin so unter Druck zu setzen, dass diese die Unterstützung für einen Workshop gegen Radikalisierung zurückzieht. Was dann auch einen Tag vor der Veranstaltung geschah.

Was die Kampagne nicht erreichte, war dass dieser Workshop nicht stattfand. Und so fanden  sich dann am vergangenen Wochenende im Al-Mustafa-Institut in Berlin, einer theologischen Bildungseinrichtung, ca. 25 meist junge und gebildete Muslime (und ich) überwiegend,aber nicht nur aus der schiitischen Rechtsschule mit ihren Dozenten (Professoren und Professorinnen der Philosophie,  islamischen Theologie, Jura und der Sozialwissenschaften – darunter eine Trägerin des Bundesverdienstkreuzes) ein um an drei Tagen über den

Islam zwischen Rationalität und Radikalität 

zu lernen und zu diskutieren. Veranstalter war der Dachverband der Schiiten, die „Islamische Gemeinschaft der schiitischen Gemeinden in Deutschland“

Ich erspare mir hier, alle die Pamphlete zu verlinken, die gegen dieses „Mullah-Seminar“ veröffentlicht wurden, die kann man ganz leicht finden, und gehe lieber auf die Inhalte des Workshops ein. Im Anschluss werde ich dann noch ein paar aufklärende Artikel anhängen.

Lieber fasse ich hier kurz zusammen, was wir im Workshop behandelt haben.

Aufgeteilt war das Programm in 3 Themenblöcke: einen theologischen, einen historischen und einen sozialpolitischen Teil.

Im theologischen Teil ging es zunächst um die Rolle des Verstandes und der Vernunft in der islamischen Theologie. In unserem heiligen Buch, dem Koran, wird viele Male darauf verwiesen, dass der Mensch Verstand besitzt und diesen doch auch benutzen soll. Im ersten Vortrag wurde behandelt, welche Rolle dieser Verstand beim Verständnis der Offenbarung und der Begegnung mit unserem Propheten Muhammed, Friede und Segen sei mit ihm abgekürzt: s. , spielen sollte: In seiner Zeit war der Prophet, s., schon als guter und sehr vertrauenswürdiger Mensch bekannt, bevor seine Berufung zum Propheten erfolgte – aber woran konnten die Menschen erkennen, dass seine Äußerungen, die er jetzt in der neuen Rolle machte, glaubhaft waren und sie ihm folgen sollten?

Hierzu war es nötig, Vernunft und Verstand einzusetzen und die Worte des Propheten, s., auf innere Kohärenz und Konsistenz zu überprüfen – ob innerhalb des Korans, oder in seinen Äußerungen außerhalb der direkten Offenbarung. Hätte es Widersprüche darin gegeben, oder in seinem Verhalten – dann wäre er nicht glaubhaft gewesen.

So mussten also die Menschen in der Zeit des Propheten, s., ihren Verstand benutzen, um seine Wahrhaftigkeit zu überprüfen. Und auch der Prophet, s., selber beachtete den Intellekt seiner Gesprächspartner und ging in entsprechender Weise auf die Menschen ein.

Es gibt keine andere Möglichkeit, als bei der Auseinandersetzung mit der Botschaft Muhammeds, s., seinen Verstand zu benutzen.

Der Intellekt spielt so eine große Rolle bei uns Menschen, dass einer unserer großen islamischen Vorbilder, Imam Dschafar Sadiq, Friede sei mit ihm, abgek.: a., sagte:

Die Hauptsäule des Menschen ist der Verstand

Er benutzte hier den arabischen Begriff„Aql“: deutsche Übersetzung: Verstand, Logos, Gerechtigkeit, Intellekt, Ratio. Über die Herkunft und die verschiedenen Bedeutungen dieser Begriffe haben wir auch gesprochen, aber das führt hier jetzt zu weit.

Im theologischen Teil des Workshops ging es dann weiter mit der Rolle, die der Intellekt bei der Interpretation des Korans und der zweiten wichtigen theologischen Quelle der Muslime, den Überlieferungen (Hadith, Mz.  in Deutsch Hadithe, Arabisch Ahadith) der Aussagen und Handlungen des Propheten, s. spielt, sowie über Hermeneutik bei der Exegese des Korans (dieser letzte Teil war auf Englisch und ich habe nicht genug mitgeschrieben um es sinnvoll weitergeben zu können).

Im zweiten Teil des theologischen Themenblocks wurde die Rolle des Verstandes in der islamischen Religionsgeschichte noch mehr betont. Religion und Vernunft gehören zusammen, das ist das Wesen des Islams. Das Denken ist ein einzigartiges menschliches Talent und unterscheidet uns von den Tieren. Niemals kann die eigene Verantwortung für das Verständnis unserer Religion abgegeben werden: blinde Gefolgschaft gibt es im Islam nicht, die Grundlagen (Säulen) des Glaubens  muss der Mensch selber begreifen und darf sich darin nicht nach anderen richten. Das Befolgen der Anweisungen von Gelehrten darf sich nur auf Nebenaspekte beziehen, also bspw. Anleitungen wie man betet und dgl.

Nur zur Erläuterung: Die „Säulen des Islam“ sind nach schiitischer Rechtsschule der Glaube an die Einheit Gottes (Tauhid), der Glaube an die Propheten, der Glaube an das Jüngste Gericht, der Glaube an Gottes Gerechtigkeit, der Glaube an das Imamat

In diesem theologischen Abschnitt haben wir noch eine Vielzahl von koranischen Versen besprochen, die auffordern zu lernen und nachzudenken und dadurch Gott zu erkennen.

Das Fazit dieses Abschnitts: Das Denken ist die zentrale Säule des  schiitischen Islams!

Nach dem theologischen Teil des Workshops gingen wir zur Geschichte des Islams über – und hier finden wir die Wurzeln vieler Probleme die wir heute haben!

