Wandertag: Von Ilıca nach Evrenköy (und zurück)

Endlich ist es so richtig Frühling geworden hier an der türkischen Riviera. Wir haben einen langen und sehr nassen Winter hinter uns gebracht und die Temperaturen sind auch längst nicht so, wie man es um diese Jahreszeit hier kennt. Aber jetzt ist es gerade sehr angenehm, um sich in der Natur zu bewegen. Ich laufe auch im Winter normalerweise viel, aber in diesem Jahr ging das ja gar nicht, weil es viel zu nass und matschig war.

Aber vergessen wir das und freuen uns an dieser Jahreszeit, bevor die ganz große Hitze kommt! Dann mag man sich nämlich tagsüber kaum bewegen. Ich war heute alleine unterwegs und bin einen Weg gegangen, der hier im Wanderblog des GEM-Dernek beschrieben ist (Weg Nr.1). Der GEM-Dernek ist ein Verein in Manavgat, der Ausländer unterstützt, sich hier in der Türkei zurechtzufinden und der Treffen und Unternehmungen anbietet. Ich verlinke Verein und Blog mal in meine Seitenleiste.

Ich liebe die Beschreibungen im Wanderblog und hab mir das einfach ausgedruckt…Die sind nämlich so in der Art: „Vor der Brücke (ohne Geländer), rechts in den Feldweg abbiegen….“. Ich brauch solche Ansagen, denn mein Hirn streikt bei Aussagen wie sie das Navi gerne macht: „Richtung Norden….“.

So hab ich mich gut zurechtgefunden. Durch das Örtchen Ilıca geht es los ins Dorf Evrenköy, dort kann man das Nomadenmuseum besichtigen und dann geht es durch die Natur- und Kulturlandschaft, durch Obst-, Oliven- und Palmenplantagen wieder zurück nach Ilıca. Nach Ilıca kommt man leicht mit dem Dolmuş. Und es grünt und blüht jetzt, so schön!


Natürlich hab ich wieder Fotos gemacht. Ich hab mir ja in diesem Jahr mal eine ordentliche Kamera zugelegt. Kann sein, dass Profis einiges auszusetzen haben an der Qualität – ich bin nämlich absolute Laiin und hab außerdem echt schlechte Augen, aber im Vergleich zu Handyfotos sehe sogar ich den Unterschied. Leider war die Sicht auf das Gebirge heute nicht so toll – etwas diesig.

Moschee in Ilıca
Babyschildkröte getroffen, 🙂

Im liebevoll gestalteten Nomaden-Museum (Yörük Müzesi) bekommt man einen Eindruck von der nomadischen Kultur, die die Region um Antalya lange Zeit geprägt hat (das war die Phase vor der touristischen Kultur…)

Das Museum hat täglich von 8:30 bis 17:30 geöffnet, der Eintritt ist frei, Spenden werden gerne genommen. Es gibt eine Führung in türkischer Sprache und eine kleine Broschüre auch in Deutsch.

Die Adresse ist: Evren mah. Küme evleri No. 8 Manavgat/Antalya

Die Telefonnummer lautet: 0242 7476020

Ich bin ungefähr 12 km gelaufen, sagt mein Schrittzähler, der reine Wanderweg dürfte so um die 10 km haben und ist leicht zu bewältigen, mit ein paar Feldwegen eben, also nicht kinderwagenfreundlich. Ich hoffe, mein Bericht hat Euch gefallen und Lust darauf gemacht, die Gegend um Side mal zu erkunden – sprich (das richtet sich an die AI-Touristen) auch mal das Hotel zu verlassen und sich in die Landschaft zu trauen.