In zwei ausführlichen Vorträgen wurde die Zeit des Propheten, s., seine Auseinandersetzung mit seinem sozialen Umfeld und die Art, wie über ihn berichtet wurde und die Geschichte der Überlieferungen im Islam besprochen. Während es keinen Zweifel unter allen Muslimen darüber gibt, dass der Koran uns im arabischen Original absolut unverfälscht erhalten geblieben ist, gibt es bei den Berichten über die Aussagen und Handlungen des Propheten, s., erhebliche Differenzen. Was sich natürlich auch auf die Art auswirkt, wie der Koran ausgelegt wird. Zur Zeit des Propheten, s., hat er selber diese Auslegungen vorgenommen – aber leider ist davon im Laufe von 1400 Jahren viel verloren gegangen oder verfälscht worden.

Das hat einmal damit zu tun, dass es unterschiedliche Ansichten darüber gibt, wie die Zeitgenossen des Propheten, s., zu bewerten sind. Eine große Anzahl der Muslime glaubt, dass alleine das Zusammensein mit dem Propheten, s. und das öffentliche Bekenntnis zum Islam, die Menschen zu vertrauenswürdigen Personen gemacht hat. Leider ein Irrtum, der zudem auch in Hunderten von Koranversen aufgedeckt wird. Hier ist viele Male von den Heuchlern die Rede, die ihre wahre Meinung verbergen, weil sie Opportunisten sind und ihren eigenen Vorteil suchen.

Das bedingt auf jeden Fall schon eine kritische Betrachtung sowohl der Überlieferer, als auch der Überlieferungen. Und was noch dazu kommt – das haben wir ausgiebig im zweiten Abschnitt des historischen Themenblocks besprochen: zu Lebzeiten des Propheten, s., wurden seine Äußerungen aufgeschrieben, aber in ungefähr 100 Jahren nach seinem Tod wurden diese vernichtet und die regierenden Herrscher verboten es, Überlieferungen zu sammeln.

Es werden verschiedene Gründe für dieses Verhalten genannt. Wohlwollende Stimmen meinen, dass es aus der Befürchtung heraus geschah, Koran und Überlieferungen könnten vermischt werden, andere sagen, dass es darum ging die Macht von unrechtmäßig ins Amt gekommenen Herrschern zu erhalten und die Familie des Propheten in Vergessenheit geraten zu lassen.

Nicht alle Überlieferungen wurden vernichtet und es wurde auch viel mündlich überliefert, aber ein großer Schatz ist uns verloren gegangen und – um es noch schlimmer zu machen . es wurden große Zahlen von gefälschten Hadithen produziert, mit denen die regierenden und oft unterdrückerischen Herrscher der islamischen Dynastien, wie die Umayyaden, ihre Gewaltherrschaft rechtfertigen wollten.

Für die heutige Zeit sind diese Erkenntnisse wichtig, denn ein großer Teil der Muslime glaubt daran, dass es „Sahih“-Überlieferungen gibt. Damit ist gemeint, dass diese Werke absolut zuverlässig und geprüft sind. Leider finden sich darin Aussagen, die weder zum Koran, noch zum Wesen des Propheten, s., passen, die aber als Grundlage für die Gewalttaten terroristischer „islamistischer“ Organisationen genutzt werden.

Auch hier geht es nicht ohne eine kritische Betrachtung aller Aspekte. Eine Überlieferung, die dem Koran widerspricht, kann schon mal nicht richtig sein. Eine Überlieferung mit unzuverlässigen Überlieferern ebenfalls nicht. Fazit: Es gibt keine „Sahih“- Werke!

Der dritte Teil des Workshops beschäftigte sich mit sozialpolitischen Aspekten, zunächst mit den psychologischen und sozialen Gründen für die Radikalisierung junger Muslime. Die Dozentin hat jahrelange Erfahrung in einer Beratungsstelle zur Deradikalisierung gesammelt und konnte sowohl aus ihrer täglichen Arbeit, als auch anhand von Fachliteratur und Statistiken vermitteln, welche Aspekte hier eine Rolle spielen. Und das spielt sich auf verschiedenen Ebenen ab: im persönlichen Bereich, in dem junge Menschen in Pubertät und Adoleszenz mit ihrer Identitätsfindung beschäftigt sind, samt vieler Probleme die in der Phase auftreten können, im Bereich des engeren sozialen Umfelds, aber auch auf der größeren gesellschaftlichen Ebene, z.B. wenn Menschen die ungerechte Außenpolitik unseres Landes betrachten und der innere Widerstand dagegen eine Rolle dabei spielt, dass sie auf die vermeintlichen guten und gerechten Absichten radikaler Gruppierungen hereinfallen. Insgesamt bieten diese Gruppen (wir sprachen hauptsächlich über salafistische Gruppen, aber grundsätzlich gilt das auch für andere Gruppierungen innerhalb und außerhalb des Islams) ein einfaches Weltbild, Anerkennung und Kameradschaft an und das Gefühl, sich für eine gerechte Sache einzusetzen.  Verbrämt mit Heilsversprechen, aber auch mit der Legitimation von Gewalt, was Jugendliche mit kriminellem Potential anspricht, locken sie die jungen Leute dazu, sich ihren Gruppierungen anzuschließen. Erschreckend: alleine aus Deutschland sind fast  tausend  Personen ausgereist, um sich dem „IS“ oder anderen terroristischen Gruppen in Syrien und im Irak anzuschließen. Diese Menschen waren meistens überhaupt nicht religiös, häufig auch gar keine Muslime, bevor sie in die Fänge dieser Sekten gerieten.

Der letzte Abschnitt des sozialpolitischen Teils beschäftigte sich mit der Rolle der Medien und der Politik, bei der Erschaffung des Islambildes in unserer Gesellschaft, das ein sehr schlechtes und defizitäres Bild ist. Die Dozentin forderte aber auch uns Muslime auf, uns mehr in die Gesellschaft einzubringen und keineswegs in einer Opferrolle zu verharren. Wir sollten uns in allen gesellschaftlichen Bereichen einbringen, selbstbewusst mit unserer muslimischen Identität, aber nicht auf Islamthemen begrenzt.