Reisevorbereitungen: Mit dem Auto nach Hause in die Türkei (und noch ein wenig Bürokratie)

Nachdem ich mich durch den bürokratischen Dschungel gequält habe – es gab noch ein paar Telefonate mit verwirrten Krankenkassen-Mitarbeitern und Versicherungen – laufen jetzt die Vorbereitungen für die Autofahrt von Kassel nach Side. Am Sonntag wollen mein Mann und ich starten und die erste Tagesetappe soll bis Budapest führen, da wollen wir zwei Übernachtungen einlegen. Eigentlich nur 1,5 Übernachtungen, denn Dienstag soll es in aller Frühe weitergehen um möglichst hinter die türkische Grenze zu kommen. Ca. 3100 km liegen vor uns.

Gerade zerlegen wir ein paar Möbel die mitreisen sollen. Es gibt ja sehr schöne und günstige Möbel in der Türkei zu kaufen, aber wir haben hier noch ein paar gut erhaltene Kommoden aus Massivholz aus einem Nachlass, die zu den Betten passen, die mein Mann schon letztes Jahr mitgenommen hat. Auch ein Vertiko für das Wohnzimmer ist dabei, da suche ich schon lange was Passendes und hab nichts gefunden. Das braucht dann aber einen Anstrich, da „Kiefer natur“ nun so gar nicht in mein Wohnzimmer passt. Dazu muss noch einiger Kleinkram aus meiner aufgegebenen Wohnung mit und natürlich ein paar lebenswichtige Sachen, die ich in der Türkei nicht bekomme, :-D. Ich zittere ja ein wenig vor der Fahrt mit dem betagten Auto meines Mannes, das ich immer „das Schiff“ nenne. Es ist nicht unbedingt ein Fahrzeug nach meinem Geschmack, zu viele PS. Hat aber sowohl Autogas als auch Benzinantrieb, was echt viel Geld spart. Ich werde von der Fahrt inschaAllah berichten. Vermutlich wird man uns an ein paar Grenzen ärgern und wir müssen alles ausräumen, jedenfalls hat mein Mann im letzten Jahr diese Erfahrung gemacht. Man wollte ihm einfach nicht glauben, das unter dem ganzen Hausstand den er geladen hatte, kein Fernseher dabei war….

Was die Bürokratie-Überreste angeht: bei der Krankenkasse herrschte ein wenig Verwirrung, über den Bestand meiner Versicherung. Aber man hat mir inzwischen zweimal schriftlich bestätigt, dass ich auch weiterhin in Deutschland meine Karte der Krankenkasse benutzen kann, wenn ich mich zwischendurch hier aufhalte, was ja alle paar Monate der Fall ist. Meinen „T/A 20“ habe ich schon erhalten und werde ihn dann übernächste Woche bei der SGK in Manavgat einreichen. Geärgert habe ich mich über eine Zahn-Zusatzversicherung, die mir zwar keine Leistungen in der Türkei bezuschusst, mich aber auch nicht vor Jahresende aus dem Vertrag entlässt. Wäre ich gar nicht mehr Mitglied bei einer deutschen Krankenkasse wäre das anders, aber ich bin ja pflichtversichert als Rentnerin. Bei einer anderen Zusatzversicherung ging das unproblematisch. Der ADAC bietet mir auch keine „Plus“-Mitgliedschaft mehr, also hab ich gekündigt.

Die Anwartschaft für die deutsche Pflegeversicherung kostet mich ca. 15€ im Monat, das soll es mir wert sein. Dadurch habe ich sofort Ansprüche, sollte ich zurück nach Deutschland ziehen. Und es fällt ja der Beitrag zur Pflegeversicherung bei der Rente weg.

Manavgat: Türkbeleni eröffnet

In Manavgat, unserer Kreisstadt, wurde der (oder das?) „Türkbeleni“ eröffnet, das ist eine große neue Parkanlage, oberhalb des künstlichen Wasserfalls, den alle Basarbesucher kennen.