Das war eine sehr kurze und begrenzte Zusammenfassung des Inhaltes des so umstrittenen „Terror-Helfer“ Workshops, oder auch „Mullah-Seminars“.

Am letzten Tag haben wir sehr lebhaft unsere Erkenntnisse zusammengetragen und Thesen formuliert, bzw. Wünsche und Handlungsanregungen an verschiedene gesellschaftliche, muslimische und nichtmuslimische Akteure. Diese Erkenntnisse werden sicherlich an anderer Stelle veröffentlicht und ich werde sie dann , so Gott will,  hier verlinken.

Ich bin sehr dankbar, dass ich an dieser so hochkarätig besetzten Veranstaltung teilnehmen durfte! Und ich hoffe, ich habe einen kleinen Einblick geben können um die völlig ungerechte Bewertung dieses Workshops klar zustellen. Von unseren Medien und unserer Politik, ja auch von manchen Geschwistern und Akteuren der „Zivilgesellschaft“ bin ich wirklich enttäuscht, weil sie auf billigste Propaganda hereinfallen!

Hier noch ein paar Links zur Auseinandersetzung um die Veranstaltung, wird ggf. ergänzt:

Pressemitteilung des Veranstalters (IGS)

Pressemitteilung des Al-Mustafa Institutes

Wer ist Antje Schippmann? Eine Journalistenkarriere bei der Springerpresse

Inzwischen sind die Handlungsempfehlungen/Arbeitsergebnisse des Workshops erschienen

Und hier mal ein fairer Artikel zu dem ganzen Wirbel:

Schiiten in Deutschland

Eine Dozentin erzählt:

Meine Begegnung mit jungen Muslimen am Al-Mustafa Institut

 

Eine Moschee der Zwietracht?

Im Namen Gottes, des Erbarmers, des Barmherzigen

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Die Gründung der „Ibn-Rushd-Goethe-Moschee“ in Berlin hat mediale Wellen geschlagen, das war zu erwarten und ganz sicher auch geplant. Ich gehe davon aus, dass die „angehende Imamin“ und prominente Mitbegründerin der „Moschee“ (in Anführungszeichen, denn die Räumlichkeit erfüllt meines Wissens nicht die Voraussetzungen für eine Moschee) , Seyran Ates, sich auch durchaus bewusst war, dass diese Gründung mit persönlichen Gefahren für sie und ihre Mitstreiter einhergehen würde. Und auch wenn ich hier diese Gruppierung und ihre Aktivitäten kritisiere, sage ich doch gleich zu Anfang, dass ich jegliche Gewalt- oder Gewaltandrohungen gegen diese Personen, die Räumlichkeiten und ihre Besucher verurteile! Das ist erstens nicht die Art, wie wir als Muslime eine Auseinandersetzung führen sollten, zweitens befördert solches Verhalten genau das, was nach meiner Vermutung diese „Moschee“ bezwecken soll: Zwietracht und Unfrieden unter den Muslimen und zwischen Muslimen und der Mehrheit der Gesellschaft.

Ja – das ist meine Vermutung – über die wahren Motive, diese Gebetsräumlichkeit zu begründen, kann ich nur spekulieren.

Zu meinen Gründen, dieses zu glauben, komme ich noch. Aber als Erstes möchte ich aus der islamischen Geschichte erzählen, denn bei dem ganzen Aufstand rund um diesen Ort fiel mir dieser Vers aus dem heiligen Quran ein und die Geschichte drumherum – historisch betrachtet – das passt doch gut, denn das ist es doch, was die „liberalen“ Muslime verlangen – als ob das heilige Buch nicht schon immer in diesen Zusammenhängen erläutert wurde. Hier der Quranvers:

„Und diejenigen, die sich eine Moschee genommen haben, um (dem Islam) zu schaden und Unglauben zu verbreiten und unter den Gläubigen zu spalten und als Stützpunkt für Leute, die früher gegen Gott und Seinen Gesandten Krieg geführt haben und bestimmt schwören, dass sie es in bester Absicht getan haben: Aber Gott bezeugt, dass sie lügen!“ ( Heiliger Quran Sure 9: 107)

Aus einer Erläuterung zu diesem Vers aus dem heiligen Quran. Die Auslegung ist aus dem „Tafsir Noor“ (deutsch: „In Richtung Licht“) des prominenten Geistlichen Ayatollah Mohsin Qara’ati aus Iran:

Dieser Vers beinhaltet den Hinweis auf die Zarar- Moschee. Und zwar hatten die Heuchler, angeblich um Bedürftigen und Kranken zu helfen, gegenüber der Quba-Moschee noch eine andere Moschee gebaut, damit sie sich unter dem Deckmantel eines Moscheenbesuches dort versammeln konnten und diese Moschee ihr Stützpunkt wird. Kurz vor dem Tabuk-Gefecht luden sie den Propheten ein, in dieser Moschee das Gebet zu verrichten und die Moschee zu eröffnen. Aber da wurde dem Propheten Vers 107 der Sure At Tauba geoffenbart und somit erfuhr er von den schlechten Absichten der Heuchler. Er erfuhr, dass es ihnen nicht um gottesdienstliche Handlungen und das gemeinsame Gebet geht, sondern darum, von einem Stützpunkt aus für Spaltung und Zwietracht unter den Muslimen zu sorgen. Da gab der Prophet den Befehl diese Moschee zu zerstören und das Grundstück als Abfallhaufen zu benutzen.

Wir entnehmen dem Vers 107 der Sure 9:

Erstens: Heuchler und Feinde nutzen Moscheen und religiöse Motive aus, um gegen die wahre Religion vorzugehen. Deshalb sollte uns kein Ruf, der nur scheinbar im Namen des Islams und der Religion erschallt, in die Irre führen.

Zweitens: Die Vernichtung der Einheit in der islamischen Gemeinschaft und Zwietrachtstiftung in den Reihen der Muslime stehen mit dem Unglauben auf einer Stufe. Wenn eine Moschee zum Ausgangspunkt für Zwietracht unter den Muslimen wird, ist sie nicht besser als die Zarar-Moschee, welche die Heuchler zur Zeit des Propheten bauten, und muss zerstört werden.

Vorsichtshalber weise ich noch einmal darauf hin, dass es gegen den Islam ist, Gesetze zu brechen und Eigentum anderer Leute zu beschädigen! Wenn diese „Moschee“ zerstört werden soll, dann durch Argumentationen und nicht durch Tätlichkeiten!

Aber gebe ich doch erst einmal den Gründern dieser „Moschee“ eine Stimme! Was ist ihre offizielle Begründung dafür, diese Räumlichkeiten einzurichten? Seyran Ates sagte dazu z.B.:

Ich bin gläubige Muslimin, dennoch gab es bisher keine Moschee, in der ich meinen Glauben frei und selbstbestimmt praktizieren konnte. Der konservative Islam der allermeisten deutschen Moscheegemeinden ist mit meinen religiösen Überzeugungen nicht vereinbar. Mir geht es beim Moscheebesuch um die gemeinsame Begegnung aller Gläubigen mit Gott. Doch schon durch die vorherrschende Geschlechtertrennung fühle ich mich, zumal ich kein Kopftuch trage, diskriminiert: Vielerorts werden wir Frauen in einen separaten, lieblosen Raum verbannt. Außerdem stellen traditionelle Imame oft nicht die Liebe zu Gott und den Menschen in den Vordergrund, sondern betonen immerfort das Trennende: zwischen den Geschlechtern, zwischen den einzelnen Strömungen des Islams, zwischen „uns“ Muslimen und den „anderen“ – den vermeintlich Ungläubigen.

Lange Zeit habe ich nur davon geträumt, dass sich liberale Muslime zusammenfinden, um einen Islam zu leben, der die Demokratie ausdrücklich bejaht und eine gleichberechtigte Gemeinschaft der Gläubigen. Ich habe darauf gewartet, dass die passende Moschee eröffnet wird, von Menschen, die koranfester sind als ich. Irgendwann fühlte es sich an wie Warten auf Godot. Schließlich beschloss ich, meine Vision selbst zu realisieren.

Am Freitag, dem 16. Juni, eröffnen wir in Berlin die Ibn-Rushd-Goethe-Moschee, weil wir den Islam von innen heraus reformieren wollen. Manche Muslime haben Probleme mit dem Wort Reform. Wir können auch gern von Erneuerung sprechen, wie es kürzlich der Sprecher der berühmten Al-Azhar-Universität in Kairo tat. Die neue Moschee in Berlin soll eine spirituelle Heimat sein vor allem für jene Frauen und Männer, die sich in traditionellen Moscheen nicht wohlfühlen und die sich nicht mehr vorschreiben lassen wollen, wie sie ihre Religion zu leben haben. Toleranz, Gewaltfreiheit und Geschlechtergerechtigkeit sollen im Vordergrund stehen.

Es steht mir weder zu, die innere Überzeugung von Frau Ates als Muslima in Frage zu stellen, noch kann ich mit Sicherheit sagen, ob sie hier ihre ehrliche Motivation schildert, oder ob sie zu den Heuchlern gehört, die die Religion benutzen, um den Islam zu bekämpfen, so wie es der Quran beschreibt! Allerdings kann ich meine Zweifel äußern. Und natürlich auch Zustimmung, dort wo ich mit ihr einer Meinung bin. Z.B. über die Abstellkammern, in die Muslimas in manchen Moscheen verdrängt werden, wo sie ihr Gebet zwischen Staubsauger und abgestellten Stühlen verrichten, während die Männer in einem schönen Gebetsraum mit weichen Teppichen beten dürfen. Das gibt es zweifellos noch immer, ich habe es, wenn auch sehr selten erlebt.

Allerdings: man mag über die Pflicht zum Tragen eines Kopftuchs (besser: islamische Kleidung, denn die besteht aus mehr als der Kopfbedeckung) unterschiedlicher Meinung sein – allerdings dass man aus Respekt in ein Gotteshaus in angemessene Kleidung geht, ist wohl nur unter einer winzigen Zahl von Muslimen umstritten. Die Mehrheit der Männer wird wohl nicht mal auf die Idee kommen in Shorts in die Moschee zu gehen, ebenso wenig wie eine Muslima nicht ihren Körper samt Kopf bedecken würde, wenn sie zum Gebet geht.

An dem Punkt ist es schon aus mit meinem Einverständnis mit Frau Ates.  Und was ich höchst befremdlich finde ist ihr Anspruch „den Islam reformieren“ zu wollen. Sie mag gläubig sein, eine im Islam gebildete Person ist sie nicht, auch wenn sie jetzt kürzlich angefangen hat, Arabisch zu lernen und vor hat (!), Islamwissenschaften zu studieren! Dass sie schon davon träumt „Imamin“ zu sein, zeugt für mich eher von Geltungssucht als von Frömmigkeit. Einer Gemeinde vorzubeten ist eine hohe Verantwortung und kein Privileg! Warum nicht erst einmal die eigene Religion kennen lernen, bevor man sich zur „Lutherin“ aufschwingt?