Heute war ich spontan dort und bin mit einer Freundin dort oben eine ganze Weile herumgestrolcht. Wir haben lange noch nicht alle Wege und Möglichkeiten entdeckt, aber das war ja sicher nicht mein letzter Besuch dort. Es gibt viele kleine Cafes und Sitzecken, Spiel- und Kletteranlagen, Wasserspiele, Sportplätze, ein Freilufttheater, die Aussicht über Manavgat zum Meer und zu den Bergen ist atemberaubend. Eine kleine Moschee darf auch nicht fehlen, wenn die Gebetszeit gekommen ist. Man kann mit einer Art schrägem Aufzug hinauffahren, oder sogar mit dem Auto (Parkhaus vorhanden), wenn der Fussweg zu mühselig ist. Wenn erst die Bäumchen herangewachsen sind, wird es sicherlich auch angenehm schattige Plätzchen geben. Ich stelle mir vor, wie belebt es im heißen Sommer dort oben sein wird, vor allem Sonntags, wenn die türkischen Familien ihren Ausflug machen und es dort oben kühler sein wird als in der stickigen Stadt. Ich liebe es, sonntags in dieses Leben einzutauchen.

Ich hatte leider meine Kamera nicht dabei, darum gibt es nur Handybilder:

Das Eröffnungskonzert hab ich leider verpasst, das fand am 26.2. statt, bei Youtube gibt es Berichte dazu, z.B. hier. Eine Übersicht über all die tollen Anlagen zeigt auch dieser Film:
MANAVGAT TÜRKBELENİ BÜYÜLÜYOR

Herzliche Grüsse von der Bloggerin!

Morgens früh in Side

Nach dem Ausflug am letzten Wochenende bin ich leider krank geworden und hab vier Tage richtig flach gelegen. Gestern war ich dann zum ersten Mal wieder auf, musste aber einiges erledigen. Heute morgen wollte ich dann unbedingt als erstes einen Spaziergang am Meer machen. Also bin ich kurz vor 8 Uhr in den Dolmuş gestiegen und bis „Antik Side“ gefahren und von dort wieder nach Hause spaziert. Ein häufiger Weg, aber so menschenleer ist es selten. Es lohnt sich wirklich, mal früh aufzustehen.

Ein paar Einblicke:

Auswandern

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Mein größtes Geschenk: täglich aufs Meer gucken!

Salam, Hallo und Merhaba allerseits,

ich weiß nicht, wie viele Anläufe ich inzwischen gemacht habe um das Bloggen wieder aufzunehmen – zu viele jedenfalls, die praktisch sofort wieder eingeschlafen sind. Ich war einfach zu beschäftigt mit vielen anderen Dingen. Aber jetzt habe ich eine Entscheidung getroffen, über die es, so denke ich, einiges Interessante zu berichten gibt: ich werde ganz in die Türkei auswandern.

Also eigentlich bin ich ja schon ein Jahr überwiegend hier. Gestern hatte ich „Jahrestag“: Am 29.1.2018 bin ich hier eingezogen. Aber nun musste ich meine Wohnung in Bremen, die noch untervermietet ist, leider zu Ende März kündigen. Meine Untermieterin zieht aus, der Vermieter möchte auch keine neue Untermiet-Genehmigung erteilen. So muss ich mich leider von diesem wunderbaren Zufluchtsort trennen. Denn das war diese Wohnung für mich: 2015 hatte ich das  Glück in das ganz besondere Aalto-Hochhaus in Bremen zu ziehen, ganz nach oben in den 21. Stock. Ich habe diese Wohnung geliebt und sie kam zu einem Zeitpunkt zu mir, als ich mich von einer Trennung erholen musste und war genau das, was ich gebraucht habe.

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Aussicht aus dem Aalto-Hochhaus in Bremen

Aber nun, das Leben und die Liebe gehen weiter und bringt unerwartete Wendungen mit sich. Ich habe wieder geheiratet – auf islamische Art – und mein Mann hat vor einem guten Jahr diese Wohnung an der türkischen Riviera gekauft, in der ich jetzt lebe. Da er im Gegensatz zu mir noch im Berufsleben steht, führen wir eine Fernbeziehung, d.h. wir pendeln relativ häufig zwischen Deutschland und der Türkei und haben da inzwischen einen Rhythmus, mit dem wir ganz gut zurechtkommen. Wir haben viele Pläne für die Zeit, in der auch mein Mann in Rente geht, vor allem Reisepläne, aber das dauert wohl noch ein bisschen. Und auch wenn ich es schade finde, dass ich mich nicht mehr entschließen kann, in das Aalto-Hochhaus zurückzugehen, so bin ich doch auch froh, diese Verantwortung für die Wohnung dann nicht mehr zu haben.