Frau Ates möchte „liberalen“ Muslimen einen Ort geben. Nun, „liberal“ ist bei mir kein positiv besetzter Begriff, ich denk dabei an die Partei mit den drei Pünktchen, für die „Liberalität“ bedeutet, einer zügellosen Geldgier die Bahn frei zu machen. Das meint Seyran Ates vermutlich nicht, sondern sie findet dass ihr Verständnis vom Islam, ich zitiere:

Ich glaube an den liebenden, barmherzigen Allah und das positive Vorbild Mohammeds. Die Moschee soll zeigen: Unsere Religion besteht nicht aus Hass.

in den vorhandenen Moscheen nicht verbreitet wird. Ich weiß nicht, welche Moscheen sie besucht hat: ich habe in keiner Moschee je etwas anderes gehört, als das was sie dort sagt! Ich kenne keine Moschee, wie sie sie beschreibt:

Außerdem stellen traditionelle Imame oft nicht die Liebe zu Gott und den Menschen in den Vordergrund, sondern betonen immerfort das Trennende: zwischen den Geschlechtern, zwischen den einzelnen Strömungen des Islams, zwischen „uns“ Muslimen und den „anderen“ – den vermeintlich Ungläubigen.

Und mit diesen Äußerungen fördert sie doch genau das, was sie kritisiert: die Spaltung der Muslime! Sie unterstellt, dass nur ihre „Art“ von Muslimen, solche die sich säkular und/oder liberal nennen, für die Demokratie, für Toleranz, Gewaltfreiheit und Geschlechtergerechtigkeit sind!

Das ist gelinde gesagt Unsinn! Und ich glaube ehrlich gesagt nicht, dass die Gründer der „Ibn-Rushd-Goethe-Moschee“ das nicht wissen. Aber wir Muslime sollen nachsichtig sein mit unseren Geschwistern und immer das Beste von ihnen denken. Vielleicht meint Frau Ates, was sie sagt….allerdings muss man dann auch zitieren, wie sie über praktizierende Gläubige denkt:

Das Kopftuch ist die Flagge der Trennung der Geschlechter und der „Andersartigkeit“, sprich Minderwertigkeit der Frauen. Es teilt Mädchen und Frauen in gute und schlechte. Da hilft es auch nicht, wenn die Kopftuchträgerinnen immer wieder runter beten, Männer und Frauen seien vor Gott gleichwertig. Gleichwertig bedeutet eben nicht gleichberechtigt.

Ich will nicht zum tausendsten Mal erklären, wie umstritten das Kopftuch auch unter Muslimen und Musliminnen ist. Ich will nicht zum tausendsten Mal Suren zitieren und erklären, wozu das Kopftuch im 7. Jahrhundert diente. Und ich bin es leid, immer wieder zu erklären, dass das Kopftuch nicht aus Gottgefälligkeit, sondern dem Mann zum Gefallen getragen wird. Einer ganz besonderen Sorte von Männern. Männer, die ihre Triebe angeblich nicht kontrollieren können. Männer, die beim Anblick von weiblichem Haupthaar vom rechten Weg abkommen und sich nicht mehr auf das Gebet konzentrieren können. Sie sollen geschützt werden vor dem Sex-Appeal der ewigen Verführerinnen. Quelle

Frau Ates zieht hier im Blättchen der Islamhasserin Alice Schwarzer über Muslimas und Muslime her, die ihren Glauben praktizieren und spricht ihnen ihre Überzeugung ab, ja unterstellt ihnen, dass sie ihr Verhalten nicht auf Gott ausrichten, sondern nur anderen Menschen zu Gefallen handeln. Wie auch ihre „Schwester im Geiste“, Necla Kelek, verallgemeinert sie hier schlechte Erfahrungen, die sie selber gemacht hat. Sie urteilt – dabei ist sie doch Rechtsanwältin und nicht Richterin – über andere Menschen. Trotzdem: ich will gerade darum vorsichtig sein mit meiner Bewertung. Nur Gott kann ihre Motive beurteilen. Aber die Auswirkungen ihres Verhaltens, die kann ich darlegen.

Und was kommt heraus, bei diesem ganzen Gerede um einen kleinen Gebetsraum, in dem, wie in allen „echten“ Moscheen, jeder Gläubige willkommen ist? Ein Medienhype der alle demütigen Muslime, die nur Gott fürchten und deshalb sich auch nicht verstecken mit ihrer Überzeugung, als zurückgeblieben, demokratiefeindlich und womöglich dem Terrorismus nahestehend verunglimpft.  Als ob gläubige Menschen nicht sowieso schon mit vielen Schwierigkeiten in einer Gesellschaft kämpfen, die zunehmend vom Glauben an Gott abgebracht werden soll, egal ob man das auf jüdische, christliche oder muslimische Art tut! Wahrhaft Gläubige haben einen Gerechtigkeitssinn und wissen, dass das Leben mit dem Tod nicht endet, sondern dass sie Rechenschaft ablegen werden für ihre Taten, egal in welcher der großen Religionen.

Das macht sie widerspenstig gegenüber Unrecht, das auf dieser Welt geschieht und unbequem. Solche Menschen können Imperialisten und Kapitalisten nicht gebrauchen. Was dieses System will, sind stumpfsinnige Konsumenten und Arbeitskräfte, keine Persönlichkeiten die um ihren menschlichen Wert wissen und ihre Würde wahren wollen. Der Glaube an Gott macht die Menschen frei – wahrscheinlich muss man sie genau deshalb als unterdrückte, dumme und ungebildete Schafe verunglimpfen, weil ihre Freiheit womöglich ansteckend sein könnte?!

Übrigens habe ich persönlich noch keine Moschee erlebt, die irgend jemanden ausgrenzt, der dorthin kommt um  zu beten. Nicht mal bei den Salafisten, als ich mich mal „verirrt“ hatte, hat man mich rausgeworfen, als ich meinen Gebetsstein auspackte. Wir brauchen keine Moscheen für Homosexuelle, weil es im Gebet niemanden interessiert, mit wem der Gläubige schläft und weil uns die Sünden anderer erstmal nichts angehen, schon gar nicht wenn wir uns gerade im Gebet vor Gott demütigen und für unsere eigenen Sünden um Verzeihung bitten. Kein Muslim soll doch mit seinen Sünden hausieren gehen, wir gehen nicht in die Moschee und verkünden laut, was wir gerade alles Schlimmes getan haben – und zu den großen Sünden gehören auch im Islam unerlaubte sexuelle Handlungen. Damit brüstet sich niemand in der Moschee, sondern damit setzt sich ein jeder und eine jede  trotzdem Gläubige in  ihrem eigenen Gebet auseinander. Woher sollen also andere Betende in der Moschee wissen, was ein Mensch außerhalb anstellt?

Sicher gibt es was zu verbessern in den Moscheen. Und die von den „Liberalen“ so gescholtenen Dachverbände können sicher an der einen oder anderen Stelle ihre Gemeinden mehr unterstützen, sich in vielen Bereichen ihrer Tätigkeiten weiterzuentwickeln. Aber kundige Vorbeter hat jede Gemeinde. Da braucht sich niemand zum „Imam“ oder zur „Imamin“ aufschwingen, der oder die mal gerade das Gebet erlernt hat.

Ates´Mitstreiter, Abdel Hakim-Ourghi, kritisiert übrigens „Selfmade-Imame“. Als „echter“ Islamwissenschaftler hat er aber anscheinend keine Probleme mit seiner „Selfmade-Imamin“. Es wundert auch, dass jemand der doch den Islam studiert hat, nicht in der Lage ist, „Problemverse“ historisch einzuordnen und der eine sehr einseitige Auslegung verbreitet, indem er behauptet, dass der Islam zur Ermordung von Nichtmuslimen aufruft und Frauen benachteiligt. Selbst eine Laiin wie ich, ist in der Lage zu verstehen, in welchem Kontext solche Stellen zu verstehen sind – Ourghi anscheinend nicht. Und auch er behauptet von sich ein Muslim zu sein und will jetzt eine „Moschee“ gründen.

Ich denke, wissentlich oder unwissentlich werden hier Marionetten eingesetzt, die einen dem Zeitgeist konformen Islam verbreiten sollen. Aber Gott ist unabhängig von unseren menschlichen Verwirrungen und hat uns ein Buch und Vorbilder gegeben, die uns in allen Zeiten anleiten. Das heißt nicht, dass wir heute herumlaufen müssen wie vor 1400 Jahren und auf Kamelen reiten. Im Gegenteil, der Quran betont immer wieder, dass wir unseren Verstand benutzen und uns weiterentwickeln sollen. Haltlos einem Zeitgeist nachlaufen, der uns zu stupiden Konsumenten machen soll, ist aber keine Weiterentwicklung.

Interessant ist übrigens, dass einer der Gesellschafter (ja, richtiger Ausdruck, denn die Rechtsform ist eine gGmbH) der „Ibn-Rushd-Goethe-Moschee“,  Mimoun Azizi, sich von dem ganzen Verein losgesagt und ein Buch über seine Erfahrungen angekündigt hat. Ich bin gespannt.

Soweit für jetzt. Das Thema wird uns wohl noch länger beschäftigen. Wir haben ja auch keine wirklichen Probleme auf der Welt.

Hier noch eine Stellungnahme des höchsten schiitischen Gelehrten in Europa, Ayatollah Ramezani vom Islamischen Zentrum Hamburg, der sehr viel deutlichere Worte als ich sagen kann, da er sehr viel besser durchschaut, welchen Zweck diese „Moschee“ verfolgt.

Stellungnahme von Ayatollah Dr. Reza Ramezani zur Gründung der liberalen Moschee in Berlin