Die Gründe, warum ich hergezogen bin, sind ganz persönliche: Ich liebe das Meer und wollte immer schon dort leben. Die Türkei ist mir natürlich einigermaßen vertraut, weil ich hier seit 15 Jahren schon viel Zeit verbracht habe. Ich bin aus gesundheitlichen Gründen vorzeitig berentet worden und hier geht es mir mit meiner Erkrankung sehr viel besser. Nach elf Jahren in denen ich immer Medikamente genommen habe, konnte ich das letzte im Oktober absetzen und komme seither ohne zurecht. Die Krankheit ist nicht weg, aber ich hab sie hier ohne Medikament genauso im Griff wie in Deutschland mit Medikament – eher ist es ein bisschen besser.

Ich mag die Menschen hier und ihre Gelassenheit, hier geht es viel entspannter zu. Was natürlich manchmal auch nerven kann, wenn man deutsche Effizienz gewöhnt ist. Und natürlich gibt es auch mal Probleme, aber insgesamt lebe ich hier in Ruhe vor mich hin und habe einen Lebensrhythmus der mir gut bekommt.

Manche fragen mich, ob ich ein „Erdoğan“-Fan bin, andere, ob ich denn gar keine Angst habe, weil doch in der Türkei eine Diktatur herrscht. Nun: weder noch. Ich sehe durchaus die Fortschritte die die Türkei in den letzten 15/16 Jahren mit dem jetzigen Präsidenten in seinen verschiedenen Funktionen gemacht hat, ich  bin eine große Kritikerin seiner Außenpolitik gewesen, als hier die Terroristen nach Syrien durchmarschiert sind, ich sehe Licht- und Schattenseiten und vieles bekomme ich nicht mit, da meine Sprachkenntnisse noch nicht ausreichen. Was ich aber sagen kann: ich sehe hier keine Leute die Angst haben, ihre Meinung zu sagen, im Gegenteil, schimpfen auf Erdoğan gehört täglich dazu. Überhaupt wird sich viel beklagt, da denke ich dann oft, ob sich die Leute nicht mehr erinnern, wie es vor 20 Jahren hier aussah?

Meine Auswanderung hat also weder politische, noch religiöse Gründe, außer dass ich natürlich sage, dass alle diese Aspekte nun mal zu meinem Leben gehören. Sie haben aber bei der Entscheidung keine große Rolle gespielt. Was allerdings das Religiöse angeht: auch in der Türkei gehöre ich einer religiösen Minderheit an, aber hier ist „Leben und Leben lassen“ angesagt. Die Toleranz ist hier eine ganz andere als in Deutschland.

So denke ich, ich kann vielleicht ein bisschen erzählen wie es mir hier geht, was Auswanderer so beachten müssen (wobei ich da selbst oft noch auf  Beratung von anderen angewiesen bin) und was ich so erlebe. Der Blog wird also wahrscheinlich ein bisschen persönlicher werden als früher zu Zeiten von „Meryems Welt“. Aber ich will die anderen Themen, die nichts mit dem Leben in der Türkei zu tun haben natürlich nicht weglassen.

Vermutlich wird es mehr kurze Beiträge geben als früher von mir gewohnt. Meine Energie zu ausgiebigen Recherchen zu Themen die mich interessieren verbrauche ich meistens in einem Minijob. Ich hoffe jedoch, dass es für meine Leser interessant wird.

Also: „Görüşürüz“ ( so ungefähr: Tschüß, wir sehen uns!)