Im Namen Gottes, des Gnädigen, des Barmherzigen

Nach der Veröffentlichung der Nachricht über die Eröffnung einer „anderen“ neuen Moschee in der deutschen Hauptstadt Berlin hat der Vorsitzende der schiitischen Theologen und Wissenschaftler Europas, Ayatollah Dr. Reza Ramezani, bei der Preidigt zum Freitagsgebet in Hamburg Stellung bezogen. Wie die deutschen Medien berichten, gehört dieses Zentrum, die so genannte Ibn-Rushd-Goethe-Moschee, den liberalen deutschen Muslimen. Das Freitagsgebet wird in dieser Moschee angeführt von einer Frau ohne die entsprechende islamische Bekleidung. In diesem Zentrum beten neben den Männern, Frauen ohne Kopfbedeckung. Auch Homosexuelle sind eingeladen, an den Zeremonien teilzunehmen. Die Verantwortlichen dieses Zentrums sagen, dass sie diesen Ort errichtet hätten, für alle Menschen, die sich in den anderen Zentren und Moscheen nicht sicher und wohl fühlen. Sie bezeichnen dies als eine Gegenbewegung zu den konservativen und extremistischen Muslimen.
Als Reaktion auf die Gründung dieser sogenannten Moschee verurteilte der Imam und Leiter des Islamischen Zentrums Hamburg diese Bewegung und sagte: „Zu meinem Bedauern hat mich die verwunderliche Nachricht über die Gründung der „anderen, schädigenden Moschee“ im Herzen Europas erreicht. Obwohl es zunächst wie ein schlechter Witz zu Kosten der Heiligtümer aussah, brachte jedoch deren Widerhall in den Medien die bittere Wahrheit dieser Bewegung ans Licht. Wir bezeichnen diese fragwürdige Aktion als eine gemanagte Bewegung zur Verunglimpfung und Beleidigung des Islams, der Muslime und den Heiligtümern der Religionen. Diese machen sich über den Islam und der Scharia lustig. Wie kann jemand, der keine Bildung in den religiösen und islamischen Lehren und kein Studium an einem religiösen Zentrum oder theologischen Hochschule hatte, die religiösen Angelegenheiten übernehmen und ein Ort Moschee nennen, und dabei alles, was ihm gefällt, im Namen des Islams der Welt präsentieren. Es liegt klar auf der Hand, dass die Leiter dieser fragwürdigen Bewegung unreligiöse Ziele verfolgen. Leider haben auch andere Konfessionen ihre Unterstützung von der Gründung eines solchen Zentrums bekundet, was wiederum einem zu bedenken gibt, wie sie plötzlich die Unterstützung der Muslime zum Bau von Moscheen als ihre Pflicht bezeichnen.“
„Wir Muslime sind der Ansicht, dass die Moschee das Haus Gottes ist, und dass die Anwesenheit an diesem heiligen Ort, wie auch andere heilige Stätten, wie Kirchen oder Synagogen, seine besonderen Rituale hat, die auch eingehalten werden müssen. Daher verkünden wir, dass die Würde der Moschee eingehalten werden muss, und deren heillige Stellung nicht mit Devitationen und Verunglimpfungen besudelt werden dürfen. Imam Hassan Mojtaba sagt über die Eigenschaften derjenigen, die mit der Moschee in Verbindung sind: „Jeder, der regelmäßig zur Moschee geht, wird von folgenden Zeichen nutzen ziehen: 1. Aufrichtige Zeichen (Verständnis der göttlichen Zeichen), 2. Nützliche Freundschaften, 3. Neue Kenntnisse, 4. Erhoffte Segen, 5. Worte, die ihn auf den rechten Weg leiten, 6. Worte, die ihn vor Erniedrigungen bewahren, 7. Distanzierung von Sünden, aus Scham vor Gott, 8. Distanzierung von Sünden, aus Furcht vor Gott.““
An einer anderen Stelle seiner Rede sagte Ayatollah Dr. Reza Ramezani: „Wir haben des Öfteren in unseren Reden angekündigt, dass der Islam sowohl eine Religion der Logik, Spiritualität und Gerechtigkeit ist, als auch auf der Scharia basiert, deren endgültigen Verordnungen bis zum jüngsten Tag unabänderlich sind. Gemäß der Scharia steht das Pontifikat einer Frau für Männer und Frauen im Widerspruch zu den Verkündungen der schiitischen und sunnitischen Gelehrten, außerdem ist eine notwendige islamische Bekleidung während des Ritualgebets verpflichtend. Des Weiteren ist eine angemessene Bekeidung der mulimischen Frauen gegenüber fremden Blicken vorgeschrieben. Eine Frage, die hier auftaucht, ist, wie diese sogenannten „Muslime“ mit den Versen der Sure al-Noor über die islamische Bekleidung (Hijab) umgehen wollen? Aus welchen Lehren des geehrten Propheten haben sie ihre neuen Regeln für das Ritualgebet entnommen? Nach welcher Grundlage haben sie die Rituale zum Betreten einer Moschee geändert? Nach welchem göttlichen Gebot wird angekündigt, dass die Präsenz derjenigen, die praktisch unzüchtige Taten begehen, in dem Gebäude, das sie „Moschee“ nennen, erlaubt ist? Solche Aktionen sind im klaren Widerspruch zu den eindeutigen Versen des Qur’ans und der Tradition des Propheten. Obwohl die Feinde des Islams es gern sehen würden, dass die islamische Scharia – genauso wie die anderen Religionen, die aufgrund verschiedener Abwege ihre Mission verloren haben – durch solche Taten auf Abwegen gerät und dekadent wird, sollten sie wissen, dass die Gebote Gottes und die islamische Scharia nicht so leicht auf Abwege zu bringen ist. Es steht jedem natürlich frei, unter welchem Namen auch immer, ein Tempel zu errichten und ähnliche Taten und Rituale, wie die anderen Religionen, zu verrichten, doch es darf nicht im Namen des Islams Taten vollbracht werden, die im Widerspruch zum Islam stehen.“
Ayatollah Dr. Reza Ramezani sagte als Antwort darauf, dass diese Personen ein Ort zur Bekämpfung von Extremismus und Terrorismus suchen: „Ist der Weg zur Bekämpfung von Extremismus die Entstellung des Islams und der Scharia des Propheten? Warum versucht ihr mit der Verunglimpfung der Heiligtümer und der göttlichen Gebote, die Gefühle der Muslime zu verletzten, anstatt die Handlanger der Verbreitung von Gewalt und Extremismus auf der Welt, die dann durch den Verkauf von Waffen enorme Profite erzielen, aufzuspüren? Wir verkünden hier ausdrücklich, dass die Türen der Moscheen für jeden aus jeder Religion und Konfession geöffnet sind. Jedoch müssen die Rituale und Traditionen, die in den Qur‘anversen und Überlieferungen verankert sind, respektiert und eingehalten werden. Diese fragwürdige Aktion, die unter keinen Umständen zu entschuldigen ist, ist eine Verunglimpfung der Heiligtümer der Religionen und steht im Widerspruch zu den Gebetsritualen des Islams. Die Muslime und insbesondere die religiösen Gelehrten müssen auf einer angemessenen und legitimen Weise ihren Einspruch zu dieser Aktion verkünden. Wir fordern den Koordinationsrat der Muslime (KRM), die Schiitische Gemeinschaft Deutschlands (IGS), die Islamischen Räte der Bundesländer, die islamischen Fakultäten, Islamwissenschaftler, Moscheen und deren Imame, und alle Brüder und Schwester auf, dieser Beleidigung nicht tatenlos zuzusehen und ihre Abneigung zu verkünden, damit dieser Schandfleck nicht auf den Namen der deutschen Muslime und deren Vertreter beruht.“

 

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Hier habe ich übrigens noch einen alten Beitrag über Seyran Ates recycelt: Braucht der Islam eine sexuelle Revolution

#NichtMitUns #Ohnemich – Warum?

Im Namen Gottes, des Erbarmers, des Barmherzigen

Am 17.6.2017 findet in Köln ein „Ramadan-Friedensmarsch“ statt, unter dem Motto „Muslime und Freunde gegen Gewalt und Terror“.

Ich geh nicht hin.

Warum nicht?

Wo es doch gegen „Extremismus, Terrorismus, Krieg und Diktatur“ geht!

Natürlich bin ich gegen das alles. Nur: einfach nur „wir lieben die Freiheit und die Demokratie und wir lassen uns nicht spalten“ – „bitte nur Friedensbotschaften, keine politischen Statements“ – das ist nicht genug.

Wir haben seit vielen Jahren einen „Ramadan-Friedensmarsch“, nämlich den „Al-Quds“-Tag, den internationalen Jerusalemtag! Und auf dieser Demonstration, die weltweit stattfindet, werden die Förderer und Profiteure des Terrors beim Namen genannt! Und das muss auch sein!

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Förderer und Profiteure des sogenannten „islamistischen Terrorismus“ sind die USA und „Israel“ – der „Staat“ der schon auf Terror gegründet wurde. Und damit meine ich nicht, den Völkermord an den europäischen Juden, der natürlich ein grauenhaftes Verbrechen war und der für einige Juden der Grund war, nach Palästina auszuwandern. Auch weil andere Länder die Flüchtlinge nicht aufnehmen wollten. Aber der Zionismus – die rassistische Ideologie, die dazu führte dass Palästina einer ethnischen Säuberung von seinen Bewohnern unterzogen wurde, den gab es schon vor dem Holocaust und die Palästinenser konnten nun einmal nichts für die Verbrechen unserer deutschen Vorfahren. Ihre Vertreibung war von langer Hand vorbereitet und wurde mit den Mitteln des Terrors und Völkermordes umgesetzt. Ich empfehle allen dazu „Die ethnische Säuberung Palästinas“ von Ilan Pappe (einem jüdischen Historiker) zu lesen, der das anhand vieler auch israelischer Dokumente sehr detailliert beschreibt.

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Eine pdf mit dem Vorwort des Buches gibt es übrigens  hier. 

„Staat“ steht übrigens bei mir im Zusammenhang mit Israel in Anführungszeichen, weil nach meinem Verständnis zu einem Staat auch Staatsgrenzen und eine Staatsbürgerschaft gehören. Israel akzeptiert aber keine Grenzen, sondern strebt gegen jegliches Völkerrecht nach ständiger Expansion. Einerseits beruft es sich mit seinem „Existenzrecht“ darauf, dass es schließlich seine Legitimation von der UNO erhalten hat. Andererseits ist ihm die lange Liste der UN-Resolutionen für das Rückkehrrecht der vertriebenen Palästinenser, gegen die Besatzungs- und Siedlungpolitik schnurzegal. Und es gibt keine israelische Staatsbürgerschaft – tatsächlich. Man kann einen Pass vom „Staat“ Israel bekommen – darin steht dann aber die Religion (und keine israelische Staatsbürgerschaft) vermerkt – „Jude“, wenn man Glück hat, denn dann hat man alle Rechte. Bei anderen gelten diese nur bedingt.

Dieser „Staat“ also, in bester Eintracht mit dem Imperium der USA, fördert den sogenannten „islamischen“ Terrorismus nach Kräften. Die USA, die scheinbar gegen den „Islamischen Staat (IS)“ – besser „Daesh“ – kämpfen, richten in Wahrheit in Syrien und im Irak genauso viel oder mehr Schaden an, als diese Mörderbanden. Sie setzen Giftgas ein (wofür sie gerne die Verteidiger dieser Länder beschuldigen), sie nutzen andere illegale Waffen wie weißen Phosphor – und hin und wieder bombardieren sie mal „versehentlich“ einen Militärkonvoi derjenigen, die tatsächlich, unter hohem Risiko ihr Leben dabei zu verlieren, den Terror bekämpfen. Israel – sonst nicht gerade für Humanität bekannt, behandelt in seinen Krankenhäusern verletzte Daesh-Terroristen.

Eine sonderbare Allianz von angeblichen Terror-Bekämpfern aus den USA, Israel und Saudi-Arabien hat sich gebildet. Die USA, die Gruppierungen wie Al-Qaida und die Taliban immer gerne  zu ihren Zwecken benutzen, um sie dann halbherzig zu bekämpfen – besser „ein wenig in ihre Grenzen zu weisen und ihnen zu zeigen wer der wahre Herr im Haus ist“, mit Saudi-Arabien, das doch eigentlich für den Terror des „9/11“ verantwortlich sein soll und das seine kaltherzige, unterdrückerische Auslegung des Islam, die die „theologische“ Basis des sogenannten „islamistischen Terrors“ birgt, in alle Welt streut und mit Israel, das doch Hass gegen die Muslime sät, indem es sie allesamt des Terrorismus und Antisemitismus beschuldigt. So als ob es nicht selber seine rassistische zionistische Ideologie eines „Groß-Israel“ mit dem Judentum gleichsetzt.

Man kann nicht den Terror bekämpfen, ohne seine Unterstützer bloß zustellen. Natürlich muss man der wahabitischen/salafistischen Ideologie auch theologisch entgegentreten. Und das tun Muslime und ihre Gelehrten aller Rechtsschulen schon längst.

Und auch das „Wir lassen uns nicht spalten“ lebt auf dem Quds-Tag schon längst!

„Muslime, Juden und Christen – gemeinsam gegen Zionisten“ heißt es dort jedes Jahr. Keine der monotheistischen Religionen duldet Unterdrückung, genauso wenig wie gerechtigkeitsliebende Menschen anderer, oder ohne Religion diese dulden.

Für mich ist dieses #NichtMitUns – Entschuldigung – zu wischiwaschi.

Eingeladen dazu hat übrigens Lamya Kaddor vom „Liberal-islamischen Bund“, die gerade einen Vortrag in Bremen gehalten hat. Zu dem ich auch gerne noch was schreiben möchte, aber das wird jetzt für diesen Beitrag zu lang.